Katholische Pfarrkirche Sankt Johann Baptist in Burtscheid

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Aachen
Kreis(e): Städteregion Aachen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Nordseite der barocken Pfarrkirche St. Johann Baptist in Aachen-Burtscheid (2015)

    Nordseite der barocken Pfarrkirche St. Johann Baptist in Aachen-Burtscheid (2015)

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  • Informationstafel an der Außenwand der Kirche St. Johann Baptist in Aachen-Burtscheid (2015)

    Informationstafel an der Außenwand der Kirche St. Johann Baptist in Aachen-Burtscheid (2015)

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  • Eingangsportal zur Pfarrkirche St. Johann Baptist in Aachen-Burtscheid (2015)

    Eingangsportal zur Pfarrkirche St. Johann Baptist in Aachen-Burtscheid (2015)

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  • Katholische Pfarrkirche St. Johann Baptist in Aachen-Burtscheid (2015)

    Katholische Pfarrkirche St. Johann Baptist in Aachen-Burtscheid (2015)

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  • Katholische Pfarrkirche St. Johann-Baptist in Aachen-Burtscheid und das angrenzende Abteigebäude (2015)

    Katholische Pfarrkirche St. Johann-Baptist in Aachen-Burtscheid und das angrenzende Abteigebäude (2015)

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  • Katholische Pfarrkirche St. Johann Baptist und  Westflügel der Abtei in Aachen-Burtscheid (2015)

    Katholische Pfarrkirche St. Johann Baptist und Westflügel der Abtei in Aachen-Burtscheid (2015)

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Die barocke Pfarrkirche Sankt Johann Baptist errichtete Johann Joseph Couven im zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts als Klosterkirche für die Benediktinerabtei Burtscheid.

Baugeschichte
Eine barocke Inschrift über dem Hauptportal erinnert an die Gründung der Abtei Burtscheid unter Kaiser Otto III. im Jahre 997.

Die Gründung geht auf einen Vertrauten Ottos III., den kalabrischen Mönch Gregor, zurück. 990 war Gregor mit Otto III. nach Aachen gekommen, wo er sieben Jahre später eine Kapelle errichtete, die er, aus Kalabrien mit byzantinischen Frömmigkeitsformen vertraut, dem heiligen Nikolaus von Myra weihte. Schon im darauf folgenden Jahr begann er mit der Errichtung eines größeren Gotteshauses für ein Kloster nach der Regel Benedikts von Nursia. Von dem romanischen Kreuzgang, der zur Mitte des 12. Jahrhunderts an die Kirche angefügt wurde, wurden einige Säulchen im barocken Gartenhaus der Abtei wiederverwendet. Von der frühromanischen Abteikirche sind hingegen keine Spuren erhalten. Auch ein gotischer Nachfolgebau aus der Mitte des 14. Jahrhunderts ist nicht mehr vorhanden. Er entstand aufgrund neuer liturgischer Bedürfnisse, nachdem die Abtei 1220 Zisterzienserinnen übergeben worden war.

Die heute bestehende Kirche entstand in den Jahren 1730 bis 1754 als vollständiger Neubau nach Plänen des Aachener Architekten Johann Joseph Couven im Auftrag der damaligen Äbtissin Anna Carola von Renesse. Aufgrund mehrerer Planänderungen sowie der aufwändigen, den Bau dominierenden Kuppel zog sich die Errichtung über fast zweieinhalb Jahrzehnte hin.

Mit der Besetzung Aachens durch französische Revolutionstruppen 1794 wurde die Zisterzienserinnenabtei aufgehoben. Das französische Militär nutzte den Innenraum mit der hohen Kuppel für Ballonversuche. Schließlich beschloss der erste Aachener Bischof Marc Antoine Berdolet, an der Kirche eine Pfarrei einzurichten.

Im Zweiten Weltkrieg brannte die Kirche bei einem Luftangriff am 11. April 1944 vollständig aus. Lediglich die Grundmauern blieben erhalten, während die Kuppel, der Turm und die Innenausstattung vollständig zerstört wurden. Das Äußere der Kirche konnte bis 1966 unter Leitung des Aachener Architekten Peter Salm wiederhergestellt werden. Bis in die achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts zog sich die Wiederherstellung des Innenraumes und der Ausstattung hin.

Baubeschreibung
Couven entwarf einen einschiffigen Bau mit Sichtziegeln und Gliederungen aus maasländischem Blaustein. Er wird von einer hohen, zentral angeordneten und an den Kanten abgerundeten Kuppel dominiert. Die Kuppel erhebt sich mit einem in die breite gezogenen Zuschnitt über einem Raum, den man als ein überdimensioniertes Querhaus bezeichnen könnte. Obwohl die Außenwände eine einfache Gliederung aufweisen, wirkt der Bau im ganzen sehr lebendig, was auf die abwechslungsreiche Dachlandschaft mit der Abfolge der laternenbekrönten Turmhaube, der Schiffbedachung, der gewaltigen, durch Luken und Mansardfenster belebten Kuppel und dem Dachabschluss des Chorbereiches zurückzuführen ist. Die Mansarddächer des kurzen Schiffes und des Chores sind dabei durch kleine Dachreiter akzentuiert, die zwischen Kirchturm und Kuppel vermitteln und östlich der Kuppel zum Chorrund überleiten. Auf diese Weise erreichte Couven trotz einer Vielgestaltigkeit in den Einzelformen eine Ausgewogenheit im Gesamterscheinungsbild.

Der Innenraum ist hingegen - ebenso wie das aufgehende Mauerwerk im Äußeren - von einer Klarheit im Aufbau und in der Gliederung geprägt. Der im Verhältnis zu Schiff und Chor weite und hohe Zentralraum dominiert das gesamte Innere. Doppelte, übereinander gestellte Pilaster tragen die Innenkuppel. Dahinter öffnet ein Triumphbogen den Blick zum Chorraum, der durch eine dichte Stellung von Pilastern und Bandrippen in der Apsiskalotte akzentuiert wird.

Mit der Kirche, die von einer Abfolge von Turm, Kuppel und Chor geprägt ist, schuf Couven eine zeitgemäß-barocke Interpretation des Aachener Domes, dessen Erscheinungsbild von einer ähnlichen Folge von Gebäudeteilen bestimmt wird.

Ausstattung
Das historische Rokoko-Inventar ist bei dem Bombenangriff 1944 vollständig zerstört worden, soweit es nicht, wie im Fall des Hochaltares, bereits im 19. Jahrhundert veräußert wurde. Der ehemalige Hochaltar befindet sich denn auch seit 1830 in der Pfarrkirche von Niewenhagen bei Heerlen in den Niederlanden.

Als Ersatz wurde 1979 ein Baldachinaltar aus dem Aachener Dom aufgestellt, eine Lütticher Arbeit des 18. Jahrhunderts, die Bischof Berdolet 1804 dem Dom gestiftet hatte. Sowohl hinsichtlich seiner Zeitstellung wie auch aufgrund des Umstandes, dass Berdolet zu Sankt Johann Baptist eine besondere Beziehung gepflegt hatte, fügt sich der Altar vorzüglich in den wiedergewonnenen Innenraum ein. In die Nischen der Abfasungen im Kuppelraum wurden 1969 Eichenholzskulpturen der zwölf Apostel eingestellt. Es handelt sich um in Bewegtheit und Gewanddrapierung qualitätvolle Arbeiten aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die in den Niederlanden nach italienischen Vorbildern entstanden sind. Ein weiteres Bildwerk des Barock, eine thronende Muttergottes aus der Zeit um 1700, ergänzt das nach dem Zweiten Weltkrieg neubeschaffte Barockinventar.

Neuere Arbeiten sind die dreimanualige Orgel, eine Stiftung des früheren Pfarrers Johannes Krischer aus Anlass seines goldenenen Priesterjubiläums 1959, sowie der Osterleuchter, eine Arbeit des Aachener Bildhauers Bonifatius Stirnberg aus dem Jahre 1971.

Ehemalige Abteigebäude
Nach den schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg ist von dem Abteigebäude aus dem 17. und 18. Jahrhundert nur noch ein Rest erhalten. Es handelt sich um den zweigeschossigen Kreuzgang mit Arkaden, welche mit maasländischem Blaustein gefasst sind. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde der Kreuzgang in das 1947 bis 1950 von Peter Salm errichtete Pfarr- und Gemeindehaus einbezogen. Erhaltene Nebengebäude der Abtei sind das Torhaus von 1644 und das Gartenhaus im Pfarrgarten, das wohl um 1630 bis 1640 erbaut worden ist. Die Südseite des zweigeschossigen Gebäudes ist durch eine Arkatur mit fünf Säulchen aus dem romanischen Kreuzgang akzentuiert.

Pilgerspuren
Die von dem Mönch Gregor im Jahre 997 errichtete Nikolauskapelle ist eine der ältesten Verehrungsstätten des heiligen Nikolaus im lateinischen Westen. Eine Ikone des Heiligen, die Gregor aus seiner kalabrischen Heimat mitgebracht hatte, ist eng mit einer populären Nikolauslegende verbunden: Ein reicher Mann habe diese Ikone in seinem Warenlager aufgestellt, damit der Heilige seine Habe vor Dieben schützt. Als das Warenlager dennoch leer geräumt wurde, verprügelte der Mann die zurückgelassene Ikone, um den Heiligen für sein Versagen zu bestrafen. Der heilige Nikolaus konnte diese Schmach indes nicht auf sich sitzen lassen und zwang die Diebe, das gestohlene Gut wieder zurückzubringen. Durch die Verknüpfung mit dieser populären Legende wurde die Ikone, welche für die Gläubigen des Mittelalters die Wirkungsmächtigkeit des Heiligen dokumentierte, zum wichtigsten Heiligtum in der Schatzkammer von Sankt Johann Baptist.

Der Kirchenschatz der früheren Abtei wurde im frühen 19. Jahrhundert von der Pfarrkirche übernommen. Im Unterschied zum Kircheninventar war er im Zweiten Weltkrieg ausgelagert worden und blieb erhalten. Nachdem 1349 der siebenjährige Turnus der Aachener Heiligtumsfahrt eingeführt worden war, suchten die Pilger auch Sankt Johann Baptist aufgrund des reichen Reliquienbesitzes auf. Der Schatz beinhaltet drei Büstenreliquiare, das Reliquiar Johannes des Täufers aus der Zeit um 1360 mit einer älteren Krone, die womöglich im Anschluss an eine Königskrönung im Aachener Dom der Abtei gestiftet wurde, das Laurentiusreliquiar aus der Zeit um 1700, sowie das Evermarusreliquiar, das um 1700 entstanden ist. Die letztgenannte Büste weist als Dekor vier große Jakobsmuscheln auf, als Hinweis darauf, dass der heilige Evermarus der legendarischen Überlieferung zufolge um das Jahr 700 eine Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela unternommen haben soll. Allerdings entspricht diese Überlieferung nicht den historischen Tatsachen, da das Apostelgrab in Santiago nicht vor 818 entdeckt worden ist.

Alte Stoffreste, die 1866 in einem kupfervergoldeten Rahmen zusammengefasst wurden, werden als weitere Windeln Jesu - neben den im Aachener Dom aufbewahrten - verehrt. Eine andere Stoffreliquie ist das Bußkleid der heiligen Margareta von Schottland, einer ungarischen Prinzessin und schottischen Königin, die von 1046 bis 1093 lebte. Es wird angenommen, dass Margareta das Bußkleid während des Fasttages trug, mit dem sie sich mittelalterlichem Herrscherzeremoniell entsprechend auf ihre Krönung zur Königin von Schottland vorbereitet hat. Schließlich gehören zum Reliquienbesitz von Sankt Johann Baptist Knochenpartikel und Gewandreste des heiligen Bernhard von Clairveaux.

Zu den Bestandteilen der Schatzkammer gehört das kostbare Äbtissinenkreuz, eine kostbare hochmittelalterliche Arbeit mit Filigranarbeiten, Edelsteinen und Perlen, die um 1230 kurz nach der Umwandlung der Abtei in einen Konvent der Zisterzienserinnen angefertigt wurde. Weiterhin enthält der Schatz Monstranzen, Altargerätschaften und Priestergewänder des 16., 17. und 18. Jahrhunderts.

(Christoph Kühn, im Auftrag des LVR-Fachbereichs Umwelt, 2012)

Literatur

Landschaftsverband Rheinland; Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft (Hrsg.) (2009)
Jakobswege. Wege der Jakobspilger im Rheinland, Band 1: In 8 Etappen von Wuppertal-Beyenburg über Köln nach Aachen/Belgien (4. Auflage). Köln.

Katholische Pfarrkirche Sankt Johann Baptist in Burtscheid

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Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1730 bis 1754
Koordinate WGS84
50° 45′ 46,93″ N, 6° 05′ 36,11″ O / 50.76303°, 6.09336°
Koordinate UTM
32U 295022.86 5627502.6
Koordinate Gauss/Krüger
2506631.31 5625289.3

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