Burg Kühlseggen

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Erftstadt, Weilerswist
Kreis(e): Euskirchen, Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 45′ 59,5″ N: 6° 50′ 19,7″ O 50,76653°N: 6,83881°O
Koordinate UTM 32.347.597,34 m: 5.626.089,18 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.559.220,61 m: 5.626.009,46 m
  • Burg-Kühlseggen in Euskirchen

    Burg-Kühlseggen in Euskirchen

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  • Die Zufahrt zu Burg Kühlseggen mit einem der Wirtschaftsgebäude (2025)

    Die Zufahrt zu Burg Kühlseggen mit einem der Wirtschaftsgebäude (2025)

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  • Ansicht der Burg Kühlseggen von dem den Wassergraben umrundenden Pfad (2025)

    Ansicht der Burg Kühlseggen von dem den Wassergraben umrundenden Pfad (2025)

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  • Burg Kühlseggen, Lithographie von Alexander Duncker (1850)

    Burg Kühlseggen, Lithographie von Alexander Duncker (1850)

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  • Weilerswist-Kühlseggen, Ortsansicht, Zeichnung von Renier Roidkin

    Weilerswist-Kühlseggen, Ortsansicht, Zeichnung von Renier Roidkin

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Die Wasserburg Kühlseggen liegt am nördlichen Ende des Weilerswister Feldes, einer Hochfläche, die im Westen von der Erft und im Osten von der Swist begrenzt wird. Die Burg lag in der Erftniederung nahe der Mündung der Swist. Das Herrenhaus geht im Kern auf die 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück. Um 1616 erfolgten Neubauten, die im 18., 19. und 20. Jahrhundert verändert wurden. Die zweiteilige Burg besteht aus Hauptburg, Vorburg und umgebenden Gräben. Der Vorburggraben ist verschüttet. Auf der Vorburg steht ein Halfenhaus von 1781 (mit Veränderungen des 19. und 20. Jahrhunderts). Zur Anlage gehörten eine Mühle, die südwestlich der Vorburg lag (um 1781) sowie ein vierflügeliger, kleiner Fachwerkhof vom Ende des 18. Jahrhunderts.

Geschichte der Burg
Gebäude
Ehemalige Mühle
Fachwerkhof
Hinweise, Links, Literatur

Geschichte der Burg
Die Ersterwähnung des Kölner Ministerialen Gobelin von Cudilsheggin ist für 1312 überliefert, damit auch für den namengebenden Adelsitz. Um 1351 gehörte die Anlage wohl Arnold von Umbescheiden, ebenfalls Kölner Ministerialer und Amtmann von Lechenich. 1368 wird Walraf Scheiffart von Merode als Eigentümer von Kühlseggen genannt. Bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts blieb die Familie der Scheiffart von Merode im Besitz der Burg, bevor diese durch Heirat an Goswin Brent von Vernich überging. Nach dem Tod von Goswins Sohn Walraf um 1518 ohne Nachkommen kam es zu langwierigen Erbstreitigkeiten um Burg Kühlseggen, die erst 1613 durch das Reichskammergericht zugunsten der Familie Raitz von Frentz entschieden wurden. Diese wiederum verkauften das kriegsbeschädigte und vom Verfall bedrohte Anwesen an den Kölner Bürgermeister Johann Monumet genannt von Bolandt. 1720 erwarb der jülichsche Vogt und pfälzische Hofrat Johann Anton Litz Burg Kühlseggen, jedoch wechselte in der folgenden Zeit das Haus rasch seine Besitzer und ging über den Kölner Jesuitenorden (1746) und das Kölner Erzstift (1773) an die 1777 gegründete Bonner Universität. Vor dieser wiederum ersteigerte Freiherr Heeremann von Zuydwijk 1781 die Burg. Seine Tochter und Erbin Josepha brachte Burg Kühlseggen 1836 mit in die Ehe zu Clemens Wenzelslaus Freiherr von Eltz-Rübenach, in deren Familienbesitz sich das Anwesen noch heute befindet.
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Gebäude
Der Ausbau zur zweiteiligen Burganlage mit Hauptburg, Vorburg und umgebenden Gräben begann vermutlich im 14. Jahrhundert, eine mögliche Vorgängeranlage (Motte) ist bislang nicht erweisen. Der südliche Graben um die Vorburg wurde im 19. Jahrhundert zugeschüttet.
Der zweigeschossige Backsteinbau des Haupthauses steht auf einem hohem Sockel, mit südlichem Treppengiebel, Satteldach und dreigeschossigem, südöstlichem Turm mit Schweifhaube aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. An der Westseite findet sich die Jahreszahl „1617“ als Maueranker als Hinweis auf die Erbauung des bestehenden Gebäudes. Spuren älterer, schmaler, zugesetzter Fenster sind im Erdgeschoss der Südwand zu finden. Teile des mittelalterlichen Bauwerks sind noch im Kern des Herrenhauses des 15. Jahrhunderts erhalten.
Im Nordgiebel des 19. Jahrhunderts finden sich an der Wand Reste des ehemaligen Nordflügels. Er ist in das Wohnhaus durch Verlängerung der nördlichen Hoffront integriert, mit einem gemeinsamen Satteldach.
Der neogotische Kapellenanbau von 1895 ist eingeschossig, mit einem historisierenden Treppengiebel an der Nordseite.
Im Norden schließt sich in T-Form ein neuer Backsteinanbau an, zweigeschossig mit Satteldächern über den Flügeln. Die Fenstergliederung wurde dem Haupthaus angeglichen.
Nach 1746 wurden größere Teile der ruinösen Anlage abgerissen. Es ist davon auszugehen, dass die Hauptinsel einst an allen vier Seiten bebaut war. Die Hauptinsel war ursprünglich durch einen zusätzlichen Mauerring gesichert. Die heute steinerne Brücke zur Vorburg ersetzte eine frühere Zugbrücke. An den beiden erhaltenen Torpfeilern des 17. Jahrhunderts sind noch deren Hebevorrichtungen zu erkennen.
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Das südliche Rundbogentor der Vorburg besteht aus Backstein, einst mit Giebel, aus dem 17. Jahrhundert. Es weist durch Lisenen gegliederten Pfeiler auf, Kämpfer und Halbkreisbögen mit Werksteingewänden und Stufengesimsen.
Die Gebäude der Vorburg wurden nach 1781 renoviert und vergrößert. Sie zeigen sich heute als rechtwinklige Anlage mit Stallgebäuden an der Süd- und Nordseite sowie die Scheune an der Westseite.
An der Ostseite steht das zweigeschossige Verwalterhaus aus Backstein, mit fünf Achsen und zweiflügeligen Stichbogenfenstern in Werksteingewänden. Die originalen Türen haben ein stichbogiges Oberlicht und Werksteingewände; darüber befinden sich je eine rundbogige Heiligennische. Im Winkel angebaut sind Wirtschaftsteile, ebenfalls aus Backsteinen.
Das Tor zum Herrenhaus flankieren zwei eingeschossige Ställe mit zweiteiligen Stalltüren in Werksteingewänden und Satteldächern.
Das rundbogige Vorburgtor im Süden der Vorburg flankieren zwei eingeschossige Bauten mit Satteldächern, Lisenen- und Blendbogengliederung.
Karten des 19. Jahrhunderts zeigen eine weit nach Norden reichende Parkanlage, mit umgebenden Wassergräben.
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Ehemalige Mühle
Südwestlich der Vorburg liegt ehemalige Wassermühle aus der Zeit um 1781. Sie befand sich ursprünglich direkt an der Erft. Das zweigeschossige Backsteinhaus besitzt ein Krüppelwalmdach, unterschiedlich breite Stichbogenfenster, zum Teil mit Werksteingewänden und Mauereisen. Das ursprüngliche Mühlrad ist nicht mehr erhalten.
An der Traufseite zur Vorburg hin ist mittig in rechtem Winkel eine zweigeschossige Fachwerkscheune des 19. Jahrhundert angebaut worden. Sie besitzt ein hausseitiges Krüppelwalm- und ein hofseitiges Spitzgiebeldach.

Fachwerkhof
Südöstlich von Vorburg liegt ein vierflügeliger, kleiner Fachwerkhof, vermutlich vom Ende des 18. Jahrhunderts. Das zweigeschossige Wohnhaus besteht aus Stockwerksbauweise auf einem Backsteinsockel, darüber ein Krüppelwalmdach.
An die westliche Hofseite wurde im Winkel angebaut ein eingeschossiger Backsteinstall in Fachwerk mit Satteldach, heute zu einer Wohnung umgebaut.
Im Winkel daran wurde eine zweigeschossige Fachwerkscheune mit Backsteinausfachung und Satteldach angebaut.
Ein weiterer zweigeschossiger Fachwerkteil mit Satteldach wurde ebenfalls im Winkel angebaut, um ein geschlossenen Viereck anzudeuten.
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(Christoph Kühn, im Auftrag des LVR-Fachbereichs Umwelt, 2012 / Claus Weber, Redaktion KuLaDig, 2026)

Hinweise
Burg Kühlseggen ist sowohl Baudenkmal (Gemeinde Weilerswist Nr. 1, LVR-Amt für Denkmalpflege, Nr. 2751) als auch Bodendenkmal (Gemeinde Weilerswist Nr. 2, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege Nr. EU 24).
Burg Kühlseggen ist wertgebendes Merkmal des Kulturlandschaftsbereichs „Liblarer Mühlengraben zwischen Haus Buschfeld und Burg Kühlseggen“ (Regionalplan Köln 147)

Internet
de.wikipedia.org: Burg Kühlseggen (abgerufen 6.7.2026)
www.ebidat.de: Hans-Jürgen Greggersen, Kühlseggen (abgerufen 6.7.2026)

Literatur

Dehio, Georg (2005)
Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen 1 Rheinland. S. 1171, Berlin (neubearbeitete Auflage).
Duncker, Alexander; Hansmann, Wilfried; Knopp, Gisbert (Hrsg.) (1981)
Rheinlands Schlösser und Burgen. (Hrsg. von Alexander Duncker 1857-1883, neu hrsg. und kommentiert Wilfried Hansmann und Gisbert Knopp, II. Kommentarband). (Publikationen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde, LXII.) S. 238-239, Düsseldorf.
Friedrich, Reinhard; Päffgen, Bernd (2007)
Mittelalterliche Burganlagen in Kölner Bucht und Nordeifel bis zum Ende des 13. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, IV.11.) S. 72, Bonn.
Gondorf, Bernhard (1984)
Die Burgen in der Eifel und ihrer Randgebiete. Ein Lexikon der "festen Häuser". S. 173, Köln.
Heidenbluth, Daniel (2001)
Mühlen im Bereich der Gemeinde Weilerswist. Folge 3: Vernich und Weilerswist. In: Weilerswister Heimatblätter, Heft 26/2001, S. 26-36. Weilerswist.
Herzog, Harald (1989)
Burgen und Schlösser. Geschichte und Typologie der Adelssitze im Kreis Euskirchen. S. 355–361, Köln.
Janke, Robert; Herzog, Harald (2005)
Burgen und Schlösser im Rheinland. S. 58–59, Köln.
Kisky, Hans (1960)
Burgen, Schlösser und Hofesfesten im Kreis Euskirchen. (Veröffentlichungen der Geschichts- und Heimatfreunde des Kreises Euskirchen e.V., A-Reihe, Heft 6.) S. 104, Euskirchen.
Kisky, Hans (1960)
Schlösser und Herrensitze im Rheinland. Nach alten Stichen und Vorlagen. (Burgen, Schlösser, Herrensitze, Bd. 15.) S. 103, Frankfurt a. M..
Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2007)
Jakobswege. Wege der Jakobspilger im Rheinland. Band 2: In 13 Etappen von Köln und Bonn über Trier nach Perl/Schengen am Dreiländereck von Deutschland, Luxemburg und Frankreich. Köln (3. Auflage).
Renard, Edmund / Clemen, Paul (Hrsg.) (1900)
Die Kunstddenkmäler des Kreises Euskirchen. (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 4.4.) S. 185–187, Düsseldorf.
Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.) (1974)
Nordöstliches Eifelvorland. Euskirchen. Zülpich. Bad Münstereifel. Blankenheim, Teil 1: Einführende Aufsätze. (Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, Band 25.) S. 172, Mainz.
Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.) (1974)
Nordöstliches Eifelvorland. Euskirchen. Zülpich. Bad Münstereifel. Blankenheim, Teil 2: Exkursionen. (Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, Band 26.) S. 17-18, Mainz.

Burg Kühlseggen

Schlagwörter
Ort
Weilerswist - Kühlseggen
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal und ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1312

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
Christoph Kühn (2012), Claus Weber (2026): „Burg Kühlseggen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-55286-20121010-3 (Abgerufen: 15. Juli 2026)
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