Teverener Heide

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Brunssum, Gangelt, Geilenkirchen, Landgraaf, Übach-Palenberg
Kreis(e): Heinsberg
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Offenlandflächen in der Teverener Heide (2010)

    Offenlandflächen in der Teverener Heide (2010)

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  • Sonnenaufgang in der Teverener Heide (2010)

    Sonnenaufgang in der Teverener Heide (2010)

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  • Moorsee in der Teverener Heide im Morgengrauen (2010)

    Moorsee in der Teverener Heide im Morgengrauen (2010)

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Den charakteristischen Reiz der Teverener Heide bildet die Abwechslung aus feuchten und trockenen, geschlossenen und offenen Landschaftsteilen. Bereits 1977 stellte man die Binnendünen und die Heidemoore unter Naturschutz. Heute ist das Schutzgebiet 450 Hektar groß und leistet mit seinen besonderen Lebensräumen seit 2001 einen Beitrag zum europäischen Netzwerk „Natura 2000“.

Mensch und Landschaft sind in der Teverener Heide in einer langen gemeinsamen Geschichte miteinander verbunden. Die prägenden Kiefernwälder, die offenen Heideflächen und die Seen entstanden, nachdem Menschen das Gebiet abholzten und zur Forstwirtschaft, als Schafweide und zum Kiesabbau nutzten. Im Laufe der Jahre ist so eine Kulturlandschaft entstanden, die auch für die Natur interessante Lebensräume bietet. Nur die wertvollen Heidemoore gingen von Anfang an ihren ganz eigenen, natürlichen Weg.

Im Landschaftsmosaik der Teverener Heide finden sich sehr spezielle Lebensraumtypen. Zu ihnen gehören feuchte und trockene Heiden, Binnendünen, Moore, nährstoffarme Seen und Reste seltener Waldtypen. Über 200 in Nordrhein-Westfalen bedrohte Tier- und Pflanzenarten finden hier ein Zuhause. Sie sind zum Großteil regelrechte Spezialisten, die sich an die besonderen Herausforderungen der Landschaft angepasst haben.

Moor
Moore gehören zu den wenigen Lebensräumen der Teverener Heide, die sich weitgehend unbeeinflusst vom Menschen entwickelt haben. Alles beginnt zum Ende der letzten Eiszeit mit dem Entstehen feuchter Senken, die durch Tonablagerungen abgedichtet sind. Sie sind ein günstiger Lebensraum für Torfmoose, die sich hier ansiedeln und den Grundstein zur Moorbildung mit einer ganz speziellen Flora und Fauna legen. Die Torfpakete, die über Jahrtausende entstanden, sind bedeutsame Archive der Landschaftsentwicklung.

Das Torfmoos wächst in feuchten Vertiefungen auf seinen eigenen abgestorbenen Resten, die eine Torfschicht bilden, immer höher. Auf trockeneren Buckeln dazwischen gedeiht Wollgras und Glockenheide. Erreicht das Moos die Höhe der Buckel, verliert es den Kontakt zum Wasser und fällt trocken. Aus dem früheren Buckel wird dagegen jetzt wieder eine nasse Vertiefung, in der sich erneut Torfmoose ansiedeln. So wächst das Moor ständig über sich selbst hinaus.

Moore wie das von Grund- und Regenwasser beeinflusste Zwischenmoor Wiggelewak bieten zur Blütezeit einen besonders schönen Anblick. Im Mai blüht das Wollgras, im Juli/August die Heide. Aber Vorsicht, Moore sind sehr sensibel. Trittschäden können selbst in Jahrzehnten nicht heilen – deshalb bitte nur vom Rand aus bewundern!

Heide
Die Heide, wie wir sie heute kennen, ist kein natürlich entstandener Lebensraum. Ursprünglich war das Gebiet mit einem Laubwald bedeckt. Erst Abholzung und Schafbeweidung führten dazu, dass die typischen offenen Heideflächen entstanden. Spezialisten der Flora und Fauna fanden auf den trockenen, sandigen und nährstoffarmen Böden genau die Lebensbedingungen, an die sie optimal angepasst sind.

Im Spätsommer, wenn die Besenheide in voller lilafarbener Blüte steht, kann leicht ins Vergessen geraten, wie schwer hier das Überleben ist. Nur mit der Hilfe eines Wurzelpilzes schafft es diese Pflanze, dem armen Boden ein paar Nährstoffe abzutrotzen. Sogar die Schafbeweidung macht sich die Besenheide zu Nutze: Das Anknabbern verjüngt ihre Zweige und es fällt wenig zu Boden, aus dem sich Rohhumus bilden könnte. Zu viele Nährstoffe verträgt sie nämlich gar nicht!

Offenland
Zum typischen waldlosen „Offenland“ gehört der Sand-Magerrasen. Ein lückenhaftes Polster mit trockenheitsliebenden Gräsern und Wildkräutern bestimmt das Bild, wie wir es an der ehemaligen Borger Kiesgrube sehen können. Nur Asketen, die sich auf diesen Lebensraum spezialisiert haben, können hier überleben. Zu ihnen gehören viele, zum Teil seltene Heuschreckenarten, Schmetterlinge, Wildbienen und Brutvögel.

Eine Besonderheit der Teverener Heide sind die Binnendünen, das heißt Dünen, die weit ab vom heutigen Meeresstrand abgelagert sind. Sie entstanden zum Ende der letzten Eiszeit, als das breite Urstromtal der Maas weitgehend trocken fiel. In der Folge blies der Wind die leichteren Sandkörner aus den Flussschottern heraus und lagerte sie in östlicher Richtung ab. So entstanden Binnendünen, die in der Teverener Heide bis zu fünf Meter mächtig sind.

Auch hier haben sich Spezialisten angesiedelt, wie zum Beispiel das Silbergras, das als Intensivwurzler auch bei Trockenheit an tief liegende Wasserreserven herankommt. Außerdem leiten seine Halme und Horste Tau- und Regenwasser zu den Wurzeln ab. Im Sommer kann das Silbergras Sandtemperaturen von bis zu 60° C aushalten.

Tonseen
Ton-, Kies- und Sandabbau bildeten bis in die 1990er Jahre einen wichtigen Wirtschaftszweig in der Teverener Heide. Als die Bagger abzogen, hinterließen sie große Abbaugruben. Dort, wo noch Tonlagen erhalten waren, die den Untergrund abdichteten, konnten sich Teiche und Seen bilden. In den Röhrichten und Ufersäumen finden Teichrohrsänger, Zwergtaucher und zahlreiche Libellenarten ein ideales Zuhause.

Der kleine Zwergtaucher ist auf das Röhricht am Gewässerrand angewiesen, in dem er sein Nest als schwimmende Insel aus Blättern und Stängeln anlegt. Zwergtaucher sind hervorragende Schwimmer und Taucher und verfolgen besonders im Winter auch Fische. Ihre Hauptnahrung besteht jedoch überwiegend aus Insekten. So stehen auch die Larven der Gemeinen Smaragdlibelle auf dem Speiseplan des Zwergtauchers. Die Libelle findet in der Verlandungszone aus Schwimmpflanzen und Röhricht ideale Bedingungen zur Eiablage. Zwischen Mai und August kann man sie auf ihren Jagdflügen beobachten.

Die Ufersäume sind ein empfindlicher Lebensraum, bitte nicht betreten! Zum Baden ist ein solcher See nicht geeignet.

Wald
Ursprünglich bestimmte ein Wald mit Eichen, Birken und Buchen das Bild der Teverener Heide. Als die Bevölkerung im hohen Mittelalter wuchs, ging es dem Wald an den Kragen: Man brauchte Brenn- und Bauholz, rodete große Flächen und ließ das Vieh dort weiden. Das Heidekraut, das sich nun einstellte, wurde mitsamt Boden abgeschält, als Streu in den Ställen und als Düngemittel verwendet. Der Boden verarmte, junge Triebe kamen nicht nach.

Im 19. Jahrhundert forsteten die Preußen die kahlen Flächen mit Kiefern auf. Sie kommen mit den kargen Böden gut zurecht. Durch die Bepflanzung mit nur einer Baumart war der Wald anfällig für Insektenbefall und Feuer. Mehrmals brannte fast der komplette Bestand ab.

Im Zuge der Durchforstungen der letzten 25 Jahre kommt mehr Licht an den Boden, sodass auch andere Arten hier Fuß fassen können und zur Entwicklung eines gesunden Mischwaldes beitragen. Auch Buchen, Stiel- und Traubeneichen wurden in den letzten Jahren vom Forstamt angepflanzt, um den Wald langsam wieder vom Nadelwald in einen naturnahen Laubwald umzuwandeln.

(Peter Niehoff, NABU Naturschutzstation Haus Wildenrath, 2012)

Teverener Heide

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 2009
Koordinate WGS84
50° 56′ 38,1″ N, 6° 01′ 44,9″ O / 50.94392°, 6.02914°
Koordinate UTM
32U 291303.77 5647791.35
Koordinate Gauss/Krüger
2502091.91 5645407.48

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„Teverener Heide”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-51554-20120718-2 (Abgerufen: 21. August 2018)
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