Schloss Biebrich in Wiesbaden

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Wiesbaden
Kreis(e): Wiesbaden
Bundesland: Hessen
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Das Schloss Biebrich, gelegen direkt am Rhein in einem nach Plänen des in Weilburg an der Lahn geborenen, späteren Münchner Hofgartenintendanten Friedrich Ludwig von Sckell angelegten englischen Landschaftspark, ist heute Hauptsitz des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen (LfDH).

Baugeschichte
In seinen Ursprüngen geht das heutige Schloss auf ein zweigeschossiges Gartenhäuschen des Fürsten Georg August Samuel von Nassau-Idstein zurück, das zu Beginn des 18. Jahrhunderts am Rand des damaligen Fischerdorfes Biebrich errichtet wurde. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Anlage stetig erweitert: Aus dem ursprünglichen Gartenhäuschen entwickelte man den heutigen Westpavillon, dem bald ein spiegelbildlicher Ostpavillon gegenüber gestellt wurde. Bis zum Ende des zweiten Jahrzehnts des 18. Jahrhunderts entstand eine zentrale Rotunde, die mittels zweier Galeriebauten mit den Pavillons verbunden war. Nach weiteren baulichen Ergänzungen sowie einer mehrjährigen Bauunterbrechung erfolgte bis 1733 der Innenausbau des mittlerweile so genannten „Rheinschlosses“. Bis 1736 wurde das Ensemble um einen Ostflügel erweitert, der als Marstall konzipiert war. Der korrespondierende Westflügel, auch „Winterbau“ genannt, der zwischen 1740 und 1744 angefügt wurde, diente hingegen als repräsentativer Wohnbau. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der barocke Schlossbau im Stil des Klassizismus modernisiert, heute erkennbar vor allen Dingen an der 1826/27 realisierten Freitreppe auf der Rheinseite der Rotunde.

Unter Herzog Adolf Wilhelm Carl August Friedrich von Nassau-Weilburg verlor Schloss Biebrich spätestens 1842 seine Funktion als Residenzschloss und Sitz der Landesregierung. Diese Funktion übernahm künftig das so genannte „Stadtschloss“ am Wiesbadener Markt, der heutige Sitz des Hessischen Landtags. Mit dem Ende der nassauischen Herrschaft im Jahr 1866 und der Annexion des Herzogtums durch Preußen verlor Schloss Biebrich auch seine repräsentative Bedeutung, verblieb aber in nassauischem Besitz. Das Schloss verkam in den Folgejahren zu einem exquisiten Möbellager, in dem das Interieur anderer, zwischenzeitlich veräußerter herzöglicher Liegenschaften gelagert wurde. Nach 1890 erfolgte der sukzessive Abtransport des wertvollen Mobiliars nach Luxemburg, da Adolf von Nassau in diesem Jahr zum Großherzog von Luxemburg ernannt worden war. 1934 übernahm der preußische Staat die weitgehend ungenutzte Anlage. 1945 erlitt der Ostflügel schwere Bombenschäden und auch die Ostgalerie brannte aus. In der Folge ließ die Stadt Wiesbaden die verbliebenen Außenmauern des Ostflügels abtragen. In anderen Teilen der Schlossanlage wurden zunächst Kriegsflüchtlinge untergebracht. Angesichts des verwahrlosten Zustands erhielt das Schloss im Volksmund bald die Bezeichnung „Rattenburg“. Erst zu Beginn der 1980er Jahre ließ das Land Hessen den kriegszerstörten Ostflügel wiedererrichten. Während die äußere Gestaltung des Ostflügels dem Erscheinungsbild der Gesamtanlage angepasst wurde, entspricht der Raumplan dem eines modernen Verwaltungsgebäudes.

Heutige Nutzung
Das Schloss Biebrich beherbergt heute das Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Im Ostflügel der Anlage sind die hessenARCHÄOLOGIE mit den Bereichen Archäologische und Paläontologische Denkmalpflege sowie die Deutsche Filmbewertung und Medienbewertung (FBW) untergebracht, im Westflügel die Bau- und Kunstdenkmalpflege sowie die Verwaltung des LfDH. Rotunde und Galerien dienen seit ihrer Restaurierung zwischen 1980 und 1985 als repräsentative Veranstaltungsräume des Landes Hessen. Auf der Rheinseite der Rotunde befindet sich zudem ein Restaurant. In der Ostgalerie ist des Weiteren ein Standesamt eingerichtet.

(Udo Recker und Bernd Steinbring, hessenARCHÄOLOGIE, 2012)

Schloss Biebrich in Wiesbaden war KuLaDig-Objekt des Monats im Juni 2012.

Internet
www.hessen-archaeologie.de (Abgerufen: 18.05.2012)
www.denkmalpflege-hessen.de (Abgerufen: 18.05.2012)
www.filme-im-schloss.de (Abgerufen: 18.05.2012)

Literatur

Einsingbach, Wolfgang (1974)
Das Biebricher Schloß. Vom Gartenhaus zur Residenz. In: Faber, Rolf (Hrsg.), Biebrich am Rhein 874–1974, Chronik, S. 93-115. Wiesbaden.
Einsingbach, Wolfgang (1962)
Das Biebricher Schloß in den ersten Jahren seiner Entstehung (1700-1707). In: Nassauische Annalen 73, S. 153-182. o. O.
Griesbach-Maisant, Dieter (2000)
Schloss und Park Biebrich am Rhein. (DKV-Kunstführer 574.) München / Berlin.
Handke, Manfred / Modrow, Bernd / Nath-Esser, Martina (Verfasser) / Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen (Hrsg.) (1987)
Parkpflegewerk für den Schlosspark Biebrich in Wiesbaden: Grundsätze zur Pflege, Wiederherstellung und langfristigen Erhaltung der historischen Parkanlage als Kulturdenkmal. Bad Homburg vor der Höhe.
Kiesow, Gottfried / Mittelrheinische Gesellschaft zur Pflege der Kunst e.V. (Hrsg.) (1985)
Schloß Biebrich am Rhein. Wiesbaden.
Zichner, Rudolf Arthur (1924)
Schloss Biebrich. Wiesbaden.

Schloss Biebrich in Wiesbaden

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1700 bis 1733
Koordinate WGS84
50° 02′ 14,96″ N, 8° 14′ 3,38″ O / 50.03749°, 8.23427°
Koordinate UTM
32U 445165.58 5543079.74
Koordinate Gauss/Krüger
3445218.69 5544857.68

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„Schloss Biebrich in Wiesbaden”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-48348-20120518-2 (Abgerufen: 22. Mai 2018)
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