Synagoge Annaturmstraße Euskirchen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Landeskunde
Gemeinde(n): Euskirchen
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Standort der ehemaligen Synagoge, Annaturmstraße 16 in Euskirchen (2013)

    Standort der ehemaligen Synagoge, Annaturmstraße 16 in Euskirchen (2013)

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  • Standort der ehemaligen Synagoge, Annaturmstraße 16 in Euskirchen (2013)

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  • Gedenkstein auf dem Standort der ehemaligen Synagoge in Euskirchen (2013).

    Gedenkstein auf dem Standort der ehemaligen Synagoge in Euskirchen (2013).

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  • Gedenktafel am Standort der ehemaligen Synagoge in Euskirchen (2013).

    Gedenktafel am Standort der ehemaligen Synagoge in Euskirchen (2013).

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  • Gedenkstein am Standort der ehemaligen Synagoge, Annaturmstraße 16 in Euskirchen (2013).

    Gedenkstein am Standort der ehemaligen Synagoge, Annaturmstraße 16 in Euskirchen (2013).

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Am 26. August 1887 erfolgte die Einweihung eines Synagogenneubaus in Euskirchen. 1938 wurde das Gebäude zerstört und die Ruine bis 1940/45 abgetragen. Heute befindet sich an dem ehemaligen Synagogenstandort eine Gedenkstätte mit einem Gedenkstein und einer Informationstafel.

Die jüdische Gemeinde Euskirchen
Juden und Kawertzen (ausländische Kaufleute und Kreditgeber) waren seit dem 14. Jahrhundert in Euskirchen ansässig (Handbuch Historische Stätten).
Eine erste jüdische Gemeinde in Euskirchen ist bereits für das 13./14. Jahrhundert überliefert, die bei den Progromen 1348/49 ausgelöscht wurde. 1420 wird eine Judengasse in den Quellen genannt, die 1829 in Bischofsgasse umbenannt wird. Auch für das 16. und 17. Jahrhundert ist eine jüdische Bevökerung überliefert, die bis in das 20. Jahrhundert in Euskirchen lebt.
Von Beginn des 19. Jahrhunderts an nahm die jüdische Bevölkerung konstant zu. Die Spezialsynagogengemeinde Euskirchen umfasste die Juden in Euskirchen, Wißkirchen, Obergartzem (bis 1890), Firmenich (bis 1890) und Lommersum. Von 1870 bis 1919 bildete sie zusammen mit der Spezialgemeinde Weilerswist den Synagogenbezirk Euskirchen.
Gemeindegröße
Um 1815: 29 (1806) / 25 (1808), um 1880: 218 (1885), 1932: 250 / 231 (1933), 2006: – (vorstehende Angaben alle nach Reuter 2007).
Die Synagoge
Seit 1779 sind verschiedene Beträume in Euskirchen bekannt (Reuter 2007), eine Synagoge bestand 1817 (Handbuch Historische Stätten).

1856 wurde in der Annaturmstraße eine erste Synagoge in Dienst genommen, das Grundstück war gestiftet worden. Dieses Gebäude wurde durch den Stadtbrand am 19. Mai 1886 beschädigt. Nach einer Diskussion über Wiederaufbau oder Neubau entschied man sich für einen Neubau. Grund war die Tatsache, dass die jüdische Gemeinde stark angewachsen war: von 89 Mitgliedern 1854 auf 227 Mitglieder 1895 (Pracht 1997, S. 341). Mit dem Bau beauftragte die Gemeinde den Kölner Architekten Josef Seché. Ein benachbartes Grundstück wurde für den größeren Bau hinzugekauft, am 20. September 1886 fand die Grundsteinlegung statt. Am 26. August 1887 erfolgte die Einweihung eines Neubaus.
Am 10. November 1938 wurde das Gebäude zerstört und die Ruine bis zum 30. Juli 1940 bis auf die Höhe der Kellerdecke abgetragen. Nach 1945 wurden diese Reste ebenfalls abgerissen. Das Grundstück wurde nicht wieder bebaut.
Heute ist obertägig keine Bausubstanz mehr vorhanden. An der Wand zu den rückwärtigen Häusern soll die Einbuchtung für den Thoraschrein erhalten sein (Arntz 2008, S. 66). Auf dem Platz der ehemaligen Synagoge befindet sich heute eine Grünanlage. Diese befindet sich in einem guten und gepflegten Zustand (Begehung am 20.02.2013).

An den ehemaligen Synagogenstandort erinnert inmitten der Anlage ein Gedenkstein (Entwurf: Hans-Günther Marx) mit der Inschrift
„Unseren jüdischen Mitbürgern den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933-1945“.

Zur Annaturmstraße hin befindet sich ferner eine Informationstafel mit der Inschrift
„Gedenkstätte der früheren jüdischen Synagoge
Die ursprünglich an dieser Stelle 1856 errichtete Synagoge wurde unmittelbar nach dem Stadtbrand von 1886 wieder aufgebaut und am 26. August 1887 ihrer Bestimmung übergeben.
Am 10. November 1938 wurde dieses religiöse, geistige und kulturelle Zentrum der jüdischen Gemeinden aus Euskirchen und der Voreifel von Nationalsozialisten durch Brandstiftung zerstört.
Diese Gedenkstätte soll die Erinnerung daran wachhalten und Mahnung für nachfolgende Generationen sein.“


Der ehemalige Standort der Synagoge in Euskirchen in der Annaturmstraße ist ein eingetragenes Bodendenkmal (Euskirchen, lfd. Nr. 541; LVR-ABR EU 298). Auszug aus dem Denkmallistentext:
„Die zerstörte Synagoge mit ihren im Boden erhaltenen Fundamenten, bzw. Funden und Befunden, stellt in ihrer Gesamtheit ein Bodendenkmal dar, denn sie dokumentiert einen bedeutenden zeitgeschichtlichen Abschnitt deutscher Geschichte und jüdischer Kultur. Sie ist eine Dokumentation der baulichen Entwicklung der Synagoge von 1856 bis 1938. Sie bildete bis Mitte des 20. Jahrhunderts einen Mittelpunkt des öffentlichen Lebens in Euskirchen.
Die erhaltenen archäologischen Zeugnisse in Form von Mauerresten und des Ritualbades (...) sind als Mehrheiten von Sachen, die in einem funktionalen Zusammenhang stehen, bedeutend.“


(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2012/2013 / Tim Klein, Geographsches Institut der Universität Bonn, 2013 / LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2013)

Quellen
Stadtarchiv Euskirchen, Bestand IV, Nr. 1588; Nr. 1734

Internet
www.synagogen.info: Synagogen-Internet-Archiv (abgerufen 14.03.2012)
www.euskirchen.de: Denkmalliste, Stand 12/2011 (PDF-Datei, abgerufen 22.02.2013)

Literatur

Arntz, Hans-Dieter (2008)
„Reichskristallnacht“ – Der Novemberpogrom 1938 auf dem Lande, Gerichtsakten und Zeugenaussagen am Beispiel der Eifel und Voreifel. Aachen.
Arntz, Hans-Dieter (1983)
Judaica. Juden in der Voreifel. Euskirchen.
Flink, Klaus (1974)
Euskirchen. (Rheinischer Städteatlas, Lieferung II, Nr. 8.) S. 7f., Bonn.
Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 351ff., Stuttgart.
Pracht, Elfi (1997)
Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Regierungsbezirk Köln. (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland 34.1.) S. 341 ff., Köln.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) S. 39, Bonn.

Synagoge Annaturmstraße Euskirchen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Annaturmstraße 16
Ort
53879 Euskirchen
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Archivauswertung, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1887, Ende 1938 bis 1945
Koordinate WGS84
50° 39′ 44,21″ N, 6° 47′ 10,73″ O / 50.66228°, 6.78631°
Koordinate UTM
32U 343549.15 5614608.26
Koordinate Gauss/Krüger
2555640.57 5614372.27

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„Synagoge Annaturmstraße Euskirchen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-42860-20120314-2 (Abgerufen: 22. November 2018)
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