Fritzdorfer Windmühle

Windmühlenturm Fritzdorf

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Wachtberg
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Gesamtansicht der Fritzdorfer Windmühle (Windmühlenturm Fritzdorf, 2011).

    Gesamtansicht der Fritzdorfer Windmühle (Windmühlenturm Fritzdorf, 2011).

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  • Gesamtansicht der Fritzdorfer Windmühle (Windmühlenturm Fritzdorf, 2011).

    Gesamtansicht der Fritzdorfer Windmühle (Windmühlenturm Fritzdorf, 2011).

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  • Ansicht des oberen Mauerkranzes der Fritzdorfer Windmühle (Windmühlenturm Fritzdorf, 2011).

    Ansicht des oberen Mauerkranzes der Fritzdorfer Windmühle (Windmühlenturm Fritzdorf, 2011).

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  • Blick vom Windmühlenturm Fritzdorf in nordöstlicher Richtung zum Radom bei Wachtberg (2011)

    Blick vom Windmühlenturm Fritzdorf in nordöstlicher Richtung zum Radom bei Wachtberg (2011)

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  • Blick vom Windmühlenturm Fritzdorf in nordöstliche Richtung, im Hintergrund die Radarkuppel des "Radom" bei Wachtberg (2011).

    Blick vom Windmühlenturm Fritzdorf in nordöstliche Richtung, im Hintergrund die Radarkuppel des "Radom" bei Wachtberg (2011).

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Die 1842 erbaute Fritzdorfer Windmühle, auch Windmühlenturm Fritzdorf genannt, steht in 259 Metern Höhe auf der Anhöhe „Scheid“, dem höchsten Fleck zwischen Grafschaft und Wachtberger Ländchen an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz. Der noch erhaltene Turm der Mühle gilt als Wahrzeichen von Fritzdorf, von ihm aus reicht der Blick – klares Wetter vorausgesetzt – bis weit in die Eifel und bis zum Kölner Dom.
Am Standort der Mühle sollen sich bereits eine keltische Fliehburg und ein römischer Wachtturm befunden haben.

Erbauung und Betrieb der Mühle
Der Erbauer der Fritzdorfer Mühle, der Müller Julius Robrecht (1811-1895), stammte aus Würgassen im Kreis Höxter, Westfalen. Robrecht ließ sich 1842 in Fritzdorf nieder und begann mit dem Bau der nach holländischer Art dreigeschossigen und mit einer drehbaren Haube versehenen steinernen Turmwindmühle (so genannter „Turmholländer“). Große Teile des Baumaterials Basalt, Grauwacke und Ziegel besorgte Robrecht aus den Mauern der im Verfall befindlichen Burgruine Sommersberg. Ein Balkensystem an der Haubenrückseite diente zum Drehen der Mühlenhaube in den Wind.
Über der Müllerwohnung im Erdgeschoss lagerte das Getreide und im obersten Geschoss stand das Mahlwerk mit zwei Mahlgängen, die zum Mahlen von Getreide (Roggen, Weizen und Futtermehl) und zum Schälen von Gerste dienten.
Nach seiner Heirat mit Maria Theisen aus Fritzdorf 1839 erbaute Robrecht neben der Mühle ein Wohnhaus für seine Familie mit sieben Kindern, dazu eine Scheune, Stallungen und ein Backhaus und grub einen Brunnen von 86 Fuß Tiefe (ca. 27 Meter). Im frei gewordenen unteren Geschoß des Mühlengebäudes wurde nun Öl aus Raps geschlagen.
Etwa 1870 übernahm einer der Söhne Julius Robrechts, Joseph, die Mühle. In dieser Zeit konnte die windabhängige Mühle bereits kaum noch mit neu errichteten Wassermühlen an der Ahr konkurrieren. Ein in der Gegend bekannter Spruch des Müllers lautete: „Habe ich Wind, so habe ich kein Korn, und habe ich Korn, so habe ich kein Wind.“

Der Niedergang und die Stilllegung
Nach dem Tod Julius Robrechts 1895, erbten seine drei Söhne die seinerzeit von einem Mahlknecht betriebene Mühle: Peter Robrecht, selbst Müller in Unkelbach, der Fritzdorfer Müller Joseph und Wilhelm, der Pfarrer in Morsbach war.
Nur wenige Zeit später wurde der Betrieb der Mühle eingestellt, der Besitz ging durch Verkauf 1899 von der Erbengemeinschaft an den Rendanten Balthasar Geuer aus Meckenheim über. Zu diesem Zeitpunkt habe sich die Haube bereits in einem desolaten Zustand befunden, gleichwohl diente das Mühlengebäude um die Jahrhundertwende noch mehrfach als Befehlsstand für die hier abgehaltenen Kaisermanöver.
1907 nahmen die eigentumsberechtigten Gemeinden Altendorf (zwei Zwölftel), Ersdorf (zwei Zwölftel), Lüftelberg (fünf Zwölftel) und Meckenheim (drei Zwölftel) noch einmal für zwei Jahre den Mahlbetrieb auf. 1909 wurde der Betrieb dann endgültig eingestellt, das Inventar veräußert und das Wohnhaus und die Wirtschaftsgebäude abgerissen.
Während sich die Flügel der Mühle noch über Jahre im Wind drehten, verfiel die Haube mit der Zeit fast vollständig.

Renovierung und heutige Nutzung
Im Zuge der kommunalen Neuordnung fiel 1969 Fritzdorf und damit auch die Fritzdorfer Windmühle in die Zuständigkeit der neuen Gemeinde Wachtberg. In den Jahren 1978/79 wurde der Mühlenturm vor dem drohenden Verfall bewahrt und zu seinem Erhalt mit einem Kostenaufwand von rund 98.000 DM instandgesetzt. Die Gemeinde Wachtberg beteiligte sich mit 58.000 DM der Landeskonservator mit 20.000 DM und weitere 20.000 DM wurden durch private Spenden von Fritzdorfer Bürgern in Geld- und Sachwerten zur Verfügung gestellt.
Zur Erhaltung wurde der obere Mauerkranz renoviert, ein flaches Kegeldach aufgesetzt sowie die Treppen und Fußböden erneuert. Obwohl der Erhalt des alten Turmgebäudes gewährleistet werden konnte, konnte durch das geänderte Dach ohne Haube, Flügelkreuz und Flügel der eigentliche Charakter der Mühle leider nicht gewahrt werden.
Im Jahr 2000 wurde durch die Gemeinde Wachtberg eine Benutzungsordnung für die Belegung der Mühle verabschiedet, so dass die Mühle heute als Ort für Feiern und Veranstaltungen genutzt werden kann. Am ersten Wochenende im Juli findet das alljährliche Fritzdorfer Mühlenfest statt.

(Franz-Josef Knöchel, Redaktion KuLaDig, 2010)

Kontakt und Buchung: Gemeindeverwaltung Wachtberg
Rathausstraße 34, 53343 Wachtberg, Telefon 0228 / 9544-0

Quelle
Der große Traum vom Glück endete in tiefer Armut. Mühlen in Wachtberg: Müller errichtete das heutige Wahrzeichen Fritzdorfs auf einer strategisch wichtigen Anhöhe (Bonner Rundschau vom 24.07.1990).

Internet
www.wachtberg.de: Mühlen (Abgerufen: 12.12.2010)
www.wachtberg.de: Mühle Fritzdorf (Abgerufen: 12.12.2010)
www.kreis-ahrweiler.de: Von der Fritzdorfer Windmühle (Abgerufen: 13.12.2010)
www.fritzdorfer.de: Bilder 1978 (Abgerufen: 13.12.2010)
www.fritzdorfer.de: Bilder Windmühle (Abgerufen: 11.12.2010)
de.wikipedia.org: Fritzdorfer Windmühle (Abgerufen: 11.12.2010)

Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 1034, Stuttgart.
Prothmann, Ottmar (1974)
1200 Jahre Fritzdorf. o. O.

Fritzdorfer Windmühle

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1842
Koordinate WGS84
50° 35′ 12,66″ N, 7° 05′ 37,37″ O / 50.58685°, 7.09371°
Koordinate UTM
32U 365056.96 5605617.44
Koordinate Gauss/Krüger
2577498.74 5606257.84

Empfohlene Zitierweise

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„Fritzdorfer Windmühle”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-3335-20101213-2 (Abgerufen: 23. November 2017)
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