„Die Soers“ in Laurensberg

Kulturlandschaft Soers

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Aachen, Herzogenrath, Würselen
Kreis(e): Städteregion Aachen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Karte der Kulturlandschaft Soers

    Karte der Kulturlandschaft Soers

    Copyright-Hinweis:
    Stadt Aachen, Fachbereich 61
    Fotograf/Urheber:
    Stadt Aachen
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Einleitung
Die Soers, im heutigen Stadtteil Laurensberg, grenzt nördlich an Berensberg (Stadtgrenze) und südlich an den Lousberg. Die Krefelder Straße grenzt an den ursprünglichen Osten des Gebietes und der alte Bahndamm bildet die westliche Grenze. Eingebettet in die von Menschen geschaffenen Landschaften stehen Einzelgebäude. Die Soers ist heute wie damals das Verbindungsglied zwischen der Innenstadt Aachen und dem angrenzenden Laurensberg.

Zum Nutzen der Stadt Aachen ist das Tal immer wieder einer neuen Nutzung überführt worden. Keine der Vorgänger-Generationen hat dabei die Existenz dieser einmaligen Landschaft aufs Spiel gesetzt. Im Gegenteil, die prägenden Elemente haben sich bis heute erhalten. Die Landschaft ist durch den wirtschaftlichen und sozialen Einfluss des Menschen ge- und überprägt worden, – es entstand eine Kulturlandschaft – Ihre gegenwärtigen Elemente sind noch sinnlich erlebbar.
Seit dem Zweiten Weltkrieg wachsen die Begehrlichkeiten, die bisher ohne vorausschauende und die Prägung der Landschaft berücksichtigende Planung nicht gelenkt werden konnten, vergleiche. Autobahnzubringer, Justizvollzugsanstalt, Aachen-Laurensberger Rennverein, Elsa, Einfamilienhaus-Siedlungen, Kongresszentrum Schloss Rahe usw.

Gemeinsam untersuchte die Untere Denkmalbehörde der Stadt Aachen mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege das Tal vom Lousberg bis Berensberg und vom Soerser Weg bis zum alten Bahndamm.
Für die Weltreiterspiele und die EuRegionale sollten Rahmenbedingungen für eine zur Erhaltung dieses Landschaftsschatzes sinnvolle Nutzung abgestimmt werden. Als Grundlage dafür könnte die nachfolgende Dokumentation dienen. (…)

Historische Entwicklung des Gebietes
Schon im Mittelalter, zu Zeiten des Aachener Reiches, war das Soerser Quartier der historischen Stadt Aachen zugehörig. Dieser unmittelbare Bezug zur Stadt ist bis heute ablesbar. Der Aachen-Laurensberger-Rennverein oder gar der Tivoli bilden nur zwei der Klammern von heute.

Im Aachener Reich bildeten die Wehrtürme in der Soers die Außenplätze der Verteidigung. Sie sind noch geschichtlich nachweisbar oder in Teilen ablesbar beim Wehrturm bei Rahe oder Beulardstein. Die ehemaligen Pfalzgüter der Aachener Pfalz der Karolingerzeit, Hausen, Soerser Haus, Beulardstein oder Häuschen haben heute noch ihren Standort, sie waren zunächst Versorgungsgüter für die Stadt, viele weitere kamen hinzu, wie z.B. Poch; Bau, Scheuer, Kuckesrath, um nur einige zu nennen. Wenige ehemalige Höfe wandelten sich im 19. Jahrhundert zu Herrenhäusern vor allem des Aachener Industrieadels, z.B. Ferber, Obere Müsch und Soerser Hochkirchen. Teiche wie die an der Stockheider Mühle, Follmühle waren gewerbliche Gewässer, zunächst waren sie für die Fischzucht wichtig, um den Fischbedarf an Freitagen in der Stadt Aachen zu decken. Danach wurden sie zum Antrieb für die Mühlen gebraucht, bis Maschinen einen Ersatz bildeten. Danach ließ sich vor allem die Tuchindustrie im 19. Jahrhundert nieder, z.B. bei St. Raphael oder Kratzentuchfabrik Sartorius oder später Tuchfabrik Becker. Landschaftsprägende Merkmale waren zum Teil für diese Entwicklung ausschlaggebend, oder sie werden in der Vernetzung mit den vorgenannten Gebäuden begreifbar.

Landschaftsprägende Merkmale – historische Kulturlandschaft
So wurde der Wildbach zum Antrieb von Wassermühlen (anfangs Mahlmühlen, später Kupfermühlen und schließlich Walk- und Tuchmühle bzw. -fabriken) genutzt. An seinen Ufern wurden Kopfweiden für die Aachener Industrie des 18. und 19. Jahrhunderts angepflanzt, um das Material für die Körbe direkt bei der Fabrik zu haben. Damit konnten die Tuchmacher ihre Ware problemlos transportieren. Eine Reihe von Mühl- und Fischteichen entstanden. Erstere, um zunächst das Getreide zu mahlen wie z.B. in der Rahe Mühle und letztere, um für die Städter den Fisch für jeden Freitag bereit zu halten.
Wiesen wurden mit Weißdornhecken begrenzt. Die Erfindung des Stacheldrahtes konnte bis heute nicht alle dieser ehemaligen Einfriedungen ersetzen. Weißdornhecken sind noch als deutliches Begrenzungsraster erkennbar.
Die Fläche der Höfe, die denkmalpflegerisch relevant ist, zeichnet sich durch die erkennbaren Reste von Hausgärten und hofnahen Streuobstwiesen aus. Außer dem Park von Schloss Rahe wurden bisher nicht erkannte feudale Gartenanlagen bzw. Reste entdeckt, so z.B. das mit einem Graben umgebene ehemalige barocke Gartenparterre hinter Soerser Hochkirchen, der Potager bei Beulardstein und eine Reihe von Alleeresten, unter anderem gegenüber von Gut Ferber. Diese Elemente werden in der Landschaft besonders dadurch erfahrbar, da sie in einer ungestörten Wiesen-Auen-Landschaft erhalten sind.
Nach der reinen Nutzung dieser Flächen prägen vor allem Elemente aus dem 19. Jahrhundert diese einzigartige Landschaft. Herr Körfgens plante z.B. eine „ferme orneé“, das ist die heutige Parkanlage bei St. Raphael. Gestalterische Elemente wie seltene Baumarten oder Alleen wurden verknüpft mit der praktischen Nutzung, wie die Wiesen und Streuobstwiesen für die Bauern direkt an der mittleren Müsch, oder bei Gut Berg.
Begrenzt wird die Soers im Süden wie im Norden durch Bewaldungen. Einmal durch den Lousberg, ein Landschaftspark aus dem 18. und 19. Jahrhundert, der teilweise zu einer Bewaldung gewachsen ist, und das Paulinenwäldchen im Norden der Stadt.
Aus dieser Kombination vorhandener und gewachsener Natur entstand eine Landschaft, die in ihrer Art laut Landschaftschutzgesetz besonders schützenswert ist, die nachfolgend zum Teil neue Werte beschreibt oder sich mit den bisher aufgelisteten Daten deckt.

„Die Soers ist im Aachener Kessel gelegen, die höchste Erhebung ist der Lousberg. Der reich strukturierte Landschaftsraum ist geprägt durch Wasser: Quellen, Bachläufe Wurm, Wildbach; Schwarzbach, Diepekuhlbach und mehreren Vorfluten, Mühlgräben, ehemaligen Mühlteichen, ausgedehnten Feuchtwiesen und Überschwemmungsflächen und Waldflächen am Lousberg, Paulinenwäldchen und nahe des Ferberberges. Weitere markante Landschaftsbestandteile bzw. -elemente sind die Obstwiesen um die Höfe und Güter, Hecken und Kopfbäume in dem Wirtschaftsgrünland. Die Auenbereiche um die Bachläufe werden von der Grünlandwirtschaft bestimmt und nur ein schmales Gehölzband markiert meist die Gewässer. Eisvogel und Wasseramsel als besonders geschützte Tierarten finden hier ihren Lebensraum und auch für Amphibien ist dieser Biotopkomplex aus Tümpeln, Teichen, Feuchtgrünland und Wald von Bedeutung. Der Steinkauz findet in den Obstwiesen und Kopfbäumen mit ausgedehnten kurzrasigem Grünland seinen Platz.“ (Umweltamt Aachen FB 36)

Vernetzt ist das gesamte Gebiet durch eine Struktur von Wegen und Straßen, die zum einen alte Verbindungen darstellen, wie die Roermonder Straße und zum anderen neuzeitliche Schneisen bilden, wie die Schnellstraße und die Autobahn im nördlichen Teil der Soers. Das Wegenetz verbindet die komplette Soers noch über die neuen Schneisen hinweg. Entlang des Wildbachs vorbei am Soerser Haus gelangt man durch einen Fußgängertunnel Richtung Norden nach Berensberg. Neue reizvolle Fußwege verbinden die Soers.

Zusammenfassung
Das Ergebnis unserer Arbeit gemeinsam mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege wurde in einem Plan eingetragen, die einzelnen Landschaftselemente fügen sich dabei zu einem Gesamtbild zusammen.

Die historische Kulturlandschaft in ihrer Ausprägung als Kulturlandschaft wird in ihrer Gesamtheit zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte verstanden. Prägende Elemente und Strukturen, die historisch gewachsen sind, ermöglichen eine solche Zuordnung.
Die industrielle Folgelandschaft ist also nicht nur geprägt von vielen Einzeldenkmalen, die im Laufe der Zeit zum Teil unterschiedlichen Nutzungen zugeführt wurden, wie zum Beispiel Landhäuser für den Industrieadel, die zuvor oftmals landwirtschaftliche Güter (z.B. Gut Ferber) waren oder Mühlen, die zu Fabrikanlagen (Stockheider Mühle/Becker) wurden, sondern sie ist vor allem auch durch die landschaftlichen Merkmale gekennzeichnet (z.B. Hecken, Weiden, Bäche), die unmittelbar mit der Nutzung der Gebäude zusammenhängen bzw. zusammenhingen.
Die Vielschichtigkeit und Vielfältigkeit der Soers ist das Ergebnis einer langen Geschichte des Tales. Jede Nutzung hat in der Soers ihre Spuren hinterlassen.
In unmittelbarer Nähe zur historischen Stadt Aachen ist diese Landschaft in der Form von Menschenhand geschaffen und gepflegt worden. Sie war Versorgung-, Erholungs- und Industriestandort und hat dabei ihren ländlichen Charakter immer erhalten. Noch ist der Zusammenhang trotz Umgehungsstraße und Schnellstraße oder neuen Siedlungen am Rande der Soers zum größten Teil da oder er kann sich dem Besucher der Soers erschließen. Genügend Fläche mit den zuvor genannten Elementen formen die Landschaft und machen sie in ihrer Art einzigartig für Aachen. Die Gebäude im Tal sind eingebettet in eine Landschaft, die von absoluter geplanter Schönheit der Natur in den Gärten über die Verknüpfung der „ferme orneé“ in eine reizvolle ehemalige und noch vorhandene Nutzlandschaft übergeht, die heute einen hohen Freizeitwert besitzt.

(Fachbereich 61, Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen, Denkmalpflege der Stadt Aachen, 2011)

Hinweis
Das Objekt „Die Soers in Laurensberg“ ist wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches Die Soers, Lousberg (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 093).

Quelle
Vorlage „Kulturlandschaft Soers“ vom 01.07.2004 für den Planungsausschuss der Stadt Aachen (Fachbereich 61, Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen, Denkmalpflege der Stadt Aachen).

Internet
www.aachen.de: Denkmalpflege (abgerufen 25.08.2011)
www.aachen-soers.de: Homepage des Soerser Forums (abgerufen 25.08.2011)

„Die Soers“ in Laurensberg

Schlagwörter
Ort
52070 Aachen - Laurensberg
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Koordinate WGS84
50° 48′ 1,05″ N, 6° 04′ 51,18″ O / 50.80029°, 6.08088°
Koordinate UTM
32U 294306.62 5631679.13
Koordinate Gauss/Krüger
2505746.32 5629432.82

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„„Die Soers“ in Laurensberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-15193-20110825-3 (Abgerufen: 10. Dezember 2018)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang