Im Kirchhof der Kirche St. Kunibert stehen zwei römische Sarkophage aus dem Ort Enzen. Nach alten Erzählungen fand man in Enzen um das Jahr 1663 einen Sandsteinsarkophag. Er soll eine Ausstattung von sagenhaftem Reichtum enthalten haben, die nur eines Königs würdig schien. So schrieb die Heimatforschung dieses Grab bald dem Frankenkönig Theudebert II. zu, der im Jahr 612 in der Gegend von Zülpich umgebracht worden sein soll. Weitere reich ausgestattete Gräber wurden 1811 und 1977 entdeckt. Im Oktober 2010 erhielten der im 17. Jahrhundert aufgefundene „Königssarg“ und der Sandsteinsarkophag von 1977 einen neuen Aufstellungsort unter einem Schutzdach auf dem Friedhof der Pfarrkirche St. Kunibert in Enzen.
Bei dem 1663 aufgefundenen Sarkophag handelt es sich um einen einfachen rechteckigen Buntsandsteintrog von 2,42 Metern Länge, 0,95 Metern Breite und maximal 0,88 Metern Höhe. Er diente nach seiner Auffindung als Viehtrog, sein Deckel ist nicht erhalten. Das Steinmaterial stammt aus dem Buntsandsteingebiet zwischen Nideggen, Mechernich und Kall.
Der 1977 entdeckte Sarkophag ist aus demselben Material gefertigt. Sein Trog weist mit 2,48 Meter x 0,91 Meter x 0,92 Meter ähnliche Maße auf. Der Deckel des bis zur Auffindung ungestört gebliebenen Sarkophags ist mit 2,58 mal 1,0 Metern deutlich größer gearbeitet als der Trog und saß, durch Eisenklammern fixiert, leicht versetzt auf diesem auf. Er hat die Form zweier sich kreuzender Giebel mit vier so genannten Eckakroteren, die auf der Innenseite polsterförmig abgerundet sind.
Bis auf zwei Fundstücke sind die reichen Beigaben aus dem so genannten Königsgrab heute leider verschollen. Nach den Erzählungen sollen sich unter anderem verschiedene goldene Rüstungsteile in dem Grab befunden haben. Die heute in Privatbesitz auf Burg Zievel bei Lessenich aufbewahrten Goldfunde sprechen hingegen nicht für ein Männergrab, sondern für eine weibliche Bestattung der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts. Ein geflochtenes Goldband mit Kettchen, Granatanhängern und Inschrift VTERE FELIX (d. h. trage mich mit Glück) ist aufgrund von Vergleichsfunden als Kopfschmuck zur Zier des Scheitels anzusprechen. Ein aus drei Golddrähten geflochtener Armring findet seine besten Parallelen ebenfalls in Frauengräbern oder Mädchengräbern des 3. Jahrhunderts.
Annähernd vollständig überliefert sind die Beigaben und Schmuckstücke aus dem 1977 entdeckten Grab, das ebenfalls einer Frau zugeschrieben werden kann. Die Größe des Sarkophags mag an eine Körperbestattung denken lassen, geborgen wurde jedoch Leichenbrand. Nach der anthropologischen Untersuchung handelte es sich um eine 40 bis 50-jährige Frau. Aus einer mit Steinen umstellten Beigabennische außerhalb des Sarkophags stammen sechs Glaskrüge, zwei Kannen und ein rot bemalter Topf aus Ton. Zusammen mit dem Leichenbrand fanden sich im Inneren des Sarkophags unter anderem 14 weitere Glasgefäße, eine muschelförmige Silberschale, ein Löffel, ein Messer, eine Handwaage, ein Kerzenhalter, Reste eines Kästchens, Schminkzubehör, Haarnadeln und Gold-, Silber- und Gagatschmuck. Da der Löffel die Inschrift NONNULA ZESES trägt, könnte Nonnula der Name der Verstorbenen gewesen sein.
Die Kirche St. Kunibert in Enzen war Station der Archäologietour Nordeifel 2011 und KuLaDig-Objekt des Monats im Oktober 2011.
(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2011)
Literatur
Gottschalk, Raymund (2012)
Nach über 300 Jahren: neue Ansätze zu einem reichen römischen Grab aus Enzen. In: Kunow, Jürgen (Hrsg.): 25 Jahre Archäologie im Rheinland 1987-2011, (Archäologie im Rheinland 2011.) S. 123-125. Stuttgart.
Nordöstliches Eifelvorland. Euskirchen. Zülpich. Bad Münstereifel. Blankenheim, Teil 2: Exkursionen. (Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, Band 26.) S. 70-74, Mainz.
Römische Sarkophage bei der Kirche Sankt Kunibert in Enzen
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