Burg Metternich

Schloss Merle

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Weilerswist
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Herrenhaus von Burg Metternich im Morgenlicht (2014)

    Herrenhaus von Burg Metternich im Morgenlicht (2014)

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    Nicole Schmitz / Landschaftsverband Rheinland
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    Nicole Schmitz
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Die Wasserburg Metternich ist eine von ehemals zwei Rittersitzen im gleichnamigen Ort. Der Name des Ortes an der Swist geht zurück auf das Rittergeschlecht Metternich, welches laut Handbuch der historischen Stätten in NRW (2006, S. 1068) seit 1302 für Metternich bezeugt ist und „1303 dem Kölner Erzbischof die Patronats- und Vogteirechte in Metternich übertrug“. Die beiden sich gegenüberliegenden Burgen wurden an der Kreuzung von Swistbach mit der den Ort in Nord-Süd-Richtung durchlaufenden Römerstraße von Marmagen nach Wesseling errichtet. Archäologische Funde deuten auf eine Besiedlung seit römischer und fränkischer Zeit. Während Burg Metternich Stammhaus der Herren von Metternich mit dem Löwenwappen ist, stellt Haus Velbrück den Stammsitz der Linie Metternich mit drei Muscheln im Wappen dar (Groten et al. 2006, S. 1068).

Geschichte
Burg Metternich, kurkölnisches Lehen, wurde im Rahmen einer Erbteilung 1348 erstmals urkundlich erwähnt und blieb bis 1692 im Besitz der Familie Metternich. In diesem Jahr kaufte der kurkölnische Geheimrat und Staatssekretär Franz Wilhelm von Schönheim neben Burg Metternich auch das Haus Velbrück. Nach dem Tod des Domherrn Johann Arnold von Schönheim (1715-1789, Wikipedia: Johann Arnold von Schönheim) ging Burg Metternich als Erbe auf den Kölner Weihbischof Clemens August zu Merle und dessen Bruder Geheimrat Josef Clemens zu Merle über, die die Anlage des Landschaftsgartens 1802 nach Plänen des Hofgärtners Josef Clemens Weyhe initiierten. Nach weiteren Besitzerwechseln gelangte das landtagsfähige preußische Rittergut 1879 in den Besitz von Franz Freiherr Schorlemer-Overshagen, der umfassende Umbauarbeiten am Herrenhaus vornahm und die Vorburg erneuerte. Bereits 1895 verkaufte er die Burg an den königlichen Kammerherrn Edmund Freiherr Spies von Büllesheim, dessen Familie bis heute die Burg besitzt und (zumindest bis Stand 1989) das zugehörige Gut bewirtschaftet (Herzog 1989 S. 385).

Heutiger Zustand und kulturhistorische Bedeutung
Burg Metternich ist eine ehemals zweiteilige Wasserburganlage, deren zweigeschossiges Herrenhaus im Keller noch Bausubstanz des 13. Jahrhundert aufweist. Das Backsteingebäude datiert ins 14. Jahrhundert; im 15. Jahrhundert wurde der Turm angefügt. Unter Franz Wilhelm von Schönheim wurde an das Herrenhaus rechtwinklig der Nordflügel angebaut und der Südflügel um eine weitere Achse verlängert. Die Schmalseiten zierten von nun an Schweifgiebel (Herzog 1989, S. 386f). Weitere Umbaumaßnahmen veranlasste Schorlemer ab 1879 vor allem im Innenbereich des Herrenhauses, indem er die Grundrisse den damaligen Wohnansprüchen anpasste. Es wurden jedoch auch die Dachgeschosse erhöht, die Dachstühle erneuert, Fenster vergrößert und die Turmhaube des Treppenturmes erhöht. Die ehemals dreiflügelige Vorburg ließ Schorlemer abreißen und durch einen vierflügeligen Wirtschaftshof aus Backstein ersetzen. Dabei wurden wohl auch die Vorburggräben weitestgehend eingeebnet. Der von der Swist gespeiste Wassergraben um das Herrenhaus, welches durch eine 1977 erneuerte steinerne Bogenbrücke erschlossen ist, ist jedoch noch erhalten (Herzog 1989, S. 388). Ebenfalls noch nachvollziehbar ist der Landschaftspark, der im Bereich des Villehanges jedoch in den Villewald übergeht (Otzen 2014, S. 137). Er weist laut Biotopkataster einen sehr alten Baumbestand auf, der zusammen mit erhaltenen Teichen und angrenzenden Fettweidenbeständen einen strukturreichen Lebensraumkomplex bilden (Schutzwürdige Biotope NRW, BK-5207-019).

Burg Metternich hat trotz Kriegsbeschädigung und Renovierung „...eine bemerkenswert gute und vollständige Originalsubstanz bewahrt...“ (Herzog 1989, S. 385), sodass in Kombination mit der archäologisch belegten Besiedlung seit römischer Zeit eine hohe geschichtliche, funktionsräumliche und landschaftliche Ablesbarkeit gegeben ist. Aus Sicht der Denkmalpflege sind sowohl die Wasserburg als auch der Wirtschaftshof von hoher architektur- und lokalgeschichtliche Bedeutung. Insgesamt prägen die Burg mit Landschaftsgarten, Wirtschaftshof und benachbarter Kirche den Metternicher Ortskern im Bereich der Swistaue.

Hinweise
Das Objekt Burg Metternich ist wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches Burg Metternich (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 199).
Burg Metternich und die zugehörige Parkanlage sind ein eingetragenes Baudenkmal (Nr. 4) (Wikipedia: Liste der Baudenkmäler in Weilerswist).

(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2017)

Internet
de.wikipedia.org: Metternich (Weilerswist) (abgerufen am 18.10.2017)
EBIDAT: Metternich (abgerufen am 18.10.2017)
de.wikipedia.org: Liste der Baudenkmäler in Weilerswist (abgerufen am 18.10.2017)
de.wikipedia.org: Johann Arnold von Schönheim (abgerufen am 19.10.2017)
Schutzwürdige Biotope NRW: Burganlage bei Metternich (BK-5207-019 ) (abgerufen am 19.10.2017)

Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart.
Herzog, Harald (1989)
Burgen und Schlösser. Geschichte und Typologie der Adelssitze im Kreis Euskirchen. Köln.
Kisky, Hans (1960)
Schlösser und Herrensitze im Rheinland. nach alten Stichen und Vorlagen. (Burgen, Schlösser, Herrensitze 15.) Frankfurt a.M.
Otzen, Hans (2014)
Burgen und Schlösser, Kirchen und Klöster am Villerand. In: Erlebnis Kottenforst und Villewald, S. 117-141. Rheinbach.

Burg Metternich

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Wasserburgstraße
Ort
Weilerswist - Metternich
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn 1348
Koordinate WGS84
50° 44′ 18,18″ N, 6° 53′ 21,01″ O / 50.73838°, 6.88917°
Koordinate UTM
32U 351059.25 5622857.58
Koordinate Gauss/Krüger
2562811.29 5622920.41

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Burg Metternich”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-138052-20150908-5 (Abgerufen: 18. August 2018)
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