Die jüdische Gemeinde Wevelinghoven seit dem frühen 19. Jahrhundert: Im 19. Jahrhundert bestand eine kleine jüdische Gemeinde in Wevelinghoven, die aufgrund der „Buschhoff-Affäre“ fast alle Mitglieder durch Wegzug verlor. (Nach dem Fund einer Kinderleiche in Xanten entwickelten sich 1891 vom Niederrhein ausgehend Ritualmordverdächtigungen gegen ansässige Juden, die sich auch in den Kreisen Neuss und Grevenbroich zu judenfeindlichen Ausschreitungen entwickelten.) 1932 wurde Wevelinghoven an Grevenbroich angeschlossen. Gemeindegröße um 1815: 32 (1806), um 1880: 55 (1885), 1932: 9 (1932), 2006: –. Bethaus / Synagoge: 1788 wurden die Einrichtung eines Bethauses und vermutlich auch eines Friedhofs genehmigt. Die Synagoge, die nach 1822 errichtet wurde, wurde 1921 verkauft, als kein Gottesdienst mehr zustande kam. Das Gebäude wurde nach 1945 abgerissen und an seiner Stelle ein Wohnhaus errichtet (vorstehende Angaben nach Reuter 2007).
Jüdische Friedhöfe in Wevelinghoven: Zwei Friedhöfe sind belegt. Der ältere Begräbnisplatz in der Oberstraße wurde vor 1800 angelegt, der noch erhaltene jüngere in der Zehntstraße um 1868.
Der jüngere der beiden Wevelinghovener jüdischen Friedhöfe wurde nach 1868 in der Zehntstraße (kurz vor der Auffahrt auf die L 142, am Ortsausgang Wevelinghoven Richtung Widdeshoven) eingerichtet und bis 1932 belegt. In der Preußischen Neuaufnahme (1891-1912) erkennt man das ursprüngliche Ausmaß des Friedhofs, der dort als „Bgr. Pl.“ (Begräbnisplatz) eingetragen ist. 1990 wurde der Friedhof in die Denkmalliste der Stadt Grevenbroich eingetragen. 39 Grabsteine sind hier erhalten, die älteren von vor 1868 stammen vermutlich vom alten Begräbnisplatz in der Oberstraße. 39 Inschriften aus den Jahren 1799 bis 1923 sind in der epigraphischen Datenbank epidat des Essener Steinheim-Instituts dokumentiert.
Der heckenumstandene und baumbestandene Friedhof ist im Ort nicht weiter ausgeschildert. Er ist durch eine kleine Pforte frei zugänglich. Vor Ort befindet sich ein Gedenkstein, der an jüdische Kinder und Jugendliche erinnert, die dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallen sind. Neben dem Gedenkstein befindet sich eine Hinweistafel. 39 Grabstellen sind hier erhalten. Auf einzelnen Grabsteinen wurden Kieselsteine abgelegt, die von regelmäßigem Besuch zeugen. Eine Bank, die sich im Eingangsbereich des Friedhofs befindet, lädt zum Verweilen ein. Der Begräbnisplatz ist in einem sehr gepflegten Zustand (Begehung am 18.08.2014).
Inschrift des Gedenksteins: Ich wünsche mir wirklich von ganzem Herzen, dass die Erde bleibt…, dass die Schöpfung bestehen bleibt. Der Fluch ist das Töten, nicht das Sterben. (Dorothee Sölle)
Internet www.steinheim-institut.de: epidat, Grevenbroich-Wevelinghoven (abgerufen 14.03.2014) www.uni-heidelberg.de, Projekt: Jüdische Friedhöfe in Deutschland, Wevelinghoven Neuer Friedhof (abgerufen 05.07.2011 und 14.03.2014, Inhalt nicht mehr verfügbar 04.07.2024)
Literatur
Pracht-Jörns, Elfi (2000)
Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil II: Regierungsbezirk Düsseldorf. (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland 34.2.) S. 458-460, Köln.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) Bonn.
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