Strunde in Herrenstrunden

Strunder Bach, Strunderbach

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bergisch Gladbach
Kreis(e): Rheinisch-Bergischer Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Strunderbach im Bereich der Quelle

    Strunderbach im Bereich der Quelle

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  • Strunderbach und Teich im Bereich der Quelle (2004)

    Strunderbach und Teich im Bereich der Quelle (2004)

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Objektname: „Strunderbach“ / „Strunde“
Lage: Das Bachbett der Strunde verläuft im Bereich Herrenstrunden parallel zur Landstraße L 286.

Die „Strunde“ entspringt ca. 100 Meter nordöstlich der Pfarrkirche St. Johannes-Baptist. Der 1956 mit Natursteinen eingefasste Quellbereich des Blautopfes ist jedoch symbolischer Art: die Strunde wird durch mehrere Quellen gespeist. So zum Beispiel durch einen naheliegenden Quellteich, der unterhalb der „Quelle“ neben der Kirche liegt.
Im linken Bereich der Blautopfquelle wird zudem ersichtlich, dass hier bereits ein Bach zur „Strunde“ hinzu stößt. Die zu diesem Bach gehörenden Siefen liegen im Bereich des Weilers Unterthal.

Die Ergiebigkeit der Quelle ist durch die unterirdischen Wassersysteme im Kalkgestein sowie durch die hohe Niederschlagsmenge am Westrand des Bergischen Landes zu erklären. Das aus dem System von Karstquellen hervortretende Wasser hat eine mittlere Schüttung von 50m3 in der Minute. Auf seiner Laufstrecke von etwa 20 Kilometern hat der Bach ein Gefälle von gut 100 Metern. Bedingt durch den konstanten Wasserfluss des Baches sowie die Neigung trieb die Strunde auf ihrem kurzen Stück zwischen Herrenstrunden und Mülheim so viele Mühlen an, dass der bergische Schriftsteller Vinzenz Jakob von Zuccalmaglio ihn als den „fleißigsten Bach Deutschlands“ bezeichnete. Der Strunderbach war für den wirtschaftlichen Wohlstand im Raum Bergisch Gladbachs von besonderer Bedeutung. Von Herrenstrunden bis Mülheim wurden 51 Mühlen durch die Wasserkraft des Baches angetrieben. Die tatsächliche Anzahl der Strunde-Mühlen weicht in den diversen Publikationen jedoch ab. Von Zuccalmaglio berichtet, dass Mitte des 19. Jahrhunderts 30 Fruchtmühlen, 3 Maschinenpapierfabriken, 2 Handpapierfabriken, 2 Pulvermühlen, 8 Ölmühlen, 2 Holzmühlen, 1 Wollspinnerei und Walkmühle, 2 Marmorschneidemühlen und eine Schnupftabakmühle bestanden haben soll. Für den Bereich der Strunde war es üblich, dass die Mühlen ihren gewerblichen Zweck vielmals wechselten.

Ein weiterer Grund für die Konzentration von gewerblichen Mühlen an der Strunde war die Nähe zum Wirtschaftszentrum Köln. Die vielfältigen Nutzungen der Strunde bedingten, dass eine Regelung und Überwachung installiert werden musste, um Nutzungskonflikte zu unterbinden. Diese Aufgabe wurde von einer Bachgenossenschaft übernommen. Mitglieder waren nutzungsberechtigte Bacherben. An der Spitze des Gremiums stand als geborener Bachgraf der Besitzer des Hauses Iddelsfeld sowie sein Stellvertreter und Geschäftsführer, der Bachschultheiß. Ein Bachgericht oder Bachgeding tagte auf Grundlage einer Bachordnung. Die älteste Fassung ist aus dem Jahre 1218 überliefert. Am 19.3.1817 wurde die Bachherrschaft über die Strunde abgelöst. Die Aufgaben der Bachgenossenschaft übernahm eine Strunder-Bach-Kommission, die von der Regierung in Köln angeordnet wurde. Eine neue Strunderbachordnung wurde 1823 vorgelegt.

Etwa 300 Meter unterhalb des Quellbereiches ist bereits die erste Mühle, die Maltesermühle vorzufinden. Die Maltesermühle ergänzt das Ensemble der Malteserkomturei in Herrenstrunden, und war für alle Höfe der Kommende Zwangsmühle. Das gesamte Bachbett der Strunde wurde im Bereich Herrenstrunden mehrfach umgelegt.
Ein weiteres großes Mühlenanwesen ist die ehemalige Pulverfabrikation am „Gut Schiff“. Insbesondere hier wird deutlich, wie der Bach über die Jahre der wirtschaftlichen Nutzung umgelegt, bzw. durch Umbäche umgeleitet wurde. Um 1850 erwarb Theodor Eyberg das Schiffer Gut mit der oberen und unteren Pulvermühle von der Witwe Neuhöffer. Theodor Eyberg begann mit einer gründlichen Umstrukturierung des Anwesens. Die Strunde, im Urkataster noch unmittelbar am Berghang verlaufend, wurde zur Talmitte verlegt und begradigt. Hierdurch entstand ein hinreichend großer Bauplatz unterhalb der oberen Mühle.
Eigentümer zahlreicher Grundstücke im Quell- und Bachbereich war im ausgehenden 19. Jahrhundert, bzw. im 20. Jahrhundert die Firma J.W. Zanders, die sich mit den Liegenschaften die Wasserrechte am Strunderbach für die Papierproduktion sichern wollte. Die Firma erwarb die Grundstücke an der Strundequelle, die Malteserkomturei, Burg Zweiffel sowie Gut Schiff.

In der Rheinebene fließt die Strunde weitgehend in einem künstlichen Bachbett und verliert sich in trockenen Sommern im Boden.

Auch heute noch besitzt die Firma J.W. Zanders umfangreiche Grundstücke im Quellbereich der Strunde. Durch Tiefbohrungen am großen Quellteich wird ein Teil des Quellwassers abgesaugt und über eine Rohrleitung in die innerstädtische Papierfabrik Zanders geleitet. Mehrfach wird im Bachverlauf ersichtlich, dass die Strunde umgelegt wurde. Zwischen Quellteich und Komturei muss sie eine große Straßenkreuzung passieren und kommt erst an der Reithalle der Komturei wieder zum Vorschein. Im Bereich des Freibades Herrenstrunden wurde der kanalisierte Bach erst 1999/2000 als Ausgleichsmaßnahme geöffnet. Der schnurgerade Verlauf der Strunde an „Gut Schiff“ deutet auf die Verlegung und Begradigung des Baches in den 1850er Jahren hin.

(Andreas Kaul, Kulturlandschaftliche Inventarisierung „oberes Strundetal“/ Herrenstrunden, 2007)

Literatur

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St. Johannes der Täufer in Herrenstrunden. (Rheinisch-Bergischer Kalender.) S. 52-60. Bergisch Gladbach.
Arnold, Hans-Ludwig (2005)
Katholische Pfarrkirche Herrenstrunden St. Johannes der Täufer 1555-2005. Odenthal-Eikamp.
Becker, Heribert (1980)
Siedlungsgenetische Untersuchungen im südlichen Bergischen Land. Die Gestaltung ländlicher Siedlungstypen der vorindustriellen Zeit durch Sozialverfassung und Naturraumgefüge (Dissertation). Köln.
Burike, Günter (1980)
Bergisch Gladbach. Die Stadt und ihre Bürger. Bergisch Gladbach.
Frater, Harald (2004)
Geologische Streifzüge Köln, Bergisch Gladbach und Umgebung. Köln.
Hilden, Hans-Dieter / Jux, Ulrich (1990)
Ein Gebirgsbach verschwindet in Miebach bei Kürten. Die "Bachschwinde" – ein Beispiel für Dolinen- und Eisenerzbildung. (Rheinisch-Bergischer Kalender.) S. 179-186. Bergisch Gladbach.
Kistemann, Eva (2004)
Erlebnisweg: Kulturlandschaft entdecken, Band 1: Bergisch Gladbach - Durchs Strundetal und über die Rommerscheider Höhen. In: Rheinisch-Bergischer Kalender 2004, S. 123-129. Bergisch Gladbach.
Kistemann, Eva (2000)
Gewerblich-industrielle Kulturlandschaft Bergisch Gladbach 1820-1999. Essen.
Mettmann, Gisela (1982)
Glück und Leid in einer anderen Welt. Vom Werden und Vergehen – Die Mühlen am Strunderbach einst und jetzt - Aus alten Chroniken geplaudert – Spaziergang durchs Tal. (Rheinisch-Bergischer Kalender.) S. 25-34. Bergisch Gladbach.
Roth, Hermann Josef (1994)
Als die ersten Pflanzen dem Meer entstiegen… Das Bergische Land war einst Schauplatz einer ökologischen Wende. (Rheinisch-Bergischer Kalender.) S. 16-22. Bergisch Gladbach.
Schmitz, Hans-Jakob (1952)
Die Kreisstadt Bergisch Gladbach in Vergangenheit und Gegenwart. Wuppertal.
Schulte, Andree (1995)
Bergisch Gladbach. Stadtgeschichte in Straßennamen. Bergisch Gladbach.
Schulte, Frank (1979)
Die Mühlen an der Strunde. (Schriftenreihe des Bergischen Geschichtsvereins Abteilung Rheinisch-Bergischer Kreis, Band 2.) Bergisch Gladbach.

Strunde in Herrenstrunden

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Koordinate WGS84
51° 00′ 26,71″ N, 7° 10′ 55,2″ O / 51.00742°, 7.182°
Koordinate UTM
32U 372456.45 5652222.89
Koordinate Gauss/Krüger
2583002.55 5653137.39

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„Strunde in Herrenstrunden”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-11626-20110601-8 (Abgerufen: 21. Oktober 2017)
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