Spirituosenhersteller Verpoorten GmbH & Co. KG

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Historische Aufnahme von 1961: Eine Parlaments-Delegation aus der Republik Niger bei der Besichtigung der Firma "Verpoorten" in Bonn, im Bildvordergrund eine Flaschen-Abfüllanlage.

    Historische Aufnahme von 1961: Eine Parlaments-Delegation aus der Republik Niger bei der Besichtigung der Firma "Verpoorten" in Bonn, im Bildvordergrund eine Flaschen-Abfüllanlage.

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  • Luftbild-Aufnahme des Betriebsgeländes der Verpoorten GmbH & Co. KG am Potsdamer Platz in Bonn, Ansicht von Süden (2014). Auf den Dachflächen der Gebäude sind zahlreiche Solarzellen der insgesamt 3.500 Quadratmeter großen Photovoltaik-Anlage zu sehen.

    Luftbild-Aufnahme des Betriebsgeländes der Verpoorten GmbH & Co. KG am Potsdamer Platz in Bonn, Ansicht von Süden (2014). Auf den Dachflächen der Gebäude sind zahlreiche Solarzellen der insgesamt 3.500 Quadratmeter großen Photovoltaik-Anlage zu sehen.

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  • Historische Aufnahme von 1961: Eine Parlaments-Delegation aus der Republik Niger bei der Besichtigung der Firma "Verpoorten" in Bonn, rechts im Bild eine Mitarbeiterin beim Aufschlagen von Eiern.

    Historische Aufnahme von 1961: Eine Parlaments-Delegation aus der Republik Niger bei der Besichtigung der Firma "Verpoorten" in Bonn, rechts im Bild eine Mitarbeiterin beim Aufschlagen von Eiern.

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  • Der Hauptsitz des Spirituosenherstellers Verpoorten GmbH & Co. KG am Potsdamer Platz in Bonn (2015). Auf dem Dach des Gebäudes befindet sich der bekannte Werbeslogan "Ei, ei, ei, Verpoorten" als Leuchtreklame.

    Der Hauptsitz des Spirituosenherstellers Verpoorten GmbH & Co. KG am Potsdamer Platz in Bonn (2015). Auf dem Dach des Gebäudes befindet sich der bekannte Werbeslogan "Ei, ei, ei, Verpoorten" als Leuchtreklame.

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  • Produktionsgebäude des Spirituosenherstellers Verpoorten GmbH & Co. KG mit einer Anzeige zur Energieproduktion der Photovoltaik-Anlage auf der Fassade (2015).

    Produktionsgebäude des Spirituosenherstellers Verpoorten GmbH & Co. KG mit einer Anzeige zur Energieproduktion der Photovoltaik-Anlage auf der Fassade (2015).

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  • Der Hauptsitz und ein Produktionsgebäude des Spirituosenherstellers Verpoorten GmbH & Co. KG am Potsdamer Platz in Bonn (2015).

    Der Hauptsitz und ein Produktionsgebäude des Spirituosenherstellers Verpoorten GmbH & Co. KG am Potsdamer Platz in Bonn (2015).

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  • Produktionsgebäude des Spirituosenherstellers Verpoorten GmbH & Co. KG am Potsdamer Platz in Bonn (2015).

    Produktionsgebäude des Spirituosenherstellers Verpoorten GmbH & Co. KG am Potsdamer Platz in Bonn (2015).

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Während das vielleicht bekannteste Bonner Traditionsunternehmen HARIBO nach eigener Werbeaussage „die Kinder froh“ macht, hat der inzwischen seit fünf Generationen im Familienbesitz befindliche Eierlikör-Hersteller Verpoorten eine etwas andere Zielgruppe. Der Werbeslogan „Ei, ei, ei – Verpoorten…“ dürfte aber nicht unbedingt weniger bekannt sein.

Die frühe Firmengeschichte
Die Standorte Heinsberg, Berlin, Straubing…
… und schließlich Bonn
Ei, ei, ei Verpoorten… – der Slogan und die Erkennungsmelodie
Das Traditionsunternehmen heute
Internet

Die frühe Firmengeschichte
Die heute vor allem für die Herstellung von Markeneierlikör bekannte Verpoorten GmbH & Co. KG mit Hauptsitz in Bonn geht auf eine Gründung in Heinsberg bei Aachen zurück. Der aus Antwerpen stammende Destillateur Eugen Verpoorten (1815-1888) gründete hier 1876 eine „Liqueur-Fabrik & Colonialwaaren“, in der neben verschiedenen anderen Spirituosen und Kräuterlikören auch Eierlikör produziert wurde.
Dieses Getränk wurde unter seinem ursprünglichen Namen Abacate im 17. Jahrhundert von den europäischen Kolonialfahrern im heutigen Brasilien bei Ureinwohnern des Amazonas entdeckt:
„Aus dem mit Avocados hergestellten Getränk wurde unter Beimischung von Rohrzucker und Rum “Advocaat„, die Vorform des heutigen Eierlikörs.“ Diese Vorform entwickelte Eugen Verpoorten 1876 über eine spezielle Rezeptur weiter zum „Eierlikör in seiner heutigen Form in dem Bestreben, dieses Getränk zu imitieren. Da Avocados in Europa schlecht verfügbar waren, verwendete er stattdessen Eigelb.“ (Zitate nach de.wikipedia.org, Eierlikör)
Die genaue Rezeptur des Eierlikörs – die Zutaten sind neben dem Eigelb in der Regel noch Alkohol und Zucker oder Honig – wird seit der Firmengründung streng gehütet und soll auch seitdem nicht verändert worden sein.
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Die Standorte Heinsberg, Berlin, Straubing…
Nachdem zunächst Eugen Verpoortens Sohn Matthias Joseph Hubert (1859-?) das Geschäft übernahm, ging es in dritter Generation an Willy Verpoorten (1896-1956) über. Dieser sah im französisch besetzten Rheinland keine erfolgversprechenden Aussichten und verlegte die Produktionsstätte 1920 von Heinsberg nach Berlin. Dort wurden die Anlagen im Zweiten Weltkrieg 1944 zerstört, ein Wiederaufbau erfolgte hier erst 1960.
Der Neubeginn nach dem Krieg ging daher im bereits 1936 durch Willy Verpoortens Frau Elly (1900-1968) eröffneten Zweigbetrieb in Straubing (Niederbayern) vonstatten.
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… und schließlich Bonn
1952 wurde mit dem Bau des heutigen Hauptsitzes am Potsdamer Platz in Bonn begonnen. Die seinerzeit noch stets als lediglich „vorläufiger Regierungssitz“ benannte Stadt erlebte in diesen Jahren einen rasanten Ausbau zur – de facto – neuen Bundeshauptstadt, der natürlich auch einige Unternehmen anzog.
Zur Sicherung der Qualität wurden am Bonner Standort bereits 1965 modernste Eieraufschlag- und Kontrollmaschinen installiert (1988/89 modernisiert) und 1989 ein hauseigenes Labor für Lebensmitteluntersuchungen eingerichtet.

In den 1990er Jahren wurde der Firmensitz am Potsdamer Platz arrondiert um hier auch die Berliner Produktionsstätte zu integrieren (Grundstückszukäufe 1993 und 1997) und es erfolgten weitere Ausbauten, darunter ein neues Fertigwaren-Tanklager 1993 (erweitert 2000), eine Fertigungs- und Lagerstätte 1994 sowie klimatisierte Lager für Flaschenwaren im Jahr 1997.
Im Zuge der Energiewende wurde 2011 auf den Firmendächern eine der größten Photovoltaik-Anlagen in Bonn mit 3.500 Quadratmetern Fläche in Betrieb genommen, welche stündlich bis zu 183,4 Kilowatt Strom erzeugt. Ein Jahr später ging als zweite innovative Energiequelle ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk in Betrieb.
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Ei, ei, ei Verpoorten… – der Slogan und die Erkennungsmelodie
Seit 1955 führte Viktor Verpoorten (1922-2003) die Geschäfte in nunmehr vierter Generation. Er war es auch, der die Werbeaktivitäten für die Produkte forcierte – zunächst vor allem in Zeitungsanzeigen und dann verstärkt auch im neuen Massenmedium Fernsehen.
Unter Viktor Verpoortens Ägide entstand 1961 auch der seitdem unverändert beibehaltene und weit bekannte Werbeslogan: das eingängige Lied „Ei, ei, ei Verpoorten, ob hier ob allerorten“, welches den etwas weniger griffigen Vorgänger „Erquickt den Gaumen, labt und kräftigt, stimmt froh und heiter, daheim und allerorten: Verpoorten“ ablöste.

„Ei, ei, ei Verpoorten …“ wurde von dem populären deutschen Schlager aus dem Jahr 1950 „(Ay, ay, ay,) Maria aus Bahia“ von René Carol (1920-1978, bürgerlich Gerhard Tschierschnitz) abgeleitet, der Text stammt von dem Schlagertexter und Produzenten Kurt Feltz (1910-1982).
Dieser deutsche Schlager wiederum basierte auf dem französischen Lied aus dem Jahr 1948 „Maria de Bahia“ von André Hœnez und dem vor allem als Filmkomponist bekannt gewordenen Paul Misraki (1908-1998) und war in der Version des Orchesterchefs Raymond „Ray“ Ventura (1908-1979) ein französischer Hit des Jahres 1948.

Der Text handelt von der Sambatänzerin Maria aus der drittgrößten Stadt Brasiliens São Salvador da Bahia de Todos os Santos (Heiliger Erlöser von der Bucht der Allerheiligen, das heutige Salvador). In allen Fassungen des Lieds werden die Refrain-Zeilen „Ay, ay, ay, Maria“ immer wieder wiederholt, teils auch im Wechsel mit einer weiblichen Duettpartnerin (vgl. youtube.com).
Die für Schlager typische Eingängigkeit von Melodie und Text zusammen mit dem südamerikanischen Samba-Rhythmus schlugen in der Kombination als Erkennungsmelodie perfekt die Brücke zu dem vermeintlich exotischen Produkt aus den Urwäldern des Amazonas. Bei „Ei, ei, ei Verpoorten …“ passte alles – und das gilt offenbar bis heute – wie die Faust auf’s Auge. Oder besser: wie das Ei in den Likör.
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Das Traditionsunternehmen heute
Seit 2001 steht Verpoorten unter der Leitung von William Verpoorten (*1956) und befindet sich damit bereits in der fünften Generation in Familienbesitz.
Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen etwa 100 Mitarbeiter bei einem „stabilen Umsatz“ von jährlich rund 50 Millionen Euro. Täglich werden bis zu 130.000 Flaschen abgefüllt, die in etwa 30 Länder exportiert werden. 2009 habe man „entgegen dem Branchentrend (…) die Erlöse um einige Prozentpunkte steigern können.“ (sueddeutsche.de).
Neben der Eierlikör-Produktion stellt mittlerweile auch die Lizensierung der eigenen Produkte und des bekannten Markennamens ein weiteres Standbein des Unternehmens dar. Unter dem Namen „Verpoorten“ werden heute unter anderem auch Tiefkühltorten, Gebäck, Pralinen, Schokolade, Eiscreme und Desserts erfolgreich vermarktet.
Und auch wenn die Werbung des Traditionsunternehmens sich in jüngerer Zeit zunehmend auch auf digitale Internet-Plattformen wie Facebook oder YouTube verlagert (verpoorten.de) – der bekannte Slogan „Ei, ei, ei – Verpoorten“ strahlt nach wie vor Ei-gelb auf dem Dach des Bonner Hauptgebäudes.

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2015 / freundliche Hinweise von Frau Sandra Dülpers, Verpoorten GmbH & Co. KG)
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Internet
eieiei.verpoorten.de: Website des Unternehmens (abgerufen 26.01.2015)
www.verpoorten.de: Historie, Verpoorten Firmenchronik (Stand November 2014, abgerufen 26.01.2015)
www.youtube.com: René Carol und Danielle Mac – Maria aus Bahia (abgerufen 20.04.2015)
www.youtube.com: Ray Ventura - Maria de bahia (abgerufen 30.04.2015)
www.aachener-zeitung.de: „Eierlikör tritt seinen Siegeszug in Heinsberg an“ (Aachener Zeitung vom 23.12.2003, abgerufen 26.01.2015)
www.sueddeutsche.de: „Wir sind in der Gattung Eierlikör gefangen“, Interview mit William Verpoorten (Süddeutsche Zeitung vom 02.04.2010, abgerufen 26.01.2015)
de.wikipedia.org: Verpoorten GmbH & Co. KG (abgerufen 26.01.2015)
de.wikipedia.org: Eierlikör (abgerufen 26.01.2015)
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Literatur

Flink, Klaus (1978)
Bonn (2. verbesserte und ergänzte Auflage). (Rheinischer Städteatlas, Lieferung I, Nr. 6.) Köln.
Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 151-156, Stuttgart.

Spirituosenhersteller Verpoorten GmbH & Co. KG

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Potsdamer Platz
Ort
53119 Bonn
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1952
Koordinate WGS84
50° 44′ 31,79″ N, 7° 04′ 47,76″ O / 50.74216°, 7.07993°
Koordinate UTM
32U 364529.31 5622911.1
Koordinate Gauss/Krüger
2576270.85 5623520.13

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„Spirituosenhersteller Verpoorten GmbH & Co. KG”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-113569-20150126-2 (Abgerufen: 23. Mai 2018)
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