Eisenzeitliche Wallanlage Erdenburg in Moitzfeld

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Bergisch Gladbach
Kreis(e): Rheinisch-Bergischer Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Eisenzeitliche Wallanlage „Erdenburg“ bei Bergisch Gladbach-Moitzfeld, Grabungsphoto 1934-35

    Eisenzeitliche Wallanlage „Erdenburg“ bei Bergisch Gladbach-Moitzfeld, Grabungsphoto 1934-35

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  • 2017 Archäologietour Bergisches Land, Infoblatt Eisenzeitliche Wallanlage Erdenburg in Bergisch Gladbach-Moitzfeld (PDF-Datei)

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  • Eisenzeitliche Wallanlage „Erdenburg“ bei Bergisch Gladbach-Moitzfeld im digitalen Geländemodell

    Eisenzeitliche Wallanlage „Erdenburg“ bei Bergisch Gladbach-Moitzfeld im digitalen Geländemodell

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  • Eisenzeitliche Wallanlage „Erdenburg“ bei Bergisch Gladbach-Moitzfeld, historische Rekonstruktion der Toranlage

    Eisenzeitliche Wallanlage „Erdenburg“ bei Bergisch Gladbach-Moitzfeld, historische Rekonstruktion der Toranlage

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  • Eisenzeitliche Wallanlage „Erdenburg“ bei Bergisch Gladbach-Moitzfeld. Grabungsplan mit Ergänzungen (1935, 2017)

    Eisenzeitliche Wallanlage „Erdenburg“ bei Bergisch Gladbach-Moitzfeld. Grabungsplan mit Ergänzungen (1935, 2017)

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Westlich des Ortes Moitzfeld und südöstlich von Bensberg liegt auf einer heute bewaldeten Randhöhe des Bergischen Landes eine Befestigungsanlage aus vorrömischer Zeit. Eine dreifache ovale Wall-Grabenanlage umschließt einen Innenraum von 230 mal 165 Metern Fläche.

„Germanenkult“ und frühe Forschung
Massiver Schutz - aber wofür?
Zentralort mit Einfluss?
Hinweise

„Germanenkult“ und frühe Forschung
Die beeindruckende Struktur erweckte schon früh die Neugier der Archäologen. Insbesondere in der NS-Zeit erbrachte ihre exponierte Lage in Richtung der Rheinebene, sowie ihr vermeintlich „germanischer“ Kontext der Erdenburg einige Berühmtheit ein. Erstmalig wurde sie 1935 archäologisch untersucht. Die Ergebnisse dieser Grabung wurden damals, als erste Forschungsgrabung „des Reichsführers SS“, zu Propagandazwecken missbraucht. Abseits der Propaganda wurden die Ausgrabungen von den örtlichen Grabungsleitern gut dokumentiert, sodass die Ergebnisse auch heute noch einwandfrei nachvollziehbar sind.
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Massiver Schutz - aber wofür?
Ein großer Grabungsschnitt wurde durch die heute noch im Gelände sichtbaren Gräben und Wälle im Osten der Anlage gelegt. Dabei wurden drei tiefe Spitzgräben angetroffen, die hintereinander gestaffelt die Bergkuppe umschließen. Hinter den Gräben wurden jeweils Erdwälle beobachtet. Die äußeren Gräben wurden durch Palisaden verstärkt, innerhalb des inneren Grabens schütze eine aufwändig konstruierte Holz-Erde-Mauer die Anlage. Von den ehemals aus Holz konstruierten äußeren Wallbefestigungen wurden Pfostengruben bzw. ein Palisadengraben angetroffen, in denen die Holzpfosten eingelassen waren. Ein weiterer Grabungsschnitt im Nordosten konnte belegen, dass die Anlage in diesem Teilbereich wohl nie ganz fertiggestellt worden war.
Im Westen der Anlage wurde eine Toranlage aufgedeckt. Das Tor, das einen etwa 6 Meter breiten Durchgang sicherte, wies einen zwingerartig befestigten Innenraum auf. Die Ausgräber rekonstruierten ein durch einen Wehrgang überbrücktes Außentor, das im Inneren von einer Art Bastion und einem hölzernen Turm flankiert wird. Die Stärke der verbauten Pfosten würde eine mehrgeschossige Anlage problemlos erlauben.
Innerhalb der Anlage wurde keinerlei Innenbebauung angetroffen, archäologische Funde blieben in diesem Bereich ebenfalls aus. Die Ausgräber schlossen daraus auf eine ausschließlich „militärisch-strategische“ Funktion der Anlage, eine Nutzung als Fliehburg in Notzeiten für die umliegende Bevölkerung wurde als unwahrscheinlich erachtet. Allerdings wurden im Innenraum der Anlage nur sehr kleine Flächen aufgedeckt, möglicherweise lagen die Schnitte einfach neben den ehemals vielleicht vorhandenen Gebäuden.
Eine Nachuntersuchung im Jahr 1968 erbrachte aus einer an der Wallsohle gelegenen Brandschicht Holzkohlereste, die mit Hilfe der Radiokarbondatierung (14C-Methode) datiert werden konnten. Allerdings muss die damalige Datierung, die auf eine Erbauungszeit der Anlage vor der Ankunft der Römer hinweist, heute quellenkritisch als nicht gesichert angesehen werden.
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Zentralort mit Einfluss?
Zur zeitlichen Einordnung können aber die Funde zu Rate werden. Die geborgenen Keramikscherben sind sehr einheitlich. Im Vergleich mit anderen Siedlungsplätzen aus dem Umland von Köln datieren die Funde in die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. und damit auch eindeutig vor die römische Okkupation des linksrheinischen Rheinlandes durch die Römer. Wenige Metallfunde ergänzen das Bild: Auch eine Eisenfibel sowie ein Eisenmesser finden gute Vergleiche im Fundspektrum der jüngeren vorrömischen Eisenzeit der Region.
Der Interpretation der NS-Zeit, dass die Anlage als eine „Germanische Festung aus den Römerkriegen“ (Westdeutscher Beobachter vom 14.11.1935) anzusehen sei; muss also eindeutig zurückgewiesen werden. Wir wissen, dass der Ringwall älter ist und somit ist die Erdenburg ein gutes Beispiel für eine Instrumentalisierung archäologischer Hinterlassenschaften durch das NS-Regime.
Schwierigkeiten bereitet die Einordnung der Erdenburg in das wenig bekannte eisenzeitliche Siedlungsgefüge des Bergischen Landes. Erst in jüngster Zeit konnten in der Region Wallanlagen in die späte Eisenzeit datiert werden, die offenbar in Verbindung mit Bergbau und Metallverhüttung entstanden. Aufgrund der natürlichen Vorkommen von Eisen und Kupfer im näheren Umfeld erscheint es möglich, dass auch der Bau der Erdenburg mit Bergbauaktivitäten zusammenhängt. Die genaue Funktion der Anlage kann zurzeit aber nicht erschlossen werden.
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(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2017)

Hinweise
Die eisenzeitliche Wallanlage Erdenburg ist wertgebendes Merkmal des Kulturlandschaftsbereichs Haus Lerbach, Bereich nördlich Bensberg (Regionalplan Köln 378). Sie ist eingetragenes Bodendenkmal (Bergisch Gladbach 5; LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, GL 13) und war Station der Archäologietour Bergisches Land 2017.
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Literatur

Buttler, Werner (1936)
Die Erdenburg bei Bensberg, Bez. Köln, eine germanische Festung der Spätlatènezeit. Vorläufiger Bericht. In: Germania 20, S. 173-184. o. O.
Buttler, Werner; Schleif, Hans (1937)
Die Erdenburg bei Bensberg (Rheinisch-Bergischer Kreis). Eine Ausgrabung des Reichsführers-SS. In: Prähistorische Zeitschrift 38, S. 184-232. o. O.
Janssen, Walter; Grewe, Klaus (1974)
Vor- und frühgeschichtliche Wehranlagen im Rheinisch-Bergischen Kreis. In: Rheinisch-Bergischer Kalender, S. 119-120, o. O.
Müller-Wille, Michael (1969)
Wehranlagen im nördlichen Rheinland. In: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 15, Nr. 21, Mainz.

Eisenzeitliche Wallanlage Erdenburg in Moitzfeld

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Platzer Höhenweg
Ort
51429 Bergisch Gladbach - Moitzfeld
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Geländebegehung/-kartierung, Archäologische Prospektion
Historischer Zeitraum
Beginn -500 bis -100
Koordinate WGS84
50° 58′ 11,93″ N, 7° 10′ 34,46″ O / 50.96998°, 7.17624°
Koordinate UTM
32U 371949.32 5648069.95
Koordinate Gauss/Krüger
2582664.71 5648966.11

Empfohlene Zitierweise

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„Eisenzeitliche Wallanlage Erdenburg in Moitzfeld”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-110499-20141219-2 (Abgerufen: 20. Mai 2018)
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