Militärischer Flugplatz auf der Musser Heide

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Asbach (VG Asbach), Bad Honnef, Buchholz (Westerwald), Königswinter, Windhagen
Kreis(e): Neuwied, Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz
  • Munitionsbunker in der Musser Heide/Schwirzpohler Wald

    Munitionsbunker in der Musser Heide/Schwirzpohler Wald

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  • Munitionslager Wühlscheid, Bombentrichter

    Munitionslager Wühlscheid, Bombentrichter

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    Munitionsbunker in der Musser Heide/Schwirzpohler Wald

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  • Munitionsbunker in der Musser Heide/Schwirzpohler Wald

    Munitionsbunker in der Musser Heide/Schwirzpohler Wald

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  • Munitionslager Wühlscheid, Grundriss des Kasinos

    Munitionslager Wühlscheid, Grundriss des Kasinos

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Auf Veranlassung des Luftgaukommandos VI aus Münster wurde ab 1936 mithilfe privater Firmen und des Reichsarbeitsdienstes in der Musser Heide südöstlich von Eudenbach der militärische Flugplatz Eudenbach mit den zugehörigen militärischen Anlagen errichtet. Neben drei Lagern für die Mannschaft baute man zwei Munitionsdepots und verbindenden Gleisanlagen mit Be- und Entladestelle. Noch während der Bauarbeiten bezog die Bauleitung 1938 das Lager Eudenbach. Nach einer Erweiterung des Flugplatzes erfolgte die endgültige Fertigstellung im Jahr 1943.

Einsatzflughafen
Der Flugplatz Eudenbach war ein Einsatzhafen zweiter Ordnung, der im Geheimen gebaut und erst im Falle einer Mobilisierung genutzt werden sollte. Einsatzhäfen zweiter Ordnung waren zumeist durch Weideflächen getarnt und durch Zivilbedienstete bewirtschaftet. Man errichtete nur wenige Gebäude in Form von Scheunen und Wohnhäusern, in die das Flugzeugbedienungsgerät und zerlegbare Baracken eingelagert waren. In Eudenbach wurde das Rollfeld gewalzt, jedoch zur Tarnung nie in Beton ausgebaut. Da das Personal in den angrenzenden Lagern untergebracht war, gab es am Südrand des Flugplatzes lediglich ein Wohnhaus und vier Baracken. In diesem Bereich und am Rande des Flugplatzes verteilt befanden sich auch Tanks für Flugbenzin sowie ab 1944 eine Flakstellung zum Schutz des Flugplatzes. Die 2 cm-Vierlingsflak war von Stellungen umgeben, die mit Holzbalken abgedeckt und mit Grassoden getarnt waren. Im Nordosten auf rheinland-pfälzischem Gebiet befand sich eine Entladestelle für Güterwagen der Reichsbahn, die man auf Rollbockwagen über die Landstraße Eudenbach-Buchholz angelieferte.
1944 waren die Jagdgeschwader 6 und 51, ab Januar 1945 die 3. Staffel des Nachtschlachtgeschwaders 2 in Eudenbach stationiert. Die Flugzeuge wurden in den Niederlanden und bei heranrückender Front in Aachen, Geilenkirchen und im Hürtgenwald eingesetzt. Nachdem die amerikanischen Streitkräfte am 7. März 1945 den Rhein bei Remagen überschritten hatten, ließ man den Flugplatz und die Lager räumen. Ab dem 25. März starteten von Eudenbach amerikanische Flugzeuge zur Großoffensive in Richtung Altenkirchen, Sieg und Ruhrkessel. Zudem richtete man eine Rot-Kreuz-Station ein, die mehrere Monate bestand.
Um Munition zu vernichten, erfolgen auf dem Flugplatz 1949 letztmalig Sprengungen. Ab 1950 wurde er zunächst als Modellflugplatz, seit 1957 als Sportflugplatz genutzt.

Munitionsdepot Musser Heide
Westlich des Flugplatzes errichtete man 1940 das Munitionsdepot Musser Heide, um dort Bomben und Munition für die Flugzeuge zu lagern. Es wurden fünf Betonbunker und zwei Wachen gebaut. Die Bunker umfassten einen großen Lagerraum aus U-förmig angelegten Betonwänden mit Betondecke und befestigtem Boden. Umgeben war der Lagerraum von einer U-förmigen Erdaufschüttung. Die Bunker konnten zum Be- und Entladen mit LKW befahren werden.
Vor dem Abrücken im März 1945 wurden die Munitionsbunker durch die deutschen Truppen gesprengt, erneute Sprengungen erfolgten 1947 durch einen belgischen Räumungsverband. Da man die Reste der Bunker nach den Sprengungen nicht beseitigte, finden sich noch heute versprengte Betonteile und Mauerreste sowie nicht vollständig zerstörte Erdaufschüttungen.

Munitionslager Wülscheid
Baubeginn im südwestlich gelegenen Munitionslager Wülscheid war ebenfalls 1940. Hier wurden aus Bombenhülsen und kleineren Sprengkörpern Bomben hergestellt und kurz vor dem Verladen in die Flugzeuge Zünder in die Bomben eingebaut. Die Munition deponierte man in Holzhütten, die im Wald versteckt lagen. Sie wurden aus vorgefertigtem Fachwerk vor Ort zusammengeschraubt und außen mit Brettern verkleidet. Am Forsthaus Orscheid im Südwesten des Lagers lag eine mit Tarnnetzen abgedeckten Halle, in der die Munition entweder ausgeladen oder in den Waggons von der aus Siegburg kommenden Schmalspurbahn auf ein lagerinternes Normalgleis umgesetzt und weitertransportiert wurde. Der Weg von Orscheid ins Lagergelände verläuft auf der Trasse der lagerinternen Bahn.
Das Kasino des Lagers befand sich im Norden am Ortsrand von Wülscheid. Hier gastierten im Laufe der Belegung verschiedene Fronttheater. Wahrscheinlich handelt es sich bei den in Wegesnähe erhaltenen Fundamenten eines Gebäudes um die Reste dieses Kasinos.
Als die amerikanischen Truppen näher rückten und der Flugplatz aufgegeben werden musste, befand sich noch Munition im Lager, die man dem Feind nicht überlassen wollte. Aus diesem Grund sprengte die deutsche Besatzung am 10. März 1945 einen mit Munition beladenen Eisenbahnwagen. Bei der gewaltigen Detonation entstand im zentralen Lagerbereich ein großer Krater, der sich heute direkt am Weg als Teich zeigt. Von den Kämpfen um das Gebiet des Munitionslagers in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges im Siebengebirge zeugen amerikanische Schützenlöcher und Schützengräben, die sich bis heute erhalten haben.

Lager für die Mannschaften
Das Lager Eudenbach lag im Nordwesten des Flugplatzes. Neben einem Appellplatz gab es hier Unterkünfte für die Admiräle, die Kommandantur, eine Kleiderkammer, eine Küche, ein Krankenrevier sowie einen Glockenturm. Zudem war im Lager ab 1943 der seemännische Teil der Seeberufsfachschule (später Unteroffiziersvorschule) untergebracht.
Das Lager Südwest bestand aus mindestens neun Gebäuden, von denen einige auf künstlichen Plateaus errichtet wurden. Hier absolvierten die Auszubildenden den technischen Teil der dreijährigen Ausbildung zum Seekadetten.
Die Gebäude beider Lager sowie des Lagers Buchholz in Rheinland-Pfalz blieben bei der Übernahme durch die amerikanischen Streitkräfte trotz massivem Artilleriebeschuss weitgehend unbeschädigt. Sie wurden erst nach der Freigabe durch die amerikanischen Truppen von den Bewohnern der umliegenden Orte peu à peu abgebaut und für die Instandsetzung und den Wiederaufbau der Häuser genutzt. Im Bereich des Lagers Eudenbach errichtete die Bundeswehr 1970 ein Materiallager, welches jedoch mittlerweile aufgelassen ist.

(Christiane Schmidt, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2014)

Literatur

Fuhr, Wilbert (2007)
Die Geschichte des Fundplatzes Eudenbach auf der Musser Heide. (Königswinter in Geschichte und Gegenwart 10.) Königswinter.
Fuhr, Wilbert (1998)
Der Einsatz(flug)hafen Eudenbach. Bau und Belegung von 1936 bis 1945. Königswinter.
Gückelhorn, Wolfgang (2007)
Archäologie des II. Weltkrieges am Mittelrhein. In: Bodendenkmäler, Bauten und Ruinen erinnern 1, S. 71–73. Aachen.
Schmidt, Christiane (2014)
Einsatzflughafen Eudenbach, Rhein-Sieg-Kreis. In: Hoppe, Wiebke / Wegener, Wolfgang, Archäologische Kriegsrelikte im Rheinland. Führer zu archäologischen Denkmälern im Rheinland 5, S. 338–342. Essen.

Militärischer Flugplatz auf der Musser Heide

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
Keine Angabe
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1936, Ende 1945 bis 1949
Koordinate WGS84
50° 40′ 13,77″ N, 7° 21′ 30,52″ O / 50.67049°, 7.35848°
Koordinate UTM
32U 384004.13 5614468.91
Koordinate Gauss/Krüger
2596077.55 5615871.8

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„Militärischer Flugplatz auf der Musser Heide”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-107489-20141110-5 (Abgerufen: 14. Dezember 2017)
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