Münzmeisterhaus der kurfürstlichen Münze

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Koblenz
Kreis(e): Koblenz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Seit Erzbischof Eberhard (1047-1066) wurde in Koblenz gemünzt. Durch Erzbischof Balduin wurde dies in größerem Umfang betrieben. Seit Erzbischof Ulrich von Manderscheid (1430-1436) wurde ausschließlich in Koblenz gemünzt. Die Werkstätten waren urspünglich weit über das Stadtgebiet verteilt.

Im Jahre 1667 kaufte der Kurfürst Karl Kasper die Behausung „Die Müntz“ auf dem Altenhof mit anhängendem Garten. 1.600 Reichstaler zahlte er den Erben des verstorbenen Münzmeisters Elpertskirch. Zu diesem Besitztum erwarb die Hofkammer noch weitere anstoßende Häuser der Westseite der Judengasse. So enstand im Laufe der Jahre ein großes Areal, welches fast das gesamte Gebiet des heutigen Münzplatzes einnahm.

1650 wurden rund um „Die Müntz“ neue Gebäude errichtet und bestehende umgebaut. Im Jahr 1680 bis 1682 fanden Ausbesserungen am Dachwerk der Gebäude statt. 1761 wurden wieder Gebäude angekauft und das Areal somit erweitert. Im Jahre 1763 wurde vom Maurermeister Margareta und dem Zimmermeister Wirth ein neues Wohnhaus errichtet. Dieses Gebäude ist heute erhalten und als „Kurfürstliche Münze“ bekannt. Das Haus wurde an kurfürstliche Beamte vermietet. Das Münzmeisterhaus der kürfürstlich-trierischen Münze befand sich am rechten Rand des Platzes, des heutigen Münzplatzes und bildet das einzige erhaltene Gebäude der Alten Münze. Es wurde 1761/63 unter der Leitung von Johann Seiz errichtet und fungierte als Wohnhaus des Münzmeisters Meydinger.
Zur Münze gehörten damals mehrere Gebäude: die Schmelze, die Strecke, das Pochwerk, die Schlosserei, die Weißstückküche, die Glühhöfe sowie das Probierhaus. Das Münzgebäude stand ursprünglich an einem anderen Standort, bis unter Kurfürst Karl Kaspers von der Leyen im Jahr 1667 das Gründstücke zum Münzprägen im Bereich des heutigen Münzplatzes aufgekauft wurden. Seit Erzbischof Eberhard (1047/66) wurden in Koblenz Münzen für das Erzbistum Trier geprägt.

Seit 1773 sind in Koblenz keine Münzen mehr geschlagen worden. Die Gebäude der Koblenzer Münze wurden 1773 geschlossen, versteigert und der Standort nach Ehrenbreitstein verlegt. Bis zum Einmarsch Napoleons wurden bis 1794 dort Münzen geprägt. Die französische Verwaltung ließ 1806 die verfallenen Münzgebäude versteigern. Der Steigerer war verpflichtet alle Gebäude bis auf das 1763 errichtete Wohnhaus abzureißen. Es sollte Platz für einen Gemüsemarkt geschaffen werden. Teile des gegenüberliegenden Metternicher Hofs wurden am Anfang des 19. Jahrhunderts aufgekauft, so dass sich das Areal des Gemüsemarktes erweiterte. Der heutige Münzplatz entwickelte aus sich diesem Gefüge.
Das ehemalige Wohnhaus des Münzmeisters Meydinger ist ein zweistöckiger Barockbau, welcher durch Rund- und Segmentbodenfenster schlicht gestaltet ist. Ein nachträglich aufgesetztes Zwerchhaus mit profiliertem Dreiecksgiebel befindet sich an der südlichen Schmalfront. Original erhalten sind der Dachstuhl, die alte Holztreppe im Inneren sowie die Stuckdecke im ersten Obergeschoss. Das zweigeschossige Haus ist 17,49 m lang und 10 m breit. Das Gebäude wurde in Ziegelmauerwerk errichtet.

Die Alte Münze ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz (DSchG) und in die Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz eingetragen. Seit 2002 ist die Alte Münze Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.

(Carina Meyer, Simon Künzel und Miriam Lux, Universität Koblenz-Landau, 2014)

Literatur

Böckling, Manfred / Koblenz-Touristik (Hrsg.) (2008)
Koblenz an Rhein und Mosel - Ein Stadtführer. Koblenz.
Dellwing, Herbert / Kallenbach, Reinhard (2004)
Stadt Koblenz, Innenstadt. (Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 3.2.) Worms.
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2011)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreisfreie Stadt Koblenz (Denkmalverzeichnis Koblenz, 15. April 2011). Koblenz. Online verfügbar: http://denkmallisten.gdke-rlp.de/Koblenz.pdf, abgerufen am 24.09.2013
Kerber, Dieter (2000)
Alt-Koblenz. Auf den ersten Blick. Gudenbergs-Gleichen.
Kleber, Hans-Peter / Koelger, Michael / Schmidt, Hans Joseph (1997)
Koblenz. Gestern und heute - eine Gegenüberstellung. Koblenz.
Koblenz Touristik (Hrsg.) (2011)
Koblenz Stadtführer. Fulda.
(2014)
Koblenz am Mittelrhein. Münzplatz. Mainz.

Münzmeisterhaus der kurfürstlichen Münze

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Münzplatz
Ort
56068 Koblenz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1761 bis 1763
Koordinate WGS84
50° 21′ 41,03″ N, 7° 35′ 41,46″ O / 50.3614°, 7.59485°
Koordinate UTM
32U 400055.69 5579757.66
Koordinate Gauss/Krüger
3400090.82 5581549.85

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„Münzmeisterhaus der kurfürstlichen Münze”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-102953-20140911-5 (Abgerufen: 26. Mai 2018)
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