Bei der Salzförderung werden Mineralquellen angezapft und auf die Gradierwerke gepumpt, wo das Wasser „in unzähligen Tropfen entlang der etwa 8 Meter hohen Dornwände in Auffangbecken“ rieselt (Kreisverwaltung Bad Kreuznach 1991, S. 41). Die Luft in der Umgebung wird bei der Verdunstung des Wassers an den Gradierwerken mit verschiedenen Salzen angereichert, was besonders gesundheitsförderlich ist. Bekannt ist die sogenannte „Kreuznacher Mutterlauge“, die „alle in der Kreuznacher Sole enthaltenen Salze in starker Konzentration mit Ausnahme des ihr entzogenen Kochsalzes“ enthält und zu Heilzwecken verwendet wird (Kreisverwaltung Bad Kreuznach 1991, S. 42).
1778 wurde die Saline Karlshalle und 1783 die Saline Theodorshalle an die kurfürstlichen Generalsalzpächter Schmalz und Seligmann übergeben, die bis zur Eingliederung des Rheinufers in den französischen Staat für einen Aufschwung in der Salzproduktion sorgten. 1807 wurden die beiden Salinen einer Aktiengesellschaft überschrieben, welche zwischen 1807 und 1815 wesentlich weniger Salz produzierte als möglich gewesen wäre. Da die Salinen im Jahre 1815 an den Großherzog von Hessen fielen, musste die Stadt Kreuznach, die im Gebiet von Preußen lag, nun einen hohen Zoll für Salz- und Solelieferungen zahlen. 1817 wurde die gesundheitliche Qualität und Anwendung der Sole und Mutterlauge offiziell von dem Arzt Dr. Johann E. P. Prieger anerkannt (Kreisverwaltung Bad Kreuznach 1991, S. 42).
Die Stadt konnte sich erst von dem Abhängigkeitsverhältnis zu Hessen trennen, als 1832 auf dem Badewörth eine eigene Solequelle entdeckt wurde. Daraufhin wurde 1834 die „Solbäder-Aktiengesellschaft“ gegründet und ein erstes Badehaus mit zwölf Wannen in der Nähe der neu erschlossenen Quelle gebaut (Ebbeke 1990, S. 94). 1841 bis 1842 folgte der Bau des ersten Kurhauses, dem Kurgarten und einer Platanenallee; 1858 konnten mit der Eröffnung der Rhein-Nahe-Bahn vermehrt Badegäste anreisen. 1897 konnte die Stadt die Salinen Karlshalle und Theodorshalle für 1,1 Millionen Mark zurückkaufen (Kreisverwaltung Bad Kreuznach 1991, S. 42). Die Salzproduktion wurde im Jahre 2000 eingestellt (Fey 2007, S. 78).
Im Jahre 1904 entdeckte der Chemiker und Apotheker Dr. Karl Aschoff die Radioaktivität der Solequellen (Ebbeke 1990, S. 95). 1911 wurde das Zentralbäderhaus gebaut und 1912 ein Radon-Inhalatorium als Pavillionbau über einer Quellenhalle vor dem Rudolf-Stollen, in dem in einem Raum die radonhaltige Luft aus dem Inneren des Stollens inhaliert werden kann. Der Radonstollen wurde in den 1960er Jahren stillgelegt und 1974 unter dem engagierten Einsatz von Sanitätsrat Dr. Hans Jöckel wieder eröffnet. Als Anerkennung seiner Leistung wurde der Stollen 2014 in „Sanitätsrat-Dr.-Jöckel-Stollen“ umbenannt (Kreuznach-Blog).
Von 1912-1913 wurde ein neues Kurhaus gebaut und 1956 das Hotel Kurhaus eröffnet.
Das Salinental zwischen Bad Kreuznach und Bad Münster gilt heute als Kulturlandschaft. Die dortigen Gradierwerke mit einer Gesamtlänge von 1,1 km und einer Höhe von 9 Metern gelten als Europas größtes Freiluftinhalatorium (Freiluftinhalatorium Salinental). Sie liegen direkt an einem Freibad und können von Besuchern besichtigt werden. Dort befindet sich außerdem ein restauriertes Wasserrad, welches anhand der Wasserkraft der Nahe Triebwerkgestänge in Gang setzt und somit Sole auf die Gradierwerke transportiert.
Weitere Gesundheitseinrichtungen in der Stadt sind das Crucenia Gesundheitszentrum, das Thermalbad Crucenia Thermen, das Bäderhaus, die Kneippanlage und Wassertrete im Kurpark und die Totes-Meer-Salzgrotte. Hinter dem Kurhotel befindet außerdem sich ein frei zugänglicher Solezerstäuber.
(Anne Zaschel, Universität Koblenz-Landau, 2014)
Internet
www.bad-kreuznach-tourist.de - Freiluftinhalatorium Salinental (Abgerufen: 26.08.2014)
www.bad-kreuznach-tourist.de - Sehenswertes (Abgerufen: 26.08.2014)
www.kreuznach-blog.de: Sanitätsrat Dr. Jöckel Stollen (Abgerufen: 26.08.2014)