Weißer Turm in Ahrweiler

„Der Alte Bau“, „Staffeler Turm“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bad Neuenahr-Ahrweiler
Kreis(e): Ahrweiler
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Der Weiße Turm in der Ahrweiler Altstadt (2014)

    Der Weiße Turm in der Ahrweiler Altstadt (2014)

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  • Weißer Turm in Ahrweiler (2018), Ansicht von Südwesten.

    Weißer Turm in Ahrweiler (2018), Ansicht von Südwesten.

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Der Weiße Turm stellt ein baugeschichtlich herausragendes Gebäude dar. Es handelt sich um einen Wohnturm aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und damit um das älteste Gebäude der Stadt Ahrweiler. Heutzutage dient er als Stadtmuseum. Der Turm wird im Volksmund auch noch als „Alter Bau“ bezeichnet.

Der Baubeginn wird in das Jahr 1269 datiert und wurde anhand der Gerüsthölzer bestimmt. Der Turm besteht aus drei Geschossen über einem quadratischen Grundriss. Erbaut wurde es aus verputztem Bruchstein mit einem gotischen Spitzturm, der um 1663 durch eine italienische Barockhaube mit laternenartigem Aufsatz ersetzt wurde.

Es wird davon ausgegangen, dass an dieser Stelle zuvor in der Römerzeit ein Landhaus stand. In der Frankenzeit folgte ein stattlicher Meierhof, der ein königliches Salgut war. In der Karolingerzeit kam dieser dann in den Besitz des Klosters Prüm, das im Folgenden Eigentümer dieser Liegenschaft blieb. Um das Jahr 1100 kam der Klosterhof in Besitz der Grafen von Aren. 1246 starb das Geschlecht derer „von Are“ aus und Prüm belehnte verschiedene Ritter und Grafengeschlechter mit seinem Hof. Im 16. Jahrhundert wurden dann die Grafen von Metternich Besitzer. Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges verkauften sie ihren Besitz aber an die Grafen von Stein-Kallenfels. Durch Modernisierungsarbeiten der Grafen erhielt der Turm seine heutige Form.

Im Jahr 1689 kam es in Ahrweiler zu einem großen Brand, bei dem der Weiße Turm eines der zehn Gebäude war, die diesen unversehrt überstanden. In diesem Zusammenhang kam es dann auch zu einem Besitzerwechsel, denn die Prämonstratenser Mönche hatten durch diesen Brand ihr komplettes Kloster auf der Wehrscheid verloren, doch die reichen Grafen von Stein-Kallenfels traten ihnen den Rittersitz ab. Durch die Weißen Mönche der Prämonstratenser-Abtei Steinfeld in Kall bei Euskirchen beziehungsweise deren weißen Kutten erhielt der Turm auch seinen heutigen Namen, denn vorher wurde er „Staffeler Turm“ genannt. Die Mönche blieben über hundert Jahre. Sie ließen in dieser Zeit den Turm instand setzen und die vorhandene Hauskapelle erneuern, welche im Jahr 1777 am Fest des Hl. Laurentius zusammen mit dem erweiterten Hochaltar und den vier Seitenaltären in der Pfarrkirche St. Laurentius vom Steinfelder Abt Evermodus Cläßgen geweiht wurde. 1803 kam es im Zuge der Besetzung durch die Franzosen (1794-1814) zu einer Säkularisierung des Klosters, nachdem der Turm in Staatsbesitz übergangen war.

Zwölf Jahre später, 1815 wurde der Turm preußischer Staatsbesitz und die Stadt kaufte diesen und verwendete die Nebengebäude als Gericht und Volksschule. Ab 1860-1907 befand sich im Turm selbst die „höhere Bürgerschule“. Danach zog das Museum der Stadt Ahrweiler in den Turm. Bei der Stadtkernsanierung im Jahr 1989 wurden außer dem barocken Anbau die ehemaligen Nebengebäude abgerissen.

Die Wappen der einzelnen Besitzer werden dem Besucher oben im Flur des Weißen Turmes auf der rechten Seite gezeigt. Auf der linken Seite sieht er die Wappen der ehemaligen Landesherren. Diese waren die Grafen von Are von 1100-1246, dann war das Gebiet von 1246-1794 kurkölnisch, danach preußisch und schließlich ab 1947 im Territorium von Rheinland-Pfalz. In dem Museum wird dem Besucher ein Überblick über zweitausend Jahre Geschichte in der Stadtregion von der Römerzeit bis in die Neuzeit gegeben.

Das Objekt „Altenbaustraße 5, sog. Weißer Turm, gotisches Turmhaus, dreigeschossiger verputzter Bruchsteinbau“ ist ein eingetragenes Kulturdenkmal (Denkmalverzeichnis für den Kreis Ahrweiler 2018, S. 11).

(Vanessa Bindarra, Tanja Schönewald und Jan Hansen, Universität Koblenz-Landau, 2014)

Quelle
Infotafel am Gebäude

Internet
www.kreis.aw-online.de: Heimatjahrbuch 1955, J. Rausch: Der Weisse Turm - das Wahrzeichen von Ahrweiler, als Künder der Geschichte des Ahrgaues (abgerufen 26.08.2014)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2018)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Ahrweiler (Denkmalverzeichnis Kreis Ahrweiler, 07. Juni 2018). S. 11, Koblenz. Online verfügbar: http://denkmallisten.gdke-rlp.de/Ahrweiler.pdf, abgerufen am 02.07.2018
Wernz-Kaiser, Heike (1993)
Museum der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler (Führer). Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Weißer Turm in Ahrweiler

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Altenbaustraße
Ort
53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler - Ahrweiler
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1269
Koordinate WGS84
50° 32′ 29,9″ N, 7° 05′ 32,88″ O / 50.54164°, 7.09247°
Koordinate UTM
32U 364839.49 5600592.75
Koordinate Gauss/Krüger
2577484.64 5601227.25

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„Weißer Turm in Ahrweiler”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-101329-20140826-2 (Abgerufen: 15. November 2018)
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