Die Kapelle Maria Himmelskönigin in Klein Villip, Teil der Ortschaft Wachtberg-Adendorf im Drachenfelser Ländchen (2026).
Copyright-Hinweis:
Weber, Florian / Universität Koblenz
Fotograf/Urheber:
Florian Weber
Medientyp:
Bild
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Die Kapelle Maria Himmelskönigin in Klein Villip, Teil der Ortschaft Wachtberg-Adendorf im Drachenfelser Ländchen (2026).
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Ein Kapellchen im Ort Klein Villip wird erstmals in Notizen des Schreiners Heinrich Kündgen mit Datum vom 21. Juni 1823 erwähnt. Den Aufzeichnungen seines Arbeitsbuchs zufolge, hatte Kündgen in diesen Tagen „das Klöckgen an dem Kapellgen aufgehangen und das erste mal auf der platz mitag geleut ... und ich habe in dem Kappelgen die schreiner arbeit gemacht“ (Festschrift 2010, S. 13ff.). Beauftragt zum Aufhängen der Glocke und weiterer Arbeiten wurde Kündgen demnach von „Jo[h]ann Peter Wilms in Adendorff“ (1774-1839). Es ist anzunehmen, dass hier keine Reparaturarbeiten an einem bereits bestehenden Gebäude beschrieben werden, sondern die erste Errichtung des kleinen Kapellchens. Zudem sind etwaige Vorgängerbauten historisch nicht belegt. Im Jahr 1825 taucht das kleine Gotteshaus dann erstmals in den Blättern der historischen Karten der Topographischen Aufnahme der Rheinlande (1801-1828) auf, wo sie als geodätischer Fixpunkt erwähnt wird.
Die von der Mitte des 19. Jahrhunderts an über mehr als 100 Jahre hier befindliche 190 Zentimeter hohe hölzerne Marienstatue stellt Maria stehend als Himmelkönigin mit Krone und Zepter dar, die das Jesuskind im Arm trägt. Zu besonderen Feiertagen wurde der Madonna eine separate Festtagskrone aufgesetzt. Die Figur stammt aus dem späten 17. Jahrhundert und gehörte ursprünglich zur Pfarrkirche in Adendorf; zwischen 1845 und 1868 wurde sie an die Kapelle in Klein Villip übertragen, wo sie bis um 1965 verblieb. Eine notwendige Restaurierung erfolgte 1925/29 und kostete 160 Mark.
Dadurch, dass die private Stiftung des Kapellchens auf einem 869 Quadratmeter großen Grundstück der Zivilgemeinde erfolgte, hatte der Stifter dieses nicht mit Eigenmitteln zur Unterhaltung ausgestattet. Einzig über die Finanzierung durch Spenden konnten Erhaltungsarbeiten am auch so genannten „Klein Villiper Dom“ durchgeführt werden, wobei sich insbesondere die Freiherrliche Familie von Loë hervortat. Aufgrund des steten Geldmangels konnten Restaurierungen jedoch häufig nur unsachgemaß durchgeführt werden.
Die Folge war schließlich, dass das baufällige Gotteshäuschen nach mehr als 140 Jahren Bestand aufgrund der Verkehrssicherheitspflicht 1965 geschlossen wurde, „um Gefahren für die öffentliche Sicherheit abzuwenden“. Die Marienstatue wurde gesichert und nach Adendorf gebracht, wo sie auch heute noch die Kirche ziert. Die Renovierungskosten für die Kapelle wurden seinerzeit mit 15.000 Deutsche Mark veranschlagt. Im Zuge der Kommunalreform gingen Kapelle und Grundstück dann 1969 in das Eigentum der neuen Gemeinde Wachtberg über, die aber ebenso wenig wie das Kölner Generalvikariat ein größeres Interesse an einer Wiederherstellung hatte. Ein in Klein Villip ansässiger Kirchenrestaurator wie auch der eingeschaltete Landeskonservator bestätigten zudem die „historische Wertlosigkeit“ der Kapelle. Am 20. Februar 1973 fasst der Wachtberger Gemeinderat einstimmig den Beschluss, das Kapellchen wegen Einsturzgefahr abzureißen: „Der Platz soll in öffentlicher Hand bleiben und so hergerichtet werden, daß die kath. Kirchengemeinde Adendorf dort eine einfache Gedenkstätte aufstellen kann.“ (Festschrift 2010, S. 18)
Ein zunächst aus nur wenigen Mitgliedern bestehender Kapellenverein gründete sich im Jahr 2000 mit dem Zweck einer Neuerrichtung, aus diesem heraus entstand 2005 der Verein zur Wiedererrichtung der Kapelle in Klein Villip e.V. Nachdem der Gemeinderat 2008 mit einstimmigem Beschluss das 299 Quadratmeter umfassende Grundstück „Klein Villip 16“ dem Kapellenverein in 99-jährige Erbpacht gegeben hatte, konnte der Neubau der Marienkapelle nach dem Muster von Bildern von 1937 erfolgen. Die Baukosten wurden mit 60.000 Euro veranschlagt. Patenschaften, zahlreiche Spenden und unzählige Eigenleistungen ermöglichten die Realisierung des Vorhabens. Der erste Spatenstich erfolgte am 2. Juni 2008 und am 22. August 2010 erfolgte die feierliche Einsegnung der fertiggestellten Kapelle.
Der Kern des nur 30 Quadratmeter Fläche einnehmenden Bauwerks besteht aus einem Ständerfachwerk, das mit Lehmsteinen und -mörtel ausgefacht wurde und abschließend mit Kalkputz verputzt wurde. Die neue, 2,10 Meter hohe Marienfigur schuf der Kürrighovener Künstler Rudolf Hürth aus polnischem Sandstein. Die stehende Maria trägt das Jesuskind im Arm und umarmt dieses (siehe Abb.). Die 1967 gegossene Bronzeglocke mit dem Namen „Gloria Dei“ versah ursprünglich ihren Dienst in der Bad Godesberger Pestkapelle St. Sebastianus in Schweinheim. Nachdem sie dort nicht mehr gebraucht wurde, schenkte man sie 2008 nach Klein Villip.
Seit 2010 kann in der Marienkapelle in Klein Villip auch standesamtlich geheiratet werden. Die Klein Villiper Kapelle wurde dazu als Nebenstelle des Standesamtes der Gemeinde Wachtberg offiziell gewidmet. Hier finden maximal 20 Personen Platz (serviceportal.wachtberg.de).
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