Synagogenstein in Herxheim bei Landau

Ehemalige Synagoge in Herxheim bei Landau

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Herxheim bei Landau / Pfalz
Kreis(e): Südliche Weinstraße
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 08′ 47,02″ N: 8° 12′ 49,74″ O 49,1464°N: 8,21382°O
Koordinate UTM 32.442.665,53 m: 5.444.027,58 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.442.718,05 m: 5.445.766,27 m
  • Synagogenstein in Herxheim bei Landau

    Synagogenstein in Herxheim bei Landau

    Copyright-Hinweis:
    Heidi. Kommunikation + Design
    Fotograf/Urheber:
    HEIDI. Kommunikation + Design
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Der Jude Anschel war ein beliebter Mann im Dorf, er war von Beruf Schuhmacher. Er hat die Schuhe gegen Ratenkauf rausgegeben - 50 pfennigweise konnte man abbezahlen. (Erinnerung A. Seither)

Wissen für schlaue Köpfe
Der Ornamentstein erinnert an die 1842 erbaute und 1938 zerstörte Synagoge - ein stilles Mahnmal der Geschichte.
In einer Synagoge feiern Jüdinnen und Juden ihre Gottesdienste. Sie sprechen gemeinsam Gebete und lassen sich alte Schriften von ihrem Rabbiner - so nennen sie ihren Pfarrer - vorlesen. Die Texte stehen auf einer großen Schriftrolle aus Papier, die man zum Lesen auseinanderrollt. Die Rolle nennt man Thora, und sie ist für die Gläubigen sehr wichtig. Jüdische Kinder lernen in der Synagoge auch hebräisch, die Sprache ihrer Vorfahren, und vieles über ihre Religion, das Judentum.

Immer wieder sind die jüdischen Menschen verfolgt und die Synagogen zerstört worden. Auch die Herxheimer Synagoge wurde zerstört. Nur dieser eine Stein ist erhalten geblieben. Er erinnert uns heute, was den jüdischen Menschen auch in Herxheim Schlimmes angetan wurde.

Die Herxheimer Synagoge
In dem Bereich, wo sich heute der Synagogenstein befindet, stand von 1845 bis 1938 die Herxheimer Synagoge. Sie stand etwas von der Hauptstraße zurückversetzt, denn der Gemeinderat wollte keine zu große Sichtbarkeit mitten im Ort. Vor der Synagoge war eine Birkenallee angelegt. Zur Oberen Hauptstraße hin befanden sich in zwei einstöckigen Wohnhäusern ein Unterrichtsraum für jüdische Kinder und die Lehrerwohnung. Um 1900 lebten rund 160 jüdische Menschen im Ort.
Am 9. November 1938 fiel die Synagoge den Novemberpogromen der Nationalsozialisten zum Opfer - sie wurde zerstört und geplündert, aber nicht in Brand gesteckt. Schon ab 1933 hatten die Repressalien gegen die Juden begonnen. Viele Familien verließen in Vorausahnung, welch Schreckliches der Naziterror noch bringen würde, in den folgenden Jahren Herxheim und Deutschland. So gab es 1938 nur noch vier Familien im Ort.
Das Abrissmaterial der Synagoge nutzte man zur Wegebefestigung - der Ochsenweg in Richtung Rülzheim ist heute noch stummer Zeuge. 1984 wurde der Ornamentstein in einer ehemaligen Lehmgrube geborgen und restauriert.

Gegen das Vergessen: STOLPERSTEINE in Herxheim
Im Rahmen der jährlichen Gedenkfeier „Wider das Vergessen“, einer Veranstaltung in Gedenken an die Pogrome, wurden in den Jahren 2024, 2025 und 2026 in der Herxheimer Hauptstraße STOLPERSTEINE verlegt.
Diese Gedenksteine sind 96 x 96 x 100 mm große Messingplatten, in Handarbeit gegossen in einem Betonblock, die vor den Wohnhäusern angebracht werden, in denen die Opfer des Nationalsozialismus zuletzt freiwillig lebten. Sie erinnern dort mit den einleitenden Worten HIER WOHNTE an die verfolgten und ermordeten Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen.
Wir erinnern uns an ELISA und WILHELM ENGEL, an GUSTAV ROSENTHAL, an JOSEF ANSCHEL und an SARA LINA, HUGO und ALISE REGINA HAAS.
STOLPERSTEINE liegen bislang in Österreich, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Lichtenstein, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Republik Moldau, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, der Ukraine und Ungarn.
Das Projekt ist im August 2024 auf über 107.000 verlegte Steine in fast 1900 Kommunen angewachsen.

(Ortsgemeinde Herxheim bei Landau, 2026)

Synagogenstein in Herxheim bei Landau

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Obere Hauptstraße 16
Ort
76863 Herxheim bei Landau
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt steht unter der freien Lizenz CC BY 4.0 (Namensnennung). Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
Ortsgemeinde Herxheim bei Landau: „Synagogenstein in Herxheim bei Landau”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360677 (Abgerufen: 7. Oktober 2026)
Seitenanfang