Metschend-Haus in Oberkail

Früheres Boden-Stockhaus, davor Brücken-Erbgut

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Oberkail
Kreis(e): Eifelkreis Bitburg-Prüm
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 02′ 12,72″ N: 6° 40′ 45,93″ O 50,03687°N: 6,67942°O
Koordinate UTM 32.333.826,27 m: 5.545.309,55 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.548.718,66 m: 5.544.730,54 m
Das heutige Metschend-Haus in der Bitburger Straße 2 entstand aus einem Anwesen, dessen Geschichte bis zum alten Brücken-Erbgut zurückreicht und das später als Boden-Haus bekannt wurde. Von hier aus verbreitete sich der Hausname „Boden“ über mehrere Generationen und Ausgründungen auf weitere Familien und Häuser in Oberkail. 1846 kam das Anwesen schließlich an die Familie Herrmann, die aus dem ursprünglichen Metschend-Haus stammte. Über Generationen prägten Schmiedehandwerk und später ein Lebensmittelladen das Haus. Der Laden entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem über Oberkail hinaus bekannten EDEKA-Markt, bevor er 2003 aufgegeben wurde. So verbindet das Haus bis heute die Geschichte des alten Hausnamens „Boden“ mit der seit 1846 hier ansässigen Familie „Metschend“.

Lage und Baubeschreibung
Vorläufer und Anfänge des Boden-Hauses
Das Boden-Haus
Der Hausname Metschend zieht ins frühere Boden-Haus ein
Schmiede, Laden und Lebensmittelmarkt
Ausgründungshaus Boden-Mathes im Kuhberg 6
Quellen

Lage und Baubeschreibung
Das Gebäude Bitburger Straße 2 ist ein zweigeschossiges, traufständig zur Straße errichtetes Wohnhaus mit ausgebautem Dachgeschoss. Der langgestreckte Baukörper steht unmittelbar an der Bitburger Straße und ist in die geschlossene Ortsbebauung eingebunden. An der rechten Seite schließt ein deutlich niedrigerer Gebäudeteil an, der früher als Schmiede und Hufschmiede genutzt wurde. Er besitzt ein großes zweiflügeliges Holztor. Die drei ehemals rechts davon vorhandenen Fenster sind heute vermauert.
Die Straßenfassade des Wohnhauses ist heute schlicht verputzt und durch eine klare horizontale Gliederung der Geschosse geprägt. Das Erdgeschoss hebt sich durch eine Verkleidung mit hellbeigen Platten deutlich von den darüberliegenden Geschossen ab. Drei breite, rechteckige Fenster bestimmen hier die Fassade. Ein durchgehendes, hell abgesetztes Fassadenband trennt das Erdgeschoss vom Obergeschoss. Dieses besitzt drei annähernd gleichmäßig angeordnete, zweiflügelige Fenster mit weißen Rahmen und schmalen, hellen Faschen. Die Fenster des Obergeschosses sind etwas größer als die des Erdgeschosses und verleihen der Fassade eine insgesamt regelmäßige Gliederung.
Das Erdgeschoss wurde früher als Lebensmittelladen genutzt. Nach der Aufgabe des Ladengeschäfts wurde das Erdgeschoss baulich und gestalterisch verändert. Ein Hauseingang befindet sich nicht an der Straßenfront, sondern auf der Rückseite des Gebäudes. Er ist über den Bereich am linken Giebel und den dort vorbeiführenden Zugang erreichbar.
Das ausgebaute Dachgeschoss bildet eine deutlich abgesetzte obere Zone des Hauses. Die zur Straße gerichtete Dachfläche des steilen Satteldaches ist mit dunklem Schiefer verkleidet. In die Dachfläche ist eine langgezogene Schleppgaube mit vier rechteckigen Fenstern eingebaut. Ihre regelmäßige Fensterreihung setzt die klare Gliederung der darunterliegenden Fassade fort. Zusammen mit der dunklen Schieferverkleidung erscheint das Dachgeschoss dadurch nahezu wie ein eigenständiges Geschoss. Ein schmaler Dachüberstand mit Dachrinne bildet den oberen Abschluss.
Das heutige Erscheinungsbild des Hauses ist durch mehrere Modernisierungs- und Umbauphasen geprägt. Vor allem die Gestaltung des Erdgeschosses, die Fenster und der Ausbau des Dachgeschosses entsprechen jüngeren Veränderungen. Dennoch sind wesentliche Elemente der historischen Bebauungsstruktur erhalten geblieben: die traufständige Stellung unmittelbar an der Straße, der langgestreckte Baukörper und die Verbindung von Wohn- und Wirtschaftsteil. Gerade das Nebeneinander des zweigeschossigen Wohnhauses und des niedrigeren Wirtschaftsgebäudes vermittelt noch heute einen Eindruck von der ursprünglichen Struktur des Anwesens.

Vorläufer und Anfänge des Boden-Hauses
Vermutlich befanden sich die Gebäude des früheren Brücken-Erbguts auf dem rückwärtigen Gelände des heutigen Hauses Bitburger Straße 2. Erstmals wird ein solcher Hof in einer Rechnung der Herrschaft Kail aus dem Jahr 1560 erwähnt. Dort heißt es: „Bröcken Jacob besatzt der Jeger“. Aus dieser knappen Angabe lassen sich mehrere Rückschlüsse ziehen: Eine Brücken-Vogtei muss bereits zuvor bestanden haben, einer der früheren Besitzer oder Inhaber hieß Jakob, und im Jahr 1560 bewohnte der gräfliche Jäger die Gebäude der Vogtei. Vermutlich bewirtschaftete er zugleich die zugehörigen Ländereien.
Für die folgenden rund einhundert Jahre fehlen Nachrichten über das Anwesen. Erst 1655 wird das „Brucken Erb“ wieder erwähnt. Es lag zu dieser Zeit „pfleglos“, also unbewirtschaftet, und war „dem Jager wie vorgemeldt gnedig vergunstiget“. Zuvor hatte ein „Heinrich moeß“ das Gut bewirtschaftet. Erneut war das Brücken-Erbgut damit dem jeweils amtierenden Jäger überlassen worden.
Die wiederholte Bezeichnung des Gutes als „pfleglos“ und seine zeitweise Vergabe an gräfliche Bedienstete lassen vermuten, dass die zugehörigen Ländereien wirtschaftlich so wenig ertragreich oder so stark vernachlässigt waren, dass sie keinen eigenständigen Haupterwerbsbetrieb mehr tragen konnten. Die Nutzung durch Bedienstete des Grafen diente offenbar zumindest teilweise dazu, die Gebäude und die verbliebenen Ländereien zu erhalten und landwirtschaftlich zu nutzen.
Um 1680 befand sich das Brücken-Haus in der Hand des gräflichen Boten „Pilip“, der späteren Angaben zufolge aus der Reiss-Familie stammte. Doch auch seine Nutzung des Anwesens scheint nur von kurzer Dauer gewesen zu sein. 1695 wird erneut vermerkt, dass das „Brücken Erb“ „nicht beysamen“ sei, also nicht mehr als zusammenhängendes bewirtschaftetes Anwesen bestand.
Dennoch sollte gerade Philipp Reusch für die weitere Geschichte des Hauses von Bedeutung sein. Der bis heute in Oberkail gebräuchliche Hausname „Boden“ geht nach der Überlieferung auf diesen gräflichen Boten zurück. Damit lässt sich die Bezeichnung „Boden“ bis in die Zeit um 1680 zurückverfolgen, auch wenn das Anwesen in den zeitgenössischen Rechnungen weiterhin überwiegend als „Brücken Erb“ bezeichnet wird.
Ein abschriftlich überliefertes Güterverzeichnis von 1698 enthält einen Nachtrag aus dem Jahr 1707. Unter der Überschrift „Philipp Reusch modo Fischer Willem“ werden die zum Haus gehörenden Ländereien aufgeführt. Der Zusatz „modo Fischer Willem“ zeigt, dass das Anwesen inzwischen auf einen neuen Nutzer übergegangen war. Bei diesem „Fischer Willem“ handelte es sich um Franz Wilhelm Sigeler, den Fischer des gräflichen Hauses. Auch er gehörte damit zum Personal der gräflichen Herrschaft und erhielt offenbar die verbliebenen Gebäude und Ländereien des früheren Brücken-Erbguts zur Nutzung.
Sigeler dürfte um 1680 geboren worden sein; er war mit einer Antonetta verheiratet, über die bislang keine näheren Angaben bekannt sind. Die Verbindung von gräflichem Dienst und landwirtschaftlicher Nutzung des Anwesens setzte sich damit auch unter ihm fort.
Eine Überlieferung, die in der Metschend-Familie weitergegeben wurde, berichtet zudem von einer Jahreszahl 1704, die an einem früheren Gebäude am Standort der 1905 neu errichteten Scheune hinter dem heutigen Haus eingemeißelt gewesen sein soll. Sollte diese Überlieferung zutreffen, würde sie zeitlich gut in die Entwicklung des Anwesens passen. Möglicherweise entstand damals ein neues oder erneuertes Gebäude auf dem ehemaligen Brücken-Erbgut.
Bemerkenswert ist, dass in den Rechnungen von 1707 weder die Bezeichnungen „Brücken“, „Boden“ noch „Fischer“ erscheinen. Dies könnte damit zusammenhängen, dass neu vergebene Hofstellen, sofern dafür Gebäude neu errichtet oder grundlegend erneuert werden mussten, häufig für einige Jahre von Abgaben befreit waren. In der nächsten erhaltenen Rechnung von 1710 werden dann wieder Schaftgeldzahlungen für das Brücken-Erb verzeichnet.
1718 wird der Zusammenhang schließlich ausdrücklich benannt. Dort heißt es: „Both Philipß modo Wilhelm Sigeller vom Brucken Erb“. Franz Wilhelm Sigeler erscheint damit als Nachfolger Philipp Reuschs und als Nutzer des Brücken-Erbguts. Zugleich wird deutlich, dass er weiterhin in gräflichen Diensten stand: In derselben Rechnung findet sich eine Ausgabe von zwölf Reichstalern für eine „neue Montur“, also eine neue Dienstkleidung für ihn in seiner Funktion als gräflicher Fischer.
Damit zeichnet sich für die Zeit um 1700 ein charakteristisches Bild des späteren Boden-Hauses ab: Aus dem älteren Brücken-Erbgut entwickelte sich ein Anwesen, das zeitweise von gräflichen Bediensteten genutzt und bewirtschaftet wurde. Mit Philipp Reusch und seinem Nachfolger Franz Wilhelm Sigeler lässt sich zugleich eine personelle Verbindung herstellen, die den Übergang vom älteren Namen „Brücken“ zur späteren Bezeichnung „Boden“ verständlicher macht.
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Das Boden-Haus
In den Rechnungen der folgenden Jahrzehnte wird das Anwesen bis 1748 abwechselnd als „Fischer Vilhelm vom Brucken Erb“, „Bott Wilhelm“ oder „Fischer Wilhelm“ bezeichnet. Hinter diesen unterschiedlichen Bezeichnungen stehen Vater und Sohn: Franz Wilhelm Sigeler, der gräfliche Fischer, starb vor 1743. Sein ältester Sohn, der Johann Wilhelm hieß, übernahm anschließend das Anwesen und führte zunächst noch die mit dem Brücken-Erbgut verbundene Bezeichnung weiter.
Der zweitälteste Sohn Franz Wilhelms heiratete 1756 in das Wewisch-Haus (Bitburger Straße 12) ein. Das Boden-Haus selbst ging, wie oben beschrieben, an den ältesten Sohn, Johann Wilhelm Sigeler, über. Er dürfte um 1720 geboren worden sein und lebte nachweislich noch zur Zeit des Maria-Theresia-Katasters von 1767. Johann Wilhelm Sigeler war zunächst mit Anna Maria Bickendorf (1723-1758) aus dem Beyers-Haus am heutigen Standort der Bitburger Straße 14 verheiratet. Nach ihrem Tod heiratete er Anna Elisabeth Schuster (geboren 1723) aus dem Trappen-Haus (Bitburger Straße 8). Aus beiden Ehen gingen insgesamt neun Kinder hervor. Über drei von ihnen sind nähere Lebensumstände überliefert: Die Tochter Ottilia heiratete in das Zimmer-Haus ein, dessen späterer Nachfolgebau heute das Haus Wittlicher Straße 7 und 9 ist. Die Tochter Maria Margaretha heiratete nach Scharfbillig und lebte später in Mötsch.
Der älteste Sohn, Heinrich Wolfgang Siegeler (1742-1792), führte die Familie in die nächste Generation. Er war nun hauptberuflich Landwirt, wurde in den Quellen jedoch teilweise weiterhin als „Boden“ oder „Fischer“ bezeichnet. Der frühere Hausname Brücken tauchte zu seiner Zeit nicht mehr auf. Heinrich Wolfgang Siegeler heiratete Anna Elisabeth Densborn (1741-1813) aus dem Reiss-Haus (Orsfelder Weg 4). Das Paar hatte acht Kinder. Eine Tochter heiratete in das Kochs-Haus (Kirchstraße 3) ein, zwei Söhne gründeten Familien in Dudeldorf. Eine besondere Bedeutung für die weitere Verbreitung des Hausnamens Boden erlangte die Tochter Margaretha (1774-1844).
Sie heiratete 1800 Matthias Schwickerath (1770-1820) aus Seinsfeld. Das Ehepaar errichtete am heutigen Standort Kuhberg 6 ein eigenes Haus. Dieses wurde nach der in Oberkail damals durchaus üblichen Schöpfungsmethode neuer Hausnamen als „Bodenmathes“ bezeichnet - eine Verbindung des Hausnamens der Ehefrau mit dem Vornamen ihres Mannes. Die Familie wurde von der französischen Präfektur bei den Nutzungsrechten am Gemeindewald den alten Stockbesitzern gleichgestellt. Auch die Nachkommen der Schwickerath-Familie im Kuhberg 1 und in der Neustraße 12 wurden später als „Boden“ bezeichnet. Der Hausname hatte sich damit weit über das ursprüngliche Anwesen hinaus verbreitet.
Im Boden-Stammhaus lebte unterdessen der älteste Sohn von Heinrich Wolfgang Siegeler, Wilhelm Siegler (1766-1837), mit seiner Ehefrau Anna Maria Raskob (1776-1830) aus dem Wewisch-Haus (Bitburger Straße 12). Das Paar hatte vier Kinder. In dieser Generation galt bereits die Realteilung, sodass das Elternhaus nicht mehr automatisch an das älteste Kind überging.
Die Kinder verließen nach und nach das Stammhaus und gründeten eigene Haushalte. Katharina Siegeler (1801-1867) heiratete 1822 Philipp Schmitt (1792-1854) aus Schwarzenborn. Vermutlich lebte die Familie zunächst weiterhin im Boden-Haus, solange Wilhelms Vater noch lebte. Nach dessen Tod zog sie in die Burgstraße 7. Damit gelangte der bis heute gebräuchliche Hausname „Boden“ kurz vor 1840 auch dorthin. Die heutige Besitzerin Jeanette Kohl ist eine viermalige Ur-Enkelin von Katharina Siegeler und Philipp Schmitt.
Auch die übrigen Kinder des Ehepaares Wilhelm Siegler und Anna Maria Raskob verließen das Stammhaus. Matthias Siegeler (1805-1880) heiratete 1841 in das Ousch-Haus (Kyllburger Straße 1) ein. Veronika Siegeler (1808-1873) heiratete Nikolaus Baring (1807-1870) aus Welschbillig. Das Ehepaar erwarb kurz vor 1838 das Haus Haupichgasse 1, das bis heute unter dem Hausnamen „Barings“ bekannt ist. Johann Siegeler (1811-1867) heiratete 1838 und lebte anschließend mit seiner Familie in der Burgstraße 18.
Damit hatte sich die Familie Siegeler innerhalb einer Generation über mehrere Häuser im Ort verteilt. Der ursprüngliche Zusammenhang zwischen dem Boden-Haus und der Familie blieb jedoch über den Hausnamen erhalten.
1839 kam es schließlich zum Verkauf des elterlichen Boden-Anwesens. Käufer war Jodokus Kail, der aus dem Schulmers-Haus (Kirchstraße 1) stammte. Er hatte mit seiner Ehefrau zunächst in deren Geburtsort Wallscheid gelebt. Nach dem Erwerb des Boden-Hauses wohnte die Familie dort etwa sieben Jahre, bevor sie den Ort wieder verließ. Jodokus Kail starb schließlich in Oberöfflingen.
Mit dem Verkauf von 1839 endete damit die unmittelbare Verbindung der Familie Siegeler mit dem ursprünglichen Boden-Haus. Der Hausname „Boden“ hatte sich zu diesem Zeitpunkt allerdings längst von seinem ursprünglichen Standort gelöst und war bereits auf mehrere Familien und Häuser im Ort übergegangen.
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Der Hausname Metschend zieht ins frühere Boden-Haus ein
Von Jodokus Kail ging das frühere Boden-Haus 1846 an den Hufschmied Leonhard Herrmann (1781-1851) über. Er stammte aus dem ursprünglichen Metschend-Haus, das heute zum Anwesen Orsfelder Weg 2 gehört. 1816 hatte er Elisabeth Kammers (1790-1872) aus Bettenfeld geheiratet. Zunächst lebte das Ehepaar in Leonhards Elternhaus, bevor es mit dem erstgeborenen Sohn nach Bettenfeld verzog. Dort wurden vier weitere Kinder geboren. Nach dem Tod von Leonhards Vater kehrte die Familie 1826 nach Oberkail zurück, wo bis 1832 vier weitere Kinder zur Welt kamen.
Als Leonhard und Elisabeth das Boden-Haus erwarben, war ihr ältester Sohn Nikolaus bereits in das neue Metschend-Haus eingeheiratet, das heute nicht mehr besteht und auf dem Gelände des heutigen Anwesens Bitburger Straße 10 stand. Tochter Christine heiratete 1847 in das Bänisch-Haus (Kirchstraße 4) ein. Ebenfalls 1847 heiratete Sohn Bernhard, der später zeitweise in der Bitburger Straße 20 („auf Schpolisch“) wohnte und schließlich mit seinem Sohn Theodor in das Schbolia-Haus (Kuhberg 17) zog. Die Söhne Matthias (1825-1904) und Theodor (1826-1903) blieben dagegen im ehemaligen Boden-Haus. Matthias folgte seinem Vater als Schmied, während Theodor unverheiratet blieb und im Betrieb mitarbeitete. Der jüngste Sohn Johann (1830-1881) erlernte das Stellmacherhandwerk und heiratete in das heute nicht mehr vorhandene Flips-Haus (ehemals Schulstraße 2) ein.
Matthias Herrmann heiratete 1852 Katharina Rech (1829-1905) aus Eisenach. Das Paar hatte zehn Kinder, von denen fünf bereits in jungen Jahren starben. Nach dem Tod der verwitweten Mutter Elisabeth Herrmann, geborene Kammers, übernahm Matthias 1872 auch offiziell das Anwesen. Doch die Familie blieb nicht dauerhaft auf dem alten Hofgrundstück. 1878 erwarb Matthias Herrmann von den Kindern des Valentin Schwadorf und der Katharina Funck eine Hälfte ihres 1853 an der neu angelegten Provinzialstraße errichteten Hauses. Er ließ die erworbene Haushälfte in Richtung Kreuzung erweitern. Damit entstanden die beiden rechten Drittel des heutigen Baukörpers Bitburger Straße 2. Die Familie zog somit aus dem alten Haus von 1704 in das größere und damals moderne Vorderhaus an der heutigen Bitburger Straße. Die zum Haupischecken hin gelegene Hälfte des Hauses von 1853 blieb zunächst im Besitz der Familie Schwadorf-Probst.
Auch auf dem ehemaligen Boden-Grundstück wurde weiter gebaut. 1905 wurden die verbliebenen alten Gebäude bis auf die Grundmauern abgebrochen und durch eine große Scheune ersetzt.
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Schmiede, Laden und Lebensmittelmarkt
Auch in der folgenden Generation blieb die Verbindung von Wohnen und Handwerk erhalten. Von den Kindern Matthias' und Katharina Herrmanns blieben die Söhne Theodor und Matthias im Elternhaus. Matthias (1869-1945) blieb unverheiratet. Er wurde am 6. März 1945, während des Einmarsches amerikanischer Truppen in Oberkail, im Hof seines Hauses mit einem Kopfschuss tot aufgefunden. Der damalige Pfarrer Dr. Keßler vermerkte dazu in seinem Sterbeeintrag, dass unklar sei, ob Matthias in der Nacht noch einmal in sein eigenes Haus zurückkehren wollte.
Theodor Herrmann (1861-1946) führte die Familientradition als Schmied in dritter Generation fort. 1896 heiratete er Anna Schwickerath (1872-1945) aus der Neustraße 12, eine Urenkelin der Margaretha Siegeler aus dem alten Boden-Haus. Im Gebäudebuch von 1910 wird das Anwesen als „Wohnhaus mit Schmiede und Abort, Scheune mit Stall und Schweineställe“ bezeichnet. 1928 entstand hinter dem Haus ein weiteres Gebäude mit Backstube, Schweinestall und Futterraum.
Von den acht Kindern des Ehepaares Herrmann-Schwickerath verstarben ein Sohn bereits mit zehn und eine Tochter mit 26 Jahren. Zwei Töchter heirateten nach St. Thomas beziehungsweise nach Limpertsberg in Luxemburg. Elisabeth (1903-1978) heiratete den Witwer Johannes Kremp und zog zu ihm in die Wittlicher Straße 20. Theodor (1906-1992) heiratete Regina Eis aus Schwarzenborn und baute die Schneidmühle am Ochsenbach zu einem Wohnhaus um. Auch in dieser Generation blieben zwei Söhne im Elternhaus: Matthias, verheiratet, und der unverheiratete Heinrich. Beide wurden 1937 gemeinsam als Eigentümer im Grundbuch geführt.
Im selben Jahr wurde das Wohnhaus mit Laden umgebaut. Zwei Zimmer im Dachgeschoss wurden der Wohnung zugeschlagen. Zwischen dem Wohnhaus und dem Nachbarhaus Kirchstraße 1 entstand außerdem eine neue Schmiedewerkstatt mit Wagenschuppen und Stallgebäude. Das Gebäude mit dem großen Tor und den drei heute zugemauerten Fenstern ist bis heute erhalten.
Heinrich Herrmann (1904-1946) betrieb den Laden und wird beruflich als Kaufmann geführt. Er verstarb nach einer Operation im Mutterhaus in Trier. Sein Bruder Matthias Herrmann (1901-1983) führte als Schmiedemeister die Familientradition in vierter Generation fort. Seit 1937 war er mit Katharina Kreutz (1913-2000) vom Hof Hau verheiratet. Zwischen 1938 und 1951 wurden fünf Kinder geboren. 1956 erwarben Matthias und Katharina auch die bislang im Besitz der Familie Probst verbliebene Hälfte des 1853 errichteten Hauses und integrierten sie in ihren Besitz.
Katharina und später ihr Sohn Theo führten den Lebensmittelladen weiter. Durch mehrere Umbauten wurde die Verkaufsfläche schrittweise vergrößert. Theo und seine Ehefrau Gertrud schlossen den Laden schließlich der EDEKA an und entwickelten ihn zu einem über die Ortsgrenzen Oberkails hinaus bekannten und gut frequentierten Lebensmittelmarkt. Zuletzt erstreckte sich die Verkaufsfläche über das gesamte Erdgeschoss des Wohnhauses sowie mehrere rückwärtige und seitliche Erweiterungsbauten.
Im Jahr 2003 wurde der Lebensmittelladen schließlich aufgegeben. Neben dem Alter und gesundheitlichen Gründen dürften auch der zunehmende Wettbewerb durch größere Märkte in den umliegenden Mittelzentren und das veränderte Einkaufsverhalten eine Rolle gespielt haben.
Das Erdgeschoss des Metschend-Hauses in der Bitburger Straße 2 wurde anschließend zu seinem heutigen Zustand umgebaut. Theo und Gertrud leben weiterhin in dem Haus, das inzwischen seit 180 Jahren im Besitz der Familie Metschend ist - mittlerweile in fünfter Generation.
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Ausgründungshaus Boden-Mathes im Kuhberg 6
Aus dem ursprünglichen Boden-Haus, das hinter dem heutigen Haus Bitburger Straße 2 stand, stammte Margaretha Siegeler (1774-1844). Sie heiratete 1800 Matthias Schwickerath (1770-1820) aus Seinsfeld. Das Ehepaar errichtete vor 1806 ein Haus am heutigen Standort Kuhberg 6. Es erhielt den Hausnamen „Bodenmathes“, der sich aus dem Herkunftshaus der Ehefrau („Boden“) und dem Vornamen ihres Mannes („Mathes“) zusammensetzt. Damit entstand eines der sogenannten Ausgründungshäuser, die ihren Namen und ihre Zugehörigkeit zu einem älteren Stammhaus erkennen ließen.
Auf Beschluss der französischen Präfektur wurde das Bodenmathes-Haus bei den Waldnutzungsrechten den früheren Stockbesitzern gleichgestellt. Im späteren Gerichtsverfahren über die Waldnutzungsrechte der sogenannten Beihäuser wird Margaretha Siegeler als „Wittwe Mathias Schwickerath“ bezeichnet. Sie trat dort sowohl in eigenem Namen als auch als „Vormünderinn ihrer Minorennen Johann und Nikolaus Schwickerath“ auf. Das Haus übernahm später der zweite Sohn Heinrich Schwickerath, während sich der älteste Sohn Peter im Kuhberg 1 niederließ.
Heinrichs Ehefrau Katharina Heintz wanderte 1872 als Witwe mit ihren drei Kindern nach Nordamerika aus. Das Haus wurde daraufhin an Theodor Kohl (1839-1914) verkauft. Er stammte aus dem Haus Burgstraße 20 und war seit 1869 mit Elisabeth Kohl (1843-1931) aus dem Backes-Haus (Wittlicher Straße 5) verheiratet. Im Gebäudebuch von 1910 werden beide gemeinsam als Eigentümer geführt. Zum Anwesen gehörten damals ein Wohnhaus mit Abort, eine Scheune, ein Stall und ein Schweinestall. Die Landwirtschaft betrieben die Eheleute zunächst nur im Nebenerwerb, denn Theodor arbeitete hauptberuflich als Hüttenarbeiter. Um 1913 erbauten sie das heute noch vorhandene Haus in der Kyllburger Straße 24.
Neuer Eigentümer des Bodenmathes-Hauses wurde 1914 der Anstreicher Johann Michael Großmann (1885-1914) aus Greverath. Er war seit 1912 mit Johanna Breuer (1878-1963) verheiratet und fiel noch im selben Jahr als Soldat im Ersten Weltkrieg. 1915 heiratete seine Witwe seinen älteren Bruder Matthias Großmann (1883-1943). Aus dieser Ehe gingen die nach Hupperath verheiratete Tochter Maria und Elisabeth Großmann (1922-2008) hervor, die im Elternhaus in Oberkail blieb. Johanna Breuers Sohn aus erster Ehe, Jakob Großmann (1914-1980), heiratete 1950 in das Schoostisch-Haus in der Kyllburger Straße 10 ein.
Elisabeth Großmann heiratete 1962 den verwitweten Johann Müller (1926-2018) aus Neidenbach, der vier Kinder mit in die Ehe brachte. Mitte der 1960er-Jahre ließen die Eheleute das alte Wohnhaus vollständig abbrechen und durch den heute noch bestehenden Neubau ersetzen. Während der etwa zweijährigen Bauzeit wohnte die Familie zur Miete im Krones-Haus in der Kyllburger Straße 3. Dieses war zuvor frei geworden, nachdem die Familien Bungert und Otten auf den Frohnerthof ausgesiedelt waren.
Anschließend bewohnte die Familie Müller-Großmann rund fünf Jahrzehnte das neu errichtete Haus im Kuhberg. Nach dem Tod von Johann Müller und einem vorübergehenden Leerstand wurde das Haus schließlich an die heutigen Besitzer verkauft.
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(Jörg Kreutz, Oberkailer Zeitspuren e.V. - geschichtlicher Verein der Ortsgemeinde Oberkail, 2026)

Quellen
Herzoglich von Croysches Archiv Dülmen, HCAD, BMB, 16, 15, Urteil vom 29. November 1832 in Sachen der Fürsten von Salm-Salm gegen die Stockbesitzer in Oberkail.
Herzoglich von Croysches Archiv Dülmen, HCAD, 1, 11, Pro Memoria, angelegt in den Jahren 1814-1818.
Kreisarchiv Bitburg: Akten des Standesamtes Oberkail.
LHAK 15, 1052, Maria-Theresia-Kataster 1766.
LHAK 15, 280, Steuerliste 1793.
LHAK, Außenstelle Kobern-Gondorf; Bestände 734-1104, 736-2291 und 736-3427.
Pfarrarchiv Oberkail und Bistumsarchiv Trier: Kirchenbücher der Pfarrei Oberkail.
Pfarrarchiv Oberkail: Gebundene Abschrift eines Güterverzeichnisses aus der Zeit um 1700.
Pfarrarchiv Oberkail: Lagerbuch angelegt 1747, Seite 38: Abschrift einer Erklärung von 1711.
Staatsarchiv Brüssel - Archives Générales du Royaume de Belgique, Bestand Arenberg, Rechnungen Oberkail.
Urteilsschrift des Rheinischen Appellations-Gerichtshof zu Cöln in seiner öffentlichen Sitzung des ersten Civil-Senats vom 22. April 1835.

Literatur

Gerten, Erich; Ewald, Heinz (1982)
Keille, Keil, Oberkail. Geschichte - Kultur - Landschaft. Wittlich.
Gerten, Erich; Kreutz, Jörg; Rech, Claus (2001)
Oberkail - Geschichte eines Dorfes in der südlichen Eifel. Neuerburg.
Mehs, Matthias Joseph (1934)
Das Oberkailer „Nahmen Buch der Heiligen Undt Hochheiligen Bruderschaft Jesu undt Mariae“. In: Wittlicher Tageblatt, Nr. 277 und 282, Sonderdruck, Wittlich.
Rech, Claus (o.J.)
Stockbesitzer und Beisassen in Oberkail (Eifel). Ein Beitrag zur Geschichte der Oberkailer Häuser und ihrer Bewohner vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. o.O.. Online verfügbar: https://www.wgff.de/trier/
Roos, Stefan (1999)
Familienbuch Eisenschmitt 1716-1899. Welschbillig.

Metschend-Haus in Oberkail

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Bitburger Straße 2
Ort
54533 Oberkail
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation

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Jörg Kreutz: „Metschend-Haus in Oberkail”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360525 (Abgerufen: 28. August 2026)
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