Über mehr als 450 Jahre lässt sich die Geschichte des Krones-Hauses zurückverfolgen. Dabei führt sie von einem rätselhaften Hausnamen über Generationen von Schwiegersöhnen bis zum Nachweis, dass „Krones“ ursprünglich nichts anderes als eine Kurzform von „Hieronymus“ war.
Lage und Baubeschreibung Das frühere Krones-Anwesen mit der Anschrift Kyllburger Straße 3 besteht aus einem zweigeschossigen, traufständig zur Straße errichteten Wohnhaus sowie einem rechts anschließenden ehemaligen Wirtschaftsgebäude mit integriertem Scheunentor. Beide Baukörper werden von unterschiedlich geneigten Satteldächern überspannt. Das verputzte Wohnhaus besitzt eine regelmäßig gegliederte Fassade mit vier Fensterachsen im Obergeschoss und einer annähernd mittig angeordneten Eingangstür in der zweiten Fensterachse. Die Fenster sind als stehende Rechtecke mit farblich abgesetzten Sandsteingewänden ausgebildet. Das anschließende Wirtschaftsgebäude bewahrt mit seinem unregelmäßigen Fassadenbild, den kleinen Öffnungen und den teilweise erhaltenen Natursteingewänden noch deutlich den historischen Charakter des ehemaligen Ökonomieteils. Gemeinsam veranschaulichen beide Gebäudeteile die für ehemals landwirtschaftliche Anwesen typische Verbindung von Wohn- und Wirtschaftsfunktionen.
Ein Haus, eine Familie, viele Namen: Hieronymus - Crones - Högener - Kohl - Heintz Die Geschichte dieses Hauses lässt sich bis in das Jahr 1559 zurückverfolgen. In den damaligen Rechnungen der Herrschaft Kail erscheint erstmals das „Hieronimus“-Haus, das zu Abgaben an das Grafenhaus verpflichtet war. Bereits im folgenden Jahr wird mit „Hyeronimus Hanß“ eine konkrete Person genannt. Im archidiakonischen Visitationsprotokoll der Oberkailer Pfarrei von 1640 erscheint erneut ein „Hieronimus Hanß“, und in den Rechnungen von 1655 ist allgemein von „Heronemy Erb“ die Rede. Dem Feuerstättenverzeichnis des Herzogtums Luxemburg aus dem Jahr 1656 lässt sich zudem entnehmen, dass Hans Hieronimus als Schneider tätig war. Offenbar wurde im Krones-Haus der Vorname Johann über Generationen hinweg bevorzugt, denn auch bis 1695 erscheint mehrfach - in unterschiedlichen Schreibweisen - ein „Hieronimuß Hanß“. Im Güterverzeichnis des Jahres 1698, das nur noch in Abschrift erhalten ist, wird erstmals „Mattheiß Crones“ genannt, dieselbe Person wird 1710 jedoch wieder „Hieronimuß Mattheß“ genannt. Dieser scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn man weiß, dass „Krones“ eine damals durchaus gebräuchliche Kurzform des Namens „Hieronymus“ war. Besonders anschaulich wird diese synonyme Verwendung in der Rechnung von 1718. Dort stand ursprünglich „Hieronimus Mattheiß“. Nach dessen Tod im selben Jahr wurde der Name im hinteren Teil der Rechnung durch „Croneß Mattheißen Wittib“ überschrieben. Bei diesem Ehepaar dürfte es sich um die Eltern der Katharina Crones (um 1700-1743) gehandelt haben, die kurz nach 1720 Johann Högener aus Bruch heiratete. Er erscheint 1728 als „Hieronimus Johanes“, 1748 als „Geronymus Jo(hann)es“. Maria Katharina Högener (1722-1783), die älteste überlebende Tochter des Ehepaares, führte Haus und Hof gemeinsam mit ihrem aus Schwarzenborn stammenden Ehemann Jodokus Kohl (1730-1765) fort. Im Maria-Theresia-Kataster von 1766 wird sie als „Witwe Hieronimus“ bezeichnet. Um die Hofnachfolge zu sichern, heiratete ihre älteste Tochter Anna Maria Kohl (1752-1815) bereits im Alter von 17 Jahren Johann Theis aus Malbergweich. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Nach dessen Tod schloss Anna Maria 1778 eine zweite Ehe mit Johann Heintz (1745-1784) aus Etteldorf, aus der lediglich der gleichnamige Sohn Johann hervorging. Noch im selben Jahr heiratete die erneut verwitwete Anna Maria in dritter Ehe Johann Adam Berg (1756-1805) aus dem Oberkailer Kirchen-Haus (Kirchstraße 5). Aus dieser Verbindung sind fünf Kinder bekannt. Somit hinterließ Anna Maria Kohl, die letzte Erbin des Krones-Hauses nach den Erbgesetzen des Ancien Régime, bei ihrem Tod im Jahr 1815 mindestens vier erwachsene Kinder. Zwei Töchter aus der ersten Ehe waren bereits seit 1800 beziehungsweise 1801 verheiratet. Katharina hatte nach auswärts geheiratet, Magdalena lebte im späteren Beierschens-Haus (Burgstraße 6). Die Tochter Anna Katharina Berg hatte 1811 Peter Schmitt geheiratet und mit ihm das Pooten-Haus der ehemaligen Burg- und Schlossanlage (Burgstraße 5) gekauft und umgebaut. Der einzige Sohn Johann Heintz (1779-1836) führte die Landwirtschaft des Elternhauses fort. Er war seit 1807 mit Katharina Schmitt (um1780-1846) aus dem Zimmers-Haus (Wittlicher Straße 9) verheiratet. Er unterzeichnete im Jahr 1818 für das Krones-Haus den sogenannten Erbpacht-Erneuerungs-Contract, mit dem die Nachfolger der Oberkailer Grafenfamilie versuchten, die feudalen Verhältnisse wieder einzuführen - ein Vorhaben, das letztlich scheiterte. Beim ersten preußischen Kataster des Jahres 1828 wird Johann als Eigentümer der Immobilien der Hofstätte genannt. Die Hofstätte bestand damals aus zwei voneinander getrennten Gebäuden. Ein Bau war vermutlich der heute noch vorhandene ältere Teil des Wirtschaftsgebäudes und hatte damals schon diese Funktion. Der zweite Bau, vermutlich das damalige Wohnhaus, umfasste in der Breite ungefähr die linken drei Fensterachsen des heutigen Hauses, lag jedoch rund zweieinhalb Meter weiter zur Straße hin und ragte somit in den heutigen Hof hinein. Zwischen beiden Gebäuden war ein Durchgang zum dahinter liegenden Garten frei. Johann begann mit dem Umbau des alten Hauses. Der heute erhaltene Türsturz trägt die Jahreszahl 1833 sowie die Initialen „J H C S“ für Johann Heintz und Catharina Schmitt. Die Vollendung konnten aber weder Johann noch Catharina erleben. Der Um- und Neubau zog sich wohl über mehrere Jahre hin. Denn der 1808 geborene älteste Sohn Michael Heintz wurde als neuer Besitzer ab 1848 für einen „Neubau“ besteuert. Diese Angabe deckt sich mit der mündlichen Überlieferung, wonach ein „Michel Krones“ das heutige Haus erbaut habe. Von Michaels Geschwistern sind zwei nach auswärts verheiratet und zwei weitere später nach Nordamerika ausgewandert. Michael blieb offenbar ledig und lebte später in Hardt bei Altrich, wo er auch 1874 verstarb.
Auch nach 1850 bleibt das Krones-Haus das Haus der Schwiegersöhne: Densborn - Klein - Kickertz - Bungert - Otten Das Krones-Anwesen ging 1851 ins Eigentum von Peter Densborn (1823-1894) über. Er stammte aus dem Berentz-Haus (Haupichgasse 2) und hatte 1847 Katharina Schmitt aus dem Pooten-Haus geheiratet, eine Stiefkusine von Michael Heintz. Diese verstarb bereits nach knapp zwölfmonatiger Ehe. In zweiter Ehe heiratete er Katharina Becker (1825-1889) aus dem späteren Amtsgebäude in der Wittlicher Straße 11. 1851 verließ Peter Densborn gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Katharina Becker, seinem Sohn Ludwig aus erster Ehe sowie der ältesten Tochter Anna aus zweiter Ehe das Elternhaus und zog in das Krones-Haus. Dort wurden sechs weitere Kinder geboren. Anna heiratete 1869 Peter Lenz aus dem Schmieds-Haus (Orsfelder Weg 2), der für die nächsten 16 Jahre mit seiner Frau und den vier Kindern im Krones-Haus lebte. Die Familie Lenz kaufte 1885 das frühere Haupisch-Haus (Haupichgasse 6), ihr Sohn zog später in die Burgstraße 15. Im Jahr 1877 heiratete Ludwig mit Margaretha Klein ins Schmatz-Haus (Kuhberg 8) ein. Sechs Jahre später heiratete Anna Maria Katharina Densborn (1856-1893) mit Nikolaus Klein (1856-1925) ins Krones-Haus ein. Der Ehemann war der Bruder von Margaretha. Drei der vier zwischen 1884 und 1892 geborenen Kinder wurden nicht älter als zwei Monate. Nur die älteste Tochter Katharina Klein (1884-1953) erreichte das Heiratsalter. Beim Tod ihrer Mutter war Katharina erst neun Jahre alt. Fortan kümmerte sich ihre Tante Katharina Densborn um den Haushalt und um ihre Nichte. Katharina heiratete 1908 Johann Kickertz (1884-1964) aus Kyllburgweiler. Die Eheleute hatten drei Töchter und einen Sohn, der noch am Tag seiner Geburt verstarb. Das Gebäudeverzeichnis des Jahres 1910 nennt „Klein, Katharina, Ackerin“ als Besitzerin des Anwesens, das damals aus „Wohnhaus und Abort“, „Scheune mit Stall“ sowie einem Holzschuppen bestand. Im Jahr 1921 wurde das vormalige Stall- und Scheunengebäude teilweise abgebrochen und wieder neu errichtet. Dabei wurde es nach Nordwesten hin verlängert. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Schuppen neu gebaut. Die älteste Tochter Katharina Kickertz (1908-2004) heiratete 1934 Alois Bungert (1909-1996) aus Kyllburgweiler. Gemeinsam führten sie die Landwirtschaft im Krones-Haus fort. Die beiden jüngeren Schwestern heirateten Männer aus dem Dorf: Maria Theodor Kuhn aus Gerjens (Kirchstraße 6) und Magdalena Peter Densborn aus dem Nachbarhaus Ludes (Kyllburger Straße 5). Alois Bungert und Katharina Kickertz hatten zwei Töchter: Katharina heiratete 1959 Hermann Solchenbach und verzog zu ihm nach Kyllburg. Gisela blieb im Haus und heiratete 1963 Christoph Otten. Im Jahr 1950 ließ Alois Bungert Umbaumaßnahmen am Wohnhaus durchführen. Der agrarstrukturelle Wandel der 1960er Jahre machte schließlich eine Aussiedlung des landwirtschaftlichen Betriebes erforderlich. An der Straße nach Schwarzenborn, zwischen der Frohnertkapelle und dem Hastert-Wald errichteten die Familien Bungert und Otten ihren neuen Arbeits- und Lebensmittelpunkt. Das Anwesen in der Kyllburger Straße verlor damit seine ursprüngliche Funktion als Wohn- und Wirtschaftshof und wurde in den folgenden Jahrzehnten überwiegend zu Wohnzwecken genutzt. Zunächst blieb das Anwesen im Besitz der Familie Bungert-Otten. Es war zweimal für jeweils rund zwei Jahre vermietet: zunächst an die arenbergische Forstverwaltung, die dort jugoslawische Waldarbeiter unterbrachte, anschließend an die Familie Müller-Großmann, während deren Wohnhaus im Kuhberg 6 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt wurde. Um 1970 kaufte der aus dem Nachbarhaus (Kosta-Lorenz, Kyllburger Straße 9) stammende Matthias Joseph Breuer (1926-2000) das frühere Krones-Haus. Im Elternhaus war für Matthias Joseph Breuer, seine Ehefrau Irmgard Hessberg (1929-2013), ihre sechs Kinder sowie seine ältere Schwester Katharina („Kosta-Kätt“) nicht genügend Platz. Nachdem alle Kinder eigene Häuser bezogen hatten, lebten dort nur noch die Eltern, zuletzt die Mutter allein. Nach Irmgards Tod wurde das Haus verkauft. Heute bewohnt es Bernd Paff, der es behutsam mit Rücksicht auf die historisch gewachsenen Begebenheiten saniert.
(Jörg Kreutz, Oberkailer Zeitspuren e.V. - geschichtlicher Verein der Ortsgemeinde Oberkail, 2026)
Quellen Kreisarchiv Bitburg: Akten des Standesamtes Oberkail. LHAK 15, 1052, Maria-Theresia-Kataster 1766. LHAK 15, 280, Steuerliste 1793. LHAK, Außenstelle Kobern-Gondorf; Bestände 734-1104, 736-2291 und 736-3427. Mündliche Überlieferung: Gisela Otten geb. Bungert zitiert Hedwig Grün (1928-2011) mit der Erbauung des Krones-Hauses durch Michel Heintz. Mündliche Überlieferung: Gisela Otten geb. Bungert (1940-2025). Pfarrarchiv Oberkail und Bistumsarchiv Trier: Kirchenbücher der Pfarrei Oberkail. Pfarrarchiv Oberkail: Gebundene Abschrift eines Güterverzeichnisses aus der Zeit um 1700. Staatsarchiv Brüssel - Archives Générales du Royaume de Belgique, Bestand Arenberg, Rechnungen Oberkail.
Literatur
Gerten, Erich; Kreutz, Jörg; Rech, Claus (2001)
Oberkail - Geschichte eines Dorfes in der südlichen Eifel. Neuerburg.
Mehs, Matthias Joseph (1934)
Das Oberkailer „Nahmen Buch der Heiligen Undt Hochheiligen Bruderschaft Jesu undt Mariae“. In: Wittlicher Tageblatt, Nr. 277 und 282, Sonderdruck, Wittlich.
Rech, Claus (o.J.)
Stockbesitzer und Beisassen in Oberkail (Eifel). Ein Beitrag zur Geschichte der Oberkailer Häuser und ihrer Bewohner vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. o.O.. Online verfügbar: https://www.wgff.de/trier/
Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
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