Ein Haus, drei Namen und eine Geschichte über fast 500 Jahre: Was als mittelalterliches Lorentz-Haus begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu den heutigen Anwesen Gellatz und Berentz. Hinter diesem Wandel verbergen sich außergewöhnliche Familiengeschichten, komplizierte Erbfolgen, Auswanderer bis in die USA und ein Hausname, den zwar eine Bewohnerin als Geburtsnamen mitbrachte, den jedoch niemand während seiner Zeit im Haus trug. Wie es dazu kam, erzählt die Geschichte eines der ältesten Höfe Oberkails.
Lage und Baubeschreibung Das Gellatz-Haus mit der Anschrift Bitburger Straße 7 besteht aus einem traufständig zur Straße stehenden Wohnhaus sowie einem rechts anschließenden, niedrigeren Gebäudeteil mit Hauseingang und integrierter Garage. Beide Baukörper bilden heute eine geschlossene Straßenfront und werden von Satteldächern überspannt. Das Hauptgebäude ist ein zweigeschossiger Massivbau von rechteckigem Grundriss. Seine schlichte, verputzte Fassade wird durch regelmäßig angeordnete Fensteröffnungen gegliedert. Die Straßenfront umfasst vier Fensterachsen, wobei der Abstand zwischen dritter und vierter Achse etwas größer ist als zwischen den übrigen Achsen. Der ursprüngliche Hauseingang befindet sich in der dritten Achse. Im Erd- und Obergeschoss besitzen die Fenster ein stehendes Rechteckformat und sind mit dezenten, farblich abgesetzten Rahmen eingefasst. Ein umlaufender Sockel gliedert das Gebäude zusätzlich und hebt es optisch vom Straßenraum ab. Das Dachgeschoss wird durch drei gleichmäßig angeordnete Gauben mit verschieferten Wangen und Giebeldreiecken belichtet. Die heutige Eindeckung mit roten Tonziegeln ersetzt eine ältere Dachdeckung, ohne die ursprünglichen Proportionen des Hauses wesentlich zu verändern. Ein giebelständiger Schornstein an der rechten Gebäudeseite unterstreicht die klare Dachsilhouette. An das Wohnhaus schließt sich unmittelbar, jedoch gegenüber der Straßenflucht leicht zurückgesetzt, ein zweigeschossiger Nebentrakt an. Dieser besitzt ebenfalls ein ziegelgedecktes Satteldach, dessen geringere Firsthöhe den Übergang zum Hauptbau deutlich erkennen lässt. Die Straßenfassade wird von einer Haustür, einer Garagentoranlage sowie einem links der Eingangszone angeordneten Fenster gegliedert. Im Obergeschoss befinden sich zwei Fenster, deren Anordnung zwar regelmäßig ist, aber keinen Bezug zu den Öffnungen des Erdgeschosses aufweist. In seiner heutigen Form erfüllt dieser Gebäudeteil sowohl Wohn- als auch Wirtschaftsfunktionen. Insgesamt vermittelt das Anwesen einen ruhigen und harmonischen Eindruck. Die einheitliche Putzgestaltung, die abgestimmten Fensterformate sowie die erneuerte Dacheindeckung verleihen dem Gebäudekomplex trotz seines unterschiedlichen Baualters beziehungsweise seiner ursprünglich unterschiedlichen Nutzung ein geschlossenes Erscheinungsbild. Zugleich lassen die unterschiedlichen Traufhöhen und Baukörper die schrittweise bauliche Entwicklung des Anwesens und seine wiederholte Anpassung an veränderte Nutzungsanforderungen deutlich erkennen.
Von den Anfängen des Lorentz-Hauses bis zum Ende der Feudalzeit Bereits 1525 wird „Lorentz von syme Erff“ genannt, also Lorentz von seinem Erbgut. Vermutlich geht der Hausname auf ihn zurück, denn bis zum Ende des Ancien Régime und sogar noch rund vierzig Jahre darüber hinaus wird von Lorentz- oder Laurentz-Vogtei oder -Erb oder -Schaftgut gesprochen. Aus den erhaltenen Rechnungen der Herrschaft Kail erfahren wir, dass diese Vogtei in den Jahren 1559 bis 1561 als „pfleglos“ bezeichnet wurde, das heißt, die zugehörigen Ländereien lagen brach. Im Jahr 1577 tritt mit Lorentz Dietz (Diederich/Theodor) wieder ein aktiver Landwirt in den Rechnungen auf, der auch 1594 und 1604 genannt wird. Für die folgenden rund fünf Jahrzehnte fehlen aussagekräftige Quellen. Erst für 1655 erfahren wir vom damals wieder pfleglosen „Lorentz Michelß Erb“. Im Jahr 1680 wurde das Gut wohl wieder bewirtschaftet. Bei der Auflistung der Schaftgelder, die als eine Art Pacht für Hofstätten, Gärten etc. zu verstehen sind, zählte Lorentz Johaneß zu den größeren Abgabepflichtigen des Dorfes. Im Jahr 1695 war Lorentz Diderich Inhaber der Lorentz-Vogtei. Im Güterverzeichnis von 1698 erscheint er als „Dederichs Lorentz“, in den Rechnungen bis 1728 „Dietz Lorentz“. Die erste auch durch Kirchenbucheinträge belegte Person des Lorentz-Hauses ist Eva Maria Lorentz. Sie war vermutlich Theodors Tochter und muss um 1700 herum geboren sein. Ihr Sterbeeintrag stammt aus dem Jahr 1753. Sie ging insgesamt drei Ehen ein. Ihre erste Ehe dürfte kurz vor oder im Jahr 1726 geschlossen worden sein. Ehemann war Johann Heinrich Crones, der vermutlich aus dem Krones-Haus (Kyllburger Straße 3) stammte. In den Rechnungen wird er als Henrich Lorentz bezeichnet, da er ins Lorentz-Haus eingeheiratet hatte. Aus dieser Ehe gingen acht Kinder hervor. Zwei Jahre nach seinem Tod 1742 heiratete Eva Maria Lorentz in zweiter Ehe 1744 Johann Schüller aus Seinsfeld. Aus dieser Ehe ist eine Tochter belegt. Im Jahr 1750 heiratete die Witwe den Malberger Andreas Theis. Die gemeinsame Tochter wurde in den Kirchenbüchern als Anna Katharina Lorentz eingetragen. Nach den Erbfolgeregelungen im alten Herzogtum Luxemburg wurde das älteste Kind Hoferbe. In diesem Fall war das Karl Franz Crones (1726-1790), der als Ackerer und Fuhrmann bezeichnet wurde. Im Jahr 1750 hatte er Maria Elisabeth Theisen geheiratet. Zur Zeit der Katasteraufnahme unter Kaiserin Maria Theresia in den Jahren 1766 und 1767 wird er als Carl Laurentz bezeichnet. Als Inhaber des Lorentz-Schaftgutes bewirtschaftete er damals 22,6 ha. Von den fünf Kindern der Eheleute Crones-Theisen starben drei jung, die beiden Töchter Katharina und Amalia blieben im Elternhaus wohnen, letztere als unverheiratete Tante. Erbtochter Katharina Crones (1752-1831) heiratete in erster Ehe Matthias Leinen, der bereits Anfang Oktober 1772 verstarb. Die schwangere Witwe trat noch im selben Monat mit Johann Nikolaus Carpentier (1753-1805) vor den Traualtar. Neben Sohn Karl Leinen (1773-1821) lebten um 1800 auch sieben Kinder aus der zweiten Ehe im Lorentz-Haus.
Vom Lorentz-Stockhaus zu Gellatz- und Berentz-Haus Nach der Erbfolgeregelung des Ancien Régime heiratete Karl Leinen mit seiner aus Malberg stammenden Ehefrau Anna Labbé (1771-1828) im Jahr 1800 ins Elternhaus ein. Von ihren vier Kindern heirateten zwei nach Fließem und je eins nach Malberg und Hinterweiler. Von Karls sieben Stiefgeschwistern aus der zweiten Ehe der Mutter waren zwei nach Wilsecker und je eins nach Fließem und Bitburg verheiratet. Drei blieben im elterlichen Anwesen wohnen: Katharina Carpentier (1791-1817) lebte wohl im Elternhaus. Johann Carpentier (1775-1847) hatte mit seiner Ehefrau Anna Katharina Metzen (1780-1849) aus Dahlem um 1810 im langestreckten Wirtschaftsflügel ein Haus errichtet, das den Kern des heutigen Berentz-Hauses in der Bitburger Straße 9 bildet. Hilger Carpentier (1788-1833) und seine aus Dierscheid stammende gleichaltrige Ehefrau Magdalena Berens bauten sich um 1815 im Wirtschaftstrakt des Lorentz-Hauses, direkt neben dem Wohnhaus des älteren Bruders Johann ein kleines Häuschen. Dieser Bau ist heute im Gebäude Bitburger Straße 9 aufgegangen und befand sich dort, wo heute auf der linken Hausseite der Balkon des Obergeschosses ist. Noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde dieser Gebäudeteil nach seinem Erbauer als „Hellijer“-Haus bezeichnet.
Das heutige Gellatz-Haus Bitburger Straße 7 In der Urteilsschrift des Appellations-Gerichtshofes in Köln zu den Holznutzungsrechten im Oberkailer Wald aus dem Jahr 1835 werden „Catharina Crones, Wittwe Carpentier“ und „Peter Müller, Lehmformer“ als „Besitzer des Lorenz Stockhauses“ genannt. Im ersten preußischen Kataster für Oberkail aus dem Jahr 1828 wird dagegen Peter Müller als alleiniger Eigentümer des Lorentz-Hauses bezeichnet. Diese scheinbare Diskrepanz erklärt sich aus den Familienverhältnissen. Im Jahr 1828 lebten noch die 75-jährige Mutter und die beiden 53- bzw. 50-jährigen Söhne Johann und Hilger, die mit ihren Familien in ihren neu eingerichteten Häusern neben dem Elternhaus wohnten. Die Witwe von Karl Leinen, Anna Labbé war im selben Jahr 57-jährig verstorben. Deren vier Kinder, damals zwischen 18 und 28 Jahren alt, waren vermutlich außerorts in Stellung, wo sie auch kurz später heirateten. Demnach verkauften sie beziehungsweise ihre Großmutter das Hasu wohl im Jahr 1828 an Peter Müller. Ob Katharina Crones nun mit Wohnrecht im verkauften Haus wohnen blieb oder ob sie bei einem der beiden Söhne in direkter Nachbarschaft wohnte, lässt sich den vorliegenden Akten nicht entnehmen. Jedenfalls war sie Eigentümerin des Lorentz-Hauses als der Prozess um die Holznutzungsrechte angestrengt wurde und 1835 schon zwei Jahre tot, als ihr Name in der Urteilsschrift in einem Federzug mit dem von Peter Müller genannt wird. Peter Müller (1787-1835) stammte aus Eisenschmitt und hatte im Jahr 1816 Katharina Gelhard (oder Gellatz) (1797-1875) geheiratet, die in Schleidweiler geboren war. Ihr Vater Johann Gellart (Gelhard oder Gellatz) stammte vom Forsthaus Mühlchen bei Zemmer. Kurz nach 1800 war er als Förster in Schladt tätig und kam später in gleicher Funktion nach Oberkail, wo er Anfang des Jahres 1810 verstarb. Mit seiner Frau und den Kindern lebte er zur Miete bei der Schmieds-Familie im Orsfelder Weg 2. Seine Witwe Margaretha Bernard kaufte im Jahr 1811 das ehemalige gräfliche Backhaus (Burgstraße 7) und richtete sich und ihren damals 14, sieben und fünf Jahre alten Kindern dort ein Wohnhaus ein. Vermutlich lebten die älteste Tochter Katharina Gelhart in den ersten Ehejahren mit Peter Müller ebenfalls dort, bevor sie das Lorentz-Haus in der Bitburger Straße 7 kauften und mit ihren damals fünf Kindern dorthin umzogen. Seit ihrem Einzug trägt das Anwesen ihren Geburtsnamen „Gellatz“ als Hauname - obwohl zu keiner Zeit eine darin lebende Person den Namen führte. Als Peter Müller verstarb, waren die sieben Kinder zwischen siebzehn und drei Jahren alt. Die Witwe schloss ein knappes Jahr später eine zweite Ehe mit Johann Adam Foegen (1804-1877). Der meist nur Adam genannte Mann stammte aus Deudesfeld und lebte zur Zeit der Eheschließung bereits in Oberkail. Aus dieser Ehe ging nur der Sohn August hervor. Adam Foegen betrieb im früheren Lorentz-Haus wieder eine Landwirtschaft und erweiterte diese fortlaufend. Der verstorbene erste Mann Peter Müller scheint sich weniger der Landwirtschaft gewidmet zu haben, sondern nutze seine in Eisenschmitt erlernten Fachkenntnisse im aufstrebenden Ruhrrevier. Nachweislich war er in den 1820er Jahren für längere Zeiten nicht in Oberkail anwesend, sondern arbeitete in Mülheim an der Ruhr. Vermutlich wanderten später auch einige seiner Kinder dorthin ab. Der 1820 geborene Sohn Johann Müller erlernte das Eisengießer-Handwerk wohl von der Pike auf und erwarb darin auch einen Meistertitel. In den 1860er Jahren war er technischer Leiter und Miteigentümer des Husumer Eisenwerks in Schleswig. Zwei Schwestern heirateten und verzogen in das Leinewewisch-Haus (Haupichgasse 3) bzw. nach Densborn. Im Elternhaus blieben Anna Margaretha Müller (1826-1903) mit ihrem Ehemann, dem Kleinkrämer Jakob Schönhofen (um 1825-1886) sowie August Foegen (1837-1916).
Für mehrere Generationen prägt der Name Foegen das Gellatz-Haus August Foegen übernahm im Jahr 1869 das Anwesen von seinem Vater und führte den Betrieb fort und baute ihn weiter aus. Drei Jahre zuvor hatte er Katharina Schmitt (1839-1917) aus dem Flips-Haus (heute abgebrochen, frühere Anschrift Schulstraße 2) geheiratet. Aus dieser Ehe gingen acht Kinder hervor. Zwei verstarben als Säuglinge, zwei blieben zeitlebens als unverheiratete Onkel im Elternhaus und halfen in der Landwirtschaft und bei der sogenannten „Hauderei“ (Holzrücken im Wald), dem zweiten Erwerbszweig der Gellatz-Familie. Tochter Maria Anna Fögen heiratete ins Reiss-Haus (Standort Orsfelder Weg 1) ein und Sohn Heinrich bezog mit seiner Frau das dortige Nebenhaus, in dem er nach dem frühen Tod seiner Frau für über 40 Jahre als kinderloser Witwer lebte. Sohn Nikolaus Foegen heiratete in Kyllburg, verzog dann nach wenigen Jahren mit Ehefrau, Kindern und verwitweter Schwiegermutter in das Haus Wittlicher Straße 13 in Oberkail. Der älteste Sohn Adam (1866-1941) blieb im Elternhaus. Im Jahr 1898 hatte er Barbara Kolles (1869-1956) aus Steinborn geheiratet. Sie hatten vier Kinder. Sohn Gerhard heiratete nach Spangdahlem, Tochter Maria blieb unverheiratet im Elternhaus wohnen, Sohn Nikolaus heiratete 1941 und zog mit seiner aus dem Flur-Haus (Kuhberg 2) stammenden Frau zum Onkel ins Reiss-Haus. Wieder blieb der älteste Sohn, August, im Elternhaus. Das Gebäudebuch des Jahres 1910 bezeichnet das Anwesen als „Hauptwohnhaus, Scheune und Stall“. Als Berufsbezeichnung steht damals beim Großvater August Foegen „Ackerer und Gemeindevorsteher“, denn von 1898 bis zu seinem Tod 1916 war er Ortsvorsteher der Gemeinde Oberkail. Die etwas merkwürdig anmutende Bezeichnung als „Hauptwohnhaus“ rührt daher, dass August Foegen im Jahr 1893 das gegenüberliegende frühere Bayers-Anwesen (heute Bitburger Straße 14) gekauft hatte, dessen Haus nun als „Nebenwohnhaus“ bezeichnet wurde. Offenbar stand für die Familie der Zugewinn von Wirtschaftsgebäuden im Vordergrund, denn neben dem eigentlichen Haupt-Haus gab es keine Erweiterungs- und Ausdehnungsmöglichkeiten für die land- und forstwirtschaftlichen Betätigungen der Familienmitglieder, die das zugekaufte Anwesen auf der gegenüberliegenden Straßenseite nun bot. Im Jahr 1919 erscheint dann der Landwirt Adam Fögen als Eigentümer des Gellatz-Hauses, zwanzig Jahre später sein Sohn August Foegen (1899-1957), der 1939 die aus Spangdahlem stammende Katharina Magdalena Dillenburg (1912-1996) geheiratet hatte. Nach dem Tod Augusts wurde die Landwirtschaft eingestellt. Sohn Artur Foegen ließ die früheren Wohngebäude auf der anderen Straßenseite abbrechen und erbaute sich und seiner Familie Anfang der 1960er Jahre ein großes neues Wohnhaus für drei Parteien. Bei der Straßennummerierung 1968 erhielt dieses Gebäude die Hausnummer 14. In diesem Haus lebt er noch heute. Seine Mutter heiratete 1963 in zweiter Ehe Nikolaus Nöhl (1896-1971) aus Eßlingen und wohnte mit ihm im Stammhaus. Auch mit ihrem dritten Ehemann Nikolaus Kesten lebte Katharina zeitweise in Oberkail, dann in dessen Heimat. Das Haus in Oberkail wurde vermietet. Als Witwe kehrte sie schließlich wieder ins Gellatz-Haus nach Oberkail zurück. Auch ihre kinderlose verwitwete Schwester Anna Maria Palzer, geborene Dilleburg (1905-2003) verbrachte ihre letzten Lebensjahre im Gellatz-Haus in Oberkail. Danach sanierte Arturs ältester Sohn Arno Foegen mit seiner Frau Petra das Haus für die Bedürfnisse ihrer Familie.
Das heutige Berentz-Haus Bitburger Straße 9 Der heutige Gebäudekomplex des Berentz-Hauses mit der Anschrift Bitburger Straße 9 war im 18. Jahrhundert Wirtschaftsgebäude des Lorentz-Stockhauses. Wie oben beschrieben, erbauten Johann (um 1810) und Hilger (um 1815) Carpentier darin Wohngebäude. Im Urkataster des Jahres 1828 wird der Schmied Hilger Carpentier als Eigentümer eines sehr schmalen Hauses geführt, das in etwa der heutigen linken Fensterachse mit der Breite des Balkons entsprach. Nach dem Tod Hilgers im Jahr 1833 lebten seine 45-jährige Witwe mit der knapp 7-jährigen Tochter Anna Maria Carpentier im Haus. Diese heiratete 1846 Jakob Eppers aus Mötsch. Ihre älteste Tochter Magdalena wurde im Januar 1847 im „Hellijer“-Haus geboren. Danach verliert sich die Spur der Familie mitsamt der Großmutter in Oberkail. Jakob Eppers verstarb im Jahr 1900 in Kenosha und Anna Maria Carpentier im Jahr 1910 in Ashton, beides in den Vereinigten Staaten. Das Haus in Oberkail wurde im Grundbuch ab 1848 zum Nachbar Peter Densborn gehörig geführt und dann später mit dessen Haus auf einer Parzelle vereinigt. Die Mutterrolle des Urkatasters von 1828 verzeichnet Johann Carpentier als Eigentümer des Baukörpers des heutigen Wohnhauses, ohne das „Hellijer“-Haus, sowie der daran gelegenen Wirtschaftsgebäude. Kurz vor 1840 dürfte er mit seinem Nachbarn Ludwig Densborn einen Tausch der Gebäude vollzogen haben. Ludwig Densborn war das jüngste der vier erwachsenen Kinder der Eheleute Peter Densborn und Katharina Adams aus dem ursprünglichen Berentz-Haus (Haupichgasse 2). Vor 1828 muss er sich aus einem früheren freistehenden Wirtschaftsgebäude (Standort neben der heutigen Scheune zwischen den Anwesen Haupichgasse 3 und 4) ein Wohnhaus errichtet haben. Dort lebte er dann auch mit seiner Frau und den ältesten Kindern. Im Grundbuch des Jahres 1840 wird „Johann Charpentier“ als Eigentümer dieses kleinen Hauses (Klasse I) geführt. Johann Carpentier verstarb 1847, seine Ehefrau 1849. Die Tochter Anna Carpentier heirate 1849 Johann Wagner aus dem Leinewewisch-Haus (Haupichgasse 3) und verzog mit ihm nach Wilsecker, der Sohn Theodor heiratete 1851 nach Spang und der Sohn Jodok 1852 nach Bitburg. Das Haus gelangte später wieder in den Besitz der Berentz-Familie und wurde anschließend abgebrochen. Ludwig Densborn (1806-1853) zog mit seiner aus Esslingen stammenden Ehefrau Maria Anna Krippes (1815-1874) in das von Johann Carpentier errichtete Haus in der Bitburger Straße, das bis heute nach Ludwigs Herkunft als „Berentz“ bezeichnet wird. Für fünf der acht Kinder lassen sich Eheschließungen nachweisen (je eine in Schweich, Seinsfeld und Kyllburg). Zwei weitere Kinder starben im jugendlichen Alter. Die Tochter Anna heiratete ins Bäna-Haus (Standort Schulstraße 1) ein. Sohn Christoph (1845-1891) führte die elterliche Landwirtschaft fort. Er heiratete 1872 Barbara Zerfas (1847-1912) aus Landscheid. In Haus und Hof folgte ihnen der älteste Sohn Karl Densborn. Der zweitälteste, Peter Densborn, kaufte das Nachbarhaus Bitburger Straße 18, das sowohl als „Berentz“ oder nach seinem Vornamen „Pitten“ oder gar „Berentz-Pitten“ bezeichnet wird. Karl Densborn (1873-1957) heiratete 1905 Angela Boresch (1878-1946) aus Metterich. Im Gebäudebuch des Jahres 1910 wird das Anwesen beschrieben als „Wohnhaus und Abort, Scheune und Stall, Backhaus und Schweinestall“. Im Jahr 1925 erfolgte der Neubau eines Stalls und einer Scheune auf der anderen Straßenseite oberhalb des Haupisch-Anwesens. Von den acht Kindern übernahm Johann Densborn („Berentz-Hahns“) die Landwirtschaft und das Haus. Sein Bruder Peter heiratete die Witwe Angela Hormann und zog zu ihr ins Bläsisch-Haus (Kirchstraße 3). Schwester Magdalena heiratete Nikolaus Raskob und zog zu ihm ins Plonien-Haus (Hauptstraße 1). Bruder Theodor blieb zeitlebens im Elternhaus und half zunächst seinem Bruder und nach dessen Tod dessen Witwe in der Landwirtschaft. Der jüngste Sohn Christoph starb als Soldat bei El Alamein. Die jüngste Tochter Anna Maria heiratete 1952 nach Minderlittgen. Johann Densborn (1905-1965) heiratete, ebenfalls 1952, Margarete Weiler (1917-1998) aus dem Rieden-Haus (Neustraße 12). Deren Sohn Theo führte den Hausstand mit seiner aus Gindorf stammenden Ehefrau Rita und zwei Söhnen fort. Er war bis zum Renteneintritt als Landwirt tätig, zuletzt als Teil der Betriebsgemeinschaft Heidehof. Der zweite Sohn der Eheleute Densborn-Weiler, Alfred, baute zusammen mit seiner aus Gindorf stammenden Ehefrau Josie ein neues Wohnhaus auf der Flips.
(Jörg Kreutz, Oberkailer Zeitspuren e.V. - geschichtlicher Verein der Ortsgemeinde Oberkail, 2026)
Quellen Herzoglich von Croysches Archiv Dülmen, HCAD, BMB, 16, 15, Urteil vom 29. November 1832 in Sachen der Fürsten von Salm-Salm gegen die Stockbesitzer in Oberkail. Kreisarchiv Bitburg: Akten des Standesamtes Oberkail. LHAK 15, 1052, Maria-Theresia-Kataster 1766. LHAK 15, 280, Steuerliste 1793. LHAK, Außenstelle Kobern-Gondorf; Bestände 734-1104, 736-2291 und 736-3427. Pfarrarchiv Oberkail und Bistumsarchiv Trier: Kirchenbücher der Pfarrei Oberkail. Pfarrarchiv Oberkail: Gebundene Abschrift eines Güterverzeichnisses aus der Zeit um 1700. Staatsarchiv Brüssel - Archives Générales du Royaume de Belgique, Bestand Arenberg, La 5359, Rechnungen Oberkail 1453. Urteilsschrift des Rheinischen Appellations-Gerichtshof zu Cöln in seiner öffentlichen Sitzung des ersten Civil-Senats vom 22. April 1835.
usumer Eisenwerk: Mittelständische Unternehmertum in einer Agrarregion 1852-1954. Husum.
Brockstedt, Jürgen (1979)
Regionale Mobilität in Schleswig-Holstein 1600-1900. Wachholtz.
Gerten, Erich; Kreutz, Jörg; Rech, Claus (2001)
Oberkail - Geschichte eines Dorfes in der südlichen Eifel. Neuerburg.
Mehs, Matthias Joseph (1934)
Das Oberkailer „Nahmen Buch der Heiligen Undt Hochheiligen Bruderschaft Jesu undt Mariae“. In: Wittlicher Tageblatt, Nr. 277 und 282, Sonderdruck, Wittlich.
Rech, Claus (o.J.)
Stockbesitzer und Beisassen in Oberkail (Eifel). Ein Beitrag zur Geschichte der Oberkailer Häuser und ihrer Bewohner vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. o.O.. Online verfügbar: https://www.wgff.de/trier/
Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation, Archivauswertung
Empfohlene Zitierweise
Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt steht unter der freien Lizenz CC BY 4.0 (Namensnennung). Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Möchten Sie dieses Objekt in der Kuladig-App öffnen?
Wir verwenden Cookies
Dies sind zum einen technisch notwendige Cookies,
um die Funktionsfähigkeit der Seiten sicherzustellen. Diesen können Sie nicht widersprechen, wenn
Sie die Seite nutzen möchten. Darüber hinaus verwenden wir Cookies für eine Webanalyse, um die
Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren, sofern Sie einverstanden sind. Mit Anklicken des Buttons
erklären Sie Ihr Einverständnis. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Datenschutzseite.