Fachwerkhaus Kronstraße 30 in Zeiskam

Gemüsesamenhandlung Hermann und Margarete Humbert

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Zeiskam
Kreis(e): Germersheim
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 13′ 53,56″ N: 8° 15′ 5,37″ O 49,23154°N: 8,25149°O
Koordinate UTM 32.445.506,74 m: 5.453.465,46 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.445.560,37 m: 5.455.207,91 m
  • Fachwerkhaus Kronstraße 30 in Zeiskam (2026)

    Fachwerkhaus Kronstraße 30 in Zeiskam (2026)

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    Hartwig Humbert, Zeiskam
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  • Hausinschrift am Fachwerkhaus Kronstraße 30 in Zeiskam (2026)

    Hausinschrift am Fachwerkhaus Kronstraße 30 in Zeiskam (2026)

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  • Illustration der Familie eines Samenhändlers beim Befüllen von Tüten (2026)

    Illustration der Familie eines Samenhändlers beim Befüllen von Tüten (2026)

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In dem Fachwerkgebäude in der Kronstraße 30 in Zeiskam, gegenüber der katholischen Kirche, betrieben Hermann Humbert II. und seine Frau Margarete noch in der Zweiten Hälfte ein Geschäft für Gemüsesamen. Dieser Laden steht repräsentativ für einen Geschäftszweig, der für den Ort als ein Zentrum des Gemüseanbaus sehr wichtig war. Dass das Kulturgut Gemüsesamen aus dem pfälzischen Zeiskam seinen Weg in zahlreiche Gegenden Süddeutschlands und Nordfrankreichs fand, hat bereits August Becker in seinem bekannten Werk „Die Pfalz und die Pfälzer“ 1857 bewogen, diese besondere Tätigkeit der Zeiskamer Bauern zu dokumentieren und zu würdigen. Zu „dicken Bauern“ gedeihen die „Zäskämer Samehännler“, so beschreibt er den Erfolg des überregionalen Handels.

Der Verkauf der Sämereien in der Pfalz
Früheste Meldungen von Samenhändlern
Wie wird der Samen gewonnen
Die Vorbereitung der Sämereien
Der Verkauf im Elsass und in Lothringen
Die Beschreibung der Kleidung der Zeiskamer
Der „Zeiskamer Samenmann“
Überregionale Beziehungen
Das Ende des überregionalen Samenhandels
Der Samenhandels Mitte des 20. Jahrhunderts
Kulturdenkmal
Quellen

Der Verkauf der Sämereien in der Pfalz
„Wohin man sieht, bemerkt man nichts als Gärten voll Zwiebeln, Knoblauch, Majoran und anderen Gewächsen. Die Weiber und Mädchen samt den jungen Burschen des Ortes ziehen, nachdem die Feldarbeiten getan sind, mit Körben und Zwerchsäcken voll solcher Gewächse und allerhand Samen durchs Land; sie sind in der ganzen Vorderpfalz bekannt unter dem Namen der Zeiskamer Samenhändler. Ihr Ruf ‚Käft Same! Zwiewle, Knowloch, Maraun!‘ wird im Frühjahr und Herbst in allen Gassen der pfälzischen Dörfer gehört (…) Es sind oft sehr wohlhabende Leute, die ‚auf den Handel‘ gehen, und das wird ihnen von den Leuten im Weinland droben sehr übelgenommen, die nicht ohne Grund behaupten: Solchen Verdienst sollte man den Ärmeren zugute kommen lassen! (...) In Zeiskam ist man so recht im Mittelpunkt des Gaues und der Vorwurf trifft; denn wie ein Zeiskamer oft daheim und auf dem Handel lebt, so möchte droben an der Haardt kein Tagelöhner leben.“

Dass es nicht unbedingt wohlbetuchte Menschen waren, die als Samenhändler unterwegs waren, beweisen die beiden Brüder Johann Martin Strebel (geb. 1819, Sterbedatum unbekannt), dessen Hauptberufe als Tagner (d.h. Tagelöhner) und Färber angegeben werden, und dem ebenfalls als Taglöhner bezeichneten Johann Peter Strebel (geb. 1826, Sterbedatum unbekannt). Ein Stück typisch für viele Zeiskamer Handelsreisende ist, dass auch bei diesen beiden anlässlich der Geburt eines Kindes die jeweilige Hebamme stellvertretend die Anmeldungen auf dem Rathaus erbringen musste, weil die Väter „gegenwärtig in Geschäften abwesend“ waren. Dem Buch von August Becker verdanken wir die Zeichnung einer Dreiergruppe Zeiskamer Samenhändler mit Beschreibung der Kleidung der Frauen. „Eines der Mädchen hat die ‚Kattunbätze‘ auf, die besonders in der Gegend von Germersheim, Landau und im Land gegen das Elsaß hin die Werktagshaube der Weiber ist. Das lose um den Hals geknüpfte Tuch kennzeichnet die Mädchen und Weiber der Gegend.“

Früheste Meldungen von Samenhändlern
Bereits im 18. Jahrhundert finden sich Zeiskamer, die mit der Berufsbezeichnung Samenhändler dokumentiert sind. Der erste Eintrag bezieht sich auf Claudius oder Klaus Ziegler, der bereits vor den schriftlichen Aufzeichnungen vor 1690 geboren war und 1777 in Zeiskam starb. Neben der Bezeichnung Samenhändler wird er in einer Ausfauteiakte (historische Verwaltungs- und Gerichtsakte) auch als Krämer, in der „Obergass“ wohnend, bezeichnet, so dass er offensichtlich auch mit anderen Produkten Handel trieb. In den französischen Personenstandsakten, die Pfalz wurde 1797 französisch, werden auch Johann Theobald Zoller (1779-1822) und Johann Michael Blumenschein neben ihrer Tätigkeit als Ackersleute als „vendeur de semences“ (Samenverkäufer) geführt. Dass letzterer offenbar als Samenhändler in der Westpfalz unterwegs war, wird aus seinem Sterbeeintrag deutlich, denn er starb in Kaiserslautern, „weil er dort krank geworden war und in einer Herberge logierte“. Noch im 20. Jahrhundert konnte es geschehen, dass ein Samenhändler nicht mehr lebend nach Hause kam: Der 65jährige Jakob Först IV., Ackerer und Feldschütze in Zeiskam, verstarb 1922 in Bergzabern an einem Schlaganfall, während er dort auf dem Samenhandel war.
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Wie wird der Samen gewonnen
Wenn Salatpflanzen nicht geerntet werden, beginnt er schließlich zu „schießen“. Wenn dann die sich entwickelnden Blütenstände verblüht sind, können sie durch Abschneiden geerntet werden. Wenn die Samen gut ausgereift sind, lassen sie sich einfach aus den vertrockneten Kelchblättern entfernen. Wurzelgemüse wie z. B. Karotten, aber auch Petersilie und Kerbel oder Feldsalat, bilden erst im zweiten Jahr Samen aus. Nach dem ersten Jahr müssen die Wurzeln frostfrei überwintert und im Frühjahr erneut ausgepflanzt werden. Bis zum Sommer bilden die Pflanzen dann Samen aus. Wenn die Blütenstände trocken werden und sie damit ausgereift sind, schneidet man sie ab und lässt sie auf einem Tuch (da bereits Samen ausfallen können) noch nachreifen.

Die Vorbereitung der Sämereien
Im „Pfälzer Feierowend“, einer Beilage der „Rheinpfalz“ von 1957, schildert J. Sprissler, offensichtlich handelt es sich dabei um den 1892 in Zeiskam geborenen Lehrer Joseph Sprissler, „Wie die Zeiskamer Samenhändler nach Lothringen kamen“:

„Es war um die Jahrhundertwende. Die Zeiskamer Gemüsebauern hatten eine gute Ernte eingebracht. Auch die ‚Sämereien‘ waren recht geraten, sogar der ‚Zwiebelsamen‘, dem das Dorf seinen Uznamen verdankt, ließ nichts zu wünschen übrig. Kaum waren Rot-, Gelb-, Dick- und Weißrüben in Mieten und Kellern geborgen – die ‚Mannsleit‘ pflügten noch die Aecker und säten Korn und Weizen – da begannen die ‚Weibsleit‘ schon ihre Heimarbeit in der warmen Küche: den Samen herrichten und die Samentütchen drehen, aus Zeitungen und alten Papieren zusammenkleben. Die Buben mußten mit ihrer besten Handschrift Schildchen schreiben, die also lauteten: Gelbrüben – früh, Rotrüben – rundlich. Rupfsalat, Kopfsalat, Knoblauch, Zwiebeln, Majoran, Schwarzwurzeln, Erbsen, Bohnen, Linsen, Köcherlin usw. Für die Blumensorten gab der Vater am Abend, wenn er hinterm Ofen seinen ‚Gips‘ rauchte, die ortsüblichen Namen an, wie sie der ‚alte Schakob‘ bei guter Laune in der Pfalz beim Biertisch vortrug: 120 Blumensorten: Tausendtalerblumen, Cynia, Reseda, Hasenmäulcher, Froschschwänz, Rehschwänzcher, Veilchenlieb, Gretel hinner de Heck, Jungferndelchen, Greif-mich-nicht-an, Fallsch-de-um, Owedruff, Rehdatsche, Haseglocke, Elefantenohre, Löwemäulcher, Schöngesicht oder Mädchenauge, Männertreu, Weiberlist, Kaisernelke, Stangenrose usw. Mit solch scherzhaften Benennungen priesen die ‚Zäskämer Samehänler‘ den Lothringer Frauen ihre Raritäten an. Ueber der Anricht hing die Blumensamenwaage, eine kleine Balkenwaage, wie man sie heute nur noch in der Apotheke sehen kann. Damit wogen die Bauersleute ihren feinen Samen ab, füllten sie in die selbstgefertigten Tütchen, versahen sie mit den zugehörigen Aufschriften und legten die fertigen Päckchen zum großen Haufen.“
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Der Verkauf im Elsass und in Lothringen
„Bis zu Weihnachten mußte die Arbeit getan sein, denn an Neujahr begann der Vater, der Onkel und der große Bruder manchmal auch von einer Frau oder Tochter, die im Standquartier die Samen für den nächsten Wandertag herrichtete, begleitet, die Reise, vorher waren die Männer schon einige Tage an der Haardt oder im Westrich oder im Elsaß ‚uffm Hannel geweßt‘. Aber im Januar begannen sie die ‚große Tour ins Lothringer Land‘, nach Metz, Diedenhofen, ‚Diös‘ (Dieuze), Bitsch, Saargemünd oder Saarburg, um vom Standquartier aus die einzelnen Ortschaften der Umgebung ‚abzuklopfen‘ und ihren guten ‚Zäskämer Samen‘ zu verkaufen. ‚Käft Zwewle, Knowloch, Maraun (Majoran)! Käft Blumesame! 120 gute Sorten!‘
Erst an Fastnacht oder in der Karwoche kehrten ‚Vetter Peter‘, Vetter Martin, Vetter Rees (Andreas) und Vetter Schabok (Jakob) vum Hannel‘ wieder nach Hause zurück. ‚Na, hat‘s sich’s gelohnt uffm Hannel?‘, fragten die Wirtshausgäste beim Abendschoppen die heimgekehrten Samenhändler. ‚Un wie! Frag nur mal mein Gret, wieviel ich in der ‚Saublos‘ (Geldkatze) heimgebracht! Oder guck dir einmal die schönen Seidentücher, die Wollstoffe und die übrigen Geschenke an, die ich meinen Mädels mitgenommen! Ich bin zufrieden – nächstes Jahr geh ich noch früher ins Lothringische! Da muß der Samensack noch dicker sein!“

Die Beschreibung der Kleidung der Zeiskamer
Nun beschreibt auch Lehrer Sprissler fast wörtlich wie August Becker die Kleidung der Frauen. Er ergänzt den Text jedoch zusätzlich durch eine Beschreibung der Männerkleidung:

„Die Männer trugen eine blaue Drilchhose und eine ärmellose Bluse (wie man sie heute nur noch bei Metzgern und Viehtreibern zu sehen bekommt) über der gestrickten Wollweste, auf dem Kopf eine ‚wollene Zipfelmütze‘. Die Frauen trugen die Samen von Küchen- und Gewürzkräutern in einem Korbe auf dem Kopf, der durch einen ‚Kopfring‘ geschützt war, die Männer aber hatten einen grün- oder blaugefärbten ‚Zwergsack‘ aus Leinen über der Schulter, beiderseits prall gefüllt mit Samen. Ein dicker Knotenstock war Stütze und Wehr gegen Hofhunde und spöttelnde Kinder auf der Straße. Denn überall, wohin die Samenhändler auf ihrer Tour den Fuß setzten, ertönte der altbekannte Spottvers, der aber heute zu einem großen Lobgedicht der fleißigen Bauersleute in Zeiskam geworden ist: ‚O Zäskäm, o Zäskäm, du liegscht so noh am Wald. Die Zwewle sin verfrore! Fer de Knowloch isch’s so kalt!“

Lehrer Sprissler irrt allerdings mit der Bezeichnung „Zwergsack“, da der der Tragesack der Samenhändler in keiner Weise etwas mit einem Zwerg zu tun hat. Die korrekte Bezeichnung „Zwerchsack“ ist abgeleitet von dem mittelhochdeutschen Begriff „zwerch“ und bedeutet „quer“, weil der Sack quer über der Schulter getragen wurde. Umgangssprachlich erscheint der Begriff im umgangssprachlichen „überzwerch“ für einen verschrobenen Menschen vor, aber auch noch in der anatomischen Bezeichnung „Zwerchfell“, dem wichtigen Atemmuskel, der den Brustraum vom Bauchraum trennt.
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Der „Zeiskamer Samenmann“
Der Zeiskamer Oberlehrer Johann Vogel, dem wir eine Ortschronik von 1910 verdanken, ließ es sich nicht nehmen, 1924 im „Pfälzer Land“, eine Unterhaltungs-Beilage des Landauer Anzeiger, die Besonderheiten der Zeiskamer Samenhändler in sehr romantisierender Form zu beschreiben. Er schildert den „Vetter Peter“ als Geschichtenerzähler in den fremden Landen, wo sich die Zuhörer des Samenhändlers im Westrich, im Elsass, in Lothringen oder in Baden „über die breite ‚Zeeskämer Sproch‘ ergötzten“. Auf seinen Reisen hatte der Samenmann nach Vogels Bericht Sohn oder Tochter dabei und dass dann „zuweilen noch Gott Amor hinzukam und der Bund zu gemeinsamen Erdenwallen“ gegründet wurde. Beweisen lässt sich dies beispielhaft an Anne Margaretha Hoffmann (1798-1853), deren jüngerer Bruder Theobald Hoffmann (1812-1871), von Beruf Maurer, auch als Samenhändler unterwegs war, die als „marchande de semences“ (Samenhändlerin) und schließlich nach Dambach-la-ville bei Selestat im Elsass heiratete. Vogel schildert weiter:

„Ungern sah man den lieben Vertrauensmann, den Kenner der Volksseele und der landwirtschaftlichen Verhältnisse scheiden. Seelenfrieden und Wohlergehen wünschend, und mit dem Gruße ‚Auf Wiedersehen im nächsten Jahre!‘ schleppte er den Samensack, der wegen seiner Breite auch Schutz vor Kälte und Regen bot, zum Nachbarhaus, Nachbarort, talauf und abwärts, über eisige, schneebedeckte Felder und Hügel, weder Rast noch Ruhe kennend. Er hatte Eile, die Kunden verlangten seiner, namentlich wenn mildere Lüfte den Winterfrost wider Erwarten gar rasch vertrieben und die Garten- und Feldarbeiten ihren Anfang nahmen.“

Dass aber auch Frauen mit dem Samenhandel ihren Lebensunterhalt verdienten, zeigt sich bei Maria Katharina Ott (1827-1877). Ihr Elternhaus stand in der Schwalben- bzw. Außergasse. Ihr Vater, Taglöhner und Ackersmann, war bereits mit 40 Jahren verstorben. So unterstützte Maria Katharina ihre Familie als Samenhändlerin. Ihre Mutter, sie trug die selten genannte Berufsbezeichnung Ackersfrau, lebte 26 Jahre als Witwe.

Überregionale Beziehungen
Lassen wir noch einmal Joseph Sprissler aus dem Jahr 1954 zu Wort kommen. Er war der Cousin von Maximiliane geb. Sprissler, die mit dem Samenhändler Ludwig Bender (1883-1946), wohnhaft in Zeiskam in der Kronstraße 2, verheiratet gewesen war. In den Zeitungsannoncen hatte Bender geworben: „Aeltestes Samengeschäft im Orte“. Dass Lothringen und das Elsass nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 zum Deutschen Reich gehörte, erleichterte den Handel in den Nachbarregionen:

„Gar mannigfaltig waren die Beziehungen zwischen Lothringen und der Pfalz, die durch die Zeiskamer Samenhändler angebahnt und gepflegt wurden. Denn die Händler besuchten gern ihre Söhne und Verwandten, die in Saargemünd, in Metz, in Dieuze oder in Bitsch beim Militär dienten. Wie spaßig erzählten sie dann daheim von dem strengen Soldatenleben bei der Metzer Garnison, wohin hauptsächlich ‚Muttersöhnchen und böse Buben‘ kämen; das war in der Pfalz so allgemeine Ansicht gewesen. Die Lothringer Kundschaft kam auch einmal gerne zu Besuch in die schöne Pfalz, bestellten auch hier ihr Gemüse. Umgekehrt schickten sie auch Metzer Mirabellen und süße Erdbeeren dagegen. Die Heimat der Samenhändler profitierte von dem Lothringer Handel, finanziell und kulturell. Wie war’s doch an den Winterabenden so schön, wenn einer der Samenhändler von seiner weiten Reise ins Lothringer Land berichtete und zum Schluß die Zuhörer gemeinsam das sogenannte ‚Samenhändlerlied in der Fremde‘ sangen:

‚Madel mach mir kein Gesicht,
Muß geschieden sein!
Süßes Madel weine nicht,
Bist doch sicher mein! -
Reich‘ zum Abschied mir die Hand.
Einen treuen Blick!
Bleibe treu und tröste Dich.
Bald komm‘ ich zurück!‘“
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Das Ende des überregionalen Samenhandels
Lehrer Vogel schreibt 1924zur weiteren Entwicklung des Handels:

„Leider wurde in den letzten Jahrzehnten der Samenverkauf immer schwieriger. Die vermehrte Fahrgelegenheit zu den Städten, auch die besseren Einrichtungen im Postverkehr und eine Kette von anderen Ursachen machten die Konkurrenz fortgesetzt empfindlicher. Die Spekulation der Großsamenhandlungen suchte, unterstützt von Behörden, mit rücksichtsloser Energie den Hausierhandel mehr und mehr an die Wand zu drücken. Die Samenniederlagen und Samenhandlungen wuchsen wie Pilze aus dem Boden. Sie schnappten meist die jüngere Kundschaft weg. Samenkataloge der großen Samenzüchtereien flogen in alle Häuser. An ein Verdienen war nicht mehr zu denken. Der hinter uns liegende Weltkrieg, in dem der Samenverschleiß ganz darniederlag, stürzte so viel in unserer Zeit. Er hat auch die Samenzucht im Kleinen, den typischen Zwerchsack, den Samenhandel zermürbt und damit dem weit und breit bekannten Samenmann den Todesstoß versetzt (…).“

Der Samenhandels Mitte des 20. Jahrhunderts
Auch wenn Lehrer Vogel Recht hatte mit dem Ende des ambulanten Wanderhandels, bedeutete dies keineswegs ein Ende der Samenproduktion und des Samenhandels in Zeiskam. Für das Bestellen des fruchtbare Ackerlands der Gemarkung und die zahlreichen Klein- und Nebenerwerbsbauern bestand weiterhin ein großer Bedarf an Gemüsesamen. Deshalb lassen sich bis in die 1970er Jahre noch mehrere Samenhandlungen im Dorf nachweisen:

  • Die im Festschrift-Inserat von 1928 aufgezeigte Samengroßhandlung von Friedrich Köhler in der Bahnhofstraße, die dieser von Friedrich Herzog II. übernommen hatte, wurde später von Walter Weber (geb. 1916, Sterbedatum unbekannt) weitergeführt.
  • Bis in die 1940er Jahre werden als Samenhändler genannt Johann Martin Hauenstein (1983-1946), Simon Peter Keller (1873-1944), Georg Burckhardt II. (1877-1953) sowie der Ökonom und zeitweilige Adlerwirt Valentin Adolf Frey (1873-1943).
  • Für Hermann Humbert II. (1899-1971), wohnhaft Kronstraße 30 gegenüber der katholischen Kirche, wird neben dem Beruf als Landwirt auch der Samenhandel angegeben. Allerdings wird in einem „Verzeichnis der Gewerbetreibenden der Gemeinde Zeiskam“von 1959 seine Frau Margarete Humbert geb. Sinn (1905-165) als Geschäftsinhaberin genannt. Die Familie bewohnte das gut erhaltene Fachwerkhaus, erbaut 1739 von Abraham Frey, Metzgermeister, und seiner „ehelichen Hauß Frau Maria Magdalena“ geb. Sutter, die das Anwesen als „Gasthaus zum Hirsch“ geführt hatten.
  • Als reisender Samenhändler ist auch noch Hermann Theodor Friedrich Weinheimer (1893-1963), zu nennen.
  • Karl Jakob Sutter (1901-1975), Fabrikarbeiter, hatte bis Ende der 1970er Jahre eine Samenhandlung in der Hauptstraße 52. Seine Frau Emma geb. Brauch wird in der Gewerbeliste von 1959 mit einem Geschäft für Warenhandel, Obst und Gemüse genannt.

Kulturdenkmal
Das Fachwerkhaus in der Kronstraße 30 in Zeiskam wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Kreis Germersheim gefüphrt (Stand 2026). Der Eintrag lautet:
„Kronstraße 30
Fachwerkbau, bez. 1739“.
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(Hartwig Humbert, Historisches Komitee Ortsgemeinde Zeiskam, Zeiskam, 2026)

Quellen
  • Vogel, Johann: Der Zeiskamer Samenmann. Ein Kulturbild aus der guten alten Zeit. Pfälzer Land. Unterhaltungs-Beilage zum Landauer Anzeiger, Nr. 1 (5.1.1924)

Literatur

Becker, August (1858)
Die Pfalz und die Pfälzer. Leipzig. Online verfügbar: bavarica.digitale-sammlungen.de, abgerufen am 08.11.2017
Sprissler, J. (1954)
O Zäskäm, Du liegscht so noh am Wald. Wie die Zeiskamer Samenhändler nach Lothringen kamen. In: Die Rheinpfalz - Pfälzer Feierowend, Nr. 37 (1954), Ludwigshafen am Rhein.
Vogel, Johannes (1928)
500 Jahre Fuchsbach oder Gnadenwasser 1428 - 1928. Zeiskam.

Fachwerkhaus Kronstraße 30 in Zeiskam

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kronstrasse 30
Ort
67378 Zeiskam
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger

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Hartwig Humbert (2025): „Fachwerkhaus Kronstraße 30 in Zeiskam”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360354 (Abgerufen: 23. Juli 2026)
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