Spitzenstein von Esthal

Menhir von Esthal

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Frankeneck
Kreis(e): Bad Dürkheim
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 22′ 59″ N: 8° 00′ 33,94″ O 49,38306°N: 8,00943°O
Koordinate UTM 32.428.104,85 m: 5.470.511,49 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.428.151,52 m: 5.472.260,63 m
  • Spitzenstein von Esthal

    Spitzenstein von Esthal

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    Spitzenstein von Esthal

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  • Zeichnung des Spitzensteins von Esthal

    Zeichnung des Spitzensteins von Esthal

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    Kartenausschnitt von 1821

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    Aufzeichnung von Georg Kuhn

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Der sogenannte „Spitzenstein“ war ein vorgeschichtlicher Menhir am Eingang des Spitzensteiner Tales bei Esthal. Der jahrtausendealte Stein stand bis 1873 an der Gemarkungsgrenze unmittelbar neben dem damaligen Fahrweg entlang des Esthalbachs. Beim Ausbau der Strecke zur Chaussee wurde er zerstört und als Straßenbaumaterial verwendet. Dank der Erinnerungen des Esthalers Georg Kuhn (1861–1942) blieb die Kenntnis über den Menhir erhalten. Im Jahr 2025 wurde unweit des ursprünglichen Standortes ein Erinnerungsstein errichtet.

Lage und Beschreibung
Der historische Spitzenstein befand sich am Fuß des Spitzensteiner Tales bei Esthal (Landkreis Bad Dürkheim), nahe der Gemarkungsgrenze und am damaligen Fahrweg entlang des Esthalbachs. Der Stein war ein aufrecht stehender Menhir, dessen genaues Aussehen nur durch schriftliche Überlieferungen bekannt ist. Da der ursprüngliche Standort heute von der Straße eingenommen wird, wurde der 2025 errichtete Erinnerungsstein an einem nahegelegenen Platz im Spitzensteiner Tal aufgestellt. Der Standort wurde in Abstimmung mit dem Landesbetrieb Mobilität und den Landesforsten ausgewählt.

Geschichte des Menhirs
Die wichtigste Quelle zur Geschichte des Spitzensteins sind die Erinnerungen von Georg Kuhn, geboren 1861 in Esthal. Kuhn schilderte im Jahr 1942 einen Sonntagsausflug seiner Kindheit, bei dem er als etwa siebenjähriger Junge den Menhir noch selbst gesehen und sogar umarmt hatte. Ohne diese Aufzeichnungen wäre die Erinnerung an den Stein vermutlich verloren gegangen; lediglich die Flurnamen „Spitzensteinerberg“ und „Spitzensteiner Tal“ hätten möglicherweise noch auf seine einstige Existenz hingewiesen.
Der Menhir stand über Jahrtausende an seinem Platz, bis er 1873 beim Ausbau des bisherigen Fahrweges zu einer Kunststraße (Chaussee) im Weg war. Der Stein wurde zerschlagen und als Makadam für den Straßenbau verwendet. Eine besondere historische Note erhält dieses Ereignis dadurch, dass der Vater von Georg Kuhn als Baumeister für die Straßenbaumaßnahme verantwortlich war.
Nach seiner Tätigkeit als Architekt in Zweibrücken verbrachte Georg Kuhn seinen Lebensabend wieder in Esthal. Dort verfasste er seine Erinnerungen, die heute im Landesarchiv Speyer überliefert sind. Die von ihm angefertigten Schriftstücke und Bilddarstellungen dokumentieren die Geschichte des Menhirs.

Wissenschaftliche Einordnung
Der pfälzische Volkskundler und Heimatforscher Ernst Christmann nahm den Spitzenstein in sein Werk „Menhire und Hinkelsteine“ auf und wertete ihn als echten Menhir. Dadurch erhielt die Überlieferung wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Auch die regionale Presse griff das Thema auf; 1953 veröffentlichte die Zeitung Die Rheinpfalz einen Artikel über den verlorenen Stein.

Erinnerungsprojekte
Im Jahr 2004 entstand im Rahmen eines Schulprojektes ein erster Erinnerungsstein. Dieser wurde aufgrund der dort vorhandenen Parkmöglichkeiten am Großen Pflastertal, zwei Täler weiter oberhalb, aufgestellt.
2024 entwickelte sich die Idee, dem historischen Menhir an seinem ursprünglichen Standortbereich ein neues Denkmal zu setzen. Eine Gruppe engagierter Esthaler Bürgerinnen und Bürger – überwiegend im Rentenalter – nahm sich des Vorhabens an. Ziel war es, den „Eschdler Menhir“ wieder sichtbar in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.
Ein 82-jähriger Steinmetz bearbeitete hierzu einen Findling aus dem Staatswald bei den Wassersteinen auf der Gemarkung Esthal. Nach eigenen Angaben handelte es sich um das größte Projekt seines Lebens. Die weiteren Arbeiten wurden gemeinschaftlich von den Mitgliedern der Gruppe ausgeführt.

Der Erinnerungsstein wurde 2025 aufgestellt und trägt die Inschrift:

Spitzenstein
Menhir
von Esthal
zerstört 1873
errichtet 2025

Bedeutung
Der Spitzenstein steht beispielhaft für den Verlust vorgeschichtlicher Denkmäler im Zuge technischer und infrastruktureller Entwicklungen des 19. Jahrhunderts. Gleichzeitig zeigt seine Geschichte, welche Bedeutung persönliche Erinnerungen für die Bewahrung lokaler Kulturgeschichte besitzen können. Die Errichtung des Erinnerungssteins im Jahr 2025 versteht sich als Beitrag zur Pflege des kulturellen Erbes und zur Weitergabe regionaler Geschichte an kommende Generationen.

(Heinrich Kaiser, Esthal, 2026)

Quellen
Aufzeichnungen und Erinnerungen von Georg Kuhn (1861–1942), Landesarchiv Speyer.
Artikel „Wenn im “Spitzenstein„ die Hühner piepen“ in der Zeitung Die Rheinpfalz (12.08.1953).
Mündliche und schriftliche Überlieferungen der Initiativgruppe zur Errichtung des Erinnerungssteins (2024/2025).

Spitzenstein von Esthal

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
K23
Ort
67468 Frankeneck
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger

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Heinrich Kaiser: „Spitzenstein von Esthal”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360342 (Abgerufen: 13. Juli 2026)
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