Lage und Gebäudebeschreibung
Entwicklung des Anwesens im Besitz der Familie Schmitt
Die neue Besitzerfamilie Reuland übernimmt
Kulturdenkmal
Quellen
Lage und Gebäudebeschreibung
Das sogenannte Pooten-Haus mit der Anschrift Burgstraße 5 ist Bestandteil der ehemaligen Burganlage und präsentiert sich heute als zweigeschossiger, traufständiger Massivbau mit langgestrecktem rechteckigem Grundriss. Der Baukörper wird von einem steil geneigten Satteldach abgeschlossen, dessen First parallel zur Fassadenflucht verläuft. Die Burgstraße führt unmittelbar giebelseitig am Gebäude vorbei. In seiner heutigen Gestalt geht das Bauwerk auf einen Umbau des Jahres 1811 zurück, in dessen Zuge dieser Teil der Burganlage zu einem landwirtschaftlichen Anwesen mit Wohnfunktion umgewandelt wurde.
Die verputzten Fassaden weisen eine schlichte, funktionale Gliederung auf. Die vergleichsweise kleinen Öffnungen sowie die ausgedehnten massiven Wandflächen lassen den wehrhaften Ursprung des Bauwerks weiterhin erkennen. Der rechte Gebäudeteil diente seither als Wohnhaus, der linke als Stall- und Scheunenbereich. Vier Fenster sind in zwei Achsen symmetrisch zur rundbogig gefassten Haustür mit Oberlicht angeordnet. Sie sind rechteckig ausgebildet und ohne ausgeprägten bauplastischen Schmuck ausgeführt.
An der linken Gebäudeseite ist der Stumpf eines runden Burgturmes erhalten, der deutlich auf die mittelalterliche Befestigungsstruktur der Anlage verweist, heute jedoch bis unter die Dachfläche des Hauses abgebrochen ist. Dieser Turmrest stellt ein bedeutendes Relikt der ursprünglichen Burgbebauung dar. An der rechten Fassadenseite ist an der Ecke zum Giebel der Ansatz eines Torbogens sichtbar, der dem ehemaligen Haupttor der Burg zuzuordnen ist. Er besteht aus Buckelquadern mit starker Wölbung und breitem, glattem Randschlag. Der heute größtenteils verdeckte Sockel ist in ähnlicher Weise ausgeführt, weist jedoch zusätzlich eine Diamantquaderfüllung auf. Etwas hinter dem Pfosten ist am Giebel ein Sandsteingewände in der ehemaligen Laibung der Tordurchfahrt erkennbar. Die dort befindliche, heute vermauerte Tür führte vermutlich direkt in die Pförtnerstube. Diese baulichen Fragmente sind in die spätere Gebäudestruktur integriert und veranschaulichen die Überlagerung spätmittelalterlicher und neuzeitlicher Bauphasen.
Ein prägendes Element der hofseitigen Fassade ist zudem das rundbogig gefasste Scheunentor, das auf die landwirtschaftliche Nutzung des Gebäudes im 19. und 20. Jahrhundert verweist. Links davon befindet sich die ebenfalls in Sandstein gefasste ehemalige Stalltür; oberhalb des Torbogens ist eine offensichtlich später eingebrachte Luke zur Futterbergung angeordnet. In Höhe des Speichergeschosses sind an der Fassade des Ökonomiegebäudes hochformatige, rechteckige Lüftungsöffnungen vorhanden, die in ihrer Anmutung an Schießscharten erinnern und damit erneut den Bezug zur ursprünglichen Wehrarchitektur herstellen.
Entwicklung des Anwesens im Besitz der Familie Schmitt
Der heutige Gebäudekomplex Burgstraße 5 war der erste, der vom Besitzerehepaar der ehemaligen Burg- und Schlossanlage in Oberkail, Michael Feltes und Anna Maria Kuhn, veräußert wurde. Bereits im Jahr 1810 kaufte Peter Schmitt das Gebäude des Pootenhauses sowie die davor liegende Freifläche, die sich damals zwischen Burgstraße und Kailbach bis zur heutigen Hauptstraße hin erstreckte. Zur Unterscheidung vom Förster Peter Schmitt erhielt der Hauskäufer die Berufsbezeichnung als Namenszusatz: Zimmermann.
Peter Schmitt (1779-1847) stammte aus dem Bischoffs-Haus (Bitburger Straße 4), war aber kein direkter Nachfahre der Bischoffs-Familie. Er heiratete 1811, ein Jahr nach dem Hauskauf, Anna Katharina Berg (1791-1851). Sie stammte aus dem Krones-Haus (Kyllburger Straße 3). Wohl direkt nach Kauf des Gebäudes begann Peter Schmitt mit dem Umbau für seine Zwecke. Für ihn sollte ein landwirtschaftlich nutzbares Gebäude im Stile eines Trierer Einhauses entstehen, bei dem Wohnbereich, Stall und Scheune unter einem Dachfirst liegen. Der Schlussstein des Torbogens des Scheunentores trägt auch heute noch die sichtbare Inschrift „ANNO 1811 P. SCHMIT“. Bei der ersten preußischen Katasteraufnahme Oberkails, dem sogenannten Urkataster des Jahres 1828, wird er mit „Schmitt, Peter (Zimmermann)“ als Eigentümer geführt.
Dem Ehepaar Schmitt-Berg folgte der älteste Sohn, Johann Schmitt (1815-1873), der ab 1853 auch in den Grundbüchern als Eigentümer steht. Sein Beruf wird dort ebenfalls mit Zimmermann angegeben. Mit seiner Ehefrau Susanna Vanck (1816-1892) aus Seinsfeld hatte er zehn Kinder, von denen nur drei das Erwachsenenalter erreichten: Katharina Schmitt (1845-1887), Franz Schmitt (1852-1925) und Peter Schmitt (1854-1912). Katharina heiratete in Linsdisch (Orsfelder Weg 6) ein. Franz blieb wohl zeitlebens unverheiratet im Elternhaus und Peter heiratete 1884 Gertrud Esch (1860-1927) aus Kyllburg. Nach dem Tod der Mutter ging der Besitz wohl zu gleichen Teilen auf alle drei Kinder über und Peter kaufte Katharinas Anteil. Zumindest steht ab 1895 im Grundbuch: „Schmitt, Peter (Poten) 4/6 und Schmitt, Franz (Stellmacher) 2/6“. Daran änderte sich auch bis 1910 nichts, jedoch wird Franz nun nicht mehr als Stellmacher, sondern als „Darlehenskassenrechner“ bezeichnet.
Im Gebäudebuch des Jahres 1910 sind aufgeführt: „Wohnhaus und Abort, Scheune und Stall, Schuppen mit Schweineställen“. Inzwischen war hinter dem Turmstumpf, zwischen bestehendem Gebäude und Bach ein neuer Schweinestall erbaut worden. Ob Franz für seinen Teil ausbezahlt wurde, wissen wir heute nicht, jedoch tritt nach Peters Tod allein seine Witwe als Eigentümerin in Erscheinung, so lautet der Eintrag von 1917: „Schmitt, Peter Witwe Gertrud geb. Esch“. Kinder waren aus dieser Ehe keine hervorgegangen. Nach dem Tod der Witwe wurde das Anwesen wohl verkauft.
Die neue Besitzerfamilie Reuland übernimmt
Keine zwei Jahre nach dem Tod Gertrud Schmitts ist der neue Eigentümer im Grundbuch eingetragen: „Reuland, Christoph, Tagelöhner, Witwer der Anna Maria Müller“. Christoph Reuland (1864–1946) stammte aus dem Haus in der heutigen Burgstraße 12, das bereits sein Großvater Hubert Reuland erworben hatte. In den Jahren zwischen 1900 und 1904 war Christoph Reuland gemeinsam mit seiner Schwester Katharina Bender, geborene Reuland, Eigentümer dieses Anwesens. Nach seiner Eheschließung mit der aus Spang stammenden Anna Maria Müller lebte Christoph Reuland mit seiner Familie dort. Seine Ehefrau verstarb jedoch früh, vermutlich um das Jahr 1904. Im Jahr 1929 erwarb er dann das Anwesen in der Burgstraße 5 und kehrte mit seinen beiden Kindern in sein Heimatdorf Oberkail zurück. Ziel war der Aufbau einer existenzfähigen Landwirtschaft für sich selbst und seinen inzwischen erwachsenen Sohn Johann Reuland (1903–1966).
Johann Reuland heiratete 1933 die aus Weidenbach stammende Anna Büchler (1899–1984). Nach dem Tod Christoph Reulands gingen Haus und Hof in den Besitz seines Sohnes und seiner Schwiegertochter über. Im Grundbuch von 1948 sind sie als Eigentümer verzeichnet: „Reuland, Johann, Landwirt, und Ehefrau Anna geb. Büchler“. Im Jahr 1955 errichtete die Familie Reuland auf der dem Wohnhaus gegenüberliegenden Seite des Hofraums eine neue Scheune sowie einen Stall. Der älteste Sohn des Ehepaares, Johann Reuland (1935–2016), trat später die Nachfolge seiner Eltern in Haus und Hof an. Die strukturellen Veränderungen der Landwirtschaft in den 1960er Jahren machten auch vor dem Betrieb der Familie Reuland nicht halt. Die landwirtschaftlichen Erträge reichten nicht mehr aus, um den Lebensunterhalt der Familie dauerhaft zu sichern. Johann Reuland, im Ort auch Häns oder Hänschen genannt, war daher hauptberuflich auf dem Flugplatz in Spangdahlem beschäftigt, während die Bewirtschaftung des Anwesens im Nebenerwerb fortgeführt wurde. Größere Investitionen unterblieben deshalb auch. Infolgedessen musste das Anwesen nach seinem Tod mit erheblichem Renovierungsstau veräußert werden. Erwerber war ein auswärtiger Arzt, der eine Restaurierung des Anwesens beabsichtigte. Zur Umsetzung dieser Pläne kam es jedoch nicht, sodass das Objekt erneut den Eigentümer wechselte. Seit dem Jahr 2025 befindet sich das Anwesen im Besitz der Oberkailer Familie Fischer, die direkt mit Sanierungsarbeiten begonnen hat. Ziel ist eine denkmalpflegerisch fachgerechte Instandsetzung des bestehenden Gebäudebestands und die Nutzung zu Wohnzwecken.
Kulturdenkmal
Das Oberkailer Pooten-Haus wird als Bestandteil der ehemaligen Burganlage im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Eifelkreis Bitburg-Prüm (Stand 2025) geführt. Der Eintrag lautet: „Burgstraße 4-18, 20, Bitburger Straße 3, Haupichgasse 1 und 3; ehem. gräflich Manderscheidsche Burg Kail (Denkmalzone); um 1340 Ausbau des Hofes zur Wasserburg, ab 1809 tlw. abgebrochen und parzelliert; bauliche Reste der ehem. Vierflügelanlage, im Wesentlichen 17. Jh. (1625) und um 1700, tlw. Umbau zu Quereinhäusern, 19. und frühes 20. Jh.“
(Jörg Kreutz, Oberkailer Zeitspuren e.V. - geschichtlicher Verein der Ortsgemeinde Oberkail, 2026)
Quellen
- Kreisarchiv Bitburg: Akten des Standesamtes Oberkail.
- LHAK, Außenstelle Kobern-Gondorf: Bestände 734-1104, 736-2291 und 736-3427.
- Pfarrarchiv Oberkail und Bistumsarchiv Trier: Kirchenbücher der Pfarrei Oberkail.