Staubecken Buweabloss im Fuchsbach südwestlich von Zeiskam

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Zeiskam
Kreis(e): Germersheim
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 13′ 45,68″ N: 8° 14′ 22″ O 49,22936°N: 8,23944°O
Koordinate UTM 32.444.627,17 m: 5.453.231,08 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.444.680,46 m: 5.454.973,43 m
  • Der Dorfbach in Zeiskam (späte 1960er Jahre)

    Der Dorfbach in Zeiskam (späte 1960er Jahre)

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  • Mit dem Bau der Kanalisation, hier in der Friedhofstraße, verschwand der Dorfbach in Zeiskam (1970er Jahre)

    Mit dem Bau der Kanalisation, hier in der Friedhofstraße, verschwand der Dorfbach in Zeiskam (1970er Jahre)

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  • Der Dorfbach in Zeiskam (1960er Jahre)

    Der Dorfbach in Zeiskam (1960er Jahre)

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  • Der Dorfbach in der Hauptstraße in Zeiskam (1930er Jahre)

    Der Dorfbach in der Hauptstraße in Zeiskam (1930er Jahre)

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  • Der Dorfbach in Zeiskam (1960er Jahre)

    Der Dorfbach in Zeiskam (1960er Jahre)

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  • Im Dorfbach in Zeiskam wurde auch Gemüse gewaschen, wie hier in der Kronstraße am Haus 14 die Gelbrüben (1920er Jahre)

    Im Dorfbach in Zeiskam wurde auch Gemüse gewaschen, wie hier in der Kronstraße am Haus 14 die Gelbrüben (1920er Jahre)

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  • Der Gemüdeanbau steht für die Ortsgemeinde Zeiskam, wie hier in der historischen Postkarte deutlich wird (1950er Jahre)

    Der Gemüdeanbau steht für die Ortsgemeinde Zeiskam, wie hier in der historischen Postkarte deutlich wird (1950er Jahre)

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  • Historische Postkarte mit verschiedenen Ansichten aus Zeiskam (um 1950)

    Historische Postkarte mit verschiedenen Ansichten aus Zeiskam (um 1950)

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  • Illustration einer Gemüsebäuerin, sogenanntes Gemüsemütterchen in Zeiskam

    Illustration einer Gemüsebäuerin, sogenanntes Gemüsemütterchen in Zeiskam

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  • Nachbau des Fuchslochs, dem Stauelement am Dorfbach in Zeiskam (1999)

    Nachbau des Fuchslochs, dem Stauelement am Dorfbach in Zeiskam (1999)

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  • achbau des Dorfbaches in Zeiskam am Alten Bauernhof zur 1225 Jahrsfeier von zeiskam (1999)

    achbau des Dorfbaches in Zeiskam am Alten Bauernhof zur 1225 Jahrsfeier von zeiskam (1999)

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  • Kronstraße in Zeiskam mit dem Dorfbach (1950er Jahre)

    Kronstraße in Zeiskam mit dem Dorfbach (1950er Jahre)

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  • Festzug beim Wasserfest in Zeiskam mit verkleidetem Bachschütz (1950er Jahre)

    Festzug beim Wasserfest in Zeiskam mit verkleidetem Bachschütz (1950er Jahre)

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  • Festwagen beim Wasserfest in Zeiskam mit verkleidetem Bachschütz (1950er Jahre)

    Festwagen beim Wasserfest in Zeiskam mit verkleidetem Bachschütz (1950er Jahre)

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  • Eine Replik des Brunnens Fuchsloch in Zeiskam im Alten Bauernhof (um 2020)

    Eine Replik des Brunnens Fuchsloch in Zeiskam im Alten Bauernhof (um 2020)

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Ohne den Fuchsbach, die zentrale historische und geografische Lebensader des Ortes, wäre die Gemüseanbaugemeinde Zeiskam undenkbar. Der Fuchsbach ist kein eigenständiges Fliessgewässer, sondern eine Ableitung aus dem Fluss Queich, einem fast 52 km langen westlichen, linken Nebenfluss des Rheins von Hauenstein bis Germersheim. Der Fuchsbach wird im Süden der Gemarkung Hochstadt von der Queich abgezweigt. Er fließt knapp 3 Kilometer nach Nordosten direkt auf Zeiskam zu. Als Zubringer versorgt der Fuchsbach die Wiesen und Äcker westlich und nördlich von Zeiskam mit dem nötigen Wasser. Ohne den Fuchsbach und das historische Wasserrecht von 1428 hätte Zeiskam keine eigene Wasserversorgung gehabt, daher entwickelte sich sogar eine Sage aus den historischen Ereignissen. Das Fuchsbachwasser floss als sogenannter Dorfbach jahrhundertelang durch die Dorfstrassen, viele Generationen kennen den Dorfbach noch als Waschplatz für Gemüse oder die aufgestauten Bereiche wie den „Buweabloss“ bzw. den „Mädelabloss“ als Kinderschwimmbad.

Wasserrechtsdokument von 1428
Das Fuchsloch als technische Meisterleistung
Der historische Dorfbach
Dorfbach heute
Wiesenbewässerung
Bachschütz als kommunales Amt
Die Bachschützen Zeiskams
Brückenschlag zum modernen Natur-, Wiesen- und Gewässerschutz
Die Sage vom Mütterchen von 1428
Literarische Fixierung der Sage durch den „Bellemer Heiner“
Internet

Wasserrechtsdokument von 1428
Hinter diesem historischen Erlass des Kurfürsten von 1428 verbergen sich bemerkenswerte machtpolitische, technische und gesellschaftliche Realitäten. Das Dokument wurde von Kurfürst Ludwig III. unterzeichnet (auch bekannt als Ludwig der Bärtige, Herrscher der Kurpfalz). Seine offizieller Titel in der Urkunde lautete: „Pfalzgraf bey Rhein, des Heiligen Römischen Reichs Erztruchseß und Herzog von Bayern“. Dass sich ein Herrscher dieser Rangordnung persönlich mit der Durchflussöffnung an einem Bachlauf beschäftigte, unterstreicht die enorme wirtschaftliche Bedeutung von Wasser im Spätmittelalter. Die Bevölkerung von Zeiskam standen in den Diensten des Kurfürsten. Um sich die Treue der Zeiskamer zu sichern und gleichzeitig die Versorgung mit hochwertigen Agrarprodukten zu garantieren, musste der Herrscher für stabile Wasserzufuhr sorgen. Das Privileg war also eine gezielte Wirtschaftsförderung für das Dorf und sicherte dem Kurfürsten die Einnahmen aus dem kleinen Zehnten, einer Abgabe für Gemüse.

Das Fuchsloch als technische Meisterleistung
Das von Ludwig III. als Durchflussöffnung des abgeleiteten Fuchbachs genehmigte Bauwerk, von der Bevölkerung liebevoll „Fuchsloch“ genannt, war ein früher Vorläufer moderner hydraulischer Regulierungssysteme. Es wurde nicht einfach ein Loch in die Erde gegraben, sondern an der Gemarkungsgrenze bei Hochstadt wurde ein massiver Werkstein in das Uferbett der Queich eingemauert. In diesen Stein wurde eine präzise Öffnung geschlagen als mechanischer Durchflussbegrenzer. Stieg der Pegel der Queich bei Hochwasser, limitierte das steinerne Loch die Wassermenge, die in den künstlich angelegten Fuchsbachgraben abfließen konnte. Dieser Erlass von 1428 ist der älteste schriftliche Nachweis für eine organisierte künstliche Wasserableitung zur Wiesenbewässerung in der gesamten Pfalz. Er markiert den Übergang von unregulierter Wasserentnahme zu einem rechtsverbindlichen, staatlich kontrollierten System. Dieses Dokument trat eine Kettenreaktion los: Es führte in den folgenden Jahrhunderten zu strengen Wasserrechtsverträgen wie dem von 1723, regelte den Betrieb von Mühlen und legte fest, welche Gemeinde an welchen Tagen das Wasser nutzen durfte. Bis heute - fast 600 Jahre später - fließt das Wasser exakt entlang dieser historischen Linien.
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Der historische Dorfbach
Was heute teilweise verrohrt, überbaut oder umgeleitet ist, war über Jahrhunderte die offene Lebensader inmitten des Zeiskamer Ortskerns. Der Fuchsbach nähert sich Zeiskam von Westen, sobald er die Gemarkungsgrenze erreichte und das Dorf berührte, wurde er im lokalen Sprachgebrauch zum Dorfbach. Bevor der Bach die ersten Häuser erreichte, passierte er die westlichen Rieselwiesen (die heutigen Sport- und Reitprojekte rund um die Fuchsbachhalle). Hier befand sich ein wichtiges Verteilersystem: Ein Teil des Wassers wurde zur Bewässerung der Äcker abgeleitet, während der Hauptstrom direkt in den historischen Siedlungskern floss.

Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit bis in die 1960er-Jahre floss der Dorfbach völlig offen parallel zu den Hauptstraßen durch Zeiskam. Er folgte der heutigen Bahnhofstraße, bog dann in südliche Richtung in die Hauptstraße ein und folgte ihrem Verlauf bis zum Ortsende. In Höhe des heutigen Rathauses erfolgte eine Abzweigung in die Kronstraße, die dann in die Pfalzstraße abbog und schließlich durch die Mühlgasse wieder in den bereich der Felder mündete. Die Anwohner hatten über kleine private Holzstege direkten Zugang zum Wasser und nutzen es in ihrem Alltag. Der Dorfbach diente als Viehtränke, Löschwasserreservoir bei Bränden oder als Waschplatz für Kleidung und Gemüse.

Dorfbach heute
Wie in vielen pfälzischen Dörfern veränderte sich das Gesicht Zeiskams im 20. Jahrhundert und der offene Dorfbach verschwand. Das einschneidendste Ereignis für das Gewässernetz war die große Flurbereinigung im Raum Hochstadt/Zeiskam1905-1908. Um größere, rechteckige Ackerflächen für den modernen Gemüseanbau zu schaffen, wurden mäandrierende Gräben begradigt und der Fuchsbach in ein technisch reguliertes Bett gezwungen. Um Seuchen und unangenehme Gerüche im Sommer zu verhindern, entschloss man sich schrittweise zur Verrohrung. Der wachsende Verkehr erforderte breitere Straßen, somit verschwand der verrohrte Dorfbach in den 1960er-Jahren endgültig unter dem Pflaster und dem Asphalt der Zeiskamer Straßen.
Obwohl er im Ortskern unsichtbar ist, hat er überall in Zeiskam seine Spuren hinterlassen, z.B. im Namen der Sporthalle „Fuchsbachhalle“ und im Fuchsloch-Denkmal im Alten Bauernhof, dem Sängerheim der Liederkranzchöre in der Hauptstrasse.
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Wiesenbewässerung
Die Wiesenbewässerung und die Rolle des sogenannten Bachschütz sind lebendige Tradition in Zeiskam. Das ausgeklügelte Bewässerungssystem funktioniert heute noch genau wie im Spätmittelalter allein durch die Schwerkraft. Über kleine handbetriebene Schleusen (Schließen) und Gräben wird das Wasser von Queich und Fuchsbach kontrolliert angestaut. Es tritt dann über die Grabenschultern, um die Wiesen zu fluten. Zweimal im Jahr, meist im Mai und Juli, werden die Queichwiesen abschnittsweise nach einem strengen Bewässerungsplan somit für wenige Tage unter Wasser gesetzt. Das sichert den Landwirten eine hervorragende Heuernte und reinigt die Böden ganz natürlich. Im Dezember 2023 erklärte die UNESCO die traditionelle Wiesenbewässerung in den Queichwiesen offiziell zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Da Wasser keine Gemeindegrenzen kennt, arbeitet Zeiskam in der Interessengemeinschaft Queichwiesen mit. Dort sorgen Bürger, Landwirte und Naturschützer gemeinsam dafür, dass die alten Gräben nicht verlanden und das technische Wissen weitergegeben wird. Die Flutung der Wiesen durch Queich und Fuchsbach verwandelt die Offenlandschaft westlich von Zeiskam regelmäßig in ein Schlaraffenland für Tiere. Sobald das Wasser auf den Wiesen steht, kommen die Weißstörche in Scharen, sie jagen im flachen Wasser nach Amphibien, Würmern und Insekten. Über 60 Brutpaare nutzen die Region rund um Bellheim und Zeiskam jährlich als Lebensraum. Der beschilderte Queichwiesen-Rundwanderweg bietet mit Aussichts- und Infopunkt einen Blick in diese Offenlandschaft westlich von Zeiskam und führt vorbei an historischen Schleusen. (www.tourenplaner-rheinland-pfalz.de)

Bachschütz als kommunales Amt
Der Bachschütz (andernorts auch als Wasserschütz oder Grabenmeister bezeichnet) war der Hüter der Wasserläufe. In der jahrhundertealten Tradition der Queichwiesenbewässerung nahm er eine Schlüsselrolle ein. Sein historische Amt steht in direktem Zusammenhang mit dem heutigen Natur-, Wiesen- und Gewässerschutz.
Zeiskam verfügte über Jahrhunderte hinweg über ein ausdifferenziertes System öffentlicher Schutzämter für Natur und Landschaft. Die Gemeinde bestellte hauptamtlich oder nebenamtlich Personen für folgende Bereiche: Bachschütze / Wiesenwässerer, Feldschütze / Feldhüter, Waldschütze / Waldhüter und Wiesenwart. Diese Ämter wurden überwiegend von Ackersleuten als Nebentätigkeit ausgeübt und waren durch die Gemeinde besoldet. Sie sind als frühe Form des kommunalen Umwelt- und Ressourcenschutzes zu verstehen.
Das System der Wiesenbewässerung beruht auf einem hochempfindlichen Verteilungsnetz. Da Wasser eine knappe, kostbare Ressource war, kam es regelmäßig zu heftigen Konflikten zwischen den Ober- und Unterliegern der Queich sowie zwischen den Bauern und den Müllern, die das Wasser für ihre Antriebe brauchten. Der Bachschütz war in diesem Gefüge der unparteiische Schiedsrichter und technische Leiter. Seine Hauptaufgabe war das exakte Einstellen der Wehre und Schließen. Er sorgte dafür, dass das Wasser genau nach dem historisch verbrieften Wässerungsplan und den festgelegten Zeiten auf die jeweiligen Wiesenabschnitte geleitet wurde. Der Bachschütz überwachte die jährlichen Grabenreinigungen (die sogenannten Bach- oder Grabenfegen). Er verpflichtete die Bauern, die Gräben von Schlamm und Totholz zu befreien, damit der Wasserfluss gewährleistet blieb. Das Wasser, das Zeiskam durchquerte, musste in sauberem Zustand an die nachfolgenden Gemeinden weitergegeben werden. Notfalls patrouillierte er an den Bächen, um unberechtigte Entnahmen zu verhindern. Wer Schleusen eigenmächtig öffnete, wurde vom Bachschütz angezeigt und empfindlich bestraft.
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Die Bachschützen Zeiskams
Erster überlieferter Bachschütz in Zeiskam war Hünerfauth, Philipp Peter (geb. 1780), Ackersmann. Letzter besoldeter Bachschütz war Schmitt, Friedrich (1890-1975).
Alle bekannten Bachschützen im Überblick:

  • Hünerfauth, Philipp Peter, geb. 1780, Ackersmann, Obergasse, 3 Kinder.
  • Braun, Anton Joseph, 1814-1881, Bauer, lat. Titel fluminis custos; Heidegasse, 10 Kinder.
  • Herzog, Johann Peter II., 1809-1870, Ackersmann, Webermeister, Feldhüter, 70 Gulden Jahreslohn (1849).
  • Herzog, Theobald VII., geb. 1823, Ackersmann, Taglöhner, Wald- und Schlaghüter, Heidgasse, 15 Kinder (2 Ehen).
  • Seelinger, Johann Michael, 1855-1925, Ackersmann, 600 Mark als Hilfsfeldhüter (1916); 15 Kinder.
  • Hünerfauth, Georg Adam II., 1871-1947, Ackerer, Badstubgasse, 6 Kinder.
  • Schmitt, Friedrich, 1890-1975, Bader, Friseur, Ackerer, Fuchsbachschütz.

Ergänzend sind Bräunig, Johann Joseph (geb. 1716, Wiesenwart ab 1760) und Herzog, Sebastian I. (1820-1907, Wiesenwässerer ab 1858, Jahreslohn 70 Gulden) als Träger funktional verwandter Gewässerämter zu nennen. Das Schütz- und Hüterwesen Zeiskams erstreckte sich über mehr als drei Jahrhunderte Bachschützen, Feldhüter und Waldhüter. Frühester Beleg: Jung, Johann David, 1669; letzter: Vongerichten, Friedrich Konrad, 1904-1990. Die bezahlten, kommunal geregelten Ämter belegen, dass Zeiskam Gewässer-, Flur- und Waldschutz nicht dem Zufall überließ, sondern als öffentliche Aufgabe organisierte.

Brückenschlag zum modernen Natur-, Wiesen- und Gewässerschutz
Der historische Bachschütz war der erste, frühe „Umweltmanager“ der Region. Seine damalige Pflicht, das Wasser im Gleichgewicht zu halten, ist heute der Kernauftrag für den Erhalt der biologischen Vielfalt in Zeiskam. Mit der Ernennung zum UNESCO-Kulturerbe im Dezember 2023 wurde genau dieses über Jahrhunderte weitergegebene Organisations- und Verteilungswissen gewürdigt.
Was im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit rein pragmatisch der Ertragssteigerung und Existenzsicherung diente, hat sich heute zu einer der wichtigsten Säulen des ökologischen Schutzes in der Südpfalz gewandelt. Die Aufgaben des Bachschützen spiegeln sich direkt in modernen Umweltschutzkonzepten wider.
Die ehrenamtlichen Wässerwarte der Gemeinden arbeiten eng mit dem Rheinland-Pfälzischen Storchenzentrum in Bornheim zusammen. Das zeitgenössische „Schließen-Stellen“ wird präzise auf die Brut- und Aufzuchtzeiten der Störche abgestimmt, damit die Altvögel exakt dann Nahrung (Würmer, Mäuse, Frösche) im Flachwasser finden, wenn die Jungen im Nest schlüpfen.
Heute dienen die Queichwiesen und der Fuchsbach als gigantische natürliche Retentionsflächen (Überschwemmungsgebiete). Bei Starkregen fangen die Wiesen die Hochwasserspitzen der Queich ab und schützen Gemeinden wie Zeiskam. Gleichzeitig infiltriert das gestaute Wasser den Boden, füllt die regionalen Grundwasserspeicher auf und wirkt der zunehmenden Austrocknung der südpfälzischen Landschaft durch den Klimawandel entgegen.
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Die Sage vom Mütterchen von 1428
Für Zeiskam beginnt die Geschichte der Wiesenbewässerung mit einer der ältesten Urkunden der gesamten Region. Ludwig III. Kurfürst der Pfalz von 1410 bis 1436, erließ 1428 tatsächlich das erste offizielle Dokument zur Wasserentnahme. Er ließ bei der Neumühle an der Queich in der Offenbacher Gemarkung ein steinernes Wehr einmauern, von wo aus Wasser über eine Abzweigung über die Hochstadter Gemarkung bis in die Straßen Zeiskams geführt wurde. Auf diesen historischen Fakten baut eine örtliche Sage auf. Im 20. Jahrhundert entstand dazu ein Theaterstück, das in Zeiskam anlässlich der sogenannten Wasserfestes aufgeführt wurde.

Die Sage vom Fuchsloch und das historische Wasserfest bilden den emotionalen Kern der Zeiskamer Dorfidentität. Sie verknüpfen historische Ereignisse auf charmante Weise mit lokaler Folklore. Laut der Zeiskamer Sage schenkte ein kluges altes Mütterchen aus Zeiskam im Jahre 1428 dem Kurfürsten Ludwig III. einen Korb mit den berühmten Zeiskamer Gelbrüben (Möhren). Der Kurfürst war so begeistert, dass sie sich eine Gnade erbitten durfte. Sie bat um Wasser aus der Queich für die Zeiskamer Felder „so viel, wie durch ein Fuchsloch passt“, damit die Bauern ihr Gemüse waschen und so in den Handel bringen konnten. Im kollektiven Gedächtnis Zeiskams existieren mehrere Versionen, wie das Dorf zu seinem lebenswichtigen Wasserrecht kam.
In der ältesten Erzählung begegnet das arme Zeiskamer Mütterchen dem Kurfürsten Ludwig III., der im Jahr 1428 durch die Pfalz reitet. Da Zeiskam unter großer Trockenheit leidet und die Ernte einzugehen droht, schenkt sie dem Herrscher einen Korb mit den besten Zeiskamer Gelbrüben (Möhren). In einer erweiterten Version der Volkssage, die das angeblich im Ort ansässige Rittergeschlecht und das angebliche Zeiskamer Wasserschloss bezieht, bittet das Mütterchen einen lokalen Ritter Heinrich von Zeiskam um Beistand, damit dieser sein Wort beim Kurfürsten einlegt.
In einer Version erscheint das Mütterlein als besonders kluge Verhandlerin. Als der Kurfürst ihr aus Dankbarkeit für die Gemüsegabe eine Gnade gewährt, verlangt sie kein Gold, sondern Wasser aus der nahegelegenen Queich. Um den Herrscher nicht zu erzürnen, nutzt sie eine sprachliche List: Sie fordert nur so viel Wasser, „wie durch ein Fuchsloch passt“. Der Kurfürst lacht über die vermeintlich kleine Bitte und gewährt sie.

Literarische Fixierung der Sage durch den „Bellemer Heiner“
Dass diese mündliche Überlieferung zu einem echten Kulturgut wurde, verdankt Zeiskam dem Heimatdichter Heinrich Probst (1876-1948), der regional unter seinem Künstlernamen „Bellemer Heiner“ berühmt war. Er goss die Sage in ein mundartliches Heimat- und Volkstheaterstück mit dem Titel „Das Gnadenwasser“.
Die Rezeption der Sage erreichte ihren historischen Höhepunkt im September 1928. Zeiskam feierte die 500-jährige Wiederkehr des Gnadenaktes von 1428 mit einem gigantischen, mehrtägigen „Wasserfest“ (historisch auch als Fuchsbachfeier bezeichnet. Für dieses Jubiläum wurde das Festspiel des Bellemer Heiners inszeniert. Man spielte als monumentales Freilichttheater direkt auf dem Zeiskamer „Kirchberg“, dem Platz vor der katholischen Kirche. Insgesamt sechs Mal wurde das Stück vor jeweils über 400 Zuschauern aufgeführt. Für das damalige Zeiskam war das ein beispielloser Kultur-Ansturm, der Besucher aus der gesamten Pfalz anzog. Die Aufführungen wurden sogar in einem historischen Dokumentarfilm festgehalten, dessen historische Filmrollen heute im Gemeindearchiv digitalisiert gepflegt werden. Der größte Teil des Films zeigt den monumentalen, historischen Festumzug, der sich durch die Straßen von Zeiskam schlängelte. Zu sehen sind geschmückte Festwagen der Bauern, Pferdegespanne, Bürger in historischen Trachten des Spätmittelalters sowie die Laienschauspieler, welche die Sage um das Mütterchen, den Kurfürsten und die berühmten Zeiskamer Gelbrüben darstellten. Der 1928 auf klassischem Schwarz-Weiß-Zelluloid gebannte Stummfilm wurde erfolgreich in das digitale Zeitalter gerettet. Damit ist er eines der ältesten, bewegten Filmdokumente des ländlichen Raums in der gesamten Südpfalz. Die Begeisterung für das Medium Film und das Festspiel hielt an: Zur 1225-Jahrfeier von Zeiskam im Jahr 1999 wurde das historische Theaterstück des Bellemer Heiners von der Laienspielgruppe des TB Jahn Zeiskam erneut aufgeführt und dieses Mal als moderner, 44-minütiger Dokumentarfilm auf Video festgehalten.
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(Historisches Komitee Ortsgemeinde Zeiskam, Zeiskam, 2025)

Internet
zeiskam1250.com: Film: Gnadenwasser (1999), Aufführung des Schauspiels Gnadenwasser, Autor Willi Ulrich (abgerufen 01.07.2026)
www.tourenplaner-rheinland-pfalz.de: Queichwiesen - Rundwanderweg Imm. Kulturerbe d. Menschheit / UNESCO (abgerufen 01.07.2026)
www.pfalz.de: Info Kulturelles Erbe „Queichwiesen - Bewässerung“ Zeiskam
(abgerufen 01.07.2026)
www.unesco.de: Bewässerung in Europa: Wissen, Technik und Organisation (abgerufen 01.07.2026)
queichwiesen.de: Queichwiesen - Immaterielles Kulturerbe Wiesenbewässerung (abgerufen 01.07.2026)
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Literatur

Hebel, Friedrich Wilhelm (2017)
Pfälzisches Sagenbuch. Kaiserslautern.
Schnell, Edgar (2014)
Zeiskam - vom Leben in der guten alten Zeit. Zeiskam.
Schnell, Edgar (1999)
Zeiskam in Vergangenheit und Gegenwart. Zeiskam.

Staubecken Buweabloss im Fuchsbach südwestlich von Zeiskam

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67378 Zeiskam
Fachsicht(en)
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Historisches Komitee Ortsgemeinde Zeiskam: „Staubecken Buweabloss im Fuchsbach südwestlich von Zeiskam”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360322 (Abgerufen: 22. August 2026)
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