Der Johanniterorden
Gründung und frühe Geschichte der Kommende Heimbach
Wirtschaftliche und politische Rolle
Die Komturei und das Dorf Zeiskam
Wichtige Ereignisse ab dem 14. Jahrhundert
Das Leben in der Komturei
Reformation, Bauernrevolte und Säkularisation
Archäologische Funde
Quellen / Internet
Der Johanniterorden
Der Johanniterorden, gegründet im 11. Jahrhundert, war ein bedeutender Ritterorden des Mittelalters, bekannt für den Schutz und die Versorgung von Pilgern im Heiligen Land. Mit dem Beinamen „Hospitaliter“ waren sie für ihre militärischen Fähigkeiten und karitativen Tätigkeiten, insbesondere den Betrieb von Hospitälern, bekannt. Politisch und wirtschaftlich einflussreich, spielten sie eine zentrale Rolle in den Kreuzzügen und besaßen umfangreiche Ländereien in Europa. Ihre Präsenz auf Rhodos und Malta festigte ihren Ruf als Beschützer des christlichen Europas. Kulturell förderten sie Architektur, Kunst und Wissenschaft und legten den Grundstein für moderne Krankenversorgung. Heute leben ihre Traditionen in karitativen Organisationen weiter, die weltweit humanitäre Hilfe leisten. Der Orden bleibt ein lebendiges Zeugnis mittelalterlicher Geschichte und christlicher Nächstenliebe.
Gründung und frühe Geschichte der Kommende Heimbach
Die Komturei Heimbach umfasste fünf Untereinheiten, die als Membra bezeichnet wurden. Diese befanden sich in Mußbach, heute ein Ortsteil von Neustadt an der Weinstraße, in Speyer, in Bruchsal, im heutigen Wissembourg und in Landau. Obwohl alle fünf geografisch innerhalb der Grenzen der Kurpfalz bzw. des Hochstifts Speyer lagen, das sich zu jener Zeit beiderseits des Rheins erstreckte, unterstanden sie nicht einheitlich derselben Landesherrschaft. In einem Radius von etwa 40 Kilometern um Heimbach verwalteten diese Membra kleinere Klosterbauernhöfe in ihrer Umgebung, die sich hauptsächlich mit Landwirtschaft und insbesondere mit Weinbau beschäftigten. Von diesen Membra hat bis heute nur eines überdauert, der Mußbacher Herrenhof. In Speyer befindet sich an der Stelle heute das Amtsgericht, Zeichnungen der Ruinen sind erhalten. In Bruchsal und Landau ist aufgrund der Überbauung nichts mehr vorhanden. In Wissembourg zeugt noch eine Sandsteinbrücke über die Lauter von der damaligen Existenz. Möglicherweise war Heimbach vor der Gründung der Komturei eine Wegstation oder eine kleine Siedlung. Immerhin lag sie an der alten bedeutenden Römerstraße von Speyer über Annweiler und Pirmasens bis nach Trier. Die Johanniterkomturei Heimbach wurde im 12. Jahrhundert gegründet und zählt zu den ältesten deutschen Johanniterhäusern. Kaiser Friedrich I., auch bekannt als Barbarossa, wird als Stifter der Komturei genannt. Ein Eintrag in einem Seelbuch aus dem frühen 17. Jahrhundert belegt, dass Friedrich I. als Gründer der Komturei gilt: „obiit imperator Fridericus fundator loci istius“. Diese kaiserliche Stiftung verhalf der Komturei zu besonderer Bedeutung und Schutz. Die „regesta Imperii“ datieren die Stiftung zwischen dem 18. Juni 1155 und Ende März 1189, zwischen der Kaiserkrönung und dem Aufbruch Friedrichs I. zum Kreuzzug. Die erste urkundliche Erwähnung der Komturei stammt tagesgenau vom 28. Mai 1207, als König Philipp von Schwaben einen Schutzbrief für die Johanniter ausstellte. Erster Komtur der Einrichtung war Anselm von Weißenburg. Besonders hervorzuheben ist der Heimbacher Magister Heinrich, der als „magister in Alemania“ bezeichnet wurde und eine zentrale Rolle in der frühen Organisation des Ordens spielte.
Wirtschaftliche und politische Rolle
Die Komturei war nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch ein wichtiger wirtschaftlicher und politischer Akteur. Sie erhielt zahlreiche Schenkungen von lokalen Adelsfamilien und wurde zu einem bedeutenden Grundbesitzer in der Region. Die Komturei besaß Ländereien in mehreren umliegenden Dörfern und hatte sogar eigene Gerichtsrechte.
Ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte der Komturei war der Konflikt um das Marburger Spital, das von der heiligen Elisabeth von Thüringen gestiftet worden war. Der Heimbacher Komtur Konrad versuchte vergeblich, das Spital für den Johanniterorden zu sichern. Trotz seiner Bemühungen und einer Reise nach Rom im Frühjahr 1232, während einer der kurzen Phasen päpstlicher Annäherung an Kaiser Friedrich II., blieb der Versuch erfolglos.
Einige Adelsgeschlechter versahen Heimbach mit Stiftungen, so auch der mächtigste, Pfalzgraf Otto II. im Jahr 1244. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts fielen die letzten christlichen Stützpunkte im Heiligen Land. Die Ritterorden waren seit ihrer Entstehung eng mit dem Heiligen Land verbunden, wobei die Johanniter als besonders engagierte Verteidiger galten. Ein markantes Beispiel hierfür ist der Hochmeister des Deutschen Ordens, Burchard von Schwanden, der 1290 eine kleine Gruppe von Rittern nach Akkon führte. Enttäuscht über die mangelnde Unterstützung seines eigenen Ordens, der sich an der Ostsee ein neues Betätigungsfeld erschlossen hatte, trat er von seinem Amt zurück und schloss sich den Johannitern an. Kurz darauf, in den Jahren 1296 und 1297, war ein Johanniter mit demselben Namen Komtur in Heimbach. Es könnte sich dabei um den aus Akkon geflohenen, zurückgetretenen Hochmeister gehandelt haben.
Die Komturei und das Dorf Zeiskam
In der Ortschaft Zeiskam erwarben die Johanniter 1240 die Güter Konrads von Scharfeneck. Im Jahr 1269 übernahmen sie die Besitzungen, die Graf Emich von Leiningen an Kuno und Hugo von Zeiskam verliehen hatte. Ab dem Jahr 1250 übertrug die ortsansässige Adelsfamilie ihren gesamten lokalen Besitz an die Johanniter-Komturei Heimbach und das Speyerer Domkapitel und ließ sich anschließend an einem anderen Ort nieder. In den Jahren 1257 und 1281 erhielt Heimbach auch den Besitz des Speyerer Domkapitels in Zeiskam, wofür nicht unerhebliche jährliche Naturalabgaben zu leisten waren, die noch im 18. Jahrhundert Gegenstand von Prozessen waren. Den Revers stellten 1281 Anshelmus de Berwerstein als „Komtur in Heimbach des Ordens vom Hospital des Heiligen Johannes zu Jerusalem“ aus.
Bereits in einer um das Jahr 1250 datierten Schenkungsurkunde der Brüder Arnold und Konrad von Zeiskam und deren Frauen wurden drei Ordensbrüder als Zeugen genannt: Bruder Heinrich von Lachen, Bruder Kuno und Bruder Albert. Die Literatur ordnet sie dem beschenkten Haus in Heimbach zu und identifiziert in dem erstgenannten Heinrich den Leiter, also den Komtur, der Kommende. Zwischen 1250 und 1307 wurden die Johanniter Territorialherren der Nachbardörfer Niederhochstadt und Ober- und Niederlustadt. In der Umgebung von Heimbach gewann die Kurpfalz durch die Reichspfandschaft Germersheim zunehmend an Einfluss. Heimbach, mit seiner Herrschaft über drei Dörfer, unterstand nun der kurfürstlichen Vogtei. Auch in den drei Ortsherrschaften Ober- und Niederlustadt sowie Niederhochstadt war die Vogtei Germersheim vertreten. Zeiskam blieb unter der Ortsherrschaft der Kurpfalz.
Wichtige Ereignisse ab dem 14. Jahrhundert
Im September 1310 kam Heinrich VII., König und später römisch-deutscher Kaiser, mit größerem Gefolge in die Johanniterkommende. Dort traf sein Sohn von Johann von Luxemburg erstmals seine Braut Elisabeth von Böhmen, die Tochter des böhmischen Königs Wenzel II. In der Komturei wurde nicht nur die kommende Hochzeit im Speyer Dom vorbereitet, es ist wahrscheinlich, dass auch verschiedene Herrscherurkunden, die auf Heimbach datiert sind, von dort anwesenden Begünstigten oder Bevollmächtigten ausgehandelt wurden. Der Heimbacher Vergleich von 1382 war ein entscheidender Moment in der Geschichte des Johanniterordens, da er der Ballei Brandenburg bedeutende Autonomierechte gegenüber dem deutschen Großpriorat sicherte. Diese Vereinbarung ebnete den Weg für die spätere Spaltung des Ordens im Jahr 1538 in einen katholischen Zweig als Malteserorden und einen protestantischen Zweig, der den Namen Johanniterorden beibehielt.
Auf dem Heimbacher Kapitel von 1367 wurden Richtwerte für die Personalstärke der Kommenden festgelegt. Gemäß einer Liste im Straßburger Archiv überliefert ist, wurden für Heimbach acht Ritter, fünf Priesterbrüder und fünf Ordensschwestern verzeichnet. Damit zählte Heimbach zu den elf großen Kommenden im deutschen Sprachraum, die jeweils mehr als ein Dutzend Ordensbrüder beherbergten. Die hohe Anzahl an Ordensschwestern war bemerkenswert und weist eventuell auf eine Hospitaltätigkeit hin zur Betreuung von kranken Reisenden entlang der Straße von Speyer nach Annweiler.
Im Jahr 1483 übernahm Johann von Hattstein die Position des letzten Komturs von Heimbach, ab 1512 war er zusätzlich deutscher Johanniter-Großprior. Er verlegte die Zentrale von Heimbach nach Heitersheim in die Nähe von Freiburg.
Das Leben in der Komturei
Nach dem ersten Visitationsbericht durch die Ordensoberen von 1495 waren zu diesem Zeitpunkt Frater Leonhard Vasoris und Frater Johannes Roid als Verwalter der Kommende tätig. Auf die Anzahl der Bewohner lassen die 23 aufgeführten Betten schließen. Interessant ist auch eine für die damalige Zeit umfangreiche Bibliothek mit einem wertvollen Bestand von 44 Büchern unterschiedlichen Inhalts. Aufgelistet sind unter anderem die Geldeinkünfte aus dem kleinen Zehnt (Pacht) verschiedener Personen aus Zeiskam und den Johanniter eigenen Nachbardörfern. Von der Zeiskamer Mühle, die der Komturei gehörte, werden jährlich 60 Malter Roggen abgegeben. (Ein Malter als Hohlmaß beinhaltete wohl ca. 100 Liter.) Weiteres Getreide kommt aus den anderen Dörfern der Vorderpfalz. Wein von Orten am Gebirgsrand der Haardt. An Geldausgaben ist u.a. die Besoldung des Zeiskamer Pfarrers (5 sol 3 den) und Waldhüters (2 lib.) aufgeführt.
[Wikipedia gibt folgende Umrechnungen der Münzwerte an:
Die kleinste Münzeinheit ist der Heller.
Der Pfennig (Denar) ist 2 Heller wert, der Kreuzer 4 Pfennig.
Der Groschen oder Schilling (Solidus) entspricht 3 Kreuzer oder 12 Pfennige.
Ein Batzen (Bacii) sind 4 Kreuzer oder 16 Pfennige. Der Gulden (Florentiner) oder das Pfund sind 20 Schilling oder 240 Pfennige, der Taler 30 Schilling oder 360 Pfennige.
Rödel berechnet 14 Pfennige für einen Batzen und gibt an, dass 15 Batzen einem Gulden entspricht, so dass Letzteres der Wikipedia-Angabe entspricht.
24 Batzen entsprechen einer „corona solis“.]
Pfarrer und Waldhüter bekamen zusätzlich 16 Malter bzw. 28 Malter Roggen. Anscheinend hatte letzterer im Unterschied zum katholischen Pfarrer eine Familie zu ernähren.
Als Personal (mit ihren Gehältern) werden aufgeführt: Mundschenk, Köche, Küchengehilfe, Bäcker, Kutscher, Pferdeknecht, Pförtner, Diener, Knecht, Mäher, Getreideverwalter, Handwerker, Feldgehilfen. Die Visitatoren bemängelten jedoch, dass inklusive der Geistlichen 15 Personen für die Niederlassung ausreichen müssten. Der errechnete Überschuss der Kommende Zeiskam, der an das Großpriorat abgeführt werden musste, betrug jährlich 638 fl. 14 sol. 6 den. Damit gehörte Heimbach zu den reichsten Kommenden Deutschlands. Bei der Visitation 1541, also 46 Jahre später, kassierte Heimbach von den Zeiskamern 133 Gulden Pachtzins, von den Johanniterdörfern Ober- und Niederlustadt und Oberhochstadt insgesamt 160 Gulden. In dem Protokoll werden dieses Mal die Erträge der ordenseigenen Weinberge angegeben, in schlechten zeiten sind es 8 bis 9 Fuder, in guten Jahren 30 bis 40 oder mehr Fuder (1 Fuder = 1.000 Liter). Die Kommende hält 50 (!) Pferde für die Feldbestellung.
Reformation, Bauernrevolte und Säkularisation
Mit der Reformation und den folgenden Säkularisationsbestrebungen verlor die Komturei an Bedeutung. Als Kurfürst Friedrich II. 1546 in der Pfalz die Reformation einführte, erhielt auch Zeiskam einen calvinistischen Pfarrer. Damit hatten sowohl das katholische als auch das evangelische Pfarramt Anrecht auf verbriefte Pfründe aus der Komturei Heimbach. Dass die Johanniter nur sehr widerwillig und gezwungenermaßen ihren Pflichtteil an die Protestanten ablieferten, kann man sich leicht denken. Trotz des Schutzes durch den Kaiser und den Adel wurden viele Besitzungen der Ritterorden enteignet. Die Johanniterkomturei Heimbach konnte sich jedoch bis ins 18. Jahrhundert halten.
Im Jahr 1525 wurde die Komturei Heimbach von aufständischen Bauern des Nußdorfer Haufens, die sich im nahegelegenen Nußdorf (heute Landau-Nußdorf) versammelt hatten, in Brand gesteckt und geplündert. Nach den Ordensstatuten hatte jede Kommende ein Archiv zu unterhalten, in dem alle wichtigen Urkunden sicher aufzubewahren waren. In Heimbach wurde, als der Nußdorfer Haufen mit überlieferter Unterstützung durch Zeiskamer Bauern die Komturei überfiel, das Archiv, das sich im Kirchturm befand, herausgerissen und verbrannt. Neben der Plünderung der Wein- und Lebensmittelvorräte wollten die Rebellen die schriftlichen Verträge, nach denen sie zu Abgaben für das gepachtete Land verpflichtet waren, vernichten. Nach der Niederschlagung der Bauernrevolte durch Kurfürst Ludwig V. wurden die Bauern zur Wiedergutmachung verpflichtet. Auch ihre Abgaben mussten sie weiterhin verrichten, denn es gab offensichtlich Kopien der Dokumente im Sitz des Großpriorats in Heitersheim. Viele Unterlagen aus den einzelnen Kommenden aus dem ehemaligen Ordensarchiv auf Malta befinden sich dort heute in der Public Malta Library. Dort lagern auch die umfangreichen Generalvisitationsberichte des deutschen Großpriorats von 1494/95 und 1540/41, aus der detaillierte Beschreibungen der Situation der Johanniter-Niederlassung in Zeiskam abgeleitet werden können.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die renovierte Komturei Heimbach samt Kirche um 1622 erneut geplündert und zerstört. Im Jahr 1724 stiftete Großprior Goswin Otto von Merveldt einen neuen Hochaltar für die Kirche, die wieder für Gottesdienste hergerichtet worden war. Während der Französischen Revolution wurde die Komturei endgültig zerstört. Französische Truppen und Kontingente des Reiches nutzten die Gebäude für ihre Zwecke und verheizten alles Brennbare. Die Gebäudereste wurden 1796 in Landau versteigert und die Steine für den Bau neuer Gebäude verwendet.
Archäologische Funde
Die Funde geben Aufschluss über das tägliche Leben und die Aktivitäten in der Komturei. Grenzsteine waren häufig zu finden, besonders vor Durchführung von Flurbereinigungen, ebenso Bodenplatten, die meist aus Ställen und Weinkellern stammen, oder Wappensteine. Die Dachziegel, die heute noch vereinzelt auf sehr alten Scheunen zu finden sind, fallen durch ihre helle Farbe und Spitzen auf. Funde von handgeschmiedeten Nägeln sind in großer Anzahl vorhanden. Knochen und Zähne von verzehrten Tieren gab es unzählige auf dem Klostergelände, auch Keramikscherben aus verschiedenen Jahrhunderten. Der größte Teil der Funde befindet sich heute in Speyer.
Archäologische Untersuchungen und Luftbilder aus den 1970er und 1990er Jahren haben den Standort der Kapelle und anderer Gebäude gesichert. Bei archäologischen Sondierungen und Grabungen im Jahr 2010, die von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), Direktion Landesarchäologie Speyer, durchgeführt wurden, konnte in 1,5 Meter Tiefe der Boden der ehemaligen Ordenskirche lokalisiert werden. Ein Jahr später errichtete die Gemeinde Zeiskam an dieser historischen Stelle einen gotischer Bogen aus Sandstein.
(Karl Guth, Hartwig Humbert, Zeiskam, 2025)
Quellen
- Akten des Landesarchivs Speyer Bestand D 57 / D 58 / D 59
Internet
komturei-heimbach.jimdofree.com: Geschichte erleben und zum anfassen! (abgerufen 23.06.2026)
www.johanniter.de: Johanniterorden in Rheinland-Pfalz - Der Johanniter-Ritterorden (abgerufen 23.06.2026)
www.malteser.de: Deutsche Assoziation des Souveränen Malteser-Ritterordens (abgerufen 23.06.2026)