Der Johanniterorden
Gründung und frühe Geschichte der Kommende Heimbach
Wirtschaftliche und politische Rolle
Die Komturei und das Dorf Zeiskam
Wichtige Ereignisse ab dem 14. Jahrhundert
Das Leben in der Komturei
Reformation, Bauernrevolte und Säkularisation
Archäologische Funde
Ritter Johann von Hattstein
Hattsteins religiöse Sicht
Hattsteins Lebensende
Königlicher Besuch in der Klosterkomturei Heimbach
Ein Luxemburger wird deutscher König und Kaiser
Ein Sohn in den Fußstapfen seines Vaters
Eine Allianz mit Böhmen - Die Hochzeit in der Pfalz
Europäische Politik im Hochmittelalter
Königliches Familienleben
Erblindung und Tod Johanns
Johann als Romanfigur
Quellen / Internet
Der Johanniterorden
Der Johanniterorden, gegründet im 11. Jahrhundert, war ein bedeutender Ritterorden des Mittelalters, bekannt für den Schutz und die Versorgung von Pilgern im Heiligen Land. Mit dem Beinamen „Hospitaliter“ waren sie für ihre militärischen Fähigkeiten und karitativen Tätigkeiten, insbesondere den Betrieb von Hospitälern, bekannt. Nach der Überlieferung gründeten italienische Kaufleute in Jerusalem ein Hospital, das von Laienbrüdern geleitet wurde und aus dem sich ein geistlicher Ritterorden entwickelte. Eine große Zahl von Rittern, die unter Kaiser Konrad III. am zweiten Kreuzzug 1147-49 beteiligt waren, traten in den Johanniterorden ein, der sich damit auch militärischen Aufgaben widmete.
Der Hauptsitz der „Ritter des heiligen Johannes vom Spital zu Jerusalem“ befand sich, nachdem sie das Heiligen Land den Muslimen überlassen mussten, ab 1310 auf der Insel Rhodos und ab 1530 auf Malta („Malteser“).
Politisch und wirtschaftlich einflussreich, spielten sie eine zentrale Rolle in den Kreuzzügen und besaßen umfangreiche Ländereien in Europa. Ihre Präsenz auf Rhodos und Malta festigte ihren Ruf als Beschützer des christlichen Europas. Kulturell förderten sie Architektur, Kunst und Wissenschaft und legten den Grundstein für moderne Krankenversorgung. Heute leben ihre Traditionen in karitativen Organisationen weiter, die weltweit humanitäre Hilfe leisten. Der Orden bleibt ein lebendiges Zeugnis mittelalterlicher Geschichte und christlicher Nächstenliebe. In Rheinland-Pfalz und dem Saarland gibt es heute fünf Subkommenden der Johanniter. Der Malteserorden führt heute noch ein Krankenhaus in Bethlehem als internationales Gemeinschaftsprojekt.
Gründung und frühe Geschichte der Kommende Heimbach
Die Komturei Heimbach umfasste fünf Untereinheiten, die als Membra bezeichnet wurden. Diese befanden sich in Mußbach, heute ein Ortsteil von Neustadt an der Weinstraße, in Speyer, in Bruchsal, im heutigen Wissembourg und in Landau. Obwohl alle fünf geografisch innerhalb der Grenzen der Kurpfalz bzw. des Hochstifts Speyer lagen, das sich zu jener Zeit beiderseits des Rheins erstreckte, unterstanden sie nicht einheitlich derselben Landesherrschaft. In einem Radius von etwa 40 Kilometern um Heimbach verwalteten diese Membra kleinere Klosterbauernhöfe in ihrer Umgebung, die sich hauptsächlich mit Landwirtschaft und insbesondere mit Weinbau beschäftigten. Von diesen Membra hat bis heute nur eines überdauert, der Mußbacher Herrenhof. In Speyer befindet sich an der Stelle heute das Amtsgericht, Zeichnungen der Ruinen sind erhalten. In Bruchsal und Landau ist aufgrund der Überbauung nichts mehr vorhanden. In Wissembourg zeugt noch eine Sandsteinbrücke über die Lauter von der damaligen Existenz. Möglicherweise war Heimbach vor der Gründung der Komturei eine Wegstation oder eine kleine Siedlung. Immerhin lag sie an der alten bedeutenden Römerstraße von Speyer über Annweiler und Pirmasens bis nach Trier. Die Johanniterkomturei Heimbach wurde im 12. Jahrhundert gegründet und zählt zu den ältesten deutschen Johanniterhäusern. Kaiser Friedrich I., auch bekannt als Barbarossa, wird als Stifter der Komturei genannt. Ein Eintrag in einem Seelbuch aus dem frühen 17. Jahrhundert belegt, dass Friedrich I. als Gründer der Komturei gilt: „obiit imperator Fridericus fundator loci istius“. Diese kaiserliche Stiftung verhalf der Komturei zu besonderer Bedeutung und Schutz. Die „regesta Imperii“ datieren die Stiftung zwischen dem 18. Juni 1155 und Ende März 1189, zwischen der Kaiserkrönung und dem Aufbruch Friedrichs I. zum Kreuzzug. Die erste urkundliche Erwähnung der Komturei stammt tagesgenau vom 28. Mai 1207, als König Philipp von Schwaben einen Schutzbrief für die Johanniter ausstellte. Erster Komtur der Einrichtung war Anselm von Weißenburg. Besonders hervorzuheben ist der Heimbacher Magister Heinrich, der als „magister in Alemania“ bezeichnet wurde und eine zentrale Rolle in der frühen Organisation des Ordens spielte.
Wirtschaftliche und politische Rolle
Die Komturei war nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch ein wichtiger wirtschaftlicher und politischer Akteur. Sie erhielt zahlreiche Schenkungen von lokalen Adelsfamilien und wurde zu einem bedeutenden Grundbesitzer in der Region. Die Komturei besaß Ländereien in mehreren umliegenden Dörfern und hatte sogar eigene Gerichtsrechte.
Ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte der Komturei war der Konflikt um das Marburger Spital, das von der heiligen Elisabeth von Thüringen gestiftet worden war. Der Heimbacher Komtur Konrad versuchte vergeblich, das Spital für den Johanniterorden zu sichern. Trotz seiner Bemühungen und einer Reise nach Rom im Frühjahr 1232, während einer der kurzen Phasen päpstlicher Annäherung an Kaiser Friedrich II., blieb der Versuch erfolglos.
Einige Adelsgeschlechter versahen Heimbach mit Stiftungen, so auch der mächtigste, Pfalzgraf Otto II. im Jahr 1244. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts fielen die letzten christlichen Stützpunkte im Heiligen Land. Die Ritterorden waren seit ihrer Entstehung eng mit dem Heiligen Land verbunden, wobei die Johanniter als besonders engagierte Verteidiger galten. Ein markantes Beispiel hierfür ist der Hochmeister des Deutschen Ordens, Burchard von Schwanden, der 1290 eine kleine Gruppe von Rittern nach Akkon führte. Enttäuscht über die mangelnde Unterstützung seines eigenen Ordens, der sich an der Ostsee ein neues Betätigungsfeld erschlossen hatte, trat er von seinem Amt zurück und schloss sich den Johannitern an. Kurz darauf, in den Jahren 1296 und 1297, war ein Johanniter mit demselben Namen Komtur in Heimbach. Es könnte sich dabei um den aus Akkon geflohenen, zurückgetretenen Hochmeister gehandelt haben.
Die Komturei und das Dorf Zeiskam
In der Ortschaft Zeiskam erwarben die Johanniter 1240 die Güter Konrads von Scharfeneck. Im Jahr 1269 übernahmen sie die Besitzungen, die Graf Emich von Leiningen an Kuno und Hugo von Zeiskam verliehen hatte. Ab dem Jahr 1250 übertrug die ortsansässige Adelsfamilie ihren gesamten lokalen Besitz an die Johanniter-Komturei Heimbach und das Speyerer Domkapitel und ließ sich anschließend an einem anderen Ort nieder. In den Jahren 1257 und 1281 erhielt Heimbach auch den Besitz des Speyerer Domkapitels in Zeiskam, wofür nicht unerhebliche jährliche Naturalabgaben zu leisten waren, die noch im 18. Jahrhundert Gegenstand von Prozessen waren. Den Revers stellten 1281 Anshelmus de Berwerstein als „Komtur in Heimbach des Ordens vom Hospital des Heiligen Johannes zu Jerusalem“ aus.
Bereits in einer um das Jahr 1250 datierten Schenkungsurkunde der Brüder Arnold und Konrad von Zeiskam und deren Frauen wurden drei Ordensbrüder als Zeugen genannt: Bruder Heinrich von Lachen, Bruder Kuno und Bruder Albert. Die Literatur ordnet sie dem beschenkten Haus in Heimbach zu und identifiziert in dem erstgenannten Heinrich den Leiter, also den Komtur, der Kommende. Zwischen 1250 und 1307 wurden die Johanniter Territorialherren der Nachbardörfer Niederhochstadt und Ober- und Niederlustadt. In der Umgebung von Heimbach gewann die Kurpfalz durch die Reichspfandschaft Germersheim zunehmend an Einfluss. Heimbach, mit seiner Herrschaft über drei Dörfer, unterstand nun der kurfürstlichen Vogtei. Auch in den drei Ortsherrschaften Ober- und Niederlustadt sowie Niederhochstadt war die Vogtei Germersheim vertreten. Zeiskam blieb unter der Ortsherrschaft der Kurpfalz.
Wichtige Ereignisse ab dem 14. Jahrhundert
Im September 1310 kam Heinrich VII., König und später römisch-deutscher Kaiser, mit größerem Gefolge in die Johanniterkommende. Dort traf sein Sohn von Johann von Luxemburg erstmals seine Braut Elisabeth von Böhmen, die Tochter des böhmischen Königs Wenzel II. In der Komturei wurde nicht nur die kommende Hochzeit im Speyer Dom vorbereitet, es ist wahrscheinlich, dass auch verschiedene Herrscherurkunden, die auf Heimbach datiert sind, von dort anwesenden Begünstigten oder Bevollmächtigten ausgehandelt wurden. Der Heimbacher Vergleich von 1382 war ein entscheidender Moment in der Geschichte des Johanniterordens, da er der Ballei Brandenburg bedeutende Autonomierechte gegenüber dem deutschen Großpriorat sicherte. Diese Vereinbarung ebnete den Weg für die spätere Spaltung des Ordens im Jahr 1538 in einen katholischen Zweig als Malteserorden und einen protestantischen Zweig, der den Namen Johanniterorden beibehielt.
Auf dem Heimbacher Kapitel von 1367 wurden Richtwerte für die Personalstärke der Kommenden festgelegt. Gemäß einer Liste im Straßburger Archiv überliefert ist, wurden für Heimbach acht Ritter, fünf Priesterbrüder und fünf Ordensschwestern verzeichnet. Damit zählte Heimbach zu den elf großen Kommenden im deutschen Sprachraum, die jeweils mehr als ein Dutzend Ordensbrüder beherbergten. Die hohe Anzahl an Ordensschwestern war bemerkenswert und weist eventuell auf eine Hospitaltätigkeit hin zur Betreuung von kranken Reisenden entlang der Straße von Speyer nach Annweiler.
Im Jahr 1483 übernahm Johann von Hattstein die Position des letzten Komturs von Heimbach, ab 1512 war er zusätzlich deutscher Johanniter-Großprior. Er verlegte die Zentrale von Heimbach nach Heitersheim in die Nähe von Freiburg.
Das Leben in der Komturei
Nach dem ersten Visitationsbericht durch die Ordensoberen von 1495 waren zu diesem Zeitpunkt Frater Leonhard Vasoris und Frater Johannes Roid als Verwalter der Kommende tätig. Auf die Anzahl der Bewohner lassen die 23 aufgeführten Betten schließen. Interessant ist auch eine für die damalige Zeit umfangreiche Bibliothek mit einem wertvollen Bestand von 44 Büchern unterschiedlichen Inhalts. Aufgelistet sind unter anderem die Geldeinkünfte aus dem kleinen Zehnt (Pacht) verschiedener Personen aus Zeiskam und den Johanniter eigenen Nachbardörfern. Von der Zeiskamer Mühle, die der Komturei gehörte, werden jährlich 60 Malter Roggen abgegeben. (Ein Malter als Hohlmaß beinhaltete wohl ca. 100 Liter.) Weiteres Getreide kommt aus den anderen Dörfern der Vorderpfalz. Wein von Orten am Gebirgsrand der Haardt. An Geldausgaben ist u.a. die Besoldung des Zeiskamer Pfarrers (5 sol 3 den) und Waldhüters (2 lib.) aufgeführt.
[Wikipedia gibt folgende Umrechnungen der Münzwerte an:
Die kleinste Münzeinheit ist der Heller.
Der Pfennig (Denar) ist 2 Heller wert, der Kreuzer 4 Pfennig.
Der Groschen oder Schilling (Solidus) entspricht 3 Kreuzer oder 12 Pfennige.
Ein Batzen (Bacii) sind 4 Kreuzer oder 16 Pfennige. Der Gulden (Florentiner) oder das Pfund sind 20 Schilling oder 240 Pfennige, der Taler 30 Schilling oder 360 Pfennige.
Rödel berechnet 14 Pfennige für einen Batzen und gibt an, dass 15 Batzen einem Gulden entspricht, so dass Letzteres der Wikipedia-Angabe entspricht.
24 Batzen entsprechen einer „corona solis“.]
Pfarrer und Waldhüter bekamen zusätzlich 16 Malter bzw. 28 Malter Roggen. Anscheinend hatte letzterer im Unterschied zum katholischen Pfarrer eine Familie zu ernähren.
Als Personal (mit ihren Gehältern) werden aufgeführt: Mundschenk, Köche, Küchengehilfe, Bäcker, Kutscher, Pferdeknecht, Pförtner, Diener, Knecht, Mäher, Getreideverwalter, Handwerker, Feldgehilfen. Die Visitatoren bemängelten jedoch, dass inklusive der Geistlichen 15 Personen für die Niederlassung ausreichen müssten. Der errechnete Überschuss der Kommende Zeiskam, der an das Großpriorat abgeführt werden musste, betrug jährlich 638 fl. 14 sol. 6 den. Damit gehörte Heimbach zu den reichsten Kommenden Deutschlands. Bei der Visitation 1541, also 46 Jahre später, kassierte Heimbach von den Zeiskamern 133 Gulden Pachtzins, von den Johanniterdörfern Ober- und Niederlustadt und Oberhochstadt insgesamt 160 Gulden. In dem Protokoll werden dieses Mal die Erträge der ordenseigenen Weinberge angegeben, in schlechten zeiten sind es 8 bis 9 Fuder, in guten Jahren 30 bis 40 oder mehr Fuder (1 Fuder = 1.000 Liter). Die Kommende hält 50 (!) Pferde für die Feldbestellung.
Reformation, Bauernrevolte und Säkularisation
Mit der Reformation und den folgenden Säkularisationsbestrebungen verlor die Komturei an Bedeutung. Als Kurfürst Friedrich II. 1546 in der Pfalz die Reformation einführte, erhielt auch Zeiskam einen calvinistischen Pfarrer. Damit hatten sowohl das katholische als auch das evangelische Pfarramt Anrecht auf verbriefte Pfründe aus der Komturei Heimbach. Dass die Johanniter nur sehr widerwillig und gezwungenermaßen ihren Pflichtteil an die Protestanten ablieferten, kann man sich leicht denken. Trotz des Schutzes durch den Kaiser und den Adel wurden viele Besitzungen der Ritterorden enteignet. Die Johanniterkomturei Heimbach konnte sich jedoch bis ins 18. Jahrhundert halten.
Im Jahr 1525 wurde die Komturei Heimbach von aufständischen Bauern des Nußdorfer Haufens, die sich im nahegelegenen Nußdorf (heute Landau-Nußdorf) versammelt hatten, in Brand gesteckt und geplündert. Nach den Ordensstatuten hatte jede Kommende ein Archiv zu unterhalten, in dem alle wichtigen Urkunden sicher aufzubewahren waren. In Heimbach wurde, als der Nußdorfer Haufen mit überlieferter Unterstützung durch Zeiskamer Bauern die Komturei überfiel, das Archiv, das sich im Kirchturm befand, herausgerissen und verbrannt. Neben der Plünderung der Wein- und Lebensmittelvorräte wollten die Rebellen die schriftlichen Verträge, nach denen sie zu Abgaben für das gepachtete Land verpflichtet waren, vernichten. Nach der Niederschlagung der Bauernrevolte durch Kurfürst Ludwig V. wurden die Bauern zur Wiedergutmachung verpflichtet. Auch ihre Abgaben mussten sie weiterhin verrichten, denn es gab offensichtlich Kopien der Dokumente im Sitz des Großpriorats in Heitersheim. Viele Unterlagen aus den einzelnen Kommenden aus dem ehemaligen Ordensarchiv auf Malta befinden sich dort heute in der Public Malta Library. Dort lagern auch die umfangreichen Generalvisitationsberichte des deutschen Großpriorats von 1494/95 und 1540/41, aus der detaillierte Beschreibungen der Situation der Johanniter-Niederlassung in Zeiskam abgeleitet werden können.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die renovierte Komturei Heimbach samt Kirche um 1622 erneut geplündert und zerstört. Im Jahr 1724 stiftete Großprior Goswin Otto von Merveldt einen neuen Hochaltar für die Kirche, die wieder für Gottesdienste hergerichtet worden war. Während der Französischen Revolution wurde die Komturei endgültig zerstört. Französische Truppen und Kontingente des Reiches nutzten die Gebäude für ihre Zwecke und verheizten alles Brennbare. Die Gebäudereste wurden 1796 in Landau versteigert und die Steine für den Bau neuer Gebäude verwendet.
Archäologische Funde
Die Funde geben Aufschluss über das tägliche Leben und die Aktivitäten in der Komturei. Grenzsteine waren häufig zu finden, besonders vor Durchführung von Flurbereinigungen, ebenso Bodenplatten, die meist aus Ställen und Weinkellern stammen, oder Wappensteine. Die Dachziegel, die heute noch vereinzelt auf sehr alten Scheunen zu finden sind, fallen durch ihre helle Farbe und Spitzen auf. Funde von handgeschmiedeten Nägeln sind in großer Anzahl vorhanden. Knochen und Zähne von verzehrten Tieren gab es unzählige auf dem Klostergelände, auch Keramikscherben aus verschiedenen Jahrhunderten. Der größte Teil der Funde befindet sich heute in Speyer.
Archäologische Untersuchungen und Luftbilder aus den 1970er und 1990er Jahren haben den Standort der Kapelle und anderer Gebäude gesichert. Bei archäologischen Sondierungen und Grabungen im Jahr 2010, die von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), Direktion Landesarchäologie Speyer, durchgeführt wurden, konnte in 1,5 Meter Tiefe der Boden der ehemaligen Ordenskirche lokalisiert werden. Ein Jahr später errichtete die Gemeinde Zeiskam an dieser historischen Stelle einen gotischer Bogen aus Sandstein.
Ritter Johann von Hattstein
Ein Ritter des 15. Jahrhunderts, zeitweilig wohnhaft in der heutigen Gemarkung Zeiskam und 62 Jahre lang verantwortlich für die Komturei Zeiskam, war beteiligt an großen weltgeschichtlichen Ereignissen.
Ritter Johann von Hattstein, geboren 1446/47, wohl in der Stammburg der Familie im Landkreis Usingen im Taunus, war Mitglied des international tätigen Johanniterordens. Mit acht anderen Ordensrittern wirkte er 1480 an der erfolgreichen Verteidigung der Festung Rhodos gegen die Angriffe des Sultans Mehmet II. Fatik mit.
1483, bereits im Alter von 37 Jahren, überließ man ihm die Leitung der Kommende Heimbach. Ab 1503 war er zudem Hofrichter im kurfürstlichen Heidelberg. Von 1505 bis 1512 war Hattstein als Großbailli tätig und damit für einen Großbezirk des Johanniterordens zuständig.
1512 wurde Hattstein zum Großprior von Deutschland ernannt, was die Gesamtleitung von fünf europäischen Kommenden von Utrecht (Niederlande) bis Wädenswil und Bubikon (Schweiz) beinhaltete. Der Einflussbereich erstreckte sich zugleich bis nach Ungarn und Polen sowie bis nach Skandinavien. Der deutsche Großprior residierte im Johanniterschloss in Heitersheim im Breisgau. Ab 1519 war Johann von Hattstein Präsident des Reichskammergerichts, das zuvor in Nürnberg und Esslingen und ab 1527 in Speyer residierte, weilte dadurch sehr oft in der Niederlassung des Ordens in Speyer.
Bei der Belagerung Wiens durch die Türken 1529 war Hattstein mit einigen Johanniter-Rittern in der kaiserlichen Entsatzarmee. Trotz seines hohen Alters von über 80 Jahren wurde dabei seine große Tapferkeit gerühmt.
Hattsteins religiöse Sicht
In Glaubensfragen war der Johanniter recht aufgeklärt. Sogar islamische Dogmen, die er wohl in seiner Zeit auf Rhodos kennen lernte, verteidigte er. Dazu widersprach er dem christlichen Dogma einer ewigen Verdammnis, weil er sich einen so hartherzigen Gott nicht vorstellen konnte. Nach seinem katholischen Glauben nimmt Gott den Menschen nach dem Verbüßen der Schuld im Fegefeuer mit Gnaden im Himmel auf, und zwar Christen wie Juden, Muslime und auch Heiden. Deshalb lehnte er auch die Lehren Luthers ab, der das Fegefeuer leugnete. Aus ähnlichen Gründen verhinderte er, dass andernorts Ordenshäuser protestantisch gewordenen Landesherren zugesprochen wurden. Der pfälzische Kurfürst Ludwig V. blieb noch katholisch. Allerdings erließ er 1538 ein Religionsedikt, durch welches die Berufung evangelischer Lehrer und die Kommunion in beiderlei Gestalt möglich wurde. Der Verwalter in Heimbach gab 1541 an, dass „wegen der augenblicklichen Zeitläufe die Ordenskirche keine Einkünfte mehr“ hätte.
Hattsteins Lebensende
Johann von Hattstein starb 1546 im Alter von fast 100 Jahren in Speyer. Die Beisetzung erfolgte in der Kommende Heimbach. Ein Grabdenkmal ist in Zeiskam nicht mehr zu finden. Es ist in der Pfarrkirche von Heitersheim erhalten geblieben. Die Inschrift lautet:
An[n]o D[omin]i MDXLVI [1546] den III Aprilis starb zu Speir ligt zu Heimbach begrabe B der Hochwurdig H[e]rr rr Johan v. Hatstein Maister S[ankt] Johans Ord[en] in Teutsch La[n]de der dem Orden vi[e]l Guts gethon und dise Kirch v newem erbawen hat. Gott sey i[h]m genedig.
Königlicher Besuch in der Klosterkomturei Heimbach
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts stand die Komturei Heimbach eines Ereignisses mit reichsweiter Bedeutung. Es ging um eine eheliche Allianz zwischen der Grafschaft Luxemburg und dem Königreich Böhmen. Vor Ort waren der römisch-deutsche König und sein Gefolge, der beabsichtigte, seinen Sohn Johann mit der böhmischen Prinzessin Margarete zu vermählen.
Ein Luxemburger wird deutscher König und Kaiser
Heinrich VII. (1278 - 1313) war Graf von Luxemburg und von 1308 bis 1313 römisch-deutscher König des später auch als „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ bezeichneten Gebietes Mitteleuropas zwischen Schleswig und Mittelitalien. Um seine Macht über die unzähligen Fürstentümer zu stärken, ließ er sich 1312 in Rom von Papst Clemens V. zum Kaiser krönen. Die Kaiserkrone stellte die höchste weltliche Würde im katholischen Europa dar und ermöglichte eine unumstrittene Herrschaftsausübung. Heinrich war mit 14 Jahren mit Margarete von Brabant verheiratet worden, aus politischen Gründen wie damals üblich, um eine Feindschaft zwischen den beiden Herrscherhäusern Luxemburg und Brabant zu beseitigen. Das Paar hatte zwei Töchter. Maria war mit 18 Königin von Frankreich geworden, Beatrix mit 13 Jahren Königin von Ungarn. Doch beide verstarben bereits nach einem bzw. zwei Jahren ihres Königinnendaseins.
Ein Sohn in den Fußstapfen seines Vaters
Und dann war da noch das älteste Kind, Sohn Johann (1296 - 1346), der uns weiter beschäftigen wird. Bereits in jungen Jahren hatte Johann seinen Vater bei seinen Reisen begleitet. Einige Zeit hatte er auch in Paris verbracht, Französisch war seine Muttersprache, er hatte dort auch studiert. „Er galt als die Verkörperung des Ritterideals seiner Zeit und war ein berühmter Turnierheld.“ (wikipedia) Nachdem sein Vater 1308 zum König gewählt worden war, übergab dieser dem zwölfjährigen Johann die Grafschaft Luxemburg.
Eine Allianz mit Böhmen - Die Hochzeit in der Pfalz
Ein Jahr später nahm ein böhmische Oppositionsgruppe mit Heinrich VIII. Kontakt auf, weil sie mit der Wahl Heinrichs von Kärnten als König von Böhmen nicht einverstanden waren. König Heinrich entzog dem Kärntener das Lehen und belehnte damit am 30. August 1310 in der Komturei Heimbach vor versammelten deutschen Fürsten seinen Sohn Johann mit dem Königreich Böhmen. Verschiedene Urkunden mit anderen Inhalten, auf denen das gleiche Datum angegeben ist, wurden in Heimbach ausgehandelt. Zur Verstärkung der politischen Ansprüche erfolgte am 1. September 1310 im Speyerer Dom die Vermählung mit der böhmischen Prinzessin Elisabeth (1292 - 1330), Tochter des verstorbenen böhmisch-polnischen Königs Wenzel II. Sie wird als Persönlichkeit mit übertriebenem Selbstbewusstsein und als launisch und hitzköpfig beschrieben. Ein Jahr zuvor war sie vom Königshof geflüchtet, um einer anderen arrangierten Hochzeit zu entfliehen. Zusammen mit der böhmischen Opposition hatte die 18-jährige nach einem passenden Ehegatten gesucht, der bald in dem Luxemburger gefunden worden war. Dass die beiden 5- und 6jährigen Schwestern Johanns zusammen mit ihrer Mutter bei den Hochzeitsvorbereitungen und der Hochzeit in Speyer neben den zahlreichen Gästen aus dem ganzen Reich dabei waren, können wir uns sehr gut vorstellen. Die Vorfeiern in Heimbach und die Heirat im Dom müssen prunkvolle Feste gewesen sein.
Im September 2010 fand zur 700jährigen Feier der Eheschließung zwischen Johann, dem Sohn Kaiser Heinrichs VII., und Elisabeth von Böhmen in Zeiskam und Speyer ein mehrtägiges mittelalterliches Fest statt. Dieses Ereignis wurde vom damaligen Kulturverein „Kaiserhochzeit anno 1310“ organisiert. Ein Höhepunkt des Festes war die Inszenierung der Hochzeit in Speyer mit einem Brautzug, einem Stationentheater mit historischen Darstellungen. Im Dom wurde die mehrstimmige Messe „La messe de Notre Dame“, komponiert von dem Minnesänger und Dichter Guillaume de Machaut, aufgeführt. Das fest endete mit Musikdarbietungen, Theater, Tänzen und Reiterspielen neben dem Dom. Allerdings war die Bezeichnung „Kaiserhochzeit“ irreführend, denn es waren in Wirklichkeit nur der Vater, aber auch der spätere Sohn des Bräutigams deutsche Kaiser.
Europäische Politik im Hochmittelalter
Ende Oktober 1310 überschritt Vater Heinrich die Alpen, um die Verhältnisse in Italien zu stärken, sein Sohn Johann blieb als Reichsvikar zurück. Lange hatte Heinrich VII. sein Kaisertums nicht genießen können. Er starb 16 Monate nach seiner Krönung im Alter von 35 Jahren 1313 bei Siena in Italien und wurde im Dom von Pisa beigesetzt. Seine Frau Margarete war genauso alt bereits zwei Jahre zuvor verstorben. In Böhmen hatte sich Heinrich von Kärnten, der mit der älteren Schwester Elisabeths verheiratet war, durch seine Politik sehr unbeliebt gemacht, sogar ein Bürgerkrieg hatte gedroht. Der 14-jährige Johann, neuernannter böhmischer Herrscher, zog mit seiner Frau Elisabeth (böhmisch: Eliška P?emyslovna) und einem Truppenkontingent nach Böhmen, um seine Ansprüche auf den Thron geltend zu machen. Nach mehreren Kämpfen wurde Heinrich von Kärnten besiegt. Am 7. Februar 1311 wurde das neue Königspaar in der Prager Burg gekrönt.
Königliches Familienleben
Es wird vermutet, dass die beiden in Prag in den ersten zehn Ehejahren im Haus zur steinernen Glocke am Altstädter Ring gewohnt hat. Die Prager Burg war nach einem Brand im Jahr 1303 wenig repräsentativ. Die repräsentative Ausschmückung des Hauses weist auf eine Nutzung als Palast für die königliche Familie hin. Durch das Läuten der Glocke der ehemaligen Spitalskirche als Zeichen soll es Johann nach zuvor erfolgloser Belagerung gelungen sein, in Prag einzudringen und seinen Schwager mit Frau zu vertreiben. Die Regentschaft des Paares war geprägt von unterschiedlichen Ansichten. Mit manchem war Elisabeth nicht einverstanden und stellte sich gegen ihren Mann. Ihre Charaktere und ihre politischen Ziele unterschieden sich. Das Paar war mit sieben Kindern gesegnet, von denen fünf das Erwachsenenalter erreichten. Zwischendurch war Elisabeth sogar vor ihrem Mann nach Bayern ins Exil geflohen, wohl zu ihrer ältesten Tochter, die mit dem Herzog von Niederbayern verheiratet war. Zurück in Böhmen lebte sie, getrennt von ihrem Mann, der in Europa seinen Verpflichtungen nachging, in völliger Einsamkeit. Ihre Kinder waren weit weg, eine Tochter war Herzogin der Normandie, eine weiter war Gräfin von Tirol geworden, und die jüngste fungierte als Herzogin von Österreich. Sohn Wenzel, der später den Namen Karl IV. (1316 - 1378) trug, wurde zu einem der einflussreichsten europäischen Herrscher seiner Zeit, römisch-deutscher König, König von Böhmen, Italien und Burgund und schließlich ab 1355 römisch-deutscher Kaiser. Er zählt zu den bedeutendsten Kaisern des Spätmittelalters. Elisabeth von Böhmen starb 1330 mit 38 Jahren. Aus zweiter Ehe hatte Johann einen weiteren Sohn, Wenzel (1337 - 1383), Graf und herzog von Luxemburg. Übrigens hatte Johann zudem einen unehelichen Sohn, Nikolaus von Luxemburg (1322 - 1358), dem eine kirchliche Karriere als Patriarch von Aquileia vorbehalten war, und der seinen Halbbruder Karl IV. in dessen Italienpolitik unterstützte. Die Mutter von Nikolaus ist unbekannt.
Erblindung und Tod Johanns
Johann selbst war kaum in Böhmen, während er in verschiedene Konflikte in Mitteleuropa involviert war. Er versuchte eine geschickte Ausgleichspolitik zwischen den verfeindeten Kaiser Ludwig IV. („der Bayer“) und Papst Johannes XXII. und unterhielt freundschaftliche Beziehungen zum französischen Hof. 1337 war Johann aufgrund einer Erbkrankheit erblindet, was ihm den Beinamen „der Blinde“ eintrug. Trotzdem führte er noch teilweise militärische Kommandos.
1346, dem Beginn des Hundertjährigen Krieges, tobte bei Crécy im heutigen Département Somme eine Schlacht zwischen Eduard III. von England und Philipp VI. von Frankreich. Der Franzose wurde unterstützt von seinem Jugendfreund Johann von Luxemburg und dessen Sohn Karl IV. Der körperlich eingeschränkte Johann kam dabei ums Leben. Der Legende nach soll der Prince of Wales Edward of Woodstock an den Toten heran getreten sein mit den Worten: „Hier liegt der Fürst der Ritterlichkeit, aber er wird nicht sterben.“
In seinem Herkunftsland Luxemburg gilt Johann wegen seiner militärischen Erfolge und seinem Beitrag zur politischen und kulturellen Entwicklung als Nationalheld.
Johann als Romanfigur
Der Zeiskamer Klaus Sütterlin hat nach intensiven Recherchen zur Person von Johann von Luxemburg und Böhmen 2003 einen fiktiven Roman zu dem beschriebenen mittelalterlichen Geschehen geschrieben, dessen Teil der Ereignisse in der ehemaligen Johanniterkomturei auf der Zeiskamer Gemarkung ihren Ausgang nahmen und die zur Errichtung eines gotischen Bogens auf historischer Stätte geführt hat.
(Karl Guth, Hartwig Humbert, Zeiskam, 2025)
Quellen
- Akten des Landesarchivs Speyer Bestand D 57 / D 58 / D 59
Internet
komturei-heimbach.jimdofree.com: Geschichte erleben und zum anfassen! (abgerufen 23.06.2026)
www.johanniter.de: Johanniterorden in Rheinland-Pfalz - Der Johanniter-Ritterorden (abgerufen 23.06.2026)
www.malteser.de: Deutsche Assoziation des Souveränen Malteser-Ritterordens (abgerufen 23.06.2026)
deutsch.radio.cz: Historienspiel zur böhmischen Geschichte: Kaiserhochzeit 1310 in Speyer und Zeiskam (abgerufen 23.06.2026)
deutsch.radio.cz: Johann von Böhmen: Vor 700 Jahren kamen die Luxemburger nach Prag (abgerufen 23.06.2026)
deutsch.radio.cz: Haus zur steinernen Glocke: Willkommen bei den „Luxemburgern“ (abgerufen 23.06.2026)