Lage und Gebäudebeschreibung
Geschichte des Gebäudekomplexes und seiner Bewohner: Burgstraße 2
Geschichte des Gebäudekomplexes und seiner Bewohner: Burgstraße 4
Kulturdenkmal
Quellen
Lage und Gebäudebeschreibung
Vom Beginn der Burgstraße aus betrachtet, zeigt sich rechterhand ein zusammenhängender Gebäudekomplex in geschlossener Bauweise. Er besteht aus mehreren unmittelbar aneinandergebauten Gebäudeteilen mit teilweise unterschiedlichen Traufhöhen. Trotz leicht variierender Fassadenfarbtöne ergibt sich insgesamt ein geschlossenes und harmonisches Straßenbild.
Das rechte Hauptgebäude (Burgstraße 2) besteht aus einem vierachsigen Wohnhaus mit einem links anschließenden, leicht nach vorne versetzten Gebäudeteil, der im Erdgeschoss eine Garage und im Obergeschoss einen Wohnraum aufnimmt. Das Gebäude verfügt über ein dunkel gedecktes Satteldach und ist traufständig zur Burgstraße ausgerichtet. Der zur Hauptstraße hin orientierte Giebel ist asymmetrisch ausgebildet; die Fensteranordnung deutet auf einen früheren Anbau im linken Bereich hin. Die drei rechten Fensterachsen der Fassade – wobei die linke im Erdgeschoss die Haustüre enthält – liegen dichter beieinander als die etwas abgesetzte linke Achse.
Das links dominierende Gebäude ist ein zweigeschossiges Wohnhaus (Burgstraße 4) mit ausgebautem Dachgeschoss. Es besitzt ein traufständiges Satteldach mit kleinformatiger Deckung, aus dem zwei Schleppgauben hervortreten. Die hell verputzte Fassade ist ruhig gegliedert und weist rechteckige Fensteröffnungen in drei Achsen auf. Im Erdgeschoss befindet sich in der rechten Achse die Haustüre.
Links daran schließt ein schmaler ehemaliger Stall mit darüberliegendem Schuppen an. Dieser Gebäudeteil verfügt über ein nach hinten abfallendes Pultdach; der Giebel ist im unteren Bereich verputzt und im oberen Teil mit vertikaler Holzverschalung verkleidet. Rechts an das Wohnhaus grenzt ein weiteres Gebäude, das in Geschossigkeit, Dachform und Traufhöhe weitgehend angepasst ist. Charakteristisch ist hier das großzügige, rundbogig gefasste Scheunentor auf der rechten Seite, dessen Schlussstein die Jahreszahl 1837 trägt. Zwischen Wohnhaus und Scheune befindet sich ein ehemaliger Stall mit Tür und Fenster. Dieser gesamte Wirtschaftsteil weist im Obergeschoss zwei schmale Lüftungsöffnungen auf.
Geschichte des Gebäudekomplexes und seiner Bewohner: Burgstraße 2
Der Standort des heutigen Gebäudes Burgstraße 2 wird in einem historischen Plan der Burg- und Schlossanlage in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts als „Platz vor dem großen Tor“ bezeichnet. Vermutlich in den 1810er Jahren hat der aus dem Oberkailer Schangen-Haus (Standort heute zu Kuhberg 1 gehörig) stammende Matthias Kohl (1788-1870) zusammen mit seiner Ehefrau Maria Anna Kuhn (1792-1822) das Grundstück von Michael Feltes oder dessen Witwe Anna Maria Kuhn, der ältesten Schwester von Maria Anna Kuhn, erworben. Darauf errichteten die beiden ein kleines Haus, das den Kern des heutigen Hauses Burgstraße 2 bildet (vermutlich die drei rechten Fensterachsen). Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Matthias Kohl die aus Drohn stammende Katharina Lenart oder Leonhards (um 1793-1869). Mit ihr errichtete er ausweislich der Jahreszahl am Scheunentor 1837 Stall (Garage und linke Fensterachse von Burgstraße 2) und Scheune (heute zu Burgstraße 4 gehörig) links von seinem Haus. Möglicherweise wurden 1837 bei der Errichtung des linken Giebels dieses Ökonomiegebäudes (heute zwischen Wohnhaus Burgstraße 4 und ehemaligem Stall gelegen) Mauerreste der abgerissenen Nordfassade der ehemaligen Burg mitbenutzt. Hinweise liefern die Mauerdicke und die Lage dieses Giebels in der Verlängerung der Fassade des Pooten-Hauses Burgstraße 5. An der Stelle des heutigen Hauses Burgstraße 4 samt dem davor liegenden Hofraum befanden sich im Jahre 1811 die ehemaligen Schweineställe, die damals an den Gendarmen Jean Baptiste Desruelles verkauft wurden, spätestens 1828 aber abgerissen waren. Auch dieses unbebaute Grundstück befand sich damals im Besitz von Matthias Kohl. Dieser wird in den Prozessakten der Oberkailer Einwohner um die Nutzungsrechte am Wald in den Jahren 1835-40 als Besitzer eines sogenannten Beihauses geführt. In den 1850er oder frühen 1860er Jahren muss dann das heutige Haus Burgstraße 4 links an die Ökonomiegebäude angebaut worden sein. Zwei Töchter von Matthias Kohl teilten die mittig liegenden Ökonomiegebäude entlang der heute noch vorhandenen Grenze und bewohnten jeweils mit ihrer Familie eines der Wohnhäuser.
Im Elternhaus (Burgstraße 2) blieb die Tochter aus erster Ehe, Magdalena Kohl (1820-95), zusammen mit ihrem aus dem Oberkailer Schangentheis-Haus (Kuhberg 12) stammenden Ehemann Nikolaus Leischen (1824-1910). Im Jahre 1880 wird deren 1851 geborener Sohn Matthias Leischen als Eigentümer geführt, nach dem Tod der Mutter dann aber die Tochter Katharina Leischen (1856-1921). Sie war die Witwe von Peter Legener (1845-1881), der aus Fouhren bei Vianden in Luxemburg stammte. Die einzige Tochter dieses Ehepaares, Anna Legener (1880-1925), heiratete 1904 den Oberkailer Gerbereibesitzer Johann Baptist Paltzer und bewohnte mit diesem das Haus Hauptstraße 4. Ihr Elternhaus blieb bis nach dem Tod der Mutter in Familienbesitz. Im Gebäudeverzeichnis des Jahres 1910 wird es als Wohnhaus mit Backofen und Stall geführt.
Spätestens im Jahr 1928 taucht der aus Ingendorf stammende Schmied Johann Eppers (1890-1980) zusammen mit seiner aus Fließem stammenden Ehefrau Elisabeth Zeihen (1896-1971) als Besitzer auf. Bereits in diesem Jahr führten sie Umbaumaßnahmen am Gebäude durch und richteten eine Schmiede neben dem Haus ein, die dann 1947 komplett neu errichtet wurde. Johann Eppers betrieb seine Schmiede bis in die 1960er Jahre hinein. Danach gab er den Betrieb auf. Josefina Maria Eppers, Tochter der Eheleute Eppers-Zeihen heiratete nach Badem und vermietete ihr Elternhaus nach deren Tod. Das Schmiedegebäude wurde abgerissen, wodurch die heutige kleine Freifläche oberhalb des Giebels entstand.
Heute gehört das Haus dem aus Oberkail stammenden Tobias Filke, der es mit seiner Familie bewohnt.
Geschichte des Gebäudekomplexes und seiner Bewohner: Burgstraße 4
Das heutige Haus Burgstraße 4 wurde um 1860 von Katharina Kohl (1831-1903), Tochter aus zweiter Ehe von Matthias Kohl, und ihrem aus Bettingen stammenden Ehemann Johann Schneider (1823-1884) an die vorhandene Scheune und Stall angebaut. Im Jahr 1894 waren deren ältester Sohn Matthias Schneider (1857-1918) und die jüngste Tochter Anna Maria Schneider (1873-1951) im Verhältnis 13 zu 1 Besitzer des Anwesens, ab 1897 dann Matthias Schneider allein. Er war seit 1887 mit Katharina Gerten (1862-1900) aus Spang verheiratet. Das Ehepaar lebte hauptsächlich von der Landwirtschaft. Im Gebäudebuch aus dem Jahr 1910 wird Matthias Schneider als Ackerer geführt. Sein Besitz bestand damals aus „Wohnhaus und Abort, Scheune mit Stall, Schweinestall und Holzschuppen“, also dem heute noch vorhandenen Gebäudebestand.
1931, zwölf Jahre nach dem Tod des Vaters, ist Wendel Schneider (1889-1970) Besitzer des Anwesens. Er wird 1938 mit den Berufsbezeichnungen „Sägewerksarbeiter und Landwirt“ genannt. Seit 1922 war er mit Rosina Engländer (1898-1971) aus Trarbach verheiratet. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Das Haus übernahm nach dem Tod seiner Eltern der Sohn Josef Matthias Schneider.
In den 1980er Jahren lebte Wendels Kleincousine, die Witwe Maria Raap, geborene Antony in dem Haus; um die Jahrtausendwende Rudi Kalle, ein Enkel von Wendelin Schneider, Sohn von Hedwig Kalle geb. Schneider. Heute gehört es ebenfalls einem Enkel von Wendel Schneider: Stefan Schneider, Sohn von Josef Matthias Schneider.
Kulturdenkmal
Das Haus Burgstraße 4 in Oberkail wird als Bestandteil der ehemaligen Burganlage im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Eifelkreis Bitburg-Prüm (Stand Juni 2025) geführt. Der Eintrag lautet: „Burgstraße 4-18, 20, Bitburger Straße 3, Haupichgasse 1 und 3; ehem. gräflich Manderscheidsche Burg Kail (Denkmalzone);
um 1340 Ausbau des Hofes zur Wasserburg, ab 1809 tlw. abgebrochen und parzelliert; bauliche Reste der ehem. Vierflügelanlage, im Wesentlichen 17. Jh. (1625) und um 1700, tlw. Umbau zu Quereinhäusern, 19. und frühes 20. Jh.“
(Jörg Kreutz, Oberkailer Zeitspuren e.V. - geschichtlicher Verein der Ortsgemeinde Oberkail, 2025)
Quellen
- LHAK, Außenstelle Kobern-Gondorf: Bestände 734-1104, 736-2291 und 736-3427.
- Kreisarchiv Bitburg: Akten des Standesamtes Oberkail.
- Pfarrarchiv Oberkail und Bistumsarchiv Trier: Kirchenbücher der Pfarrei Oberkail.