Stolpersteine zur Erinnerung an Dellheim Fritz, Maria, Ruth, Harry und Isolde in Mutterstadt

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Mutterstadt
Kreis(e): Rhein-Pfalz-Kreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 26′ 51,73″ N: 8° 21′ 19,21″ O 49,4477°N: 8,35534°O
Koordinate UTM 32.453.271,96 m: 5.477.426,35 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.453.328,60 m: 5.479.178,31 m
  • Stolpersteine Fritz, Maria, Ruth, Harry und Isolde Dellheim

    Stolpersteine Fritz, Maria, Ruth, Harry und Isolde Dellheim

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    Gemeindearchiv Mutterstadt, Michael Hemberger
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    Michael Hemberger
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  • Fritz Dellheim im Rahmen

    Fritz Dellheim im Rahmen

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  • Fritz Dellheim Pferdehandlung

    Fritz Dellheim Pferdehandlung

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  • Jüdisches Leben in der Pfalz

    Jüdisches Leben in der Pfalz

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Fritz (Friedrich) Dellheim (*22.07.1898, Mutterstadt - †18.04.1951, Ludwigshafen am Rhein) und Maria (Marie Margarethe) geb. Weißbrod (*20.01.1904, Ludwigshafen am Rhein - †19.10.1986, Ludwigshafen am Rhein) heirateten am 03.06.1922 in Ludwigshafen am Rhein. Maria war katholisch und Fritz jüdisch - die Ehe galt als „Mischehe“, ab September 1935 war eine solche Ehe wegen „Blutschande“ strafbar.
Das Paar bekam drei Kinder, die katholisch getauft wurden: Edith Ruth (*18.11.1922, Mutterstadt - †18.11.2020, Mutterstadt), Harry Fritz (*19.07.1930, Mutterstadt - †28.09.1958, München) und Isolde Maria (*17.01.1939, Ludwigshafen).
Fritz Dellheim war im Jahr 1932, neben Ludwig Leopold Löb (1. Vorsteher) und Bernhard Löb (2. Vorsteher), 3. Vorsteher der jüdischen Gemeinde.
Reich war die Familie nicht, der Vater übte nach den Unterlagen des Gemeindearchivs verschiedene Berufe aus. Zuweilen wurde er als Kaufmann bezeichnet, dann als Pferdehändler, als Arbeiter, Kraftfahrer und Verwalter einer Sandgrube. In einem Gutachten vom 15. Mai 1945 an den Landrat des Landkreises Ludwigshafen wird erwähnt, dass Fritz Dellheim schon vor 1933 in „armen Verhältnissen“ lebte. 1937 zog die Familie nach Ludwigshafen in die Seydlitzstraße, Familie Weißbrod lebte dort, und 1941 nach Maudach.
Im Juni 1938 wurde Maria Dellheim vom Amtsgericht Ludwigshafen wegen „Beleidigung“ zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Sie hatte erzählt, dass sie sich stundenlang in ihrer Wohnung mit einem Polizeibeamten „wunderbar“ unterhalten habe, woraufhin sie jemand denunzierte. Als Ehefrau eines Juden machte sie den Polizeibeamten „verächtlich“ und würdigte ihn in der öffentlichen Meinung herab.
Nur wenige Monate später war es laut Bürgermeister Heinrich Hartmann der nationalsozialistische Schwiegervater, der Fritz Dellheim für „dachaureif“ erklärte und hinbrachte, denn die Ehe zwischen ihm und Maria war nicht erwünscht. Als Schutzhäftling-Nr. 25582 wurde er am 13.11.1938 in das KZ Dachau eingewiesen. Sechs bis acht Wochen später wurde er entlassen.
Von der Deportation nach Gurs blieb die Familie durch die katholische Mutter verschont. Die Kinder wurden von den Nazis als „Halbjuden“ eingestuft. Fritz Dellheim wurde seit 1940 mehrmals von der Familie Unold in einem Erdloch auf ihrem Grundstück vor den Nazis versteckt. Kurz vor Kriegsende, ab März 1945, sollten auch „Halbjuden“ in ein KZ kommen. Die ganze Familie floh in Richtung Edenkoben, den amerikanischen Truppen entgegen. - Sie überlebte. Harry Dellheim war begeisterter Pferdesportler, 1958 verunglückt er tödlich bei einem Jagdrennen in München Riem.
Ruth Dellheim heiratete im Jahr 1947 Rudi Külbs und führte mit ihm zusammen bis 1989 in der Friedensstraße die Pension RUTH. Sie starb am 18. November 2020 im Alter von 98 Jahren. Von der Stolpersteine-Aktion wusste sie und war sehr daran interessiert, genauso wie sie Zeit ihres Lebens bei der Aufarbeitung der jüdischen Geschichte Mutterstadts und der nationalsozialistischen Verbrechen mitgewirkt hat.

(Zusammengestellt von Christina Wolf, Gemeindearchiv Mutterstadt, 2023)

Internet
www.mutterstadt.de Schicksale Fritz, Maria, Ruth, Harry und Isolde Dellheim (abgerufen 09.06.2026)
www.stolpersteine-guide.de (abgerufen 09.06.2026)
www.mutterstadt.de Zweite Verlegung von Stolpersteinen: Gedenken an Mutterstadter NS-Opfer (abgerufen 09.06.2026)
www.judeninmutterstadt.org Lebensrettung der Familie Dellheim (abgerufen 09.06.2026)

Literatur

Kukatzki, Bernhard (2006)
Jüdisches Leben in der Pfalz. S. 128. Erfurt.

Stolpersteine zur Erinnerung an Dellheim Fritz, Maria, Ruth, Harry und Isolde in Mutterstadt

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Friedensstraße 8
Ort
67112 Mutterstadt
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 2023

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Christina Wolf: „Stolpersteine zur Erinnerung an Dellheim Fritz, Maria, Ruth, Harry und Isolde in Mutterstadt”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360227 (Abgerufen: 17. Juni 2026)
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