Lage und Gebäudebeschreibung
Frühere Nutzung und Privatisierung durch die Familie Kerry
Die neue Besitzerfamilie Baierschen prägt das Haus seit 1848
Ausgründung: Kiejers-Haus in der Hauptstraße 8
Ausgründung: Kaulen-Haus in der Kyllburger Straße 16
Kulturdenkmal
Quellen
Lage und Gebäudebeschreibung
Das Baierschen-Haus mit der Anschrift Burgstraße 6 liegt etwa zwölf Meter von der Burgstraße zurückgesetzt. Die Erschließung erfolgt über einen schmalen Weg, der zwischen dem Schreinisch-Haus und dem Nobers-Haus hindurchführt.
Das Gebäude präsentiert sich als zweigeschossiger, traufständiger Massivbau mit rechteckigem Grundriss und schlicht gegliederter Fassadengestaltung. Es wird von einem flach geneigten Satteldach mit leichtem Krüppelwalm und mit dunkel gedeckter Dachfläche abgeschlossen.
Die Fassaden sind verputzt und in einem einheitlichen hellen Farbton gehalten. Fenster- und Türöffnungen werden durch farblich abgesetzte Sandsteingewände gerahmt, die der ansonsten zurückhaltenden Gestaltung eine klare Gliederung verleihen. Die Fassadenstruktur folgt einer regelmäßigen Achsordnung mit hochrechteckig proportionierten Fensteröffnungen.
Die Fassade des ursprünglichen Wohnhauses weist eine symmetrische Grundordnung mit vier Achsen auf. Der Haupteingang ist in der dritten Achse von links angeordnet und durch eine schlichte Rahmung betont. Rechterhand schließt sich an das Wohnhaus ein ehemals landwirtschaftlich genutzter Stallbereich im gleichen Baukörper an. Im Erdgeschoss verweisen die heutige Nebeneingangstür sowie ein kleines, ehemaliges Stallfenster auf diese frühere Nutzung. Im Obergeschoss wurde vermutlich nachträglich ein Fenster im gleichen Format und in derselben horizontalen Flucht wie die Obergeschossfenster des Wohnhauses eingefügt.
Frühere Nutzung und Privatisierung durch die Familie Kerry
Spätestens mit dem Bau des neuen Schlosses um das Jahr 1700 wurde an diesem Standort eine Mühle eingerichtet. Möglicherweise bestand die Mühle jedoch bereits früher, da für das Jahr 1698 schon die Flurbezeichnung „Alte Mühle“ am weiteren Verlauf des Kailbaches – etwa im Bereich der heutigen Kläranlage – überliefert ist. Dies deutet darauf hin, dass zu diesem Zeitpunkt bereits eine neue Mühle im Bereich der Burganlage existierte. Der Mühlengraben zweigte am Ochsenbach vom Kailbach ab und verlief zwischen Kailbach und der heutigen Neustraße durch den sogenannten „Päsch“. Von dort führte er hinter den Anwesen Gehänen, Müllers und Dieders (Kyllburger Straße 4 und 2 sowie Hauptstraße 1) entlang, querte die Dorfstraße, umrundete das heutige Anwesen Hehnisch (Hauptstraße 2) und erreichte schließlich hinter dem heutigen Haus Burgstraße 6 das Mühlrad. Nach dem Durchlauf der Mühle wurde das Wasser über einen unterirdischen Kanal quer durch den Burghof zurück in den Kailbach geleitet.
Auf einem gezeichneten Plan der Burg- und Schlossanlage aus den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts ist am Standort des heutigen Hauses Burgstraße 6 der Vermerk „Moulin et Brasserie“ eingetragen, was auf eine Nutzung als Mühle und Brauerei hinweist. In den Unterlagen der Versteigerungen, die Michael Feltes in den Jahren nach 1810 durchführen musste, wird das Gebäude als „Mühle und Sägewerk“ bezeichnet. Im Jahr 1811 wurde es auf den Namen von Michael Kerry beziehungsweise Kiry ersteigert.
Michael Kerry wurde 1766 im rheinhessischen Badenheim geboren und war spätestens ab dem Jahr 1800 als Gendarm des französischen Staates in Oberkail stationiert. Im November des gleichen Jahres heiratete er die zehn Jahre jüngere Maria Magdalena Theisen (auch Theis genannt). Sie war das dritte und zugleich jüngste Kind aus der ersten Ehe der Erbin des Krones-Hauses (Kyllburger Straße 3), Anna Maria Kohl.
Aus der Ehe Kerry-Theis gingen zwischen 1801 und 1810 fünf Kinder hervor, von denen eines im Jahr 1803 in Houffalize im heutigen Belgien geboren wurde, die übrigen in Oberkail. Michael Kerry verstarb im Februar 1818 als Gendarm in Saargemünd. Seine Ehefrau lebte noch knapp 36 Jahre als Witwe in Oberkail und ging keine zweite Ehe ein. Im preußischen Urkataster von 1828 wird sie als Eigentümerin des Anwesens Burgstraße 6 geführt: „Tiri, Kiri, Magdalena Wittib“. Zum Haus gehörte zu diesem Zeitpunkt auch die rückwärtige Grundstücksfläche bis zur heutigen Hauptstraße, die überwiegend als Hausgarten genutzt wurde.
Im Jahr 1836 kam es – noch zu Lebzeiten der Mutter – offenbar zu einer Erbteilung innerhalb der Familie Kerry, zumindest zwischen den beiden ältesten Söhnen. Der dritte Sohn, Johann Kerry (1805–1871), war zu diesem Zeitpunkt bereits in das Kiewelhansen-Haus (Bitburger Straße 16) eingeheiratet. Die 1807 geborene Tochter Maria Katharina Kerry lebte vermutlich noch im Elternhaus; sie heiratete erst zwei Jahre später und verstarb wahrscheinlich in Zendscheid.
Das Haus am Standort Burgstraße 6 sowie der angrenzende Teil des Gartens fielen dem zweitältesten Sohn, dem Schneidermeister Johann Baptist Kerry (1803–1856), zu. Er war mit der aus Röhl stammenden Luzia Kraehlingen (1802–1851) verheiratet. Der älteste Sohn, Adam Kerry (geb. 1801), und seine zwei Jahre jüngere, aus Gindorf stammende Ehefrau Katharina Probst errichteten hingegen auf dem zur Hauptstraße hin gelegenen Teil des Gartens das heutige Haus Hauptstraße 8, das – in abgewandelter Form – bis heute den Familiennamen Kerry trägt (Kiejers).
Johann Baptist Kerry und Luzia Kraehlingen scheinen jedoch nur kurze Zeit in dem Haus an der Burgstraße 6 gewohnt zu haben, denn bereits 1848 erscheint mit Jakob Baierschen ein neuer Eigentümer in den Grundbüchern. In welchem Anwesen die Eheleute Kerry-Kraehlingen in den letzten drei beziehungsweise acht Lebensjahren lebten, lässt sich bislang nicht klären. Ihre Kinder waren zum Zeitpunkt des Eigentümerwechsels im Jahr 1848 zwischen sechs und fünfzehn Jahre alt.
Die neue Besitzerfamilie Baierschen prägt das Haus seit 1848
Jakob Baierschen (1806–1867) stammte aus dem sogenannten Kiewelhilger-Haus, das heute nicht mehr erhalten ist und sich linksseitig des Hauses Bitburger Straße 14 befand. Seit 1833 war er mit Veronika Schmitt (1809–1884) aus dem Flips- beziehungsweise neuen Philipps-Haus verheiratet. Gemeinsam mit Veronikas Bruder Leonhard Schmitt, dessen Familie sowie den Eltern lebte das Ehepaar in dem kleinen Haus, das ebenfalls nicht mehr besteht, jedoch bis in die 1980er Jahre in der Schulstraße 2 stand. Der Erwerb des Hauses in der Burgstraße von Johann Baptist Kerry stellte für die Familie Baierschen-Schmitt daher eine deutliche Verbesserung der Wohnverhältnisse dar.
Der Sohn Leonhard Baierschen (1841–1912) nahm als Artillerist am Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 teil und war zudem Veteran des Preußisch-Österreichischen Krieges von 1866. Im Jahr 1867 heiratete er Luzia Binsfeld (1846–1913), die vom Hof Mulbach stammte. Das Ehepaar lebte im Elternhaus Leonhard Baierschens, das dieser nach dem Tod seiner Eltern auch grundbuchrechtlich übernahm.
Beim Großbrand des Jahres 1895 wurde das Gebäude bis auf die Grundmauern zerstört. Kurz darauf ließ Leonhard Baierschen das heutige Haus errichten. Die Inschrift am Türsturz nennt seine Initialen sowie das Baujahr: „18=LB=95“.
Im Gebäudebuch von 1910 wird als Besitz des Ackerers Leonhard Baierschen ein Wohnhaus mit Backofen und Abort sowie Schweineställen aufgeführt; zudem werden auf der Nachbarparzelle eine Scheune, eine Stallung und ein Holzschuppen genannt. Nach dem Tod Leonhard Baierschens weist das Grundbuch seine beiden Söhne, die Ackerer Matthias Baierschen (1888–1946) und Johann Baierschen (1890–1964), als neue Eigentümer aus. Nach dem Tod des unverheirateten Matthias wurde Johann Baierschen alleiniger Besitzer. Er war mit Margaretha Mertes (1894–1960) aus Gondorf verheiratet; in einer Liste des Jahres 1938 ist sein Beruf mit „Werkmeister“ angegeben.
Nach dem Tod der Eltern übernahm die Tochter Luzia Baierschen (1921–2008) das elterliche Anwesen. Sie war seit 1947 mit Josef Konrad (1912–1999) aus Minderlittgen verheiratet. Die kinderlose Luzia Konrad war im Ort unter den Namen „Baierschens Luz“ oder – nach dem Hausnamen ihrer Urgroßmutter – auch als „Philippsen Luz“ bekannt.
Nach ihrem Tod veräußerten die Erben das Haus an die Familie Brosche, (2010) die das Gebäude sach- und fachgerecht restaurierte und es seither vermietet.
Ausgründung: Kiejers-Haus in der Hauptstraße 8
Infolge der zuvor beschriebenen Aufteilung des Gartengrundstücks zwischen den beiden Brüdern Kerry errichtete der Schneidermeister Adam Kerry (auch Kiry genannt) um das Jahr 1840 auf seinem Grundstücksteil ein Wohnhaus. Dieses ist bis heute nach ihm als Kiejers-Haus bekannt. Adam Kerry war seit 1828 mit Katharina Probst aus Gindorf verheiratet. Der jüngste Sohn des Ehepaares, Michael Kerry, wanderte im Jahr 1867 kurz vor dem Antritt seiner Militärzeit nach Nordamerika aus. Die von ihm aus der neuen Heimat nach Oberkail gesandten Briefe müssen eine positive Resonanz ausgelöst haben, denn wenig später stellte auch Adam Kerry einen Antrag auf Genehmigung zur Auswanderung. In der Antwort auf eine Anfrage des Amtsbürgermeisters formulierte der Landrat: „Ich stelle der Regierung anheim, ob die Consens-Erteilung an den Vater Adam Kerry von der Bedingung abhängig zu machen sei, daß dieser sich bereit erklärt, einen Betrag von 50 Taler, zu welchem der ausgetretene Sohn voraussichtlich verurteilt werden wird, bei der Steuerkasse von Oberkail zu deponieren.“
Der Besitz Adam Kerrys wird in diesem Zusammenhang mit einem Wohnhaus nebst Scheune und Stall sowie 17 Morgen Land angegeben und auf einen Wert von 2.300 Talern geschätzt. Aufgrund dieses Vermögens konnte die geforderte Summe offenbar hinterlegt werden, sodass die Genehmigung zur Ausreise erteilt wurde. Bereits im Jahr 1868 folgten Michaels Eltern sowie drei seiner Geschwister dem Sohn beziehungsweise Bruder nach Illinois. Das Anwesen in Oberkail wurde anschließend veräußert.
Im Grundbuch des Jahres 1869 erscheint Adam I. Kohl (1835–1915) als neuer Eigentümer. Er stammte aus dem älteren Philipps-Haus und war in zweiter Ehe mit Susanna Lichter (1838–1915) verheiratet. Die beiden aus dieser Ehe hervorgegangenen Söhne, Martin Kohl (1878–1943, ledig) und Peter Kohl (1880–1971, verheiratet mit Margaretha Weber (1887–1956)), wurden ab dem Jahr 1908 zu gleichen Teilen Eigentümer von Haus und Hof.
Im Gebäudebestand des Jahres 1910 werden ein Wohnhaus mit Backofen und Abort sowie Scheune, Stallungen und ein Holzschuppen aufgeführt. Der Besitz ging später an die Tochter Katharina Kohl (1913–1995) und deren Ehemann Ludwig Lenz (1904–1985) aus der Burgstraße 15 über. In ihrem Haushalt lebte auch Elise Kohl (1917–1995), Kriegerwitwe des Karl Frank. Heute wird das Gebäude von Peter Lenz, dem Sohn der Eheleute Lenz-Kohl, als Ferienhaus für die Familie genutzt.
Ausgründung: Kaulen-Haus in der Kyllburger Straße 16
Am Standort des heutigen Hauses „in der Kaul“ mit der Anschrift Kyllburger Straße 16 besaß im Jahr 1828 die Witwe Magdalena Kerry beziehungsweise Kiri aus der Burg eine Gartenfläche. Diese stammte möglicherweise aus ihrem elterlichen Erbe aus dem Krones-Haus (Kyllburger Straße 3). Im Jahr 1845 ließ sie auf diesem Grundstück ein kleines Wohnhaus errichten, das den Kern des heutigen Gebäudes bildet. Vermutlich bewohnte sie dieses Häuschen allein.
Nach ihrem Tod erwarb Matthias Antony, geboren 1811 im Bänisch-Haus in der Kirchstraße 4, das sogenannte Kaulen-Haus. Er war mit Klara Kohl (1824–1887) aus dem späteren Eppers-Haus (Burgstraße 2) verheiratet. Auf Matthias Antony folgte sein Sohn Peter Antony (1857–1940), der mit Anna Maria Großmann (1857–1933) aus Preist verheiratet war. Dessen Sohn Theodor Antony (1898–1945), Ehemann von Katharina Biel (1897–1985) aus Neroth, übernahm das Anwesen in der nächsten Generation.
Im Jahr 1956 ging das Haus in den Besitz des ältesten noch lebenden Sohnes Johann Peter Antony (1927–2006) über. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Susanna Glück (1928–2009) errichtete er um 1960 ein neues Wohnhaus in der Kailbachstraße 1, in das das Ehepaar zusammen mit der Mutter übersiedelte.
Das Haus in der Kaul wurde daraufhin an Josef Nosbisch und seine Ehefrau Maria Eppers verkauft. Nach dem Tod ihres Mannes bewohnte Maria Nosbisch, geborene Eppers, das Anwesen allein. Später ging es in den Besitz der Familie Freier über. Heute wird das Haus von der Familie Lindner bewohnt.
Kulturdenkmal
Das Oberkailer Baierschens-Haus wird als Bestandteil der ehemaligen Burganlage im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Eifelkreis Bitburg-Prüm (Stand Juni 2025) geführt. Der Eintrag lautet: „Burgstraße 4-18, 20, Bitburger Straße 3, Haupichgasse 1 und 3 Ehem. Gräflich Manderscheidsche Burg Kail (Denkmalzone)
um 1340 Ausbau des Hofes zur Wasserburg, ab 1809 tlw. abgebrochen und parzelliert; bauliche Reste der ehem. Vierflügelanlage, im Wesentlichen 17. Jh. (1625) und um 1700, tlw. Umbau zu Quereinhäusern, 19. und frühes 20. Jh.“.
(Jörg Kreutz, Oberkailer Zeitspuren e.V. - geschichtlicher Verein der Ortsgemeinde Oberkail, 2026)
Quellen
- Kreisarchiv Bitburg: Akten des Standesamtes Oberkail.
- LHAK, Außenstelle Kobern-Gondorf: Bestände 734-1104, 736-2291 und 736-3427
- Pfarrarchiv Oberkail und Bistumsarchiv Trier: Kirchenbücher der Pfarrei Oberkail