Beschreibung
Das Gebäude befand sich in der Scheidterstraße 12. Es handelte sich um ein Wohnhaus mit zugehöriger Werkstatt. Das Haus wurde nach einem Brand neu errichtet und diente der Familie Gunzenhäuser (auch Gunzendörfer) als Wohnsitz. Über bauliche Details hinausgehende Angaben sind nicht überliefert.
Geschichte
Julius Gunzenhäuser (geb. 1858, † 1927) erwarb das Haus im Jahr 1916 von Heinrich Weller. Das ursprüngliche Gebäude fiel einem Brand zum Opfer und wurde von Julius Gunzenhäuser neu aufgebaut. Nach seinem Tod ging das Anwesen an seinen Sohn Arnold Gunzenhäuser (geb. 7. November 1892 in Hamm) über. Dieser lebte dort gemeinsam mit seiner Ehefrau Julie Gunzenhäuser, geb. Steinberg (geb. 7. Oktober 1896 in Berleburg). In zeitgenössischen Unterlagen erscheint der Familienname teilweise auch in der Schreibweise Gunzendorfer, was auf unterschiedliche Überlieferungen zurückzuführen ist.
Während des Novemberpogroms 1938 wurden die Fensterscheiben des Hauses eingeworfen. Die Familie musste mit ansehen, wie das Inventar und persönliche Gegenstände in den Hof geworfen wurden. Am 25. November 1938 meldete sich die Familie Gunzenhäuser in Hamm ab und zog nach Köln. Von dort aus verkauften Arnold und Julie Gunzenhäuser im Jahr 1941 das Haus mit der zugehörigen Werkstatt an den Schlosser Robert Kleinschmidt und dessen Ehefrau Elisabeth Kleinschmidt.
Ebenfalls 1941 wurden Arnold und Julie Gunzenhäuser von Köln aus in das Ghetto Lodz/Litzmannstadt deportiert. Arnold Gunzenhäuser wurde dort am 6. Mai 1944 ermordet. Seine Ehefrau Julie wurde weiter in das Vernichtungslager Chelmno/Kulmhof deportiert und ebenfalls 1944 ermordet.
Bedeutung
Das Haus Arnold Gunzenhäuser besitzt hohe orts- und zeitgeschichtliche Bedeutung. Es steht für jüdisches Wohnen und Arbeiten in Hamm sowie für die Gewalt, Entrechtung und Vernichtung jüdischer Familien während der nationalsozialistischen Herrschaft. Die Überlieferung des Gebäudes ist eng mit den Ereignissen des Novemberpogroms, der Emigration und der Deportationen verbunden.
Zeitliche Einordnung
- 1916: Erwerb des Hauses durch Julius Gunzenhäuser und Neubau nach Brand
- 1927: Übergang an Arnold Gunzenhäuser
- November 1938: Zerstörungen im Zuge des Pogroms
- 25.11.1938: Abmeldung und Wegzug der Familie nach Köln
- 1941: Verkauf des Hauses; Deportation der Familie
- 1944: Ermordung von Arnold und Julie Gunzenhäuser
Redaktioneller Hinweis
Der Beitrag behandelt ein Gebäude mit hoher erinnerungskultureller Relevanz. Abweichende Namensschreibungen (Gunzenhäuser / Gunzendörfer) werden quellenkritisch dokumentiert. Begriffe und Zitate aus der Zeit des Nationalsozialismus werden ausschließlich in historischer Distanz verwendet.
(Arbeitsgruppe jüdisches Gedenken der Ortsgemeinde Hamm und die Tourist-Information der Verbandsgemeinde Hamm, 2025)
Quellen
- Kataster- und Kaufunterlagen Hamm.
- Personenstands- und Melderegister Hamm.
- Deportationslisten Köln – Lodz/Litzmannstadt – Chelmno/Kulmhof.
- Ortsgeschichtliche Forschungen zur jüdischen Gemeinde Hamm.