Ruinen der ehemaligen Hindenburgbrücke bei Bingen/Rüdesheim

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bingen am Rhein (Rheinland-Pfalz), Rüdesheim am Rhein
Kreis(e): Mainz-Bingen, Rheingau-Taunus-Kreis
Bundesland: Hessen, Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 58′ 10,21″ N: 7° 56′ 32,25″ O 49,9695°N: 7,94229°O
Koordinate UTM 32.424.150,00 m: 5.535.776,03 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.424.194,80 m: 5.537.550,97 m
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Die Hindenburgbrücke war eine monumentale Eisenbahnbrücke über den Rhein zwischen Bingen-Kempten und Rüdesheim, die zwischen 1913 und 1915 errichtet wurde. Ihr Bau stand in engem Zusammenhang mit der strategischen Eisenbahnpolitik des Deutschen Kaiserreichs vor dem Ersten Weltkrieg. Ziel war vor allem die Schaffung einer leistungsfähigen rechts- und linksrheinischen Verbindung zwischen den westdeutschen Industriegebieten, dem Rhein-Main-Raum und den Aufmarschgebieten in Richtung Frankreich. Die Brücke ersetzte ein seit 1861 bestehendes Eisenbahntrajekt zwischen Bingerbrück und Rüdesheim, bei dem Güterwagen mit Fähren über den Rhein transportiert wurden. Dieses Verfahren war angesichts des zunehmenden Güter- und Militärverkehrs zu langsam und technisch überholt.

Die Standortwahl erwies sich als schwierig, da die starke Strömung und das felsige Fahrwasser des Binger Lochs einen unmittelbaren Übergang bei Bingen erschwerten. Deshalb entschied man sich für eine weiter östlich gelegene Querung auf Höhe der Rüdesheimer Aue. Die Brücke verband die Nahetalbahn und die linksrheinischen Strecken mit der rechtsrheinischen Rheinstrecke und erhielt zusätzliche Zufahrtskurven bei Ockenheim und Münster-Sarmsheim. Die Finanzierung erfolgte überwiegend durch das Deutsche Reich, was die militärische Bedeutung des Projekts unterstreicht.

Konstruktiv handelte es sich um eine große Stahlbogenbrücke mit massiven Vorlandviadukten aus Naturstein und Beton. Die Gesamtanlage betrug 1175 Meter; davon entfielen rund 740 Meter auf die eigentliche Strombrücke über den Rhein. Die Zufahrten bestanden aus gemauerten beziehungsweise betonierten Gewölbebrücken, während der Hauptstrom durch eine Reihe großer stählerner Bogenfachwerkträger überspannt wurde. Charakteristisch war die damals moderne Kombination aus genieteten Stahlfachwerken und monumentalen Strompfeilern aus Basaltstein. Die Gleise lagen unterhalb der Stahlkonstruktion, wodurch die hohen Bogenbinder das Erscheinungsbild prägten. Mit ihrer technischen Monumentalität gehörte die Brücke zu jener Gruppe großer strategischer Rheinbrücken, zu denen auch die Ludendorff-Brücke bei Remagen und die Rheinbrücke bei Urmitz zählten.

Die Brücke wurde am 1. September 1915 in Betrieb genommen und diente zunächst fast ausschließlich militärischen Transporten des Ersten Weltkriegs. Erst später wurde sie teilweise für den zivilen Verkehr geöffnet. Nach Kriegsende besetzten französische Truppen das Rheinland und ließen die Gleiszwischenräume mit Holzbohlen auffüllen, so dass auch Fuhrwerke und Automobile die Brücke nutzen konnten. Fußgänger und Radfahrer konnten sie zeitweise ebenfalls passieren.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke mehrfach Ziel alliierter Luftangriffe. Die endgültige Zerstörung erfolgte jedoch im März 1945 durch deutsche Wehrmachtseinheiten beim Rückzug vor den vorrückenden amerikanischen Truppen. Nach dem Krieg verzichtete man wegen veränderter Verkehrsstrukturen und der hohen Wiederaufbaukosten auf einen Neubau. Heute sind nur noch einzelne Pfeilerreste, Vorlandbögen und Trümmerfelder erhalten. Sie bilden einen markanten Bestandteil der Kulturlandschaft des Oberen Mittelrheintals und zählen seit 2002 zum UNESCO-Welterbe. Die Ruinen verdeutlichen bis heute die Verbindung von Ingenieurbaukunst, Militärstrategie und Verkehrsgeschichte am Mittelrhein.

(Karl Peter Wiemer, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2026)

Internet
de.wikipedia.org: Hindenburgbrücke (abgerufen am 06.10.2026))
https://www.youtube.com: Video zur Brücke (abgerufen am 06.10.2026))
https://stadt-land-welt.eu: Seite zur Brücke (abgerufen am 06.10.2026))
https://www.youtube.com: Video zur Brücke gestern und heute (abgerufen am 06.10.2026))
https://www.bingen.de: Seite zur Hindenburgbrücke (abgerufen am 06.10.2026))
https://merkurist.de: Bericht zur Hindenburgbrücke (abgerufen am 06.10.2026))

Literatur

Schlieper, Hans (2009)
Eisenbahntrajekte über Rhein und Bodensee. Düsseldorf.

Ruinen der ehemaligen Hindenburgbrücke bei Bingen/Rüdesheim

Schlagwörter
Ort
Bingen, Rüdesheim
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Vor Ort Dokumentation
Historischer Zeitraum
Beginn 1913 bis 1915, Ende 1945

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Karl Peter Wiemer: „Ruinen der ehemaligen Hindenburgbrücke bei Bingen/Rüdesheim”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360183 (Abgerufen: 7. Oktober 2026)
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