Der Landauer Anzeiger schreibt unter dem 16. September 1884: „Daß sich unsere Landsleute in Amerika drüben oft großer Beliebtheit und bedeutenden Ansehens erfreuen, darüber gibt ein Artikel der in St. Louis erscheinenden ‚Tribune' von einem aus hiesiger Gemeinde im Jahr 1869 ausgewanderten Bürgerskinde wieder ein neues Zeugniß … Peter Herzog, der populäre Prinzipal der Blairschule, wurde zu Weihnachten 1846 in Zeiskam in der Rheinpfalz als Sohn eines Landmannes geboren …“ Wer war dieser Zeiskamer, der es zu einer solchen Berühmtheit gebracht hat, dass später sogar eine Schule nach ihm benannt wurde?
Herkunft und frühe Jahre in der Pfalz
Neubeginn in den Vereinigten Staaten
Die Blair-Schule: Ein Zentrum deutscher Bildung
Die letzten Jahre
Die Herzog Elementary School - ein bleibendes Vermächtnis
Quellen
Herkunft und frühe Jahre in der Pfalz
An Heiligabend 1846 muss die Freude in der Bauersfamilie von Johann Peter Herzog II. (1809 - 1870) und seiner Frau Barbara geb. Humbert (1811 - 1851) groß gewesen sein. Aber was mag bei diesen einfachen Leuten vorgegangen sein, als, wie wir annehmen können, eines Tages Lehrer Jakob Mees, auch ein geborener Zeiskamer, zu den Eltern in der Heidgasse Haus Nr. 31 (heute Hauptstraße Höhe Hausnr. 53) kam und ihnen sagte: „Lieber Peter, liebe Katrin, ihr müsst euren Jüngsten, den Peter, auf eine weitere Schule gehen lassen. Der Bub hat so viel Grips, das darf man nicht verkümmern lassen.“ Neben der Bestellung der Felder wird als Beruf des Vaters Webermeister, Bach- und Feldschütze angegeben. Fünf Kinder waren dem Paar zwar beschert worden, aber nur eine ältere Tochter und Peter hatten das kritische erste Lebensjahr überlebt.
Tatsächlich entdecken wir dann in den Archiven, dass der junge Mann mit 18 Jahren bereits die 1. Lehrerprüfung am evangelischen Lehrerseminar in Kaiserslautern ablegt, und zwar mit der Note II Sehr gut. Sein alter Lehrer holte ihn auch gleich für zwei Jahre als Schulverweser in den Heimatort, auch in Lachen soll er tätig gewesen sein. Zwei weitere Jahre hatte er die gleiche Beschäftigung in Obereisenbach, heute Ortsteil von Sankt Julian, Landkreis Kusel. Dort lernte er die zehn Jahre ältere Margaretha Klein kennen. Im Oktober 1869 finden wir ihn zusammen mit seiner zukünftigen Frau Margaretha auf der Schiffsliste der S.S. Holsatia auf dem Weg nach Amerika. Geheiratet wurde einen Monat später in St. Louis, Missouri.
Neubeginn in den Vereinigten Staaten
Der Landauer Anzeiger berichtet: „Im Jahre 1869, nachdem er sich inzwischen verheiratet hatte, wanderte er nach Amerika aus, und erhielt sofort eine Anstellung als Lehrer an der Gemeindeschule des Herrn Pastors Stark in St. Louis. Im Jahre 1872 wurde er deutscher Lehrer in der Clay-Schule. In den folgenden Jahren bereitete er sich durch eifriges Studium auf das Prinzipals-Examen vor, und nachdem er dasselbe mit Auszeichnung bestanden, wurde er im Jahre 1879 Prinzipal der Jackson-Schule. Seit dem Jahr 1881 ist Herr Herzog Prinzipal an der Blairschule, eine der größten und, wie allgemein bekannt, bestgeleiteten Schulen dieser Stadt.“
Die Bezeichnung ‚Prinzipal' ist ein veralteter Begriff für eine Leitungsfunktion, in diesem Fall für Peter Herzog als Schulleiter. Die Frank P. Blair-School, die erst 1881/82 errichtet und 1891 mit einem Kindergarten erweitert wurde,ist benannt nach Francis Preston Blair, einem populären Politiker Missouris und Brigadegeneral der Unionsarmee vor und während dem Bürgerkrieg. Die neue Schule hatte bereits bei der Eröffnung über 1000 Schülerinnen und Schüler, sie wurde beschrieben als „Stolz des Bezirks“ und als „im besten Stil erbaut. Insgesamt ist das Gebäude eines der schönsten, wenn nicht sogar das schönste Schulgebäude der Stadt.“ („the pride of the ward“ / „in the best style, altogether the building is one of the finest, if not the finest school building in the city.“)
Die Blair-Schule: Ein Zentrum deutscher Bildung
Der in St. Louis zuständige School Superintendent William Harris, von Herzog stolz als Busenfreund („bosom friend“) bezeichnet, betrachtete die Deutschen als die „kultiviertesten und zivilisiertesten Einwanderer, die in Scharen an unsere Küsten strömten“ („the most cultured and civilized immigrant that flocks to our shores“), und ermutigte sie, ihre ethnischen Bindungen zu pflegen. Er verteidigte lange den deutschen Lehrplan gegen die schrittweise englischsprachige Assimilation der öffentlichen Schulen. In fast jeder Schule in St- Louis wurde viele Jahre lang jeden Tag eine Stunde Deutsch unterrichtet.
Bis Ende der 1930er Jahre waren die Bewohner der Häuser rund um die Blair-Schule fast ausschließlich deutscher Herkunft. 1981 wurde die Blair School aufgrund des demographischen Wandels im Bezirk geschlossen, da es nur noch wenige Familien gab, die ihre Kinder dort zum Unterricht hätten schicken können.
Die letzten Jahre
The Cuba Review, die Zeitung in dem kleinen Ort Cuba im US-Bundesstaat Missouri, berichtet an Silvester 1908: „Her Premonition fullfilled. Mrs. Margaretha K. Herzog Dies Before Return of Husband.“ (Ihre Vorahnung erfüllte sich. Frau Margaretha K. Herzog stirbt vor der Rückkehr ihres Ehemanns). Die Ehefrau verstarb aufgrund einer schweren Lungenentzündung innerhalb von zwei Tagen am 26.12.1908 im Alter von 72 Jahren. Der umtriebige Peter Herzog, damals noch immer Direktor der Blair-Schule, war zu diesem Zeitpunkt zusammen mit einigen Lehrerkollegen über den Atlantik gereist, um mehrere englische und deutsche Schulen zu besuchen und von den dortigen Schulsystemen Impulse für Nordamerika mitzubringen. Seine Frau war bei seiner Abreise noch bei bester Gesundheit und erkrankte tatsächlich erst am Donnerstag. Peter Herzog war 1900 wieder in Deutschland und reiste am 25.08.1900 mit dem Schiff S.S. Deutschland von Hamburg zurück nach Southampton, New York. Eine erneute Schiffsreise ist vom vom 19. bis 31.08.1911 von Hamburg nach New York nachzuweisen.
Im Juni 1925 meldeten die Lokalzeitungen schließlich, dass auch Peter Herzog, „Teacher of Three Generations“ und 40 Jahre lang Leiter der Blair School, im Alter von 78 Jahren aufgrund einer seit einer Woche bestehenden Verdauungsstörung verstorben sei. Mit 75 hatte er noch einmal eine Reise nach Deutschland gemacht und für ein Jahr an der Universität in Heidelberg Psychologie- und Philosophie-Studien betrieben. Nach seiner Rückkehr, so beschreibt es sein Nachruf, blieb er seinen Gewohnheiten treu und studierte und las, oft bis tief in die Nacht, englische und französische Literatur. Bereits der Landauer Anzeiger hatte 1884 berichtet: „Herr Herzog genießt den Ruf kolossaler Belesenheit und gilt als einer der gründlichsten Kenner der deutschen, englischen und französischen Literatur. … Durch sein biederes offenes Wesen und einen allzeit schlagfertigen Humor erfreut sich Herr Herzog in allen Kreisen seiner außerordentlichen Beliebtheit.“
Die Herzog Elementary School - ein bleibendes Vermächtnis
Heute trägt eine öffentliche Grundschule in St. Louis Herzogs Namen. Die Herzog Elementary School liegt inmitten der Großstadt und hat 216 Schülerinnen und Schüler. Sie alle stammen aus wirtschaftlich benachteiligten Familien. Die Lehrkräfte sehen ihren Auftrag darin, erfolgreiche und mitfühlende Schülerinnen und Schüler in einem Umfeld zu fördern, das die sozialen, emotionalen, physischen und intellektuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes berücksichtigt
(Hartwig Humbert, Historisches Komitee Zeiskam, 2026)
Quellen
Die für diesen Beitrag genutzten Daten stammen aus:
- Landauer Anzeiger vom 16. September 1884 (Archiv: Peter Herzog)
Internet
mdz-nbn-resolving.de: Königlich-bayerisches Kreisamtsblatt der Pfalz Nr. 56 vom 19.9.1865 (abgerufen 27.05.2026)
www.digitale-sammlungen.de: Königlich-bayerisches Kreisamtsblatt der Pfalz Nr. 18 vom 25.3.1869 (abgerufen 27.05.2026)
en.wikisource.org: The Cuba Review. Cuba, Missouri (USA), 31.12.1908 (abgerufen 27.05.2026)
www.historic-structures.com: Frank P. Blair School, St. Louis Missouri (abgerufen 27.05.2026)