Örtlichkeit und Denkmal
Biographisches
Vielseitig interessiert und musikvernarrt
Zur Musik: Das Alzer Lied
Der Komponist und Texter: Wilhelm Diehl (1905-1946)
Quellen
Örtlichkeit und Denkmal
Prominent, im Zentrum der Stadt am Fischmarkt steht als südliche Platzbegrenzung der Renaissancebau des alten Rathauses. Dieses war mehr als 400 Jahre der Sitz der bürgerlichen Vertretung und das Verwaltungszentrum der Stadt. 1990, mit dem Umzug in das heutige Gebäude in der Ernst-Ludwig-Straße, wurde der Amtssitz der Stadtverwaltung und ihres Vorstehers aufgegeben. Der dreigeschossige, massive Renaissancebau mit einem Walmdach weist eine klare Sandsteingliederung und überwiegend Zwillingsfenster auf. Der dreiseitig über der Traufe polygonal vortretende Treppenturm von vier Geschossen mit einer Spindeltreppe im Inneren ist nach links versetzt. Den Abschluss bildet eine welsche Haube mit Unterbau, beides ist verschiefert. Das Turmportal mit gebrochenem Sturz, Überstabungsprofil und 1960 erneuertem Gesims trägt eine in Latein und Griechisch, den Gelehrtensprachen der Zeit, verfasste Inschrift zur Grundsteinlegung.
Das „alte Rathaus“ wurde 1586/87 an der Stelle eines 1427 und 1494 genannten Vorgängerbaus vermutlich mit Erdgeschosshalle und Außentreppe erbaut. Die Errichtung des repräsentativen Putzbaus unterstützte Kurfürst Ludwig IV. durch das Zurverfügungstellen von Baumaterial (Steine des aufgelassenen Klosters Weidas bei Dautenheim und 50 Eichenstämme aus dem Vorholz), durch Zollbefreiungen für Holztransporte und nicht zuletzt durch befristete Zuweisungen von Einnahmen). An den Bauarbeiten waren „welsche“ (d.h. italienische) Maurer beteiligt. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde das Rathaus beschädigt und 1699 wieder hergestellt. Mehrere Renovierungen (Steinaustausch) erfolgten im 20. Jahrhundert „Das reichste Renaissance-Rathaus Rheinhessens“ ist in der Anlage dem untergegangenen Südbau des Alzeyer Schlosses von 1546 vergleichbar. Als Ausdruck des städtischen Selbstbewusstseins ist es für die Lokalgeschichte von herausragender Bedeutung. (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland 2014, S. 104)
Biographisches
Walter Zuber wurde am 11. Juni 1943 in Alzey geboren. Am 25. Juni 2014 verstarb er in Mainz. Der Erstgeborene von sechs Kindern wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, die seinen schulischen Werdegang beeinflussen sollten. Da die Familie das erhobene Schulgeld für den Besuch des Gymnasiums nicht weiter bezahlen konnte, kehrte er zurück in die Volksschule. Im Anschluss besuchter er die Städtische Handelsschule in Mainz, die er mit der Mittleren Reife beendete. Es folgte eine Ausbildung zum Verwaltungsangestellten in Mainz und Tätigkeiten im öffentlichen Dienst, zuletzt bei der Stadtverwaltung Mainz, wo er der persönliche Referent des legendären OB Jockel Fuchs war. 1971-82 und 1996-2008 war Zuber Abgeordneter für die SPD im rheinland-pfälzischen Landtag. In den Jahren 1982 bis Juni 1990, die er als die schönsten seines Lebens bezeichnete, hatte er das Amt des Bürgermeisters der Stadt Alzey inne. Sein besonderes Augenmerk galt dem Ausbau der städtischen Kultureinrichtungen und -angebote. Konkret hieß dies Stärkung des Museums Alzey, Gründung der Kunstgalerie im Burggrafiat, Förderung einzelner Künstler und Einführung des Elisabeth-Langgässer-Literaturpreises. Von Juli 1990 bis Mai 1991 war er Landrat des Landkreises Bad Kreuznach, darauf bis Februar 2005 Minister des Innern und für Sport des Landes Rheinland-Pfalz (Alzeyer Zeitung vom 24.02.2001).
Vielseitig interessiert und musikvernarrt
Walter Zuber war vielseitig interessiert und engagierte sich schon in der Jugend ehrenamtlich, so u. a. als Kindergottesdiensthelfer in der Ev. Kirchengemeinde Alzey, später als Vorsitzender des Kreisjugendrings, dem er in den Jahren 1965-79 als Vertreter der Evangelischen Jugend angehörte. Früh auch war er schon politisch aktiv. 1960 bis 1971 bei den Jungsozialisten. Nach dem Eintritt in die SPD 1963 gehörte er ab 1964 verschiedenen Gremien auf lokaler Ebene sowie auf Kreis-, Landes- und schließlich auch auf Bundesebene an. Neben diesem Engagement pflegte er allerlei Hobbys wie den Fußball (Mitglied des 1. FC Kaiserslautern ab 1960) und das Sammeln von Ersttagsbriefen, Orangenpapieren (im Kindesalter) und von Kunst (Gemälde, Grafiken).
Vor allem aber liebte Walter Zuber die Musik, die Literatur und das Theater. „Er bevorzugte insbesondere Vorstellungen mit Opern und Operetten. Zu seinen Lieblingskünstler*innen zählten Rudolf Schock, Vico Torriani, Peter Alexander, Johannes Heesters, Udo Jürgens, Reinhard Mey, Hildegard Knef, das Ensemble Chantal, Michael Heltau, Jürgen von Manger, Fritz Muliar, Helmut Qualtinger, Georg Kreisler.“ (Zuber 2023)
Nicht anders als dem sangesfreudigen Vater, Walter Zuber Senior, war auch dem Sohn das Singen gewissermaßen in die Wiege gelegt. Wenn auch der Vater an Heiligabend die „erste Geige“ beim Familiengesang spielte (laut Michael Zuber), so schlüpfte der Junior gerne in die Rolle des potentiellen Opernsängers, der im privaten Umfeld oder im Weinberg sang aber auch die öffentliche Bühne nicht scheute (siehe Abbildung in der Mediengalerie). Gelegenheiten dazu boten Festlichkeiten und insbesondere Fastnachtsveranstaltungen der Alzeyer Carnevalsgesellschaft (ACG). Deren gesanglichen Höhepunkt und den Abschluss bildete traditionsgemäß das „Alzeyer Lied“ gesungen von den ACG-Sängern, denen Walter Zuber seit den 1960er Jahren angehörte (siehe Abbildung in der Mediengalerie). Über den Moment der Gesangsdarbietung hinaus ging Walter Zuber 1980. Zugunsten der Errichtung einer Altentagesstätte in Alzey nahm er zusammen mit den ACG-Sängern und dem Landespolizeiorchester die Alzey-Hymne für eine Single auf. Das von Herbert Ziegler überarbeitete „Alzer Lied“ aus der Feder von Wilhelm Diehl erschien auf der Vorderseite der Single. Die Rückseite füllte die von Elfie Reitz gesungene Hommage an „Volker von Alzey“ (Text und Musik von Ziegler). Das Plattencover wich von einem zunächst vorgesehenen Entwurf Doris Seibel-Tauschers in Comic-Manier, um den Walter Zuber sie gebeten hatte, und mit dem die Single in der Allgemeinen Zeitung (AZ) zunächst angekündigt worden war, deutlich ab. Bereits 1978 hatte diese eine Illustrierung des Alzeyer Liedes angefertigt (siehe Abbildungen in der Mediengalerie). Weitere Fahrt nahmen die öffentlichen Gesangsauftritte Walter Zubers in seiner Amtszeit als Bürgermeister auf. Seine Intonationen des Alzeyer Liedes wurden ebenso zum festen Bestandteil der Winzerfesteröffnung. Aber auch andere Gelegenheiten sich als Sänger zu präsentieren, wusste er stets zu nutzen. „Das 'Südwestfunk-Radio' gastiert mit der Sendung 'Auf der Walz durch die Pfalz' in der Stadthalle. Der Bürgermeister singt das Alzeyer Lied“, heißt es 1984 dementsprechend in der Chronik der Stadt (Daniel o.J., S. 80). 1990 erschien eine zweite Single: „Li(e)benswertes Alzey“. Walter Zuber singt neue Lieder von Richard Malo. Parallel zum beruflichen Werdegang verlief die Gesangskarriere. Der singende Bürgermeister mauserte sich zum singenden Landrat und schließlich singenden Innenminister, dem die Süddeutsche Zeitung eine Glosse nach seinem Auftritt in der Fastnachtsveranstaltung des rheinland-pfälzischen Landtags an Altweiberfastnacht Anfang der 1990er Jahre widmete.
Zur Musik: Das Alzer Lied
Zum Paradestück der Zuberschen Gesangsdarbietungen avancierte zweifelsohne das Alzer (später auch oft Alzeyer) Lied. Bei diesem handelt es sich um ein typisches Heimatlied und Bekenntnis, das die Verbundenheit und Liebe zur Stadt zum Ausdruck bringt. Der Bezug wird insbesondere durch Dialektanteile (lewe, Gläsche, Näsche …) und die Nennung der Flurnamen bekannter Weinbergslagen hergestellt. Text und Melodie stammen von Wilhelm Diehl, der es Anfang der 1930er Jahre schrieb. Zum ersten Mal soll das „Alzer Lied“ bei einer der Fastnachtssitzungen der ACG im Gründungsjahr 1937 gesungen worden sein. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde es durch das Winzerfest bekannt. Beim Winzerfest 1938 galt es bereits als „das bekannte Alzeyer Lied“. Das im Dreivierteltakt gehaltene Lied mit seinem schnell zu erfassenden Refrain ist zugleich ein Schunkellied, das für gute Stimmung sorgt. Aber auch weitere von Walter Zuber gesungene Lieder entsprachen dem Typus des Heimatliedes. Sie alle sind Liebeserklärungen an seine Vaterstadt resultierend aus einer gewissen Sentimentalität, die expressis verbis in dem Titel „In Alzey möchte ich immer sein“ zum Ausdruck kommt.
Der Komponist und Texter: Wilhelm Diehl (1905-1946)
Der Komponist und Texter des „Alzer Liedes“ wurde in Heimersheim als Sohn eines Land- und Gastwirts geboren. Bereits in früher Jugend offenbarten sich bei Wilhelm Diehl Begabung und Neigung für die Musik. Er lernte Klavier, Geige und Trompete. Nach der Mittleren Reife konnte er mit finanzieller Unterstützung der Verwandtschaft in Mainz das Konservatorium besuchen. Seit 1931 war Wilhelm Diehl überzeugtes Mitglied der nationalsozialistischen Bewegung; war sowohl in der SA, wo er Führer von Musikzügen war, als auch in der Partei aktiv. Nach Hitlers Machtübernahme fasste er dort auch beruflich Fuß. Er war „Kreiswart“ („Kreis-Hauptstellenleiter“) einer Unterorganisation der „Deutschen Arbeitsfront“, der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“. Daneben betreute er weiterhin SA-Musikzüge, gab Instrumentalunterricht für Kinder, leitete zahlreiche Gesangvereine im Alzeyer Land und war aktives Mitglied in einigen Alzeyer Vereinen. So war er 1937 Gründungsmitglied der ACG. Bei einer der Fastnachtssitzungen im Gründungsjahr soll das Anfang der 1930er Jahre geschriebene „Alzer Lied“ zum ersten Mal gesungen worden sein. Wilhelm Diehl war mit Dora Mußkopf verheiratet und hatte eine Tochter. Mit gerade 41 Jahren verstarb er im März 1946 in Kriegsgefangenschaft. (Diehl 2013)
(Eva Heller-Karneth, Alzey, 2025 / freundliche Hinweise von Frau Doris Seibel-Tauscher und Herrn Michael Zuber)
Quellen
- Michael Zuber, Lebenslauf Walter Zuber; Ms, 2023
- Kirsten Strasser, Treblin und Brandt waren seine Vorbilder, in: Alzeyer Zeitung (AZ), Beitrag vom 24.02.2001
- Museum Alzey, Das Alzeyer Lied, 2013
- Museum Alzey, Wilhelm Diehl, 2013
Internet
de.wikipedia.org: Walter Zuber (abgerufen 22.04.2026)
web.archive.org: Trauer um den früheren rheinland-pfälzischen Innenminister Walter Zuber (abgerufen November 2025, Link nicht mehr verfügbar 22.04.2026)