Brunnenskulptur
Zur Darstellung Volkers von Alzey
Das Nibelungenlied und Volker von Alzey
Die Fidel
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Brunnenskulptur
Max, so der Name des mächtigen Bronze-Pferdes, steht an der Tränke des Rossmarktes. Sein Reiter, der Nibelungenheld Volker von Alzey, hat sich unter das Volk gemischt. Die Fidel auf der einen Seite, ein Wappenschild mit der Bezeichnung Volker von Alzey und der Fidel, das Instrument des musizierenden Ritters auf der anderen Seite, verweisen auf den abwesenden Besitzer.
Zur Darstellung Volkers von Alzey
Eine bildliche Vorstellung Volkers, die der Roßmarktbrunnen nicht vermittelt, verschafft eine Spielfigur, die sich sechsmal am Tag am benachbarten Fischmarkt zeigt. Zusammen mit einem Glockenspiel ist der fidelnde Volker in der Glockenstube auf dem Treppenturm des alten Rathauses untergebracht. 1986 hatte der Altstadtverein Alzey, der auch schon das Glockenspiel finanzierte, die Figur aus Lindenholz der Stadt anlässlich des Geburtstages „400 Jahre Rathaus Alzey“ geschenkt. Gleichfalls auf dem Fischmarkt findet sich am sog. Deutschen Haus eine weitere Darstellung Volkers. Unter einem Erkerüberbau zur Spießgasse hin hat seit 1902 der „Volker-Brunnen“ seinen Platz. Er entstand auf Initiative des Verschönerungsvereins nach einem Entwurf des Alzeyer Stadtbaumeisters Schmitt und zeigt ein Relief mit der „Nachtwache“ Volkers und Hagens.
Das Nibelungenlied und Volker von Alzey
Das um 1200 von einem unbekannten Dichter verfasste Nibelungenlied greift mündlich überlieferte Ereignisse aus der Völkerwanderungszeit (4. - 6. Jh. n. Chr.) auf und handelt von Liebe, Intrigen und Mord im Umfeld des Wormser Königshofs und dem Untergang der Burgunden. Der Zahl der überlieferten schriftlichen Zeugnisse nach gehörte das Nibelungenlied zu den verbreitetsten und bekanntesten Werken der deutschen Dichtung des Mittelalters. Und Volker von Alzey zählte dadurch zu den prominenten literarischen Gestalten des Mittelalters. Über das Nibelungenlied fand er Eingang in weitere mittelalterliche Heldenepen. Das gilt für die der Mehrzahl der Nibelungenliedhandschriften beigefügte „Klage“ ebenso wie für den „Großen Rosengarten“ (bzw. „Rosengarten zu Worms“), das „Waltherepos“, die „Thidrekssaga“ oder die Dietrichsepen „Dietrichs Flucht“ und „Rabenschlacht“.
Mit Alzey in Verbindung gebracht wird Volker nur in der ersten der insgesamt 39 „Aventiuren“ des Nibelungenliedes. Sie ist auch die einzige Stelle, die diesen Zusammenhang herstellt. Vorgestellt wird Volker hier als Teil der höfischen Gesellschaft des burgundischen Königshofes in Worms. Im Gegensatz zu den anderen Hofangehörigen, die entweder in ihrer verwandtschaftlichen Beziehung oder mit ihren (Hof-) Ämtern vorgestellt werden, bleibt sein Status jedoch unklar. Allein in Bezug auf seinen mannhaften Mut, seine Stärke wird er charakterisiert. Auch später bleibt sein sozialer Stand unbestimmt. Er erscheint als wichtiger Vasall am Hof der Burgunden, der selbst über zahlreiche Lehnsmannen verfügt. Ob er jedoch dem edelfreien Adel oder der Ministerialität, d.h. ursprünglich unfreien Dienstleuten, zugehört, bleibt offen.
Explizit wird Volker hingegen in der Rolle des Ritters dargestellt: als bewaffneter Kämpfer zu Pferd, der zugleich geprägt ist von einem idealisierten Kanon an Werten und Regeln höfischen Ursprungs. Volker gilt geradezu als „verhöflichter Krieger“ und damit als „der modische Ritter comme il faut“. Ambivalente, spannungsreiche Züge gewinnt Volker als literarische Gestalt aber nicht nur dadurch, dass er Eigenschaften des heldenhaften Kriegers und formvollendeten Höflings in sich vereint. Volker verkörpert zudem den kunstverliebten Spielmann, der als Sänger und Fidelspieler in Szene gesetzt wird.
Den Fidelbogen schwingt Volker so gewandt wie das Schwert. Er tritt als Sänger und Fidler, als kluger Redner, und Liebling der Frauen ebenso in Erscheinung wie als tapferer Kämpfer und Provokateur. Nicht zuletzt zeigt sich Volker als Mann von extremer, gleichsam archaischer Brutalität. Die besondere Bedeutung Volkers im Nibelungenlied resultiert jedoch aus seiner unverbrüchlichen Waffenbrüderschaft und Freundschaft zu Hagen von Tronje, in der die bis in den Tod führende „Nibelungentreue“ aufscheint. Trotz der literarischen Formgebung ist das Nibelungenlied in sangbaren vierzeiligen Strophen gehalten. Obgleich Melodie und Rhythmus unbekannt sind, gab und gibt es Versuche, eine gesungene Form zu rekonstruieren. So bewältigte der österreichische Konzertsänger Eberhard Kummer, begleitet von der Schoßharfe, das Gesamtwerk in fünf Aufführungen zu jeweils sechs Stunden im sog. Hildebrandston und spielte es auch komplett ein.
Die Fidel
Volkers Instrument, die Fidel, ist seit dem Mittelalter bekannt und zählt neben Harfe und Flöte zu den wichtigsten Musikinstrumenten dieser Epoche. Vom 12. bis zum 15. Jahrhundert reichte die Zeit ihrer Blüte. Die Töne dieses Streichinstruments werden durch das Streichen eines Bogens über die Saiten erzeugt. Fidel und Fidelbogen, der die Fidel zum Streichinstrument macht, gehören untrennbar zusammen. Erste Nachweise von Fidelbögen im europäischen Raum stammen aus dem 10. Jahrhundert.
Die Fidel wurde ursprünglich aus einem Holzblock herausgearbeitet und der ausgehöhlte Körper mit einer Decke verschlossen. Seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert ging man dazu über, Fideln aus Einzelteilen zusammenzufügen. So bestand der Fidelkorpus nunmehr aus Boden, Decke und Zargen. Verbunden war damit eine bessere Resonanz.
Bevorzugt verwendete man zur Herstellung von Fideln die Hölzer einheimischer Bäume. Für den Deckel empfahl z.B. Konrad von Megenberg (1350) die Weichhölzer von Tanne und Fichte. Als Saitenmaterial dienten im europäischen Raum vor allem Schafsdärme. Die hölzernen Fidelbogen waren mit Rosshaar bespannt.
Sehr unterschiedlich war die Form der Fidel. Es gab spatenförmige, birnenförmige, keulenförmige, achtförmige und ovale Fideln. Bei manchen Fideln gingen Körper und Hals ineinander über, bei manchen waren Hals und Körper deutlich abgesetzt. Die Zahl der Saiten, mit denen die Fidel bespannt wurde, reichte von drei bis fünf Saiten. Manche Fideln hatten Schalllöcher, manche keine. Auch gespielt wurde das Instrument unterschiedlich: auf dem Arm, ähnlich wie eine Geige, ebenso wie auf dem Schoß.
Die Variabilität der mittelalterlichen Fideln zeigen auch die Wappendarstellungen der Herren von Alzey. Dieses verzweigte Alzeyer Ministerialen- bzw. Niederadelsgeschlecht führte seit der Mitte des 13. Jahrhunderts die Fidel im Wappen. Deswegen gab es immer wieder auch Versuche, wenn auch ohne Erfolg, im Umfeld dieses Familienverbandes einen historisch fassbaren Volker namhaft zu machen.
(Rainer Karneth, Alzey, 2025)
Internet
www.alzey.de: Der Rossmarktbrunnen (abgerufen 03.02.2026)
www.regionalgeschichte.net: Der Alzeyer Rossmarkt (abgerufen 03.02.2026)