Rendsburg war seit 1845 mit der Bahn von Altona aus zu erreichen, Husum seit 1854 von Flensburg aus. Nach der Übernahme der Herzogtümer Schleswig und Holstein durch das preußische Königreich 1866 hatte die Preußische Staatsbahn die Aufsicht über die Eisenbahnen im heutigen Schleswig-Holstein. Nach der Verstaatlichung der privaten Bahngesellschaften im späten 19. Jahrhundert baute und betrieb sie auch Erschließungsbahnen der ländlichen Regionen. Es wurden daher zahlreiche Querbahnen zwischen den drei Nord-Süd-Bahnen errichtet (im Westen die Marschbahn von Altona nach Westerland, zentral die Verbindung von Altona nach Flensburg und im Osten der Kaiserbahn von Berlin nach Kiel und Flensburg).
Als jüngste dieser Verbindungen wurde am 1. September 1910 die Strecke von Rendsburg über Erfde nach Husum eröffnet. Die Züge fuhren in der Regel durchgehend von Kiel nach Husum, 1914 waren es sechs durchgehende Zugpaare (darunter ein Eilzug) sowie drei weitere Zugpaare auf Teilstrecken.
Hauptzweck der Bahn war die Erschließung der ländlichen Regionen zum Transport der dort erzeugten landwirtschaftlichen Güter und zum Transport von Vieh, Kohlen und Dünger. Zudem gab es die kurze Verbindung der beiden Hafenstädte Kiel und Husum, auch für militärische Zwecke.
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An der Bedienung im Personenverkehr änderte sich in den 1930er Jahren wenig, es gab 1938 sieben Zugpaare zwischen Kiel und Husum sowie weitere auf Teilstrecken. Im Zweiten Weltkrieg kam es zu keinen größeren Beschädigungen an der Bahnstrecke, 1946 fuhr ein Zugpaar von Kiel nach Husum und ein weiteres von Rendsburg nach Husum.Nach Gründung der Deutschen Bundesbahn 1949 wurde der Verkehr auf der Strecke verdichtet, seit Mitte der 1950er Jahre wurden vorwiegend Schienenbusse der Baureihe VT 98 (798) eingesetzt. Zwischen Husum und Rendsburg fuhren 1957 acht Zugpaare, davon fünf mit Schienenbussen. Der letzte Fahrplan von 1974 wies zehn Zugpaare auf, davon drei Eilzüge durchgehend nach Kiel.
Die Strecke diente zeitweise als Umleitungsstrecke für die Marschbahn, falls die dortige Eiderbrücke nicht genutzt werden konnte. In diesem Zusammenhang erneuerte man in den 1960er Jahren zwischen Husum und Büdeldorf noch einmal die Gleisanlagen und nahm Sanierungen von Brücken vor. Da die Deutsche Bundesbahn jedoch unter der autozentrierten Politik der damaligen Zeit aufgefordert war, Nebenstrecken stillzulegen, erfolgte die Einstellung des Personenverkehrs zwischen Husum und Rendsburg zum Fahrplanwechsel am 25. Mai 1974. Ein weiterer Grund könnten die schwierigen Bodenverhältnisse im Mittelteil der Strecke gewesen sein. Hier liegen großflächig moorige Böden vor, die den Erhalt der Trasse sehr aufwendig machen. Die durchgehenden Züge zwischen Kiel und Husum fahren seitdem den zwölf Kilometer langen Umweg über Jübek.
Im Güterverkehr lief die Bedienung weiter, lediglich der Abschnitt zwischen Hohn und Erfde wurde ebenfalls 1974 eingestellt. 1988 folgten die Strecken zwischen Fockbek und Hohn sowie von Erfde nach Schwabstedt. Der Teil zwischen Mildstedt und Schwabstedt folgte 1989, der von Husum nach Mildstedt 1993. Zuletzt gab man den Abschnitt zwischen Fockbek und Fockbek Industriegebiet auf (nach Arndt 2026).
Bedient wird nur noch der Abschnitt bei Rendsburg bis Fockbek. Er dient als Anschlussstrecke zum Betriebswerk Rendsburg der Stadler Rail AG. Ihn kaufte die Stadt Rendsburg 2008, den Betrieb übernahm die AKN Eisenbahn GmbH (Altona-Kaltenkirchen-Neumünsterer Eisenbahn) 2021. Seit Jahren gibt es Überlegungen, das Gleis auch für den innerstädtischen Personenverkehr in Rendsburg zu nutzen und die in Rendsburg wendenden Züge aus Kiel in deren Wendepause bis nach Fockbek fahren zu lassen.
Zwischen Stapel und Rendsburg wurden fünf längere Abschnitte als Randwanderwege eingerichtet, davon rund 20 Kilometer auf der ehemaligen Bahntrasse.
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BetriebsstellenDie Strecke weist eine Länge von rund 50 Kilometern auf. Die Streckenkilometrierung beginnt in Rendsburg.
(Bf = Bahnhof, Hp = Haltepunkt; jeweils aktuelle bzw. letzte Bezeichnung)
Bahnkilometer | Name |
0,0 | Bf Rendsburg (seit 1869, Verbindung nach Altona) |
0,3 | Bf Büdelsdorf (seit 1854, Verbindung nach Flensburg) |
3,0 | Güterbahnhof Rendsburg-Seemühlen (seit 2024 Anschluss Bahnbetriebswerk Rendsburg) |
4,3 | Bf Fockbek |
7,4 | Hp Garlbek (seit 1914/1937) |
10,7 | Bf Hohn |
17,4 | Bf Christiansholm |
23,0 | Bf Erfde |
- | Querung der Schleswiger Kreisbahn (1905-1934) |
31,0 | Bf Norderstapel |
36,4 | Bf Schwabstedt |
42,3 | Bf Rantrum |
45,9 | Bf Mildstedt |
49,9 | Bf Husum (seit 1854, Verbindungen nach Altona, Westerland, Tönning, Flensburg und Schleswig, Jübek) |
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(Claus Weber, Redaktion KuLaDig, 2026)Hinweise
Die Strecke wurde von der historischen Deutschen Grundkarte abgezeichnet. Es kann daher zu Abweichungen zu modernen Karten kommen.
Quellen
Christoph Carl Arndt, Rendsburg - Hohn - Husum (1): Ein Streckenportrait von 1989-2017 in 3 Teilen (mit zahlreichen Bildern. Teil 3 online www.drehscheibe-online.de, abgerufen 12.4.2026)
Internet
de.wikipedia.org: Bahnstrecke Rendsburg - Husum (abgerufen 14.4.2026)
www.eisenbahn-nord.de: Bilder der Strecke Rendsburg - Husum (abgerufen 14.4.2026)
www.achim-bartoschek.de: Bahntrassenradeln, Abschnitt SH 1.07 Stapel - Rendsburg (abgerufen 14.4.2026)