Beschreibung
Die Villa befand sich an der Kölner Straße (heute Siegstraße) und hob sich durch ihre Größe und Gestaltung deutlich von der umliegenden Bebauung ab. Auf historischen Fotografien ist rechts neben der Villa das Haus von Elias Elias zu erkennen. Der Bau wurde im Ortsbild früh als „Villa Herz“ bezeichnet.
Geschichte
Moritz Herz ließ das Gebäude in den Jahren 1920 bis 1921 errichten. Der Pferdehandel verblieb in seinem Haus Siegstraße 30. Am 14.10.1926 verstarb Moritz Herz und wurde unter großer Beteiligung der Hammer Bevölkerung zu Grabe getragen. Der Sarg wurde vom Kriegerverein getragen, Schützenbrüder und ein Spielmannszug gaben ihm das letzte Geleit. Die Frauen gingen nur mit bis zum Masselbach in der Schützenstraße - denn das fließende Wasser durften sie nicht überschreiten. Zuvor hatte er im gleichen Jahr sein Anwesen an die Hammer Vereinsbank verkauft. Ob er sich bei dem Bau übernommen hatte oder ob Geschäfte schlechter gingen, ist nicht bekannt. Am 14. Mai 1926 hat die Vereinsbank ihre Geschäftsräume aus dem Gasthof Carl Stosch in die „Villa“ verlegt. 1959 kaufte der Bankvorstand Erwin Schumacher mit seiner Frau Magda (geb. Stosch) das Haus für seine Familie.
Bedeutung
Die Villa Moritz Herz steht beispielhaft für den wirtschaftlichen Erfolg jüdischer Unternehmer in Hamm nach dem Ersten Weltkrieg und zugleich für den raschen Verlust jüdischen Eigentums in den 1920er Jahren. Ihre spätere Nutzung durch eine Bank verdeutlicht den Wandel von privater Repräsentationsarchitektur zu institutioneller Nutzung.
Redaktioneller Hinweis
Die Angaben zur Bau- und Nutzungsgeschichte beruhen auf zeitgenössischen Fotografien, Bankunterlagen und archivalischen Quellen. Zu den wirtschaftlichen Gründen des Verkaufs liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor.
(Arbeitsgruppe jüdisches Gedenken der Ortsgemeinde Hamm und die Tourist-Information der Verbandsgemeinde Hamm, 2025)
Quellen
- Archivmaterial zur Ortsgeschichte Hamm
- Unterlagen der Hammer Vereinsbank
- Historische Fotografien Hamm, 1920er Jahre