Die Marschbahn entlang der Nordseeküste wurde bis 1887 fertig gestellt. Die Bahnverbindung von Neumünster nach Flensburg eröffnete 1869. Querverbindungen entstanden in Dänemark 1867 mit der Strecke von Tondern (Tønder) nach Tigleff (Tinglev) und im Süden 1869 zwischen Jübek und Husum.
Flensburg war über die Flensburger Förde mit der Ostsee und den dortigen Handelsplätzen verbunden. Es fehlte jedoch eine leistungsfähige Anbindung an die Nordsee und zu den dort verkehrenden lukrativen Schiffsverbindungen nach England, Amerika und Übersee. Planungen für eine Bahnverbindung begannen noch in den 1880er Jahren. Da es keine größeren topographischen Hindernisse gab, konnte die Preußische Staatsbahn die Strecke zwischen Flensburg Weiche und Lindholm am 1. Oktober 1889 in Betrieb nehmen.
Die Strecke diente vorrangig der lokalen Bevölkerung und der An- und Abfuhr von landwirtschaftlichen Gütern, Dünger und Heizmaterial. Bis 1948 fuhr man ab dem Bahnhof Schafflund Raseneisenstein ab, der zur Herstellung von Roheisen diente. Bahnintern nutzte man die Strecke zur Überführung von Lokomotiven vom Betriebswerk Flensburg an die Marschbahn. Im Fahrplan 1914 waren sechs Zugpaare zwischen Flensburg und Niebüll ausgewiesen.
In den späten 1930er Jahren wurden durchgehende Züge zwischen Flensburg und der Grenze in Süderlügum; hier gab es Übergang zu den Zügen nach Tondern. Auf diesem Abschnitt fuhren fünf Zugpaare (mit jeweiligem Anschluss der Dänischen Staatsbahn), drei weitere zwischen Flensburg und Niebüll.
nach oben
Während der beiden Weltkriege gab es keine größeren Einwirkungen auf die Strecke. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg fuhren zunächst nur einzelne Züge, 1946 ein Zugpaar zwischen Flensburg und Süderlügum. In den 1950er Jahren beschränkte sich der Verkehr wieder auf den Abschnitt zwischen Flensburg und Niebüll, 1957 gab es werktags sechs Zugpaare sowie ergänzende Busverbindungen.
Ab etwa 1950 gab es kurze Personenzüge mit einer Diesellokomotive der Baureihe V 36 und zwei Personenwagen. Den Verkehr übernahmen 1961 Schienenbusse der Baureihe VT 98 (798). Entsprechend der Bedeutung der Strecke setzte die Deutsche Bundesbahn ab 1963 größere Diesellokomotiven der Baureihen V 100 und V 60 ein.
Noch 1969 erhöhte man die Streckengeschwindigkeit auf 80 Kilometer pro Stunde. Bis 1980 gab es einen Eilzug von Kiel über Flensburg und Niebüll nach Westerland.
Entsprechend der autozentrierten Politik der damaligen Zeit wurde das Zugangebot auf der Strecke immer mehr einschränkt und verschlechtert, parallel jedoch der Busverkehr ausgebaut. Den planmäßige Personenverkehr konnte die Deutsche Bundesbahn zum 31. Mai 1981 einstellen.
Die Strecke musste jedoch betriebsbereit gehalten werden, da ihr militärstrategische Bedeutung als Umleitungsstrecke zukam. Dies ermöglichte gelegentlichen Güterverkehr und den Einsatz von Museumszügen. Der Güterverkehr auf dem Abschnitt zwischen Lindholm und Wallsbüll wurde am 31. Dezember 1990 eingestellt. Der östliche Abschnitt bis Flensburg Weiche folgte am 6. Juli 1999.
Dennoch musste die Strecke weiter für militärische Belange erhalten bleiben. Ab 2010 erfolgten jedoch Streckenabbauten und Unterbrechungen bei Straßenneubauten.
Die Niebüller Nordfriesische Verkehrsbetriebe AG (NVAG) hatte seit 1981 mehrfach angeboten, die Strecke weiter zu betreiben, wenn die Personenzüge bis zum ehemaligen Bahnhof im Flensburger Stadtzentrum verkehren dürften. Sie boten auch Museumfahrten bis etwa 1990 an. Zwar gibt es weiterhin Überlegungen, die Strecke zu reaktivieren, auch als Entlastung der Marschbahn, jedoch gibt es keine konkreten Planungen. Im Nahverkehrsplan Schleswig-Holstein ist die Strecke für eine spätere Reaktivierung optiert. Ernsthafter Interessent für eine Inbetriebnahme ist weiterhin die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft Niebüll GmbH (NEG).
Nach der Einstellung des Güterverkehrs 1999 gab es ab 2000 einen Draisinenverkehr zwischen den Bahnhöfen Leck und Unaften, der jedoch 2020 eingestellt wurde.
nach oben
BetriebsstellenDie Strecke weist eine Länge von rund 36 Kilometern auf. Die Streckenkilometrierung beginnt in Flensburg Weiche.
(Bf = Bahnhof, Hp = Haltepunkt; jeweils aktuelle bzw. letzte Bezeichnung)
Bahnkilometer | Name |
176,2 | Bf Flensburg (seit 1927, Verbindungen nach Eckernförde, Kiel, Neumünster und Padborg; Übergang zur Flensburger Straßenbahn) |
172,9 | 0,0 | Bf Flensburg Weiche (seit 1864, bis 1914 Bf Nordschleswig´sche Weiche, Personenverkehr bis 2014; Verbindungen nach Neumünster und Husum) |
5,7 | Bf Handewitt |
7,7 | Hp Unaften (seit 1905) |
11,4 | Bf Wallsbüll (ab 1889 Bf Meyn-Wallsbüll, Anschluss Bundeswehrdepot) |
15,5 | Bf Schafflund |
22,1 | Bf Sprakebüll |
25,4 | Bf Achtrup |
28,8 | Bf Leck |
36,2 | 194,1 | Bf Lindholm (seit 1887, Verbindung nach Husum) |
198,4 | Bf Niebüll (seit 1887, Verbindungen nach Husum, Dagebüll, Westerland und Tonder) |
nach oben
(Claus Weber, Redaktion KuLaDig, 2026)Hinweis
Die Strecke wurde von der historischen Deutschen Grundkarte abdigitalisiert. Es kann daher zu Abweichungen zu modernen Karten kommen. Kartiert wurde nur der Abschnitt zwischen Flensburg Weiche und Lindholm.
Quellen
- Christoph Carl Arndt, Flensburg - Niebüll: Ein Streckenportrait von 1990-2005 (2026, online www.drehscheibe-online.de, abgerufen 21.3.2026)
- Detlev Hagemann, V 36 des Bw Flensburg - einmal quer durchs Land (online db58.de, abgerufen 21.3.2026)
Internet
de.wikipedia.org: Bahnstrecke Flensburg Weiche ? Lindholm (abgerufen 21.3.2026)
eisenbahn-sh.de: Strecke 1001, Flensburg Weiche - Lindholm - stillgelegt (zahlreiche Bilder, abgerufen 21.3.2026)
stellwerke.info: Stellwerke an der Strecke 1001 (abgerufen 21.3.2026)
www.koethur.de: Dennis Köthur, Nordfriesland Draisine - ehemalige Draisinenstrecke zwischen Leck und Unaften (abgerufen 23.3.2026)