Die Jugend in der Pfalz
Aktivitäten in München
In Oldenburg
Im Zweiten Weltkrieg
In Breslau
Der Nachklang
Quellen / Internet
Die Jugend in der Pfalz
Ein begabter Schüler muss er gewesen sein, der Wirtssohn aus der Gaststätte „Zur Jägerslust“ gegenüber der katholischen Kirche in Zeiskam. Der im Oktober 1900 geborene Otto Friedrich Herzog besuchte nach der Volksschule eine Fortbildungsschule in Landau und begann als 16-Jähriger eine Handelslehre. Doch noch tobte der Erste Weltkrieg, und so kam Otto im Juni 1917 an die Unteroffiziersschule in Fürstenfeldbruck, wo noch heute die Bundeswehr eine Offiziersschule der Luftwaffe unterhält.
Aktivitäten in München
Nach Ende des Krieges schloss sich Herzog dem Freikorps Epp an, ein militärischer Freiwilligenverband. Überall in Deutschland hatten sich 1918 Arbeiter- und Soldatenräte gebildet, Monarchen wie der bayerische König Ludwig III. waren außer Landes geflohen, die im Frühjahr 1919 ausgerufene sozialistisch geprägte Münchener Räterepublik wurde von den antidemokratischen Freikorps entmachtet. In den Kämpfen hatte sich Otto Herzog Anfang Mai 1919 in der bayerischen Hauptstadt schwere Verwundungen zugezogen. Die gegnerischen 2000 Anhänger der Räterepublik wurden inhaftiert, teilweise zum Tode verurteilt oder standrechtlich erschossen.
Nach der Niederschlagung der Räterepublik wurde die Brigade Epp in die Reichswehr übernommen. Das Freikorps war bekannt für rücksichtslose Erschießungen von Gefangenen und Zivilisten. Otto Friedrich Herzog kam als Unteroffizier zu einem Schützenregiment.
Bald schon finden wir den Zeiskamer in einem weiteren Verband, der von sich reden machte, dem Bund Reichskriegsflagge unter der Führung von Ernst Röhm. Im Hitlerputsch und dem Marsch auf die Feldherrnhalle in München im November 1923 beabsichtigte die NSDAP die Reichsregierung in Berlin zustürzen. Der Putsch scheiterte, die Anführer kamen in Haft und Otto Friedrich Herzog wurde als Putschbeteiligter aus der Reichswehr entlassen. Geehrt für seinen Einsatz wurde er jedoch von der Partei mit dem „Blutorden“, dem „Ehrenzeichen des 9. November 1923“, wodurch er für einen Aufstieg in der NS-Hierarchie prädestiniert war.
In Oldenburg
Herzog ging zunächst als Gehilfe seinem kaufmännischen Beruf nach, 1930 heiratet er und erscheint als Stadtverordneter und Fraktionsführer in Oldenburg. 1926 war er bereits in die NSDAP eingetreten, wurde in Varel/Oldenburg Ortsgruppenleiter, machte in der Partei Karriere als Geschäftsführer der Gauleitung und wurde Gauorganisationsleiter Weser-Ems. Von 1931 bis 1933 fungierte er als Vorsitzender der NSDAP-Fraktion im Oldenburgischen Landtag. Innerhalb der SA, der er schon früh beigetreten war, baute er die Oldenburgische Landesgruppe auf und stieg zum Gausturmführer, SA-Untergruppenführer, Standartenführer (SA-Standarte 18), Oberführer, Führer der SA-Brigade Weser-Ems, Gruppenführer, SA-Obergruppenführer und schließlich Stabsführer der Obersten SA-Führung. Zwei Jahre lang gab er die „Oldenburgische Staatszeitung“ heraus, das amtliches Verkündungsblatt des Reichsstatthalters, der Oldenburgischen Staatsregierung, der NSDAP und DAF (Deutsche Arbeitsfront). Schon im März 1933 war er bei der letzten freien Wahl Mitglied des Reichstags geworden (Berufsangabe: Kaufmannsgehilfe). Zu seiner Parteitätigkeit gehören Unterlagen im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, (I. HA Rep. 84a, Nr. 53865) zu einem Ermittlungsverfahren aus dem Jahr 1932 gegen den SA-Oberführer Otto Herzog in Oldenburg wegen Beleidigung des preußischen Ministers des Innern Carl Severing (SPD) in einer NSDAP-Wahlversammlung in Osnabrück.
Im Zweiten Weltkrieg
Bereits im Juli 1934, nach dem sogenannten Röhm-Putsch, übernahm Otto Herzog als treuer Gefolgsmann die Führung der SA-Gruppe „Schlesien“ in Breslau. In Zeiskam war man stolz auf den erfolgreichen Nationalsozialisten und machte ihn im April 1938 zum Ehrenbürger. Mit Kriegsbeginn war Herzog im Einsatz an der Ostfront, wo er 1940 verwundet wurde. 1942 wurde er vom Frontdienst zurückgestellt und stand unter anderem wieder für seine Aufgaben in Breslau zur Verfügung. Seinen Wohnsitz hatte er dort zunächst in der Schenkendorfstraße 24 (heute: ul Orla), später in der Ahornallee 41 (heute: al. Jaworowa), jeweils im XVIII. Stadtbezirk und war (laut Adressbücher aus dieser Zeit) über Telefon erreichbar.
Im August 1944 wurde er als Laienrichter an den Volksgerichtshof in Berlin berufen. Dieser fällte, vor allem nach dem Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944, tausende Todesurteile und war maßgeblich an der als terroristisch zu bewertenden Justiz des NS-Regimes beteiligt. Die Richter galten als dem Führer fanatisch ergebene und führten die Verhandlungen als regelrechte Schauprozesse.
In Breslau
In der Endphase des Zweiten Weltkrieges wurde Breslau im Februar 1945 von der Roten Armee eingeschlossen. Es war neben Dresden die einzige, noch unversehrte deutsche Großstadt. Herzog verblieb im zur Festung erklärten Breslau und führte dort als Kommandeur die Volkssturmeinheiten. Diese bestanden aus (nach unterschiedlichen Quellen) etwa 15.000 bis 20.000 allerdings nur mangelhaft ausgerüsteten älteren Männern und Jugendlichen von 17 Jahren und jünger. Auch eine „Kampfgruppe Herzog“ stand unter seinem Kommando, die an kritischen Stellen der Stadtfront gegen die vorrückenden Sowjets eingesetzt wurde.
Die Kämpfe um Breslau, das über 80 Tage lang verteidigt wurde, waren eine der längsten und verlustreichsten Belagerungen des Zweiten Weltkriegs. Die Stadt war zuvor Ziel großer Flüchtlingsströme aus dem Osten des Deutschen Reichs gewesen. Beim Näherrücken der Front, und auch als Teile der Stadt bereits umlagert war, wurden vor allem Kranke und Alte, Frauen und Kinder, aufgefordert die Stadt zu verlassen, was jedoch nur teilweise gelang. Auf den Bahnhöfen standen Menschenmassen, die die Reichsbahn nicht mehr in der Lage war aus Breslau hinauszubefördern, da die in den Evakuierungsplänen hierfür vorgesehenen 100 Züge pro Tag nicht verfügbar waren. Unzählige Menschen kamen auf der Flucht bei eiskalten Temperaturen ums Leben.
Um den sowjetischen Vormarsch aufzuhalten wurden ganze Straßenzüge gesprengt und Menschen innerhalb der Stadt umgesiedelt. Hitler hatte den Befehl gegeben: „Halten um jeden Preis“.
Der Festungskommandant General von Ahlfen erließ zur Disziplinierung der Truppen an seine Offiziere am 8. Februar folgenden Tagesbefehl: „Ich mache es allen Führern zur Pflicht, die ihnen anvertraute Stellung zu halten. Wer eine Stellung eigenmächtig aufgibt und zurückgeht, wird wegen Feigheit vom Standgericht zum Tode verurteilt. Jeder Führer, gleich welcher Einheit, hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, sich Drückebergern gegenüber, die ihre Stellung verlassen, mit allen Mitteln, gegebenenfalls unter Anwendung der Waffe, durchzusetzen.“
Mitten im Stadtzentrum errichtete man eine improvisierte Landebahn von 300 m Breite und einem km Länge, für die auch eine Kirche gesprengt wurde. Unter der Führung von Gauleiter Karl Hanke wurden „Wehrkraftzersetzer“ und fahnenflüchtige Wehrmachtsangehörige vor Ort zum Tode verurteilt und hingerichtet. Doch der Gauleiter flüchtete selbst noch kurz vor der Kapitulation der Stadt mit einem bereitstehenden Flugzeug von der eingerichteten Landebahn aus. 70 bis 90 Prozent des Stadtgebiets wurden in diesen wenigen Wochen zerstört. Ganz unterschiedliche Schätzungen gehen von 20.000 bis 170.000 getöteten Zivilisten, 6.000 deutschen und 13.000 russischen toten Soldaten aus.
Der Nachklang
Im Jahre 1959 veröffentlichten die Generäle von Ahlfen und Niehoff, die letzten und für die sinnlose Verteidigung mitverantwortlichen Stadtkommandanten, ein Buch unter dem Titel „So kämpfte Breslau“. Es ging ihnen dabei kaum um die vom Krieg betroffenen Menschen, sondern um eine militärische Rechtfertigung. Sie beklagen dabei besonders die mangelhafte Verteidigungssituation in der Stadt. Doch lobten sie die erfolgreiche Führung des Volkssturms durch Otto Herzog:
„Um so erfreulicher und für die Zukunft beruhigender war nun Anfang Februar 1945 in Breslau die in der Person des SA-Obergruppenführers Herzog tätig gewordene organisatorische Spitze des Volkssturms. Mit ihm, der als gedienter Soldat und im Westfeldzug verwundete Reserveoffizier die nötige fachliche Vorbildung mitbrachte, ist in guter und vertrauensvoller Zusammenarbeit eine wohl noch gerade rechtzeitige Verbesserung der Organisation des Volkssturms gelungen, der in Kampfbataillone möglichst aus vielen Gedienten, in Arbeitsbataillone aus Ungedienten und in zwei HJ-Bataillone aus meist 17-jährigen gegliedert wurde.“ (Ahlfen und Niehoff 1995, S. 27)
Noch am 15. April 1945 erhielt Otto Herzog für seine Verdienste als Führer der Volkssturm-Einheiten das Ritterkreuz. Beim Einmarsch der Amerikaner in Deutschland stand er noch auf deren Fahndungslisten. Am 6. Mai 1945, dem Tag der Kapitulation von Breslau, hatte er jedoch bereits seinem Leben selbst ein Ende gesetzt. Der Historiker Werner Vahlenkamp charakterisiert Herzog als ehemaligen Freikorpskämpfer, der zu der Gruppe der besonders brutalen und fanatischen Nationalsozialisten gehörte und zeitlebens kritiklos der Partei verbunden war.
(Hartwig Humbert, Zeiskam, 2025)
Quellen
- Berlin Document Center: Personenbezogene Unterlagen der SS, der SA und der NSDAP; R 9361-II/405395 und R 9361-III/572692
Internet
de.wikipedia.org: Schlacht um Breslau (abgerufen 24.03.2026)
der-siebte-sprung.de: Breslau 1945 (abgerufen 24.03.2026)
daten.digitale-sammlungen.de: Mitglieder des Reichstags (abgerufen 24.03.2026)
www.hausschlesien.de: Blog: Die Geschichten hinter den Objekten. Schlesische Lebensschicksale zwischen Kaiserreich und Volksrepublik (abgerufen 24.03.2026)
www.reichstag-abgeordnetendatenbank.de: Eintrag zu Otto Herzog in der Datenbank der deutschen Parlamentsabgeordneten (abgerufen 24.03.2026)