Entstehung und landschaftsarchitektonische Einbindung
Terrassenbau und Sicherungsbauwerk
Altan und Treppenanlage
Lindenbestand und heutige Entwicklung
Nachwirkung
Entstehung und landschaftsarchitektonische Einbindung
Die heutige Lindenallee im Mendelssohn-Park geht auf die um 1830/33 erfolgte parkgestalterische Anlage des Gartens der Familie Mendelssohn zurück. Maßgeblich verantwortlich für die Konzeption war der Koblenzer Architekt Johann Claudius von Lassaulx, der das Umfeld des Tee- beziehungsweise Gartenhauses als landschaftlich inszenierte Rheinfront gestaltete.
Die Allee bildet eine parallel zum Rhein verlaufende Erschließungs- und Parkachse innerhalb der Gesamtanlage. Sie ist dem ehemaligen Gartenpavillon im Bereich des Altenberger Hofes vorgelagert und lag ursprünglich unmittelbar am Leinpfad mit direkter Blickbeziehung zum Rhein. Diese historische Verbindung zwischen Park und Rheinufer wird heute durch die Bahnlinie Wiesbaden-Ehrenbreitstein unterbrochen.
Terrassenbau und Sicherungsbauwerk
Zur Ausbildung der Allee ließ von Lassaulx eine etwa 190 Meter lange, rund 12 Meter breite und etwas mehr als drei Meter hohe Terrasse aufschütten. Diese wurde zur Rheinseite hin durch eine massive Bruchsteinmauer gesichert, die mit sorgfältig ausgewähltem Steinmaterial ausgeführt wurde.
Die Konstruktion wurde bewusst so gestaltet, dass die Massivität der Stützmauer optisch gemildert erscheint: Die Mauer erhielt eine leichte Böschung sowie einen dezenten, geländebedingten Knick. Kurze Seitenmauern laufen im ansteigenden Gelände aus. Teilweise sind ältere Mauerabschnitte nur noch im nördlichen Bereich erhalten und zeigen die ursprüngliche Ausführung, während spätere Erneuerungen stellenweise auf Betonsockeln senkrecht aufsetzen.
Zum Rhein hin bestand ursprünglich vermutlich eine gemauerte Brüstung, die in späteren Abschnitten durch ein Gitter ersetzt wurde. Nach Süden hin wird die Anlage zusätzlich durch einen massiven, geländebedingten Viertelkreis stabilisiert, der insbesondere dem Schutz gegen Hochwasser und Eisgang diente.
Altan und Treppenanlage
Ein zentrales Gestaltungselement der Terrassenanlage ist ein vorspringender Altan, der etwa 80 Meter von der Nordseite entfernt liegt. Er besitzt eine Breite von rund 9,80 Metern und eine Tiefe von etwa 1,70 Metern.
Der Altan war funktional mit einer heute zugeschütteten Treppenanlage verbunden, die den Zugang zwischen Rheinufer und Terrasse herstellte. Die Anlage öffnet sich in drei gleich große, korbbogig abgeschlossene Zugänge. Zwischen den Öffnungen und den seitlichen Begrenzungen befinden sich schmale Mauerstreifen von etwa 90 Zentimetern.
Die Treppenkonstruktion ist heute nicht mehr sichtbar, da die Zugänge zugemauert wurden. Der Altan war ursprünglich vermutlich mit einem gusseisernen Gitter versehen, das nicht erhalten ist. Die Ausrichtung der dreiachsigen Treppenanlage steht in einem gestalterischen Bezug zur ebenfalls dreiachsigen Giebelfront des Gartenhauses, wodurch eine bewusste Achsenbeziehung innerhalb der Gesamtanlage erkennbar wird.
Lindenbestand und heutige Entwicklung
Auf der Terrasse wurden ursprünglich mindestens 40 Winterlinden in zwei Reihen gepflanzt. Teile des heutigen Baumbestandes gehen vermutlich noch auf diese frühe Pflanzphase zurück. Gegenwärtig sind noch rund 31 Linden vorhanden, darunter mehrere Altbäume mit einem Alter von etwa 160 bis 180 Jahren.
Die Lindenallee gilt gemeinsam mit dem ehemaligen Teehaus und der Terrassengestaltung als bedeutendes Beispiel frühromantischer Landschaftsarchitektur im Mittelrheingebiet. Eine vergleichbare Anlage mit Rheinblick entstand wenig später im nahe gelegenen Gut Besselich in Urbar, wo ebenfalls ein planerischer Einfluss Lassaulx' vermutet wird.
Seit 2020 wird die historische Allee im Hinblick auf die Bundesgartenschau 2029 durch Neupflanzungen ergänzt. Insgesamt wurden rund 15 junge Winterlinden gesetzt, um Lücken im historischen Bestand zu schließen und die ursprüngliche Wirkung der Allee wieder stärker erlebbar zu machen. Die Maßnahme wurde durch den Eigenbetrieb Grünflächen- und Bestattungswesen der Stadt Koblenz gemeinsam mit den Freunden der Bundesgartenschau 2011 e. V. begleitet und durch Spenden regionaler Unterstützerinnen und Unterstützer ermöglicht.
Am 6. Juni 2021 wurden die neu gepflanzten Bäume im Rahmen einer Feierstunde offiziell an die Stadt Koblenz übergeben. Die Veranstaltung stand im Zusammenhang mit der „Radfernfahrt Deutsche Alleenstraße“, die auf die kulturhistorische und ökologische Bedeutung von Alleen aufmerksam machte.
Nachwirkung
Die Mendelssohn-Allee blieb auch im 20. Jahrhundert ein bedeutender Erinnerungs- und Identifikationsort für die Horchheimer Bevölkerung. Nach einem Spaziergang entlang der Allee mit seinem Sohn verfasste Karl Wörsdörfer im Jahr 1950 den Text des späteren Horchheimer Heimatliedes „O Horchheim, mein Horchheim“. Die von Hans Wüst vertonte Walzermelodie erschien 1952 erstmals in der Kirmeszeitung und wurde zu einem Symbol der Ortsverbundenheit im Horchheim der Nachkriegszeit.
(Heimatfreunde Horchheim e.V.;Udo Liessem, Koblenz-Horchheim, 2026)