Aus geomorphologischer Sicht liegt die „Tote Rahm“ in einer ehemaligen Hochflutrinne des Rheins, in der sich vor 10.000 Jahren ein nacheiszeitliches Niedermoorgebiet gebildet hat. So erfüllt es eine Trittsteinfunktion im Biotopverbund Niederrhein, indem es das Naturschutzgebiet „Orbroich“ bei Krefeld mit der „Elsdonker Rahm“ verbindet.
Um 1925 war das Gebiet durch Flachmoorsümpfe geprägt, die damals noch eindrucksvolle Bestände der bis zu zwei Meter großen Deutschen Schneide aufwiesen. Die Melioration, welche mit den damaligen Möglichkeiten als nicht rentabel galt, führte später zu einem Verlust des Torfkörpers. Feuchtwiesen entstanden, auf denen seltene Orchideenarten wuchsen. Die fortschreitende Austrocknung der „Toten Rahm“, gepaart mit Nutzungsaufgabe und natürlicher Sukzession, führte zur Ausbreitung von Erlen und Grauweiden, welche heutzutage den Hauptbestandteil des Gebiets einnehmen.
Die Restvorkommen der artenreichen und nährstoffarmen Pflanzengesellschaften befinden sich in zwei Bereichen des Schutzgebiets, der sogenannten „7-Tümpelfläche“ und der letzten Moorwiese im Gebiet, dem „Mörken“. Die besondere Wertigkeit dieser Bereiche ergibt sich heute aus dem Vorkommen der seltenen Schneide sowie den hier ausgebildeten Hundsstraußgrasrasen mit Fadensegge, Sumpfblutauge und Grausegge. Die nährstoffarmen Tümpel beherbergen verschiedene Arten seltener Armleuchteralgen und bedeutende Vorkommen des Kammmolchs im Kreis Viersen.
(Dennis Heynckes und Norbert Neikes, Biologische Station Krickenbecker Seen, 2026)
Internet
www.naturschutzinformation.nrw.de: Naturschutzgebiete und Nationalpark Eifel in NRW (abgerufen 18.12.2025)
www.natura2000.nrw.de: Natura 2000-Gebiete in Nordrhein-Westfalen (abgerufen 18.12.2025)