Evangelische Martinskirche in Billigheim

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Billigheim-Ingenheim
Kreis(e): Südliche Weinstraße
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 08′ 14,85″ N: 8° 05′ 48,07″ O 49,13746°N: 8,09669°O
Koordinate UTM 32.434.111,75 m: 5.443.129,49 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.434.160,89 m: 5.444.867,80 m
  • Evangelische Martinskirche in Billigheim (2026)

    Evangelische Martinskirche in Billigheim (2026)

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    Ehemalige Grablege

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Eine erste Erwähnung einer „Basilica“ gab es schon im 9. Jahrhundert. Die beiden unteren Geschosse des romanischen Kirchturms wurden um 1032 errichtet. 1220 soll die Kirche durch einen Neubau ersetzt worden sein. Der gotische Chor (zwischen 1320/1330) enthält im Inneren bedeutende Kalkkaseingemälde aus dem 15. Jahrhundert, darunter die im deutschsprachigen Raum früheste Vater-unser-Darstellung in Volkssprache. Das spätgotische Langhaus wurde ca. 1522 errichtet. An der Nordseite befand sich eine angebaute Kapelle, dessen Spuren noch sichtbar sind. 1829 abgerissen. Im nördlichen Kirchenschiff war eine Gruft mit Grablege. 1546 Einführung der Reformation unter der Duldung des Kurfürsten Friedrich II. 1664-1760 als „Hugenottenkirche“ von einer französisch-reformierten Gemeinde mitbenutzt. Seit 1697 (Frieden von Rijswijck) war sie Simultankirche bis 1962. Unter der Sakristei wurde ein Steinplattensarg (ca. 1000) gefunden. Heute steht er im „Biblischen Garten“, der 2002 angelegt wurde.

Innenausstattung
Hauptschiff
Zeittafel zur Kirche

Innenausstattung
Der jetzige Chor datiert zwischen 1300 und 1350, wie ein Vergleich mit ähnlichen Chören in Kusel, Wachenheim und Lambrecht ergibt. Er bildet eigentlich ein Sechseck und zwei Joche oder ein fünf-achtel-Schluss - je nach Sichtweise. Die Schlusssteine zeigen das Haupt Christi und eine Rosette.
Der Chor ist gegenüber dem Hauptschiff leicht nach Süden hin verschoben (ein Abbild des geneigten Hauptes des gestorbenen Christus am Kreuz (siehe auch Stiftskirche Landau und Kaiserslautern).

Hier standen in der Zeit des Simultaneums der Taufstein neben dem Eingang zur Sakristei, der Beichtstuhl an der Nordseite und im Chorschluss der Hochaltar mit Triumphkreuz. Nach der Ablösung des Simultaneums wurden Hochaltar, Pfarrstuhl und Taufstein und die Glasfenster im Chor mit figürlicher Darstellung aus dem Marienleben entfernt.
Außerdem wurde der Terazzo-Boden leicht erhöht und mit neuen Sandsteinplatten ausgelegt. (Ursprünglich war der Chor mit kleinen Ziegelplatten ausgelegt). Dieser Chorboden zog sich bis ins Kirchenschiff zum ersten Säulenpaar (ehemals kath. Teil der Kirche). Heute sind hier 3 Stufen eingebaut.

Als der Heizungsschacht im Chor für die neue Heizung 1986 ausgegraben wurde, fanden sich hier die Reste des Vorgängerchores (wahrscheinlich errichtet um 1220).

Hauptschiff
Das Hauptschiff - 1522 errichtet - ist eine Staffelhalle, sie überragt beide Seitenschiffe beträchtlich, aber ohne Ober- und Lichtgaden! Vom dem ursprünglichen spätgotisches Netzgewölbe im Langhaus sind nur noch Köpfchen-Konsolen und kämpferlose Gewölbe-Anfänge vorhanden (Siehe Bilder der Konsolen). Im 18. Jhd. wurde die Flachdecke eingezogen - durch schwere Schäden eines Brandes, wohl im Turennschen Krieg.
In den Seitenschiffen haben sich Netzgewölbe erhalten. Dich haben sich hier die Jochachsen verschoben, so dass ein Löwenköpfchen den Fehler kaschiert

Seit 1546 ist die Kirche reformiert. (Siehe Grabsteine Sigismund Kintzinger) 1556 nach dem Augsburger Religionsfrieden (1555) war die Kirche geteilt in den katholischen Chor und dem reformierten Kirchenschiff. Mit einer Bretterwand war der Chor abgeschlossen und ein eigener Eingang wurde 1526 seitlich neben der Sakristei geschaffen. Seit dem Frieden von Ryßwyck 1697) war die Kirche bis 1963 ein Simultaneum

Zeittafel zur Kirche
1400 Jahre Kirchengeschichte Billigheim im Überblick:
693 n. Chr.Mönch Hildefried und seine Geschwister
übergeben ein Stück Land in „Billigheim“ dem Kloster Weißenburg. Es stammt aus dem Familienerbe ihre „Mutteronkels“ Reginfried. Die Abtei dürfte bald darauf hier die erste Kirche errichtet haben.
Ende 9. Jhd.Erster schriftlicher Nachweis einer Kirche (Basilika) mit Zehntland zwischen Billigheim und dem Horbach mit zinspflichtigen Personen aus Mörzheim und Bergzabern.
Anf. 10. Jhd.Kirchenlehen eines Hilderichs in Billigheim.
1179Romanische Kirche in Billigheim, Hof in Klingen, Kirche in Drusweiler und Zubehör (Klinger und Horbacher Zehnt mit „Viertel“ in Bergzabern) gemeinsam erwähnt.
1234Die Weißenburger Kirche in Billigheim mit Zubehör, jedoch ohne ihren Zehnten, geht an das Domkapitel in Speyer.
1234-1488Mittelalterliche Kirche Billigheim mit Kapellen (Filialen) ind Appenhofen und Mühlhofen:
Zehnt: eigens abgesteinte Landbezirke in den Nachbarorten im Klingbachtal und Horbacher Zehnt mit dem Viertel zu Bergzabern.
Wehrkirchturm: 11./12. Jhd; romanischer Bau. Beide unterste Turmgeschosse.
Zwischenstück 14./15. Jhd; Obergeschoss mit Helmhaube.
Chor: 1320/1330, Fresken innen 15.Jhd..Frühestes Vaterunser im gesamten deutschsprachigen Raum in Volkssprache.
Langhaus: spätgotisch, Anfang 16. Jhd.. Beim Bau des Kirchenschiffs 1525 wurde nordseits eine 3. Kapelle angebaut. Bauteile davon sind an der Nordseite des Kirchenschiffs heute noch sichtbar (Großfenster, Deckenkonsolen). Diese Kapelle war ab 1759 schadhaft und wurde 1829 abgerissen.
1526-1545/46Sitz eines Landdekans nachgewiesen
1546-1556Einführung der Reformation durch Vertreter der Kurpfalz.
1618-1648Beschädigungen während des Dreißigjährigen Krieges
1674/78Zerstörung des gotischen Mittelgewölbes der Kirchendecke.
seit 1697 Kirche für kath. und prot. Konfessionen (Simultaneum) bis 1960.
um 1664-1760als „Hugenottenkirche“ von französisch-reformierter Kirchengemeinde mitgenutzt.
1794Im Zuge der Französischen Revolution „Zerstörung aller Heiligenbilder“; Kirchenkreuz durch Jakobinerkappe ersetzt. Erstmaliges Einschmelzen der Glocken für Kriegszwecke.
1895Die Protestantische Kirchengemeinde Billigheim baut ein neues Schulhaus mit Lehrerwohnung (heute VR-Bank).
1960-1962umfangreiche Erneuerungen durch die Prot. Kirchengemeinde (Auslösung des Simultaneums) und Rettung des Kirchturms vor drohendem Einsturz.
1986Beim Einbau einer neuen Heizungsanlage wird ein ca. 1000-jähriger Steinsarg (mit Skelett, ohne Beigaben) gefunden. Der Steinsarg ist heute Im Kirchhof / -Garten aufgestellt.
geplantAnlage eines Biblischen Gartens im Kirchhof.


(KuLaDig-Projektteam Billigheim-Ingenheim, 2026)

Evangelische Martinskirche in Billigheim

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Marktstraße 31
Ort
76831 Billigheim-Ingenheim - Billigheim
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation, Archivauswertung

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KuLaDig-Projektteam Billigheim-Ingenheim: „Evangelische Martinskirche in Billigheim”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356841 (Abgerufen: 25. Februar 2026)
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