Lage Die Erinnerungsstätte für die ehemalige Lukasmühle (früher Lucasmühle geschrieben) befindet sich im Tiefenbachtal an einem Waldweg etwa 500 Meter vom Parkplatz an der L 218 bei Zweifallshammer (Einmündung des Tiefenbachs in die Kall) entfernt. Sie besteht aus einer Info-Tafel, der ehemaligen Achse mit Wellenrädern sowie einem Mühlrad. Von den eigentlichen Mühlengebäuden ist heute vom Weg aus nichts mehr zu erkennen.
Geschichte der Mühle Die ehemalige Lukasmühle im Tiefenbachtal (nicht zu verwechseln mit dem Tiefenbachtal bei Huppenbroich/Kesternich) erhielt 1569 die Konzession als Öl- und Mahlmühle. Sie war als Mühle für die Bewohner der Orte Brandenberg und Bergstein gedacht. Der Tiefenbach bildete die Grenze zum Amt Monschau, das auf der rechten Bachseite lag, dennoch ist zu vermuten, dass in der linksseitig stehenden Lukasmühle auch Bewohner des Amtes Monschau, insbesondere aus Vossenack, „schwarz“ in der Mühle mahlen ließen und sich so den weiten Weg zur Bannmühle bei Lammersdorf sparten. Die heute noch erhaltene Mestrenger Mühle, etwa 3 Kilometer oberhalb an der Kall, ist später errichtet worden.
Als Erbauer der Mühle gilt Kirstgen Lucas, Gerichtsbote in Brandenberg, der die Anlage zusammen mit seinem Geschäftspartner Wilhelm Bürvenich aus Lendersdorf errichten ließ. Ein oberschlächtiges Mühlrad trieb die Mahlwerke an. Das Wasser kam über einen Graben aus einem etwas oberhalb aufgestauten Mühlenteich. Wann der mögliche Ölmahlgang außer Betrieb genommen wurde, ist nicht bekannt. In den folgenden Jahrhunderten wird die Lukasmühle als Mahlmühle bezeichnet. Die Mühle lag verkehrsgünstig an einer alten Verbindung zwischen Brandberg/Bergstein durch das Macherbachtal, über Zweifallshammer nach Schmidt. Sie wurde bald nach ihrem Betreiber „Lucasmühle“ genannt. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte wurde die Mühle von verschiedenen Pächterfamilien betrieben. Viel Ertrag brachte sie wohl nicht ein, da die Orte eigentlich gezwungen waren, das Getreide in den Bannmühlen in Lammersdorf beziehungsweise Zerkall mahlen zu lassen. Als der Mahlzwang in der Franzosenzeit aufgehoben wurde, ging es den Müllern der nicht als Bannmühlen verzeichneten Anwesen wohl insgesamt besser. 1820 besaß die Mühle ein oberschlächtiges Wasserrad. Ein Arbeiter unterstützte den Müller. Insgesamt neun Personen wohnten vor Ort, die zur Gemeinde Bergstein gehörten. Für 1830 sind bereits zwei Arbeiter in der Lukasmühle erwähnt. Mit der Elektrifizierung und dem Aufkommen von Großmühlen war die Zeit der alten, abseits gelegenen Wassermühlen zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorbei. Die Lukasmühle wurde 1920 verkauft und war in der Folgezeit Gastwirtschaft, Schnapsbrennerei und Ausflugslokal. In den 1930er Jahren bewohnte Heinrich Offergeld die Mühle alleine.
Die Lukasmühle in der Zeit des Nationalsozialismus In der NS-Zeit erfuhr die Örtlichkeit noch eine andere Bedeutung. Von 1934 bis 1944 war sie unter dem Decknamen „Habichtshof“ ein konspirativer Treffpunkt für die katholische Jugendbewegung der Stolberger „Sturmschar“. Da die katholischen jungen Männer zunehmend Probleme hatten, ihre Freizeiten selbstbestimmt zu organisieren und beispielsweise in Jugendherbergen zu übernachten, die inzwischen von der Hitlerjugend (HJ) vereinnahmt worden waren, suchten sie nach einem Ausweichquartier für ihre Treffen, die noch per Fahrrad von Stolberg zu erreichen waren, jedoch versteckt genug lagen, um nicht mit der HJ in Konflikt zu geraten. Die „Stolberger Sturmschar“ traf eine Abmachung mit Heinrich Offergeld, mietete sich in die Mühle ein, baute einige Räume für ihre Zwecke um und half Offergeld in der Landwirtschaft. Insgesamt war Platz für 18 Personen geschaffen worden. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden auch Mädchen und junge Frauen in die Gemeinschaft aufgenommen. Die Gruppe machte Wanderungen, kochte zusammen, hielt Lesungen ab und betete gemeinsam.
Zum Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Front endgültig den Hürtgenwald erreicht hatte, wurde die Lukasmühle im September 1944 zum Versorgungstützpunkt der Wehrmacht an der nahen Front. Kurze Zeit später diente sie auch als Gefechtsstand und Verbandsplatz. Im Dezember 1944 war das Tiefenbachtal und die Gegend um die Lukasmühle Schauplatz heftiger Kämpfe. Die Mühlenanlage wurde schwer beschädigt. Nach dem Krieg blieb die Anlage unbewohnt und wurde nicht wieder aufgebaut. Sie wurde 1950/51 verkauft und weitgehend abgerissen. 2002/2003 wurde oberhalb der früheren Mühlenanlage am Waldweg eine Erinnerungsstätte geschaffen.
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1569, Ende 1951
Empfohlene Zitierweise
Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt steht unter der freien Lizenz CC BY 4.0 (Namensnennung). Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Möchten Sie dieses Objekt in der Kuladig-App öffnen?
Wir verwenden Cookies
Dies sind zum einen technisch notwendige Cookies,
um die Funktionsfähigkeit der Seiten sicherzustellen. Diesen können Sie nicht widersprechen, wenn
Sie die Seite nutzen möchten. Darüber hinaus verwenden wir Cookies für eine Webanalyse, um die
Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren, sofern Sie einverstanden sind. Mit Anklicken des Buttons
erklären Sie Ihr Einverständnis. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Datenschutzseite.