In einer Werbeanzeige des Sinziger Mineralbrunnens in der Bonner Zeitung vom 3. August 1853 heißt es:
„Sinziger Mineralbrunnen.
Zu den vielen merkwürdigen Säuerlingen, deren das Ahrthal schon eine so große Anzahl enthält, ist ein neuer hinzugetreten, welcher sich dadurch vor den alcalischen Säuerlingen ganz besonders auszeichnet, daß er ganz eisenfrei ist.
Das Sinziger Mineralwasser enthält nach der Analyse des rühmlichst bekannten Chemikers Hrn. Medizinalrath Dr. Mohr folgende sehr wirksame Bestandtheile: Glaubersalz, Kochsalz, kohlensauren Natron, Kieselerde, kohlensauren Kalk, Bittererde, so wie eine große Menge freier und halb gebundener Kohlensäure.
Das Wasser selbst verliert im Laufe der Zeit bei gehöriger Aufbewahrung weder an Kraft noch an Geschmack und läßt sich bis auf den letzten Tropfen klar und rein in die Gläser ausgießen. Die Farbe desselben ist hell und klar, sein Geschmack laugenhaft, kohlensäuerlich und auf der Zunge prickelnd. Die Lage des Mineralbrunnens ist für den Absatz des Wassers eine höchst vortheilhafte, da derselbe Raum 1/4 Stunde vom Rheine entfernt, dicht an der Rheinstraße gelegen ist, weshalb dem Trans- und Exporte desselben eine überaus wohlfeile Straße auch in die entferntesten Gegenden geöffnet. Der angenehme Geschmack dieses Wassers, seine kühlende und erfrischende Wirkung, die Kraft, alle Secretionen des Körpers anzuregen, die Anwendbarkeit desselben sowohl für die meisten Konstitutionen als auch in sehr vielen Krankheiten machen dasselbe sowohl Gesunden, denen es in schwülen Sommertagen mit Milch oder Wein vermischt, ein kühlender und die gesunkenen Kräfte des Körpers hebender Labetrunk ist, als auch Kranken einer allgemeinen Empfehlung werth. Eine überaus kräftige Wirkung und Heilsamkeit zeigt das Wasser in Krankheiten der Athmungsorgane, ferner bei erblicher Anlage zur Schwindsucht, dann in Krankheiten der Nieren und Blase, so wie auch in allen übrigen Unterleibskrankheiten.
Auf schriftliche und mündlich Anfragen ertheilt bereitwilligst Auskunft der Besitzer und Inhaber des Mineralbrunnens
A. Rosenbaum in Sinzig.
Niederlage für Bonn bei Hamm & Empting, Brückenstraße.
Preis pro Krug 20 Pfg.“.
Zu den vielen merkwürdigen Säuerlingen, deren das Ahrthal schon eine so große Anzahl enthält, ist ein neuer hinzugetreten, welcher sich dadurch vor den alcalischen Säuerlingen ganz besonders auszeichnet, daß er ganz eisenfrei ist.
Das Sinziger Mineralwasser enthält nach der Analyse des rühmlichst bekannten Chemikers Hrn. Medizinalrath Dr. Mohr folgende sehr wirksame Bestandtheile: Glaubersalz, Kochsalz, kohlensauren Natron, Kieselerde, kohlensauren Kalk, Bittererde, so wie eine große Menge freier und halb gebundener Kohlensäure.
Das Wasser selbst verliert im Laufe der Zeit bei gehöriger Aufbewahrung weder an Kraft noch an Geschmack und läßt sich bis auf den letzten Tropfen klar und rein in die Gläser ausgießen. Die Farbe desselben ist hell und klar, sein Geschmack laugenhaft, kohlensäuerlich und auf der Zunge prickelnd. Die Lage des Mineralbrunnens ist für den Absatz des Wassers eine höchst vortheilhafte, da derselbe Raum 1/4 Stunde vom Rheine entfernt, dicht an der Rheinstraße gelegen ist, weshalb dem Trans- und Exporte desselben eine überaus wohlfeile Straße auch in die entferntesten Gegenden geöffnet. Der angenehme Geschmack dieses Wassers, seine kühlende und erfrischende Wirkung, die Kraft, alle Secretionen des Körpers anzuregen, die Anwendbarkeit desselben sowohl für die meisten Konstitutionen als auch in sehr vielen Krankheiten machen dasselbe sowohl Gesunden, denen es in schwülen Sommertagen mit Milch oder Wein vermischt, ein kühlender und die gesunkenen Kräfte des Körpers hebender Labetrunk ist, als auch Kranken einer allgemeinen Empfehlung werth. Eine überaus kräftige Wirkung und Heilsamkeit zeigt das Wasser in Krankheiten der Athmungsorgane, ferner bei erblicher Anlage zur Schwindsucht, dann in Krankheiten der Nieren und Blase, so wie auch in allen übrigen Unterleibskrankheiten.
Auf schriftliche und mündlich Anfragen ertheilt bereitwilligst Auskunft der Besitzer und Inhaber des Mineralbrunnens
A. Rosenbaum in Sinzig.
Niederlage für Bonn bei Hamm & Empting, Brückenstraße.
Preis pro Krug 20 Pfg.“.
Nach einem Verkauf des Mineralbrunnens im Jahr 1855 führte der neue Eigentümer, Erlenmeyer, das Geschäft fort, allerdings längstens bis 1865. Nach der Zahlung einer hohen Abfindung durch Georg Kreuzberg, dem Betreiber des Apollinaris Brunnens und des Kurbetriebs in Bad Neuenahr, stellte Erlenmeyer den Vertrieb des Sinziger Mineralwassers ein. Auch der Kurbetrieb wurde eingestellt.
Carl Baum kaufte den Sinziger Brunnen 1921. Er modernisierte des Betrieb und ließ eine Abfüllanlage installieren, die ab 1929 genutzt werden konnte. So war es möglich, den Wasserversandhandel zu intensivieren. Der Betrieb florierte bald.
Nach dem Tod von Carl Baum im Jahr 1936 übernahmen die Söhne Alfred und Ernst den Betrieb. 1971 wurden deren Söhne Hans Karl und Siegfried zu Geschäftsführern.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Wasserabfüllung stark ausgebaut. Das Mineralwasser wurde zunächst nach Wuppertal bzw. das bergische Städtedreieck geliefert, dann auch in Richtung Düsseldorf, Mönchengladbach und ins Ruhrgebiet. Sinziger war dort bald das Synonym für Mineralwasser. 1953 wurde die erste vollautomatische Abfüllanlage in Betrieb genommen.
1953 heißt es in der Publikation „Rheinland-Pfalz - Kultur und Wirtschaft“ über den Sinziger Brunnen: „Sinziger Mineralbrunnen Gebr. Baum. Sinzig am Rhein. Bereits vor 100 Jahren wurde der Sinziger Mineralbrunnen entdeckt und in Krügen versandt. Heute erfolgt die Abfüllung des Mineralwassers in modernst eingerichteten Betriebsgebäuden auf mechanischem Wege. Von den Ärzten wird das Sinziger Mineralwasser wegen seiner Bestandteile als heilkräftig empfohlen. Besonders ist die starke und nachhaltige Heilkraft bei Herz-, Gefäß-, Zucker-, Gicht-. Blasen- und Frauenleiden anerkannt.“
Das Wasser wurde mit einer werkseigenen LKW-Flotte an den Getränkegroßhandel ausgeliefert. Mitte der 1960er Jahre standen rund 170 Tonnen Transportkapazität zur Verfügung; etwa 160.000 0,5 Liter-Flaschen konnten täglich ausgeliefert werden. In den 1970er Jahren waren rund 120 Menschen im Brunnenbetrieb beschäftigt, 1982 waren es aufgrund der weiter fortschreitenden Technisierung noch etwa 80 Beschäftigte.
Vor dem Brunnen gab es eine Zapfstelle, an der die Einwohner Sinzigs kostenlos Mineralwasser für den privaten Gebrauch anzapfen konnten. Die Zapfstelle war bis in die 1990er Jahre in Betrieb.
Zeitweise füllte der Sinziger Mineralbrunnen auch Heilwasser ab (1984/85), was aber nicht lohnend war und schnell wieder eingestellt wurde. Die Anerkennung als Heilwasser war zuerkannt worden, der Produktionsprozess wurde vom Apotheker Schweikert überwacht.
1989 verkaufte die Familie Baum den Brunnenbetrieb an die Apollinaris Brunnen AG, ein Tochterunternehmen der Brau und Brunnen AG. Seit 2005 gehört der Sinziger Brunnen dem Familienunternehmen Franken Brunnen. Vertrieben werden Mineralwasser und Limonaden der Marken Sinziger sowie Ahrtal Quelle.
Bei der Flutkatastrope im Ahrtal im Juli 2021 wurde der Brunnenbetrieb erheblich in Mitleidenschaft gezogen, konnte nach Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten aber im März 2022 den Betrieb wieder aufnehmen.
(Karin Baum-Schellberg, Sinzig, 2024 / Jürgen Haffke, Bonn, 2024 / Elmar Knieps, Sinzig, 2025)
Quellen
Freundliche Hinweise von Frau Monika Michno, geb. Geef, Bonn.
Rheinland-Pfalz - Kultur und Wirtschaft 1953, S. 447.
Internet
www.sinziger.de: Sinziger - Geschichte (abgerufen 17.02.2025)
de.wikipedia.org: Sinziger (Mineralwasser) (abgerufen 17.02.2025)
www.aw-wiki.de: Sinziger Mineralbrunnen GmbH (abgerufen 17.02.2025)
www.rhein-zeitung.de: Nach der Ahrflut: In Sinzig sprudeln wieder die Mineralwässer - 21.03.2022 (abgerufen 17.02.2025)
ga.de: Wasser sprudelt seit Generationen aus der Quelle 04.06.2003 (abgerufen 31.03.2025)