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Mittelalterliche Niederungs- und Wasserburg, die im 17. Jahrhundert in ein Schloss umgewandelt wurde (2024).
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Will man Park und Schloss Gracht mit dem Zug erreichen, kommt man am Bahnhof „Erftstadt“ an; er gehört allerdings, wie auch die historische Anlage, zum Stadtteil Liblar. Den Weg dorthin weist eine Turmspitze über dem Wipfelgrün der Parkbäume.
Schloss Gracht ist eine Niederungs- und damit fast zwangsläufig eine Wasserburg. Sie geht wohl schon auf das Mittelalter zurück und hält trotz mancher Veränderung den Typus doch gegenwärtig. 1538 kam der Herrensitz an die Familie Wolff-Metternich, deren Spross Johann Adolf 1658 das Haupthaus zum Schloss ausbauen ließ. Es folgte die Anlage eines Barockgartens und einer neuen Vorburg als Wirtschaftshof. Doch nachdem das Hochschloss während der französischen Herrschaft über das Rheinland (1794-1814) verfallen war, konnte ein neuer Zeitgeschmack Platz greifen. Levin Graf Wolff-Metternich ließ ein Schloss errichten, dessen Winkelbau sich in seiner Nüchternheit am viktorianischen Klassizismus orientiert. Der östliche, auch kompaktere Flügel hat ein Stockwerk mehr. Umso entschiedener behaupten die einheitliche altrosa Farbfassung und das umlaufende Gesims mit Balustrade ein geschlossenes Erscheinungsbild. Markanteste Bauteile sind die beiden vorspringenden Ecktürme an der Südseite, von denen der östliche, analog zum Baukörper, ein Stockwerk höher ist als sein Pendant. Beide aber schließen mit Zwiebelhaube und Laterne, also barocken Formen ab.
1698 wurde die Vorburg als Ziegelsteinbau aufgeführt und gleichfalls mit zwei Ecktürmen versehen. Nachdem ein Feuer sie 1879 stark beschädigt hatte, nutzte man die Gelegenheit, ihr ein Stockwerk aufzusetzen. Jetzt entstanden auch die Treppengiebel und die spitzgiebelige Verblendung an den Schaufronten. Sie wiederum greifen auf das Dekor der gotischen Architektur zurück. Erhalten blieb das barocke Portal. Unter der prunkvollen Wappenbekrönung skizziert es im Architrav Ursprung und Werdegang derer von Wolff-Metternich: „Vorhin war ich aus Hessenlandt/ von gudenberg ein Wolff genadt/ Jetzt bin ich hier durch Gottes Macht/ Heisch Wolff gnannt Metternich zur Gracht“. - Nur zur Erinnerung: Um die Zeit der Vorburg-Erneuerung bildete sich auch das Rheinische Revier heraus, also der Abbau von Braunkohle unter industriellen Bedingungen. Den Gruben um Lindlar verdankte der Ort 1874 die eigene Station an der Strecke Köln-Euskirchen-Trier.
Ebenso viel Interesse wie die Baulichkeiten verdient die Grünanlage östlich des Schlosses. Hier wurde das Parterre eines frühen Barockgartens (um 1717) wiedergewonnen, der nach dem Zeugnis von Zeitgenossen im ganzen Fürsterzbistum Köln nicht seinesgleichen hatte. An den Flanken laufen hohe Heckengänge aus Hainbuche, die Trauerschnurbäume am schlossnächsten der beiden Brunnen ahmen mit ihrer Wuchsform eine Fontäne nach. Allerdings ließ Reichsgraf Johann Ignaz ab 1784 große Teile der Anlage in einen (englischen) Landschaftspark umgestalten. Und auch diese Neuerung war für das Rheinland eine Pioniertat. Der Park gehört seit 2005 zur „Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas“, er ist jedermann zugänglich. Keinen Zutritt hat die Öffentlichkeit zum Schloss selbst, es beherbergt heute eine psychiatrische Privatklinik.
Baudenkmal Das Objekt „Schloss Gracht in Erftstadt-Liblar“ ist ein eingetragenes Baudenkmal der Stadt Erftstadt (BauD 029).
Hinweis Das Objekt „Schloss Gracht in Erftstadt-Liblar“ ist wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches Schloss Gracht in Liblar (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 159).
(Dr. Detlev Arens, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, 2024)
Internet de.wikipedia.org: Liste der Baudenkmäler in Liblar (abgerufen 18.05.2026)
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