Die ehemalige Getreidemühle liegt in Bad Honnef-Aegidienberg, zwischen den Ortschaften Quirrenbach (NW) und Brüngsberg (SW), am Quirrenbach, der etwa 1,5 Kilometer bachabwärts in den Pleisbach mündet. Der Obergraben der Quirrenbacher Mühle zweigt etwa 600 Meter östlich des Mühlengebäudes im Bereich der Querung der Kochenbacher Straße und des Zuflusses Kochenbach vom Quirrenbach ab. Das abgeleitete Wasser wird parallel zum Finkenhardtweg geführt und vor der Mühle in einer Teichanlage gestaut. Die Teichanlagen sind später zur Fischzucht in mehrere Becken erweitert worden. Das Wasser wird hinter der Mühle über einen zum Teil unterirdischen Untergraben zurück in den Quirrenbach geleitet.
Gebäude
Das Mühlengebäude ist Teil eines Gehöfts. Das zweigeschossige Fachwerkgebäude besitzt mehrere moderne An- und Umbauten. Die Anlage wird heute als Wohnhaus und Pferdehof genutzt.
Das heutige Mühlengebäude ist ein Nachfolgebau einer älteren Mühle am Standort. Der Neubau wurde 1800 genehmigt und das neue zweigeschossige Mühlengebäude bis 1802 errichtet. Die linke Hälfte diente Wohnzwecken, in der rechten Hälfte waren das Mühlenwerk mit zwei Mahlgängen untergebracht sowie das nun im Radhaus innenliegende, oberschlächtige Wasserrad und der unterhalb des Gebäudes verlaufende Untergraben, die sich beide zuvor außerhalb des Gebäudes befanden.
Ein neues Wasserrad mit Achse und Welle soll um 1814 eingebaut worden sein.
Nach Angaben von Ortsansässigen, die die Mühle noch in Betrieb erlebt haben, besaß die Mühle zuletzt ein oberschlächtiges (eingehaustes) Wasserrad, zwei Mahlgänge sowie ein kleines Wasserad zum Betrieb kleinerer Arbeitsgeräte des Müllers an der Rückseite des Mühlengebäude. (Falkner 2006)
Geschichte
Die Quirrenbacher Mühle wird erstmalig 1493 urkundlich erwähnt („hunffroede“, dann „Mühle zu Honnefrod“; entspricht dem späteren Aegidienberg). Sie war eine von vier landesherrschaftlichen Bannmühlen im Gebiet des bergischen Amtes Löwenburg bis zum Ende des Mühlenzwangs 1811. Ihr Bannbezirk umfasste das Kirchspiel Aegidienberg (Amt Löwenburg) und die Oberpleiser Honschaft Eudenbach (Amt Blankenberg). Sie wurde in Erbpacht für meist 24 Jahre vergeben. (Wikipedia / Falkner 2006).
Ab 1597 ist Kerstgen (Christian) zu Hövel Pächter der Mühle.
Ihm folgt die Familie Quirrenbach, die die Mühle über mehrere Generationen in Erbpacht betreibt:
- 1711 Johann Heinrich Quirrenbach ist Pächter der „Honnefrather Mühle. Er wohnt wie Vorgänger nicht in der Mühle, sondern in Quirrenbach, weil das Mühlengebäude zu dieser Zeit keinen ausreichenden Wohnraum bietet.
- 1738 Sohn Peter übernimmt kurz den Mühlenbetrieb.
- 1744 bis 1769 Witwe Eva Gratzfeld betreibt die Mühle bis zu ihrem Tod. Danach übernehmen ihre Nachkommen den Betrieb der Mühle bis zur Neuverpachtung.
1772 Neuverpachtung an Theodor Bennerscheid aus Berghausen zu Oberpleis. Der Zustand der Mühle ist schlecht. Es werden erste Reparaturen vorgenommen und die Mühle wird ausgebaut, so dass nun dort gewohnt werden kann.
1797 wird ein Bauplan und Kostenanschlag für einen Neubau der Mühle vorgelegt durch den Düsseldorfer Hofbaumeister Rutger Flügel. Mittlerweile hat der Sohn Anton Bennerscheid die Mühle übernommen. Die Mühle wird durch den Landesvermesser Johann Gerhard Marcus aufgenommen.
1798 wird ein neuer Kostenschlag für Neubau durch Johann Saur (Maurermeister) vorgelegt.
1800 erfolgt die Genehmigung zum Neubau der Mühle.
1802 ist der Neubau der Mühle fertig gestellt.
1811 Nach Ende Mühlenzwang pachtet Anton Bennerscheid erneut die Mühle bis 1820 und weiter ab 1821; dann nur noch für 3 Jahre bis 1823. In der Zwischenzeit sind vier Privatmühlen in der Umgebung entstanden. Die wirtschaftliche Lage wird durch die Aufhebung des Mühlenzwangs schwieriger.
1823 Johann Peter Giershausen kauft und wird neuer Besitzer der Mühle. Er betrieb die Mühle nicht selbst, aber die Quirrenbacher Mühle bleibt hundert 100 Jahre in Familienbesitz mit wechselnden Pächtern, genannt werden
- Wilhelm Effern aus Retscheid bis 1845 (wechselte zur Leubsdorfer Mühle)
- Matthias Schächer aus Nonnenberg bis 1861
- Johann Weißenfels aus Asbach-Heide
1897 wird eine Auseinandersetzungen zwischen Inhaber der Fischereirechte, dem Fabrikanten Heinrich Berghausen aus Köln und dem Mühlenbesitzer Peter Klein um Zustand der Wehre aktenkundig. Diese seien für den Fischaufstieg zu hoch. Es handelt sich um zwei feste Wehre in circa 450 m Entfernung von der Mühle: eines kurz vor Zufluss des Kochenbachs und eines am Ende des Kochenbachs.
1900 Michael Balensiefen aus Asbach-Kaupaunsmühle wird Pächter und bleibt über 50 Jahre an der Mühle. Nach 20 Jahren erwirbt er sie und errichtete 1921 einen neuen Stall, 1939 eine neue Scheune für den landwirtschaftlichen Betrieb.
1952 Verpachtung an Alfons Klopsch aus Glogau/Niederschlesien. Er stellt zuletzt Roggenschrot und Weizenmehl Typ 405 her.
1957 verstirbt Eigentümer Michael Balensiefen und die Mühle wird verkauft. Alfons Klopsch verzieht und der Betrieb wird nicht fortgesetzt.
(vgl. Falkner 2006)
Heute gehören die landwirtschaftlichen Gebäude der Quirrenbacher Mühle zu einem Hof für Islandpferde. (www.troll-hof.de)
(Julia König, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2026)
Internet
www.virtuelles-heimatmuseum.de: Virtuelles Heimatmuseum Oberpleis: Die Quirrenbacher Mühle (abgerufen 23.01.2026)
de.wikipedia.org: Quirrenbacher Mühle (abgerufen 23.01.2026)
www.troll-hof.de: Reiten auf dem Troll-Hof (abgerufen 23.01.2026)