Die Autobahnkirche Medenbach, eröffnet am 30. März 2001, war die erste Autobahnkirche in Hessen. Realisiert durch die Stiftung des Unternehmers Alfred Weigle - nach dem Vorbild der ältesten Autobahnkirche Deutschlands in Adelsried - wurde sie auf dem Raststättengelände Medenbach-West an der A3 errichtet.
1998 initiierte die Evangelische Kirche in Hessen-Nassau gemeinsam mit der Diözese Limburg einen offenen Architektenwettbewerb, aus dem Hans Waechter als Sieger hervorging. Sein Entwurf überzeugte durch klare Zugänge und seine fernwirksame Präsenz. Der symbolträchtige erste Spatenstich fand im Februar 2000 statt, die Einweihung erfolgte ein Jahr später.
Die Kirche präsentiert sich als Flachbau aus hellem Sichtbeton, flankiert von Arkaden und Hofmauern, mit symmetrischen Zugängen von Norden (Tankstelle) und Süden (Raststätte). Der Besucher durchschreitet die Architektur in drei bewusst gestalteten Zonen: Ein Arkadengang mit Kiesboden und einem Baumdach aus sieben Bäumen bildet eine erste Pufferzone zum Autobahnlärm. Betonbänke laden zum Pause machen ein. Durch große Öffnungen gelangt man in ein quadratisches Atrium - umgeben von einem gedeckten Umgang. Neun Wassersprudler im Boden übertönen zunehmend das Verkehrsgeräusch. Erst im inneren Kapellenraum tritt man unter ein 45 Grad nach oben gespanntes Glasdach, das Tageslicht und die Himmelsfarben, teils mit blauen Auferstehungs-Symbolen von Johannes Schreiter, einlässt und eine Atmosphäre von Transzendenz schafft.
Der etwa 81 Quadratmeter große Raum bietet Platz für 24 Sitzplätze. Im Zentrum steht ein massiver Altarblock aus Granit, der ein liegendes Kreuz enthält. Die Altarrückwand ist aus Kunststeinplatten geschaffen, deren Kreuzform und in der Ziegelwand angedeutete „Jakobsleiter“-Vorsprünge kirchliche Symbolik dezent einbringen. Die byzantinisch anmutende Lichtwirkung der Glasdecke erzeugt ein ständiges Spiel von Schatten und Helligkeit.
Die Kombination aus klarer Geometrie, akustischer Abschirmung, Lichtinszenierung und Materialität macht die Medenbacher Autobahnkirche zu einem Rastplatz für die Seele. Etwa 40.000 Besucher im Jahr suchen hier Ruhe und Einkehr; regelmäßig finden Andachten statt. Die Architektur wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt das Bauwerk die Johann Wilhelm Lehr-Plakette. Ein Modell der Kirche ist im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt ausgestellt.
Die Autobahnkirche Medenbach ist architektonisch und funktional ein herausragendes Beispiel für zeitgenössische Sakralarchitektur. Sie führt Reisende behutsam vom Lärm der Straße in einen Ort der Stille und inneren Besinnung.
(Karl Peter Wiemer, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2026)
Internet www.autobahnkirche.de: Evangelische Autobahnkirche Medenbach (abgerufen 10.03.2026) kirche-auringen-medenbach.ekhn.de: Autobahnkirche Medenbach (abgerufen 10.03.2026) www.feuilletonfrankfurt.de: Autobahnkirche Medenbach – Ort der Ruhe und Kontemplation (abgerufen 10.03.2026) www.ekd.de: Raststätte und Oase der Ruhe - Die Autobahnkirche an der A3 neben der Raststätte Wiesbaden-Medenbach (abgerufen 10.03.2026) de.wikipedia.org: Nikolaus Gerhart (abgerufen 10.03.2026) de.wikipedia.org: Johannes Schreiter (abgerufen 10.03.2026)
Literatur
Lehner, Günter; Leitschug, Marcus C. (Hrsg.) (2008)
Autobahnkirchen in Deutschland. Ein himmlischer Routenplaner. Freiburg - Basel - Wien.
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