Verwaltungsgebäude der Verkaufsgesellschaft „Steinzeug GmbH“

Verwaltungs- und Forschungsgebäude des Fachverbandes Steinzeugindustrie e.V. in Marsdorf, Steinzeughandelsgesellschaft

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 55′ 15,72″ N: 6° 51′ 9,56″ O 50,92103°N: 6,85265°O
Koordinate UTM 32.349.073,24 m: 5.643.239,38 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.559.999,02 m: 5.643.208,06 m
  • Verwaltungsgebäude der Verkaufsgesellschaft „Steinzeug GmbH“ (2025)

    Verwaltungsgebäude der Verkaufsgesellschaft „Steinzeug GmbH“ (2025)

    Copyright-Hinweis:
    Nicole Schmitz / Landschaftsverband Rheinland / CC BY 4.0
    Fotograf/Urheber:
    Nicole Schmitz
    Medientyp:
    Bild
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  • Verwaltungsgebäude der Verkaufsgesellschaft „Steinzeug GmbH“ (2025)

    Verwaltungsgebäude der Verkaufsgesellschaft „Steinzeug GmbH“ (2025)

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In der Max-Planck-Straße in Köln-Marsdorf, im Bereich zwischen der Dürenerstraße und der Autobahn A4, ist das Verwaltungsgebäude der Verkaufsgesellschaft „Steinzeug GmbH“ erhalten. Einst befanden sich an dieser Stelle sowohl die Verwaltungs- als auch Forschungsgebäude des Fachverbandes Steinzeug e.V.

Hintergrund
Bereits 1881 schlossen sich viele der damaligen deutschen Steinzeugrohrfabrikanten im „Verein Deutscher Thonrohrfabrikanten“ mit Sitz in Bitterfeld zusammen, um gemeinsame wirtschaftliche Interessen zu fördern, insbesondere zum Schutz gegen die englische Konkurrenz. Tatsächlich gelang es dem Verein, die Forderung nach Schutzzöllen durchzusetzen sowie einheitliche Produktionsnormen und Mindestpreise einzuführen (Buir & Lentz 1997, S. 4).

1884 gründeten zudem sechs Frechener Betriebe die Verkaufsgesellschaft „Hensmann, Lövenich & Co.“. Deren Ziel war der zentral organisierte Verkauf der innerhalb Frechens stark konkurrierenden Betriebe - auf diese Weise sollten Überproduktion und ruinöse Preisunterbietungen vermieden werden (Buir & Lentz 1997, S. 5).

Im Laufe der Zeit arbeiteten diese Organisationsstrukturen auch für die meisten deutschen Werke und wuchsen beständig bis zur Zäsur des Zweiten Weltkriegs. Ab 1947 nahmen der Fachverband Steinzeugindustrie (ehemals Verein Deutscher Tonrohrfabrikanten) und ab 1949 die Steinzeughandelsgesellschaft mbH (Hannover) ihre Arbeit für die westdeutschen Werke wieder auf (Buir & Lentz 1997, S. 6ff), diese handelte ab 1971 unter dem Namen „Steinzeug GmbH“ mit Sitz in Köln.

Die Forschungsgebäude in Marsdorf
Das Forschungszentrum wurde auf Initiative von Dr. Gottfried Cremer gegründet (Neue Rhein-Zeitung vom 03.10.1966). Seine Errichtung sowie der laufende Unterhalt wurden hauptsächlich aus Eigenmitteln der deutschen Steinzeugröhrenindustrie finanziert (Kölner Stadt Anzeiger vom 22.05.1964).
Am 11.08.1960 kündigte der Kölner Stadtanzeiger den Baubeginn des Forschungs- und Verwaltungszentrums der „Forschungsgesellschaft der Steinzeugindustrie e.V.“ in der Projektträgerschaft des Fachverbandes für Steinzeugindustrie e.V. an. Dieser hatte bis dato seinen Sitz in Köln, plante jedoch ebenfalls seinen Umzug in die neuen Gebäude in Marsdorf. Der Fachverband sowie die Forschungsgesellschaft sollten fortan unter einem Dach untergebracht sein. Die Forschungsaufgaben für die Steinzeugindustrie der Bundesrepublik, die bisher von der Tonsicherung und Tongewinnung in Frechen wahrgenommen wurden, sollten konzentriert und intensiviert werden. (…) „Die Forschungsgesellschaft der Steinzeugindustrie hat, entsprechend ihrer Satzung, den Zweck, 'die wissenschaftliche Erkenntnis- und Zweckforschung und deren Auswertung auf den Gebieten der Steinzeugherstellung und Verwendung zu fördern und bekanntzumachen. Die Forschungsgesellschaft erfüllt ihre Aufgabe ausschließlich auf gemeinnütziger Grundlage und verfolgt keinerlei erwerbswirtschaftlichen Zweck“ (Kölner Stadtanzeiger vom 11.08.1960).

Der Bonner Architekt Hans Schröder plante drei miteinander verbundene Flachbauten. Während im Hauptgebäude die Verwaltung und ein großer Sitzungssaal untergebracht waren, wurden in den beiden daran anschließenden kleineren Flachbauten Laboratorien eingerichtet. Sie wurden in Stahlbetonskelettbauweise mit einer Klinker- und Keramikverkleidung errichtet (Kölner Stadtanzeiger vom 11.08.1960).

Die Einweihung der neuen Gebäude fand am 15.10.1963 nach zweijähriger Bauzeit statt, gleichzeitig berichtete der Stadtanzeiger, dass die deutsche Steinzeugindustrie mit einem Umsatz in Höhe von 200 Millionen Mark nun sowohl England als auch die USA in der Weltproduktion überholt hatte. „Diese Entwicklung, so sagte Großpeter abschließend, sei auf die Einigkeit seiner Branche zurückzuführen, die sich nun auch in der Einrichtung des Forschungsinstitutes ausdrückte“ (Kölner Stadtanzeiger vom 16.10.1963). Mit der Errichtung des Verwaltungs- und Forschungszentrums in Marsdorf wurde die Bedeutung Frechens für die Steinzeugproduktion unterstrichen (Kölner Stadtanzeiger vom 11.08.1960).

Das Verwaltungsgebäude der Verkaufsgesellschaft
1969 wurde das Gelände um weitere Gebäude ergänzt, denn auch die Verkaufsgesellschaft, bisher in Hannover sitzend, sollte nun nach Marsdorf ziehen und Frechen nun endgültig zur „Steinzeug-Hochburg“ werden lassen (Umzug am 01.04.1971, Buir & Lenz 1997, S. 83). Alle Zweige der Steinzeugindustrie waren nun in Frechen konzentriert (Kölnische Rundschau vom 04.11.1969 und Kölner Stadtanzeiger vom 09.12.1969): Dazu gehörten:
  • die Steinzeug-Gesellschaft mbH
  • der Fachverband Steinzeugindustrie e.V.
  • die Forschungsgesellschaft Steinzeugindustrie e.V.
  • die Güteschutzgemeinschaft Steinzeugindustrie e.V. (Frechener Wochenende - vom 2. September 1971).

Für die zentrale Verkaufsgesellschaft, für die 120 Mitarbeitende vorgesehen waren, wurde ein dreigeschossiges Bürohaus nach Plänen des Diplom-Ingenieurs Günther Hoffs (Euskirchen) „in konventioneller Bauweise“ errichtet. „Es ist ein Büro- und Schulungshaus, dem zwei Einliegerwohnungen angegliedert sind. Im Keller werden die EDV-Anlagen installiert. (…). Die Fassaden werden mit großformatigen Keramikplatten aus der Produktion der Buchtal GmbH in Schwarzenfeld verkleidet“ (Kölnische Rundschau vom 04.11.1969).

Die Verkaufsgesellschaft organisierte Anfang der 1970er Jahre den Verkauf von 22 deutschen Steinzeugproduzenten, denen 24 Werke angeschlossen waren. Trotz eines starken Schrumpfungsprozesses innerhalb der Frechener Steinzeugwerke von elf auf vier Betriebe stellten diese verbliebenen Betriebe im Jahr 1970 33 % der deutschen und 12,4% der europäischen Gesamtproduktion (Kölner Stadtanzeiger vom 15.06.1971).

Heutiger Zustand
Das 1969 errichtete dreigeschossige Bürogebäude der Verkaufsgesellschaft mit dem eingeschossigen Vorbau an der Max-Planck-Straße ist noch erhalten. Allerdings scheinen laut Fotovergleich (Buir & Lenz 1997, S. 107) die hellbraunen Keramikplatten durch weiße ersetzt worden zu sein. Die Gebäude des Forschungsinstitutes, die Anfang der 1960er Jahre errichtet worden sind, mussten einer Neubebauung weichen. Das verbleibende Gebäude stellt ein Zeugnis der Organisationsstruktur für die gesamtdeutsche Steinzeugindustrie dar.
Um das Jahr 2010 verlegte der Fachverband Steinzeugindustrie e.V. seinen Sitz in das ehemalige Verwaltungsgebäude des Steinzeugwerkes Steinzeug Keramo GmbH.

(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2024)

Quellen
Neue Rhein-Zeitung, Jahrgang 15, Nr. 210 vom 03.10.1966: Prophet seiner Industrie. (Ordner Bernd Mayerhofer Steinzeug Allgemein)
Kölner Stadt Anzeiger vom 22.05.1964: Abwässer sind kein Thema für Damen. Kanalbau-Fachleute im Steinzeug-Institut (Helmut Weingarten). (Ordner Bernd Mayerhofer Steinzeug Allgemein)
Kölner Stadtanzeiger vom 11.08.1960: Industrie baut Forschungszentrum. Fachverband der Steinzeugindustrie errichtet Neubau bei Marsdorf (von Helmut Weingarten) (Ordner Bernd Mayerhofer Steinzeug Allgemein)
Kölner Stadtanzeiger vom 16.10.1963: Steinzeugindustrie in der Welt jetzt führend. Fachverband weihte sein Forschungsinstitut ein (von Willy Kreitz) (Ordner Bernd Mayerhofer Steinzeug Allgemein)
Kölnische Rundschau vom 04.11.1969: Frechens letzter Schritt zur Steinzeugindustrie-Hochburg. Die Verkaufsgesellschaft zieht Ende 1970 von Hannover um (Ordner Bernd Mayerhofer Steinzeug Allgemein)
Kölner Stadtanzeiger vom 09.12.1969: Das Steinzeug-Zentrum ist schon im Bau. (Ordner Bernd Mayerhofer Steinzeug Allgemein)
Kölner Stadtanzeiger vom 15.06.1971: Computer macht den „Agenten“ beweglich. (Ordner Bernd Mayerhofer Steinzeug Allgemein)
Frechener Wochenende - Sondernummer - 2. September 1971 (Ordner Bernd Mayerhofer Steinzeug Allgemein)

Literatur

Steinzeug-GmbH (1997)
Zur Geschichte der deutschen Steinzeugindustrie seit 1947. Köln.

Verwaltungsgebäude der Verkaufsgesellschaft „Steinzeug GmbH“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Max-Planck-Straße 6
Ort
50858 Köln
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1961 bis 1969

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Nicole Schmitz (2024): „Verwaltungsgebäude der Verkaufsgesellschaft „Steinzeug GmbH“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-345925 (Abgerufen: 8. Oktober 2026)
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