Evangelische Georgskapelle in Karden

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Treis-Karden
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 10′ 53,32″ N: 7° 18′ 3,07″ O 50,18148°N: 7,30085°O
Koordinate UTM 32.378.689,20 m: 5.560.190,32 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.592.956,46 m: 5.561.404,94 m
  • Die Georgskapelle in Karden (2022)

    Die Georgskapelle in Karden (2022)

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    Hermann-Josef Spies
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  • Die Moselfront in Karden mit der Georgskapelle und - weiter rechts - der Stiftskirche (2022)

    Die Moselfront in Karden mit der Georgskapelle und - weiter rechts - der Stiftskirche (2022)

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Zwischen der Eisenbahntraße zwischen Koblenz und Trier und der Bundestrasse B 416 steht am Kardener Moselufer die Sankt Georgskapelle. Gestiftet im 14. Jahrhundert, wird sie ab preußischer Zeit als evangelische Kirche genutzt.

Anfänge
Die Geschichte der 700-Jahre alten Kapelle reicht bis in das Jahr 1318 zurück. Damals entstand an der Moselfront die „Untere Klause“, ein kleines klösterliches Anwesen für das die Kapelle gebaut wurde. Als Grundstock für den Bau der Kapelle vermachte der Archidiakon Propst Heinrich von Pfaffendorf, der das Kardener Herrenstift dreiunddreißig Jahre lenkte und leitete, testamentarisch ein Vermögen. Dieses kam der Baukasse der Klause für die Georgskapelle zugute. Die Stiftungsurkunde aus dem Jahre 1318 nennt den Kanoniker Heinrich de Littore, der zugleich Kustos an der Stiftskirche St. Castor zu Karden war, und seinen Bruder Cuno, über dessen Beruf jedoch die Urkunde keine Auskunft gibt. Der Name „de Littore“, zu Deutsch „vom Ufer“, deutet auf die Lage der Klause hin. Diese stand sechs Klosterschwestern, die man Reklusen nannte, zur Verfügung. Knapp hundert Jahre später wurde die „Untere Klause“ aufgelöst. Der Besitz mit Einkünften aus sonstigen Gütern wurde dem Stift St. Castoris zu Karden einverleibt. Bis zum Beginn des 19, Jahrhunderts diente die Kapelle dann weiter für den örtlichen Gottesdienst.

Säkularisierung
Nach der französischen Revolution wurde die Kapelle unter Napoleon säkularisiert und im Jahre 1803/04 durch die französische Verwaltung versteigert. Das daneben liegende Wohnhaus, mit seinem schmuckvollen Fachwerkgiebel, diente bis zum Ende des 19. Jahrhundert als Bürgermeisterei und kurze Zeit als evangelisches Pfarrhaus. Dieses Nachbargebäude wurde und wird bis auf den heutigen Tag als Wohnhaus genutzt. Die Kapelle erhielt im Jahre 1857 eine weitere Nutzung: Ein halbes Jahrhundert diente das Gebäude als Getreidelager und später sogar als Unterkunft für Halferpferde.

Evangelische Kirche
Dann wurde es von evangelischen Familien aus Treis und Karden aus den Händen der preußischen Staatsregierung angekauft. Nach Renovierung des Innenraums fanden wieder Gottesdienste - diesmal protestantische - statt. Seit über 160 Jahren feiert nun die evangelische Kirchengemeinde Cochem in der Kapelle, die heute ein Zuhause für die evangelischen Mitchristen in Treis-Karden und Umgebung ist, Gottesdienst in dem kleinen Gotteshaus am Moselufer in Karden. Anknüpfend an die alte Tradition trägt die Kapelle seit 1968 wieder den Namen „Georgskapelle“ und ist eines von Kardens historischen „Schmuckstücken“.

Renovierungen, Sanierungen und aktuelle Situation
Dennoch zogen über die kleine Kirche im Laufe der Zeit auch dunkle Wolken. Schwere Hochwasserschäden der Mosel machten immer wieder Renovierungen und Restaurierungen des Gebäudes erforderlich. Es entstanden der Evangelischen Kirchengemeinde dabei erhebliche Kosten. So erging vor zwanzig Jahren im Rahmen eines „Georgs-Festes“ an alle Kardener Vereine der Aufruf zur Mithilfe. Es erfolgte eine Spende der damaligen Verbandsgemeinde Treis-Karden von 1.000 DM und durch weitere Mittel, wie durch den Reinerlös des Festes, an dem sich sich alle örtliche Vereine beteiligten. Darunter sind zu nennen die Freiwillige Feuerwehr, der „Anglerclub“, die „Jungmöhnen“, die „Frauengemeinschaft“, der damalige Karnevalsclub. Mit dieser Unterstützung konnte dem Presbyterium ein Gesamtbetrag von 5.000 DM überreicht werden. So wurde durch eine Initiative aller Kardener Vereine dazu beigetragen, dass dieses Objekt des Kulturellen Erbes auch künftig der Nachwelt erhalten bleibt. Heute steht die Evangelische Kirchengemeinde Cochem, wie auch viele anderen Gemeinden, wegen weiteren steigenden Unterhaltungskosten immer wieder vor einer schwierigen finanziellen Situation. Somit stand auch vor 11 Jahren die Georgskapelle auf dem Prüfstand. Es wurde sogar ein Verkauf der Kapelle erwogen, der aber glücklicherweise abgewendet werden konnte. Ein Verkauf mit der Folge einer zweckfremden Nutzung hätte für das geschichtsträchtige Karden einen großen Verlust bedeutet. Aber es fand sich auch dieses Mal ein Kreis hilfreicher Menschen, durch deren Engagement ein Verkauf der Kapelle abgewendet werden konnte. Nach wie vor werden weitere Unterstützer gesucht, die durch Spenden den Unterhalt der Kapelle unterstützen.

Kulturdenkmal
Die Sankt Georgskapelle in Karden wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Kreis Cochem-Zell geführt (Stand 2022). Der Eintrag lautet:
„Ev. Kirche Moselstraße 33 - Georgskapelle, gotischer Saalbau, Mitte 14. Jh.; 1805 profaniert, seit 1857 ev. Kirche.“

(Karl Josef Zimmermann, Treis-Karden, 2022)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2022)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Cochem-Zell. Denkmalverzeichnis Kreis Cochem-Zell, 19. September 2022. Mainz.

Evangelische Georgskapelle in Karden

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Moselstraße 33
Ort
Treis-Karden
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1318

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Karl Josef Zimmermann (2022): „Evangelische Georgskapelle in Karden”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-345193 (Abgerufen: 22. Juni 2024)
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