Töpfereien in der Alte Straße 141-143

Meloni-Ofen, Töpferofen in der Alte Straße

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Frechen
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 38,85″ N: 6° 48′ 24,43″ O 50,91079°N: 6,80679°O
Koordinate UTM 32.345.815,87 m: 5.642.195,63 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.556.786,28 m: 5.642.032,61 m
  • Zugang zum Irdenwareofen in der Alte Straße (2024)

    Zugang zum Irdenwareofen in der Alte Straße (2024)

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  • Ehemalige Töpferei in der Alte Straße 141-143 mit Wohnhaus links und Werkstatt rechts des großen Tores (2011).

    Ehemalige Töpferei in der Alte Straße 141-143 mit Wohnhaus links und Werkstatt rechts des großen Tores (2011).

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An der Stelle des heutigen Hauses Nummer 141-143 befand sich ehemals ein Töpferhof. Nach dem Abriss des Gebäudes wurde der zugehörige Töpferofen im Keller des Neubaus als Relikt der lokalen keramischen Tradition erhalten. Die Alte Straße gehört - wie der Name bereits andeutet - zu den ältesten Straßen des historischen Ortskernes von Frechen. Hier waren auch bereits sehr früh Töpfer tätig, die ihre Öfen aus logistischen Gründen an der alten überregionalen Verkehrsverbindung anlegten. Für den Töpferstandort sind mindestens zwei Töpferfamilien belegt, jedoch weisen Funde von Keramik und Ofenresten im näheren und weiteren Umfeld auf eine Tätigkeit seit dem 16./17. Jahrhundert hin (LVR-ABR-OA NW2011/1072).

Die Töpferei Hemmersbach
Die Töpferei Müller
Geschichte und Beschreibung
Der Meloni-Ofen
Quellen und Internet

Die Töpferei Hemmersbach
Laut dem französischen Adressenverzeichnis von 1795 (Heeg 1994) lebte im Haus Nummer 60, im Bereich der späteren Alte Straße 141 (Urkataster-Flurstücke Z 8, 9, 10), der Töpfer Joh. W. Hemmersbach.

HEMMERSBACH, JOHANN WILHELM „Häfner, Töpfer - 1751 geb. zu Frechen, Sohn der Ehel. Wilhelm Heinrich H. und Anna Katharina Rott, Sterbereg. 106/1805 - 1805 Aug. 12 stirbt zu Frechen, ebd.“ (Göbels 1971).

Laut Urkataster gehörten die Grundstück Z 8, 9, 10 bis 1836 seinem Bruder, dem Töpfer Peter Wilhelm Hemmersbach (LA NRW R 7208 /1836).

HEMMERSBACH, PETER WILHELM „Häfner, Töpfer - 1784 geb. zu Frechen, Sohn des Töpfers Wilhelm H. und Maria Katharina Herkausen, Sterbereg. 106/1805 - 1801 Trauzeuge bei der Hochzeit Geuer-Fischer, Traureg. 7/1801 - 1805 Aug. 12 zeigt den Tod des Vaters an, Sterbereg. 106/1805.- 1810 Trauzeuge bei der Hochzeit Schnackertz-Wolf, Traureg. 4/1810 - 1812 Dez. 6 zeigt den Tod seines Onkels Arnold H. an, Ster-bereg. 49/1812 - 1837 März 12 stirbt zu Frechen; war verheit. mit Anna Maria Pott, ebd. 59/1837“ (Göbels 1971).
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Die Töpferei Müller
Die Töpferei Müller befand sich westlich der Töpferei Hemmersbach auf dem Grundstück Z 7 (Urkatasterkarte von 1819) im Bereich der späteren Alte Straße 143. Im Jahr 1819 heiratete der Töpfer Peter Müller Elisabeth Hemmersbach, vermutlich eine Schwester von Peter Wilhelm Hemmersbach, und übernahm um das Jahr 1836 von diesem die Grundstücke Z 8, 9, 10, die ein Ökonomiegebäude, einen Baumgarten sowie Gartenland umfassten (LA NRW R 7208 /1836).
Im Jahr 1829 errichtete Müller einen Dreiseithof auf dem Flurstück Z 7; zudem gehörten ihm weitere Grundstücke auf der gegenüberliegenden Seite der Alte Straße, wo sich auch Töpfereien befanden.
Auf einer Liste von Gewerbetreibenden Frechens aus dem Jahr 1850 ist Peter Müller unter der Adresse Haus Nummer 80 vermerkt (StaF 182/21), die zu dem Haus auf Parzelle 7 zutrifft.

MÜLLER, PETER „Häfner, Töpfer und Ackerer - 1791 Juni 29 geb. zu Frechen, Sohn der Ehel. Peter M. und Gertrud Kautz, Traureg. 16/1849 - 1819 Nov. 22 heir. Elisabeth Hemmersbach, 21 Jahre alt, aus Frechen, ebd. 21/1819 - 1822 Dez. 3 zeigt den Tod der Tochter Margaretha an, Sterbereg. 77/1822 - 1824 Dez. 14 zeigt den Tod der Tochter Margaretha an, ebd. 91/1824 - 1838 Juli 14 zeigt den Tod der Tochter Gertrud an, ebd. 77/1838 - 1849 Mai 18 heir. in 2. Ehe Elisabeth Küster, 42 Jahre alt, aus Frechen, Traureg. 16/1849 - 1852 Nov. 15 stirbt zu Frechen, Sterbereg. 141/1852“ (Göbels 1971).

Um das Jahr 1855, nach Peters Tod, wurde sein Sohn Heinrich, ebenfalls Töpfer, Eigentümer der Grundstücke Z 8, 9, 10 (LA NRW R 7211 / 1855 / 11); das Haus auf Parzelle Z 7 erhielt (vermutlich sein Sohn) Johann III. Müller; ebenfalls Töpfer (LA NRW R 7211 / 1855 / 11). Er ist in einer Töpferliste aus dem Jahr 1856 unter der Hausnummer 94 gelistet (StaF 187/21).

Heinrich Müller war verheiratet mit Margaretha Wolf, der Tochter des Töpfers Johann Wolf, dessen Töpferei in der Norkstraße lag. Da Johann Wolf und dessen Sohn um 1840 verstarben (vgl. Göbels 1871), ist davon auszugehen, dass Heinrich Müller zunächst in der Norkstraße lebte und arbeitete, denn im Jahr 1850 ist als seine Adresse Haus 214 angegeben, welches sich in der Norkstraße befand (StaF Akt. 182 fol. 20).

Jedoch beantragte der Töpfermeister Heinrich Müller am 26.08.1853 den Bau eines unterirdischen Töpferofens auf seinem Grundstück Flur Z Nr. 8 und errichtete ihn neben seinem Haus in der Alte Straße Nr. 80 ½. In dem westlich gelegenen Haus Nummer 80 (Parzelle 7) befand sich laut Antrag bereits ein Töpferofen (StAF Akte 189 fol. 109 und 113 und LA NRW R 8865). 1856 lautet seine Adresse Haus Nr. 93 (StAF 187/21), welche sich in der Alte Straße befindet.

MÜLLER, HEINRICH „Töpfermeister und Ackerer - 1820 Sept. 29 geb. zu Frechen, Sohn des Töpfers Peter M. und der Elisabeth Hemmersbach, Geburtsreg. 109/1820 - 1849 Febr. 1 heir. Margaretha Wolf, 18 Jahre alt, aus Frechen, Tochter des Töpfers Johann W., Traureg. 3/1849 - 1850 in einer Handwerkerliste erwähnt, StaF Akt. 182 fol. 20 - 1853 errichtet einen Töpferofen neben seinem Hause an der Alte Straße, StaF Akt. 189 fol. 109, 113 - 1855 wird vom Bürgermeister als Mitglied der Kreis-Prüfungskommission vorgeschlagen, StaF Akt. 187 fol. 6 - 1856 unterschreibt ein Gesuch um Errichtung einer Töpferinnung, ebd. fol. 19 - 1856 in einer Töpferliste aufgeführt, ebd. fol. 21 - 1856 ist Unterzeichner der Statuten der Töpferinnung, StaF Akt. 186 - 1856 beruft als Mitglied des provisorischen Innungsvorstandes eine Versammlung zur Festsetzung der Maße und Preise der Töpferwaren ein, StaF Akt. 187 fol. 25 - 1856 Jan. 18 zeigt den Tod der Tochter Anna Maria an, Sterbereg. 5/1856 - 1857 unterschreibt eine Beschwerde an den Bürgermeister, weil mehrere Töpfer ihre Meisterprüfung außerhalb des Landkreises Köln ablegen wollen, StaF Akt. 187 fol. 37 - 1860 arbeitet mit einem Gesellen und einem Lehrling nur auf Bestellung, StaF Akt. 182 fol. 110 - 1868 Apr. 1 zeigt den Tod der Schwiegermutter an, Sterbereg. 39/1868 - 1878 Juli 20 stirbt zu Frechen, ebd. 106/1878“ (Göbels 1971).
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Geschichte und Beschreibung
Auf der Urkatasterkarte von 1819 war auf den Parzellen Z 8, 9, 10 noch kein Wohnhaus eingetragen, vielmehr bestand an der Straße ein kleines rechteckiges Gebäude und dahinter, im vorderen Drittel des Gartens, ein Wirtschaftsgebäude. Auf dem Nachbargrundstück Z 7 ließ Peter Müller 1829 einen Hof errichten (Haus 143).
Auf der benachbarten Parzelle Z 8 wurde ein weiteres traufständiges Wohnhaus als zweigeschossiger, vierachsiger verputzter Holzfachwerkbau gebaut. Es erhielt einen Anbau mit Töpferwerkstatt (Haus 141). Zwischen Anbau und Wohnhaus ermöglichte eine große Durchfahrt den Zuweg zum Innenhof. Im Keller des Anbaus befand sich der Töpferofen, den sehr wahrscheinlich Heinrich Müller 1853 (s.o.) errichtet hatte. An dieses Werkstattgebäude fügten sich rechtwinklig nach Norden ins Grundstück hinein weitere langgezogene eingeschossige Gebäude an.

Auch um 1900 gehörte das linke Grundstück Z 7 (Alte Straße 143) noch einem Johann Müller, der im Adressbuch von 1899 als Rentner und Rendant vermerkt ist. Im rechten Haus lebten die Witwe von Peter Reinartz, den Göbels (1971) als Töpfergehilfen ermittelt hat. Laut Adressbuch wohnte hier um 1899 auch dessen Sohn, der Zimmerer Peter Reinartz. Ende des 19. Jahrhunderts wurde an beiden Standorten also nicht mehr getöpfert.
In den 1980er Jahren nutzte der Möbelrestaurator Luigi Meloni die Gebäude Alte Straße 141 als Wohn- und Werkstatträume. Den ehemaligen Töpferofen der Töpferei Müller unter dem Gebäude Nummer 141 erhielt er als Hauskeller. Der Hof Alte Straße 143 wurde zwischen 1998 und 2003 abgerissen (Luftbildauswertung tim-online.nrw.de).
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Der 'Meloni-Ofen'
Als Meloni Ende der 1980er Jahre einen Umbau an seinen Gebäuden Alte Straße 141 plante, wurde das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege auf den Töpferofen aufmerksam. Die „Entdeckung“ dieses Ofens im Jahr 1989 konnte als „Sensation“ gewertet werden, handelte es sich doch um den ersten, vollständig erhaltenen Irdenwareofen, der bis dahin in Frechen gefunden wurde. Bei allen anderen Ofenfunden war die Bausubstanz ab dem Brennraumboden bis auf die selten anzutreffenden Ofenkuppelansätze aufwärts zerstört. Hier war nun erstmalig die gesamte Ofenkuppel unbeschädigt erhalten (Koch 1989, S. 40). Die Ofenanlage war insgesamt ca. 6,5 m lang und 1,85 m breit; die Ofenkuppel war ca. 4,4 m hoch. Der Ofen wurde laut einer Thermolumineszensdatierung letztmalig um 1850 gefahren (1853 +- 14 Jahre). (Ortsarchiv LVR-ABR, Nr. 1177019 / ZÜ89/18).

Hergestellt wurde Irdenware, die sich zuhauf in einem Scherbennest im Garten wiederfanden. „Auf einigen Fragmenten von Schotteln sind noch die Jahreszahlen 1845 bis 1848 und 1852 zu erkennen. Auch über die Motive sagen die Scherben vieles aus. Meistens sind es figürliche Darstellungen, Vögel und Blumendekor“ (Kölner Stadtanzeiger vom 06.06.1989).

Laut Fundstellenkarte Nr. 43 und Kommentar zum Kellerkataster (Rosenstein 1995, S. 3) befand sich direkt nördlich hinter diesem sogenannten „Meloni-Ofen“ ein weiterer, jedoch zugeschütteter Ofen, der spiegelverkehrt zum ersten Ofen angelegt war (Ortsarchiv LVR-ABR, Nr. 1177019 / ZÜ89/18). Es wird vermutet, dass es sich um den Vorgängerbau des „Meloni“-Ofens handelt, „dessen Arbeitsraum für den neuen Ofen umgenutzt wurde“ (Rosenstein 1995, S. 3).

Aufgrund seiner Bedeutung und einmaligen Zeugnishaftigkeit wurde die Alte Straße 141 als Denkmal mit der Nr. A 134 in die Denkmalliste der Stadt Frechen eingetragen. Schließlich handelte es sich um eines der letzten Zeugnisse eines noch erhaltenen und erfahrbaren Töpferhofes bestehend aus einem Wohnhaus mit vollständigem Irdenwareofen und Töpferwerkstatt.

Allerdings verfiel das denkmalgeschützte Wohn- und Werkstattgebäude mit der Zeit und wurde im Zuge eines Neubaus 2011 abgerissen. Der Meloni-Ofen allerdings blieb unter dem neu errichteten Mehrfamilienhaus erhalten.
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(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2026)

Quellen und Internet
Archive
  • Ortsarchiv LVR-ABR: Ortsarchiv des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege Rheinland, Nr. 1177019 / ZÜ89/18 und NW 2011/1072.
  • Kölner Stadtanzeiger vom 06.06.1989
  • Rosenstein, Marion (1995): Kommentar zum Kellerkataster 12/1995, Frechen. (Ortsarchiv des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland).
  • StaF: Stadtarchiv Frechen Akte 182 fol. 21
  • StaF: Stadtarchiv Frechen Akte 187 fol. 21
  • StAF: Stadtarchiv Frechen Akte 189 fol. 109 und 113
  • LA NRW R 7208 /1836: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Akte 7208 /1836
  • LA NRW R 7211 / 1855 / 11: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Akte 7211 / 1855 / 11
  • LA NRW R 8865: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Akte 8865
Internet
keraion.de: Ehemalige Alte Töpferei mit unterirdischem Töpferofen (13. Jh.), Alte Straße 143, Frechen, Besichtigung nicht möglich; Keramikweg Frechen, Station 22 (abgerufen am 21.03.2023)
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Literatur

Göbels, Karl (1971)
Rheinisches Töpferhandwerk. gezeigt am Beispiel der Frechener Kannen-, Düppen- und Pfeifenbäcker. o. O.
Heeg, Egon (1994)
Frechener Adressenverzeichnis 1795 mit Ortsplan. Düren.
Heeg, Egon (1984)
Innenstadt (Frechen). (Frechener Straßen: Spiegel der Frechener Geschichte / Egon Heeg ; Band 1.) Köln.
Koch, Wilfried Maria (1989)
Frechen. Der Hauskeller war eine Ofenkuppel. (Archäologie in Deutschland, 4/89.) S. 40. Darmstadt.
Kretzschmar, Frank (2004)
Mühlen, Bauten und versteckte Winkel im Rhein-Erft-Kreis. S. 108, Köln.

Töpfereien in der Alte Straße 141-143

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Alte Straße 141-143
Ort
50226 Frechen
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1800 bis 1900

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Nicole Schmitz (2026): „Töpfereien in der Alte Straße 141-143”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-345136 (Abgerufen: 22. Juni 2026)
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